Zur Werkzeugleiste springen

Autorinnen und Autoren im Netz

Kategorie: Schreibtipps

Was bedeutet Protagonist?

Der Protagonist begleitet den Autoren und den Leser während des Schreibens und dem Lesen einer Geschichte, einem Roman oder einer Novelle.

Er ist die zentrale Figur der o. g. Formen und führt durch die Handlung und sieht sich währenddessen den verschiedensten Komplikationen und Hindernissen gegenüber, die er in irgendeiner Art überwinden muss.

Diese Komplikationen werden dem Begriff Antagonist untergeordnet. Dieser kann eine Person, eine Landschaft oder eine Emotion sein.

Doch hier geht es erstmal um die Begriffserklärung des Protagonisten.

Worterläuterung Protagonist

Das Wort Protagonist kommt aus dem griechischen und bedeutet in etwa „Erst-“ oder „Haupthandelnder“. Es setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen, diese sind und können wie folgt übersetzt werden:

„protos“ – „der Erste“

„ágo“ – „bewegen, führen oder handeln“

Erläuterung

Der Protagonist ist der Held eines Werkes und ist die führende Person in Erzählungen oder Schauspielen.

Der Begriff an sich geht auf das Theater in der Antike zurück, wo der Darsteller die erste Rolle des Schauspiels war. Heutzutage ist diese Rolle nicht mehr nur auf das Theater beschränkt.

Der Protagonist findet sich mittlerweile in allen erzählenden Sparten wieder und lässt sich dort auch identifizieren.

In den Handlungen jener Erzählungen macht der Handelnde auch eine zumeist positive Entwicklung durch und bestimmt diese auch. Die Entfaltung ist meist durch Prüfungen oder Hindernisse geprägt, wobei auch eigene Pläne eine Rolle spielen können.

Erwähnen sollte man auch, dass der Protagonist nicht unbedingt der Gute sein muss. Auch kann das Gleichgewicht zwischen Protagonist und Antagonist kippen, was zur Folge hat, dass das Verhältnis zwischen Gut und Böse nicht mehr eindeutig ist.

Wie finde ich den perfekten Reim?

Zu einem guten Gedicht gehören definitiv gute Reime. Wenn da nur “Haus – Maus – Reime” zu finden sind, ist das Gedicht sofort langweilig. Die Reime sollten anspruchsvoll, interessant und kreativ sein. Doch wie finde ich so einen Reim?

Um das herauszufinden, schauen wir uns dazu mal die Definition, die Funktion und verschiedene Reimarten an.

Definition

  • Verbindung von Wörtern mit ähnlichem Klang
  • Gleichklang eines betonten Vokals und der ihm folgenden Laute

Funktion

  • Gedicht zusätzlich zu Metrum Struktur geben
  • Bildet due Ästhehtik der Lyrik
  • Vor allem dann überzeugend, wenn Reimwörter in ihrer Bedeutung und Konnotation weit auseinander liegen
  • Karl Kraus: Reim umso besser, je mehr „Widerstand“ er zu überwinden hat àB. einsilbiges Wort reimt sich auf mehrsilbiges/ beide Reimwörter aus unterschiedlichen sprachlichen Bereichen
  • Gereimtes bleibt besser im Gedächtnis –> im Mittelalter wurden Botschaften oft gereimt übermittelt

Reimformen (ausgewählte)

  • Männliche Reimform
    • Stumpf, einsilbig
    • Zeile endet auf einer betonten Silbe
    • Auch Maskulinus genannt
  • Weibliche Reimform
    • Klingend, zweisilbig
    • Beide Zeile enden auf reimende Silben, erste betont, zweite unbetont
    • Auch Femininus genannt
  •  Gleitend/reich
    • Dreisilbig
    • Beide Zeilen reimen auf drei Silben, jeweils erste betont

Stellung im Vers

  • Endreim/Ausgangsreim
    • Reimwort steht am Ende des Verses
    • Häufigste Reimform
  • Binnenreim
    • Reimworte stehen ganz/teilweise im Innern des Verses
    • Innenreim/Inreim: Reimweorte am Versende oder im Versinnern desselben Verses
    • Mittelreim: Reimworte stehen im Innern von Versen, die aufeinander folgen
    • Mittenreim: ein Wort, das am Versende steht, reimt sich mit einem Wort, das im Innern des folgenden oder voranstehenden Verses liegt
    • Schlagreim: Es folgen Worte die sich reimen sofort aufeinander (z.B: Echoreim, Übergehender Reim)
  • Anfangsreim:
    • Die ersten Worte des zweiten Verses reimen sich

