Autorinnen und Autoren im Netz

Kategorie: Ingo S. Anders

SGZ-Woche 6 In Erwartung

Der Arzt war unter einem Vorwand hergebeten worden. Stephanie Woodbrocks hatte dem Boten nicht gesagt, was genau der medizinische Notfall sei.
»Seht euch Nala an!«
Das Hausmädchen verbarg ihren Leib seit Wochen in weiten Kleidern und ließ sich nur blicken, wenn zwingend nötig.
»Seit wann bist du in Erwartung?«, herrschte die Hausherrin sie an.
»Verzeihung, Miss Stephanie.« Offenbar verstand das junge Ding gar nicht, was in ihrem Körper vorging.
»Wer hat dich bestiegen, Nala?«, wollte Miss Woodbrocks wissen.
Beschämt blickte das Mädchen zu Boden, wagte keinen der Herren zu benennen.
»Doktor, können Sie es wegmachen?«
Er verstand nicht gleich. »Ich soll die Schwangerschaft beenden?«
»Ja. Ich dulde keinen Bastard in diesem Haus«, erklärte Stephanie Woodbrocks.
»Ich weiß nicht.« Der junge Arzt drehte seinen Hut in der Hand. »Dieses Verfahren ist noch sehr neu und nicht ungefährlich für die Patientin. Sind Sie sicher, dass Sie das Kind nicht in einem Waisenhaus abgeben wollen? Wenn es so weit ist, meine ich.«
»Ich bin sicher, Herr Doktor. Sonst hätte ich Sie nicht rufen lassen. Wenn Sie dann bitte anfangen wollen.«
Mit angstvoll aufgerissenen Augen hielt das Hausmädchen sich den Bauch. Die Frucht war fast ausgereift. Der Gynäkologe beschloss, ihr noch etwas Zeit zu schenken.
»Ich muss um Verzeihung bitten, Miss Woodbrocks. Ich benötige spezielle Instrumente und einen Assistenten.«
»Es sind genügend Knechte, die Ihnen assistieren können, Herr Doktor.«
»Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, Miss Woodbrocks, aber ich habe einen Assistenten, der geschult ist auf den Umgang mit Äther. Ich erwarte ihn in den nächsten Tagen von einer Bildungsreise zurück. Es wird nicht ohne ihn gehen.«
»Äther für ein Hausmädchen!«
»Ich kann nicht in Ruhe arbeiten, wenn sie sich in Schmerzen windet. Womöglich verletze ich lebenswichtige Gefäße und sie verblutet mir auf dem Tisch.«
»Und seis drum! Darüber hätte sie nachdenken sollen, bevor sie sich bespringen lässt!«
»Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden.« Damit zog der Arzt sich zurück.

Vier Tage später kam Nala nieder und brachte einen gesunden Jungen zur Welt. Schweren Herzens trennte sie sich von ihm, um ihn in die Obhut des örtlichen Krankenhauses zu entlassen.

21 Jahre später sprach ein junger Arzt beim Anwesen der Woodbrocks vor …

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

SGZ-WOCHE 5

In unserem Dorf lebten die meisten von dem, was sie in ihren Netzen und Reusen fanden. Unsere Familie züchtete Muscheln, seit mein Urgroßvater einmal eine Perle gefunden hatte, die ihn reich gemacht hatte. Mein Vater züchtete sie. Dafür gab es schon mehr als für die Muscheln alleine. Doch das richtige Geld gab es für echte Perlen, also suchten meine Brüder und ich danach.
Wir tauchten mit nichts als dem Messer zwischen den Zähnen ins Dunkel hinab. Ich hatte schon die ein oder andere Auseinandersetzung mit einem Hai hinter mir, da traute ich eines Tages meinen Augen nicht: Ich sah eine fußballgroße Perle in einer Muschel, so groß wie eine Badewanne. Das hört sich nicht nur ungeheuerlich an, das war auch ein Ungeheuer. Dieses Ding konnte ich natürlich nicht mal eben in die Hand nehmen und ihm das Prachtexemplar entreißen.
Ich sah mich um, so gut ich da unten etwas erkennen konnte. Das Auto! Hier ganz in der Nähe lag das Wrack eines Pkw, das vor einigen Jahren von einer Klippe gestürzt war. Vielleicht fand ich dort irgendeinen Hebel, den ich anstelle meines Messers einsetzen konnte. Ich tauchte auf, um Luft zu holen, und fand dann im Kofferraum einen Wagenheber. Versorgt mit frischer Luft schwamm ich zurück zur Muschel.
Mein Versuch, sie zu öffnen, schlug fehl. Doch nicht nur das: Das Biest schnappte nach mir und ehe ich mich versah, war ich in ihr gefangen. Jetzt machte sich bezahlt, dass ich von klein auf nach Muscheln tauchte und länger die Luft anhalten konnte als die meisten anderen Männer im Dorf.
Das Einzige, das mir geblieben war, waren das Messer und der Wagenheber. In meiner Verzweiflung fing ich an, diesen einzusetzen, als wolle ich einen Reifen wechseln. Offensichtlich war genau das der richtige Weg, denn die Muschel gab nach.
Mit meinem Messer trennte ich die Perle heraus, befreite mich aus dem Monster und schaffte es unter Darbietung all meiner verbleibenden Kräfte, aufzutauchen und die rettenden Atemzüge zu tätigen.

