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Maurerblockade

Ich bin liiert mit einem Konzeptautor. Dieser hat mir, als ich mitten in der schönsten Schreibblockade steckte, ordentlich den Kopf gewaschen. “Stell dir mal vor, ein Maurer sagt zu seinem Chef ‘Tja, Chef, heute ist ganz schlecht … Ich kann die Kelle kaum heben. Maurerblockade’, und der Chef sagt dann ‘Ja, Jung, kann ich verstehen. Sag Bescheid, wenn Du wieder kannst’, und tätschelt ihm sanft die Schulter. Wie wahrscheinlich ist das denn?”

Schreiben ist ein Beruf wie jeder andere auch und niemand anders hat großartige Blockaden, wenn es darum geht, seinen Beruf auszuüben. Ein Koch mit Schneideblockade, ein Briefträger mit Einwurfblockade, wo kämen wir denn dahin?

Es gibt eine Möglichkeit, was man tun kann, um wieder in Schreibfluss zu kommen. Man fängt erstmal mit irgendeinem Wort an, zum Beispiel Maurerblockade. Das muss nicht toll sein, das muss nicht schön sein, das muss keinen Sinn ergeben. Einfach nur ein Wort.

Maurerblockade.

Dann schreibt man fünf weitere Wörter, irgendwelche.

Maurerblockade.

Abfluss.

Gardine.

Reinigen.

Kohldampf.

Hut.

Dann fängt man an, aus irgendeinem der Wörter einen Satz zu bilden.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist.

Jetzt haben wir schon einen ganzen Satz. Weitere fünf Sätze.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist. Gardinen reinigen ist nicht so häufig notwendig, das reicht einmal im Jahr. Ich trage keinen Hut, wenn ich die Gardinen abhänge. Es ist mir egal, wenn diese Sätze lächerlich sein sollten, sie dienen lediglich der Demonstration. Es ist besser, ich schreibe blödsinnige Sätze als gar keine. Und jetzt habe ich schon einen ganzen Absatz geschrieben.

Ihr merkt, jetzt bin ich schon von einem einzelnen Wort zu mehreren Sätzen gekommen. Aus diesem Absatz kann eine Seite werden oder mehr. Viele Autoren brauchen ein paar Sätze oder eine halbe Seite, um sich erstmal warmzuschreiben und streichen diese später ersatzlos.

Ich wünsche euch viel Erfolg dabei, euch aus eurer nächsten Schreibblockade herauszuschreiben.

Euer Ingo

1 Kommentar

  1. Yvonne Falk

    Hallo Ingo S. Anders.
    Ich find die Vergleiche so gut. Wenn man Autor ist und davon lebt, dann muss man wirklich versuchen, weiter zu schreiben. Zum Glück darf ich schreiben, wann und wie es mir gefällt, da ich nicht den Anspruch habe, je damit mein Geld verdienen zu wollen. Was dazu, gerne. Aber es soll mein Hobby bleiben. Deswegen kann ich bei einer Blockade dieser auch gern mal nachgeben und einfach nicht schreiben. Am Ende funktioniert das aber nur begrenzt, denn meine Gedanken drehen sich ständig um den Text, wälzen ihn im Kopf, schütteln ihn durch, drehen ihn um. Irgendwann kann ich nicht anders, ich muss mich hinsetzen und das Durcheinander auf ein Blatt Papier bannen und dabei ordnen. Meist ist genau in diesem Moment die Blockade auch vorbei. Ich hab dieses Durchkauen und ausspucken gebraucht, um etwas vernünftiges aufs Papier zu bringen. Ich sage mir dann hinterher, der Text musste erst reifen und wachsen, bevor er für andere sichtbar wurde. Dir wünsch ich viel Erfolg, deine Schreibblockaden schnell zu überwinden.
    Lieben Gruß Yvonne

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