Reiner / Unreiner Reim

  • Reiner Reim: sich reimende Teile der Worte sind genau gleich (Beispiel: Hose – Rose, stehen – gehen)
  • Unreiner Reim: sich reimende Teile stimmen nur annähernd überein (Beispiel: Gewalt – Gestalt, kühn – hin)

Zusammenfassung

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, in einem Gedicht zu reimen.
Dabei spielt eine Rolle, wo die sich reimenden Wort befinden. Außerdem gibt es eine Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Reimen, die zum Beispiel Auswirkung auf die Stimmung des Gedichts haben kann.
Den Klang verändert, ob ein Reim männlich” oder “weiblich ist, je nachdem, welche Silben betont sind. Einen guten Reim macht aus, dass er anspruchsvoll ist, nicht nur die “0815-Reime” wie Haus – Maus, Hut – Gut. Das kann auch mal passen, aber interessante Reime bekommt man, wenn die sich reimenden Worte eine unterschiedliche Anzahl an Silben haben, oder sie aus unterschiedlichen Bereichen der Sprache sind.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte euch den Reim etwas näher bringen. Probiert doch einfach mal verschiedene Reimarten aus, manche sind vielleicht schwieriger, andere leichter.

Viel Spaß dabei,
Wolverine ^-^

P.S.: Hier ein Link zum Gedicht “Der Reim” von Karl Kraus (lohnt sich :D)
https://de.wikisource.org/wiki/Der_Reim_(Kraus)


							
	

Ich schreibe mit Patchwork

Wer sich mit dem Schreiben von Geschichten beschäftigt, stolpert früher oder später über spezielle Schreibprogramme für Autoren. Dann fragt man sich natürlich, brauche ich so ein Programm?
Prinzipiell kann man sagen, natürlich wird kein spezielles Autorenprogramm gebraucht, um einen erfolgreichen Roman zu schreiben.
Warum ich mir trotzdem ein solches zugelegt habe und warum ich nur noch damit schreibe, darüber möchte ich berichten.

Als ich begonnen habe, an meinem aktuellen Projekt, einem historischen Liebesroman, zu arbeiten, ist mir sehr schnell klar geworden, das Entstehen eines Romanes besteht nur zum Teil aus dem Schreiben der Geschichte. Einen großen Teil der Zeit nimmt das Organisieren der Requisiten (Figuren, Schauplätze, wichtige Gegenstände) in Anspruch.
Immer mehr Figuren entschlüpften den Papier, wollten ihren Teil der Geschichte erzählen, Schauplätze entstanden vor meinem geistigen Auge und wollten ins rechte Licht gerückt werden.
Obwohl ich von mir behaupte, ein sehr gutes Gedächtnis zu haben, wurde mir schnell klar, das kann ich mir nicht alles merken. Irgendwie musste ich die Informationen so abspeichern, dass sie schnell und unkompliziert abrufbar sind. Denn nichts ist schlimmer, als wenn sich die Narbe in Paulines Gesicht mal über der rechten und dann wieder über der linken Augenbraue befindet. Oder wenn Lukas, um von A nach B zu kommen, einen Tag braucht und für den Rückweg plötzlich eine ganze Woche. So etwas darf nicht passieren. Lesern wie mir fällt so etwas auf. Für mich persönlich mindert das dann den Lesegenuss.
Also mussten Ordner her, in denen ich all die Informationen abspeichern konnte. Aber da ich ein »Genie« in solchen Sachen bin, hatte ich irgendwann so viele Ordner und Unterordner, dass ich gar nichts mehr gefunden habe.

Eine große Entscheidungshilfe für das Programm Patchwork war, dass es dafür sehr viele kostenlose Videos gibt. Wer noch nie mit einem solchen Programm gearbeitet hat und vielleicht auch noch ein »Schreibanfänger« ist, wird buchstäblich erschlagen von den vielen Funktionen, die dieses Programm bietet. Doch mit den Videos kann sich jeder langsam in die Materie vorarbeiten und sich so Schritt für Schritt mit dem Programm vertraut machen.
Zum Ausprobieren gibt es eine 30-tägige Demoversion, mit der man alles in Ruhe prüfen kann. Erst nachdem das Programm gründlich geprüft wurde, kann man sich entscheiden. Es besteht die Möglichkeit, sich ein »Arbeitszimmer« einzurichten. Bedeutet: das Programm wird zum Beispiel auf einem Stick gespeichert und kann an verschiedenen Rechnern genutzt werden. Es sollte aber daran gedacht werden, immer die aktuellste Version auf dem Stick zu speichern.
Wird mit Patchwork ein neues Projekt gestartet, kann man als erstes seine eigene Timeline festlegen. Wichtig für alle, die Geschichten schreiben, die einem anderen als dem bei uns gebräuchlichen Kalender folgen. Für den herkömmlichen Kalender muss man nichts weiter machen, als den Start- und den Endzeitpunkt der Geschichte festzulegen.
Es gibt ein Plot-Bereich, in dem jeder seine Geschichte nach verschiedenen Plot-Ansätzen entwickeln kann. Man kann seine Geschichte aber auch über ein Kreativboard veranschaulichen oder einfach losschreiben.
Beim Schreiben kann man jedes Kapitel mit verschiedenen Zusätzen versehen, wie Haupt- oder Nebenstrang, Perspektive, Status (Erstschrift, X. Überarbeitung …). Außerdem kann jedes Kapitel einem Datum oder/und Uhrzeit zugeordnet werden. Diese Zeitangaben werden automatisch in die Timeline übertragen, sodass man einen Überblick über die zeitlichen Abläufe in der Geschichte bekommt. Was wichtig ist, wenn zum Beispiel ein Ereignis gleichzeitig im Haupt- und Nebenstrang stattfinden soll, dann müssen die Stränge die richtige zeitliche Entwicklung haben. Es kann nicht sein, dass dann im Hauptstrang schon Herbst ist und im Nebenstrang erst Frühling.
Die Kapitelüberschriften werden automatisch auf der linken Seite angezeigt, dort wächst mit der Geschichte das Inhaltsverzeichnis des Romanes. In dieser Kapitelübersicht werden auch die Wort-, Zeichen- und Seitenanzahl des jeweiligen Kapitels angezeigt. Außerdem auch, wenn man zum Beispiel einen virtuellen To-Do-Zettel in den Text abgelegt hat.
Auf der linken Seite befinden sich auch die Registerkarten für alle Figuren, Schauplätze und Gegenstände. Gibt man dort Zeitangaben ein, werden diese automatisch in die Requisiten-Timeline übertragen. So sollte es auffallen, wenn ein Ehepaar unterschiedliche Angaben zum Hochzeitstag macht. Außerdem bekommt man angezeigt, wie alt eine Figur in dem jeweiligen Kapitel ist, wenn man zuvor das Geburtsdatum festgelegt hat.
Auf der rechten Seite kann zu jedem Kapitel ein Pitch eingegeben werden. Wird das konsequent gemacht, ergibt sich in der Outline eine Zusammenfassung des Romanes. Was hilfreich ist, wenn ein Exposé benötigt wird.
Es gibt noch unzählige andere Features, wie das Erledigungstool, Szenencheck, die Auflistung der am häufigsten verwendeten Wörter, man kann seine persönlichen Unwörter festlegen und sich anzeigen lassen, Bilder für Figuren oder andere Requisiten abspeichern, usw.
Und dann kann man natürlich, wenn man es irgendwann geschafft hat, seinen Roman zu Ende zu schreiben, mit dem Programm ein E-book erstellen oder den Text für den Druck des Buches aufbereiten.
Mein Lieblingstool ist das Vorlesen. Wenn ich mir die Geschichte vorlesen lasse, finde ich immer wieder Fehler, die ich zuvor überlesen habe. Oder ich finde Sätze, die mir so nicht gefallen und umgestellt werden müssen.
Außerdem gibt es noch eine sehr nützliche Einstellung, man kann sich in Klausur begeben. Das bedeutet, das Programm unterbindet für eine vorher eingestellte Zeit, den Zugang zum Internet. Wenn mal ein Abgabetermin drückt, ist das sehr hilfreich.
Es gibt ein Forum und eine Facebook-Gruppe, in denen man seine Fragen oder Probleme, die man mit Patchwork hat, darlegen kann. Dort bekommt man in der Regel sehr schnell Hilfe und natürlich hat Martin Danesch (der Entwickler von Patchwork) immer ein offenes Ohr, wenn irgendetwas nicht so funktioniert, wie es soll. Auch Vorschläge, was im Programm verändert, verbessert oder hinzugefügt werden kann, werden dort gern gehört. Und ich weiß, dass M. Danesch schon viele Vorschläge von uns Schreiberlingen umgesetzt hat.
Natürlich hat so ein Programm auch seine Nachteile, es kostet Geld, für die Updates muss auch bezahlt werden. Obwohl sich M. Danesch für die Updates ein moderates System hat einfallen lassen. Es gibt keine Festpreise, sondern man kann je nach Geldbeutel seinen Beitrag selbst bestimmen.
Und natürlich ist so ein Programm auch ein tolles Spielzeug. Man kann stundenlang in den einzelnen Tools herumexperimentieren und ist so über einen langen Zeitraum beschäftigt, ohne ein Wort geschrieben zu haben.

Ich hoffe, ich konnte euch das Programm ein wenig näherbringen. Wer Fragen dazu hat, Ergänzungen oder Beschwerden, kann sich gern hier melden. Wenn gewünscht, kann ich auch auf bestimmte Tools in einen anderen Beitrag näher eingehen.

Geschichten aus dem wahren Leben und ganz persönlicher Erfahrung



Das war filmreif!

Ich denke diese Momente kennt jede und jeder. In denen man am liebsten alles was passiert wie einen Film im Gehirn abspeichern möchte. Um kein Detail zu vergessen und sich das immer wieder ansehen zu können.

Bei mir war das zum Beispiel so, als ich mit zwei Freundinnen nachts vor langer Zeit eine super illegale (nicht!) Sprühkreide-Aktion vor dem Haus des „Dorf-Nazis“ gestartet habe. Wir waren noch nicht ganz fertig mit unserem Kunstwerk, als der Dorfsheriff um die Ecke fuhr. Also haben wir uns so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht. Aber da er uns auf dem Weg nach Hause noch drei weitere Male begegnet ist, haben wir uns natürlich gleich Gedanken darüber gemacht, ob die Regierung wohl unsere Handys getrackt hat, als wir unseren Sprühkreide-Plan ausgeheckt haben. Arg dramatisch (und ernst gemeint) war das Ganze nicht, und wahrscheinlich war er auch nur zufällig dauernd in unserer Nähe. Wir haben uns damals aber dermaßen reingesteigert, dass es im Nachhinein einfach spannend und sehr lustig war.

Es gibt so viele solcher Situationen im Leben! Und die sind bereichernd. Natürlich, weil sie unser Leben ein Stück weit interessant und auf jeden Fall einmalig machen (und wir etwas zu erzählen haben). Aber auch weil das eine sehr einfache -weil wir nichts anderes tun müssen als Leben :D- und wichtige Inspirationsquelle ist.

Besondere, aber auch alltägliche Situationen als Inspiration

Ich habe etwas erlebt und davon inspiriert schreibe ich einen kreativen Text daraus. Zum Beispiel eine Szene, in der das von mir Erlebte die Handlung ist, oder ich spinne eine Kurzgeschichte daraus. Oder ich schreibe ein Gedicht, welches die Atmosphäre wiederspiegelt. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, im Grunde sind einem da keine Grenzen gesetzt. Manchmal wird das so etwas wie ein kreativer Tagebucheintrag, manchmal sind es allein kleine Details, die man für das Schreiben gebrauchen kann.

Da gibt es die ganz besonderen Momente, die meist mit vielen Emotionen verbunden sind. Die von Anfang bis Ende interessant, spannend, tragisch, dramatisch, lustig, fröhlich, komisch usw. sind. Oder ganz kurze Augenblicke, fast unscheinbar, die uns auffallen und faszinieren. Oder eher banale alltägliche Situationen, die trotzdem interessant sind – schließlich haben unsere Charaktere ja auch einen Alltag zu bewältigen, oder wir wollen uns im Bereich der Poesie kreativ am Thema Alltag austoben.

Begegnungen mit Menschen als Inspiration

Wann immer ich auf Menschen treffe fasziniert mich, wie unterschiedlich sie sind. In ihrer Persönlichkeit, ihrem Denken, ihrer Art zu Leben.

Jeder Mensch hat seine eigene ganz individuelle Geschichte, die ihn zu dem Menschen macht, der er/sie ist.

Begegnungen mit Menschen können unglaublich inspirierend sein. Denn jeder Mensch hat ja seine eigenen Geschichten und Erfahrungen, sein eigenes Weltbild, seine eigene Meinung. Einfach seinen ganz einzigartigen Horizont. Wenn wir uns mit Menschen unterhalten, dann dringen wir ein Stück weit in den Horizont ein, lernen etwas dazu. Und geben natürlich auch ein wenig von unserem Horizont preis.

Wenn ich eine Kurzgeschichte oder einen Roman schreibe, dann kommen da (mehr oder weniger) viele verschiedene Charaktere vor. Auch sie haben alle ihren eigenen Horizont. Um die Charaktere möglichst differenziert gestalten zu können, brauche ich also viele verschiedene Ideen. Und zwar nicht nur dafür, wie die Person zum Zeitpunkt meiner Geschichte denkt und fühlt, sondern auch wie seine/ihre Kindheit und Jugend aussah, welche Folgen, Probleme, Stärken etc. das für die Gegenwart mit sich bringt. Also wie und warum er sich zu dem Menschen entwickelt hat, den ich in meinem Text darstelle. Und um zu verstehen warum Menschen wie ticken, müssen wir uns nicht unbedingt großartig mit Psychologie auskennen. Meistens reicht es, wenn wir lernen, Menschen denen wir begegnen zu verstehen, über sie zu lernen und das als Inspiration für uns zu nutzen.

Eigene Erfahrungen machen Texte authentisch

Ich kann nur glaubwürdig  darüber schreiben, wie mein Protagonist sich fühlt während er seine große Liebe trifft, wenn ich selbst einmal verliebt war. Zumindest kann ich nur dann wirklich ins Detail gehen und mehr schreiben als „Er hatte Schmetterlinge im Bauch und sie verdrehte ihm sofort den Kopf.“ . Und es sind eben gerade die Details, die einen Text gut und tiefsinnig machen.

Das machen persönliche Erfahrungen und Erlebnisse auch so wichtig, wenn es ums Schreiben geht. Ich habe mich lange gefragt, woher Autor*innen ihre Ideen nehmen und seit ich die Erfahrung gemacht habe, dass es viel im eigenen Leben gibt, was gut in eine Geschichte passen würde, gehe ich viel aufmerksamer durch die Welt und kann auch ein Stück weit dankbarer sein.
Wie oft habe ich mir gewünscht mit meinen Lieblingscharakteren den Platz tauschen zu können und ein Leben zu leben, wie es im Buche steht.  Aber mittlerweile ist es andersherum: Meine Charaktere erleben Dinge, die sich erlebt habe. Sie treffen Menschen, die mich persönlich faszinieren. Und meine Gedichte tragen Stimmungen, die ich gefühlt und kennen gelernt habe.

Klar, wenn ich eine Entführungsszene schreibe, dann kann ich nicht unbedingt meine Erfahrungen mit einfließen lassen, wenn ich noch nie entführt wurde, worüber ich sehr froh bin. Aber zum kleinen Teil eben doch: Ich hatte in meinem Leben mit Sicherheit schonmal Angst, kann also dieses Gefühl beschreiben, ich weiß, wie es in einem Auto riechen könnte etc.

Beim Schreiben kann man also nicht auf eigene Erfahrungen verzichten!

einfach drauflos oder doch lieber plotten?

Für mich ganz klar: beides!

Ich bin weder discovery writer noch outliner, kein reiner Bauchschreiber und kein Planer, der alles von vorne nach hinten bis ins kleinste Detail durchplottet, und ebenso geordnet runterschreibt. Bei mir liegt eher ein Fall von Zoom-Plotting vor, wie Jacky sagt. Auch wenn ich mich bemühe, von vorne nach hinten zu schreiben, um später in den Schreibprojekten der Reihe nach kapitelweise einstellen zu können, so klappt das nicht immer.

  1. Ich schreibe einfach drauflos mit einzelnen Bildern  oder einem Wortwechsel vor Augen sowie einer Grundidee im Hinterkopf und lerne meine Figuren dadurch kennen, wie sie gerade so spontan miteinander interagieren.
  2. Aus dem Gefühl für die Figuren ergibt sich dann, wie sie handeln würden, wenn sie in bestimmte Situationen kämen. Ich überlege mir mithilfe der 15-Punkte-Struktur eine grobe Rahmenhandlung, die ich aus der Grundidee entwickle, mit der ich das Vorhaben für diese Geschichte überhaupt gefasst habe.
  3. Zweiseitige Zusammenfassungen der Geschichte aus Sicht der wichtigsten Figuren bringen mir Figuren und Handlung näher. Erste Eckdaten zu den einzelnen Figuren halte ich schonmal fest, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Später, wenn ich meine Pappenheimer kenne, brauche ich vielleicht nicht mehr nachzusehen. Aber gerade am Anfang war es hilfreich, nochmal zu Details nachlesen zu können.
  4. Ich beginne mit der ersten Etappe (das Set-Up) und überlege mir, welche Szenen die gewohnte Welt gut zeigen können. Wenn ich die erste Etappe runtergetippt und die Szenen skizziert habe, denke ich über die Szenen für die nächste Etappe nach.
  5. Ich schreibe meinen ersten Entwurf so gut es geht von vorne nach hinten und führe nebenher eine Kapitelliste mit den wichtigsten Eckdaten zu jeder Szene, um nicht den Überblick zu verlieren. Ich habe das Ende klar vor Augen, aber die meisten Szenen liegen im Nebel und je weiter ich von Kapitel zu Kapitel vordringe, desto klarer wird die Sicht auf sie. Dabei entdecke ich jede Szene für mich neu, weil ich vorher nur eine grobe Vorstellung hatte über den Ort, die handelnden Figuren und den zentralen Konflikt. Kurz gesagt, ich arbeite mich vom Groben zum Feinen durch und bastel an das erste bissl Text nach und nach in mehreren Schüben immer was dazu.
  6. Sobald ich irgendwo alleine nicht mehr weiterkomme, hole ich mir Feedback von meinen Kollegen aus dem Forum, die auch in den Schreibprojekten an ihren Romanen arbeiten. Dort poste ich kapitelweise meinen Roman. Den Chat nutze ich auch gerne, um über die Planung der nächsten Szenen zu fachsimpeln oder wenn ich mir unschlüssig bin, ob ich ein Kapitel auch wirklich brauche, dann hole ich mir diesbezüglich Rat.
  7. Da nur ausgewählte User des Forums auch bei den Schreibprojekten Zugriff haben, sind genügend Interessierte übrig, die ich später als Probeleser gewinnen kann. Aber davon bin ich im Augenblick noch weit entfernt, ich habe ja gerade erst richtig angefangen. Es gibt erst sechs Kapitel, die über den allerersten Entwurf hinausgekommen sind und die muss ich erst noch (mehrmals) überarbeiten. Viele weitere noch ganz neu entwerfen bzw vorher oder mittendrin planen.

Ich habe bei mir verschiedene Arbeitsmodi festgestellt, die ich nach Möglichkeit alle voll ausschöpfen will:

  • Wenn es ums Planen geht, dann plotte ich im Chat, ich stelle also Fragen zu Konflikten, die ich habe oder ich lasse mir Löcher in den Bauch fragen über meine Figuren und die Handlung. Das regt meine Phantasie an und ich komme in Schreibstimmung. Dazu muss ich aber auch aufnahmefähig sein, sonst raubt es mir den Schlaf.
  • Wenn ich – gerade bei fehlendem Schlaf – schreibwütig bin, dann lasse ich das möglichst gleich raus. Ich fange, falls mich mehrere anlachen, mit der frühestmöglichen Szene an und arbeite mich dann weiter nach hinten. Irgendwann ist alle und ich brauche dann auch bald Erholung.
  • In der dann folgenden Bastelstimmung fange ich an, die ersten Entwürfe nach und nach auszubauen. Hier sind Schreibdruck und Tempo nicht mehr so hoch, denn für das Basteln brauche ich keine zusätzliche Inspiration, da habe ich ja den bereits vorhandenen Text, an den ich anknüpfen kann.
  • Wenn ich Überarbeiten will, lasse ich den inneren Kritiker raus. Dazu ist es hilfreich, den Textabschnitt eine Weile nicht gelesen zu haben, damit er “fremd” wird. Sobald mein innerer Kritiker restlos zufrieden ist, hole ich ihm Verstärkung: In den Schreibprojekten kritisieren wir gegenseitig unsere werdenden Romane.
  • Da ich häufig Selbst- und Textzweifel bekomme, hat es sich bewährt, die Ergebnisse meiner einzelnen Arbeitsschritte getrennt zu sichern. So fällt nichts der Löscheritis zum Opfer und ich kann jederzeit zurückrudern und doch nochmal etwas aus einer früheren Version retten.

Meiner Erfahrung nach muss jeder seinen eigenen Arbeitsstil finden, der zu ihm passt. Ich habe bei verschiedenen erfolgreichen Autoren hier und da etwas abgeschaut, was für mich passend war.

Ich hadere nicht mit mir, weil ich jetzt gerade nicht meine neuen Szene anfangen kann, sondern tue das, was ich in meiner gegenwärtigen Stimmung gerade am besten tun kann – und wenn das Recherche ist.

Und ich rufe mir immer wieder ins Gedächtnis, dass die Zeit, in der ich mit etwas anderem beschäftigt bin (zB Bloggen, Essen, Einkaufen), von meinem Unterbewusstsein genutzt wird, um den Text weiter reifen zu lassen.

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

Ob das alles zum Erfolg führen wird, kann ich euch leider noch nicht sagen.

Aber es macht auf jeden Fall einen Riesenspaß!

Euer Ingo

PS: Streng genommen ist es bereits ein Erfolg, dass ich immer noch am Ball bin und noch nicht aufgegeben habe. Über die ersten dreißig Seiten war ich bei früheren Versuchen nicht hinausgekommen. So viel geplottet habe ich aber auch noch nie.

Ein kleiner Leitfaden für eine gute Kurzgeschichte



Als ich meine ersten Kurzgeschichten schreiben wollte, habe ich einfach drauflos geschrieben. Aber am Ende waren sie dann fast alle zu langweilig, oder zu vollgestopft, oder die Handlung war nicht ganz logisch, die Charaktere zu oberflächlich.

Also musste ich mir zu aller erst die Frage stellen:

Worum geht es beim Schreiben einer Kurzgeschichte?

Kurzgeschichten gehören zur literarischen Form der Prosa. Die Sprache ist also nicht gereimt, besonders rhythmisch oder ähnliches. Und wie der Name schon sagt handelt es sich ganz schlicht um eine kurze Geschichte.

Wichtig dabei ist, dass der Fokus dieser Geschichte nicht etwa wie bei einem Roman auf einer ganzen Heldenreise, einer Entwicklung, einer Vielzahl von Ereignissen etc. liegt. Die Handlung einer Kurzgeschichte konzentriert sich auf eine bestimmte Situation, auf ein bestimmtes Ereignis, das möglichst spannend, dramatisch, emotional, lustig, romantisch etc. ist.

Also in einer Kurzgeschichte wird nicht beschrieben, wie Finn sich beim Abschlussball plötzlich in Lisa verliebt, die beiden nach diesem Abend aber getrennte Wege gehen, Finn dann monatelang nach ihr sucht, er während seinem Roadtrip in einen Raubüberfall verwickelt wird, sich mit seinem ehemaligen Erzfeind versöhnt, er einen streunenden Hund aufnimmt etc. und Lisa schließlich doch lesbisch war, woraufhin Finn in eine Sinnkrise verfällt, Depressionen bekommt und nach Amerika auswandert..

Das könnte man nur dann in eine Kurzgeschichte packen, wenn man jedes Ereignis nur ganz knapp und ohne viel Details und andere Charaktere beschriebe. Allerdings wäre das dann, wenn überhaupt, nur halb so gut, wie wenn man das ganze in einen Roman gepackt hätte.

Stattdessen könnte es in einer Kurzgeschichte nur um den Moment gehen, in dem Finn herausfindet, dass das Mädchen, in das er verliebt ist, nicht auf Männer steht und was das mit seiner Gefühlswelt anstellt. Oder man konzentriert sich darauf, wie Finn merkt, dass er viel mehr für Lisa empfindet als bisher gedacht.

Wie gehe ich vor beim Schreiben einer Kurzgeschichte?

Bei mir beginnt meistens alles mit einer Idee, die ich habe. Meistens ist es eine Szene, die sich in meinem Kopf abspielt, oder ich lasse mich vom Leben selbst inspirieren.

Die schreibe ich mir dann zuerst auf. Egal ob es ein Thema, ein Charakter usw. ist, was mir einfällt, ich schreibe es so genau wie möglich auf. Dann sammle ich weitere Ideen. Hier mache ich mir oft Mind-Maps.

Wenn ich hier schon merke, dass es zu viele Ideen, Charaktere, Ereignisse für eine Kurzgeschichte sind, dann überlege ich mir, worauf ich den Fokus setzen will und kürze alles andere raus.

Dann schreibe ich zu jedem Charakter einen Steckbrief mit allen Informationen, die für die Kurzgeschichte wichtig sind. Dabei sind unter Umständen auch Dinge aus der Vergangenheit wichtig, die in der Kurzgeschichte gar nicht erwähnt werden. Die den Charakter aber zu dem Menschen machen, die er zum Zeitpunkt der Handlung sein soll.

Und schließlich schreibe ich mir auf, was genau und wann passieren soll. Dabei überlege ich mir auch, aus welcher Perspektive die Kurgeschichte geschrieben wird.
Und dann formuliere ich das ganze aus.

So habe ich das zumindest eine Zeit lang gemacht. Mittlerweile reichen mir manchmal (nicht immer) auch grobe Stichpunkte zu meinen Ideen, um eine gute Kurzgeschichte zu schreiben. Aber das hängt oft vom Tag, meiner Stimmung und der Idee selbst ab :D.

(Eine Kurzgeschichte hat bestimmte Merkmale, worauf man beim Schreiben achten sollte. Darauf gehe ich bei diesem Artikel allerdings nicht ein, da zu diesem Thema noch ein anderer Beitrag kommt.)

Ich hoffe, ihr könnt aus meinem Beitrag etwas für das Schreiben einer Kurzgeschichte mitnehmen!

Viele Grüße und vor allem viel Spaß beim Kurzgeschichten schreiben,

Wolverine ^_^

Bild lizenzfrei von: canstockphoto.ch

Maurerblockade

Ich bin liiert mit einem Konzeptautor. Dieser hat mir, als ich mitten in der schönsten Schreibblockade steckte, ordentlich den Kopf gewaschen. “Stell dir mal vor, ein Maurer sagt zu seinem Chef ‘Tja, Chef, heute ist ganz schlecht … Ich kann die Kelle kaum heben. Maurerblockade’, und der Chef sagt dann ‘Ja, Jung, kann ich verstehen. Sag Bescheid, wenn Du wieder kannst’, und tätschelt ihm sanft die Schulter. Wie wahrscheinlich ist das denn?”

Schreiben ist ein Beruf wie jeder andere auch und niemand anders hat großartige Blockaden, wenn es darum geht, seinen Beruf auszuüben. Ein Koch mit Schneideblockade, ein Briefträger mit Einwurfblockade, wo kämen wir denn dahin?

Es gibt eine Möglichkeit, was man tun kann, um wieder in Schreibfluss zu kommen. Man fängt erstmal mit irgendeinem Wort an, zum Beispiel Maurerblockade. Das muss nicht toll sein, das muss nicht schön sein, das muss keinen Sinn ergeben. Einfach nur ein Wort.

Maurerblockade.

Dann schreibt man fünf weitere Wörter, irgendwelche.

Maurerblockade.

Abfluss.

Gardine.

Reinigen.

Kohldampf.

Hut.

Dann fängt man an, aus irgendeinem der Wörter einen Satz zu bilden.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist.

Jetzt haben wir schon einen ganzen Satz. Weitere fünf Sätze.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist. Gardinen reinigen ist nicht so häufig notwendig, das reicht einmal im Jahr. Ich trage keinen Hut, wenn ich die Gardinen abhänge. Es ist mir egal, wenn diese Sätze lächerlich sein sollten, sie dienen lediglich der Demonstration. Es ist besser, ich schreibe blödsinnige Sätze als gar keine. Und jetzt habe ich schon einen ganzen Absatz geschrieben.

Ihr merkt, jetzt bin ich schon von einem einzelnen Wort zu mehreren Sätzen gekommen. Aus diesem Absatz kann eine Seite werden oder mehr. Viele Autoren brauchen ein paar Sätze oder eine halbe Seite, um sich erstmal warmzuschreiben und streichen diese später ersatzlos.

Ich wünsche euch viel Erfolg dabei, euch aus eurer nächsten Schreibblockade herauszuschreiben.

Euer Ingo

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

© 2020 Schreibkommune

Theme von Anders NorénHoch ↑

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.  Mehr erfahren