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

Mir persönlich hat “Anfänge” (SGZ 28)  besser gefallen, aber das hier ist der Publikumsliebling. ;

SGZ-Woche 4 STURMSCHÄDEN (Ohne Titel)

Wir hatten nicht mehr viel, als wir von zu Hause fortmussten. Nur das, was wir tragen konnten. Mein Spielzeugauto durfte ich mitnehmen.
Wir trugen unsere Habseligkeiten, bis wir in eine große Zeltstadt kamen. Dort war der Boden matschig von den Schritten so vieler Menschen. Uns wurden Schlafstätten zugeteilt und es gab Plumpsklos, die furchtbar stanken, weshalb manche dennoch in die Büsche gingen. Die Männer sowieso. Abends, wenn sie getrunken hatten, umso häufiger.
Ein wenig abseits des Lagers floss ein Bach, in dem wir uns wuschen und aus dem wir unser Trinkwasser holten.

Dann kam der Sturm.
Der Himmel wurde schwarz, als wäre es der letzte Tag. Wind heulte auf und verwandelte sich in ein Tosen, in dem das Prasseln des Regens unterging. Es schüttete so heftig, dass unsere Füße nass wurden. Das dachten wir, bis jemand rief, der Bach sei über die Ufer getreten.
Jetzt liefen wir um unser Leben, nur mit dem, was wir am Leib trugen. Wir fanden eine Anhöhe, auf der wir sicher waren, bevor die Flut uns von den Füßen reißen konnte.

Uns blieb nichts, bis auf Vatis Brieftasche mit den Pässen, Mutters wertvolle Kette und mein Spielzeugauto. Doch das wurde erst später wichtig.
Wir hatten jetzt kein Trinkwasser mehr, weil das Wasser jetzt überall stand und der Bach nicht mehr sauber war. Damit kamen die Krankheiten. Wir alle schissen uns die Seele aus dem Leib und bangten erneut um unser Leben.
Meine Mutter verlor diesen Kampf. Mein Vater zerbrach daran, da er sich die Schuld gab. Ich danke beiden für ihre Opfer, die mir eine bessere Zukunft ermöglichten.

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

SGZ-Woche 3 Ein runder Sarg

»Ich will einen runden Sarg!«
»Opa, bitte!«
»Meine Beerdigung muss etwas Besonderes sein. Ich will einen runden Sarg!«
»Bitte entschuldigen Sie, das Alter …«
»Ach, das ist kein Problem. Es gibt durchaus Särge, die an den Ecken abgerundet sind. Die sind geflochten, wie Körbe.«
»Ich will einen runden Sarg! Kreisrund!«
»Opa!«
»Meinen Sie vielleicht eine Urne? Da haben wir hier verschiedene hübsche Modelle …«
»Nein, keine Urne! Einen Sarg! Kreisrund!«
»Wie wäre es denn stattdessen mit einem runden Grabstein? Der Sarg kommt doch sowieso unter die Erde.«
»Ich will einen runden Sarg!«
»Ich meine ja nur …«
»Tja, der Opa …«
»Also es tut mir leid, Herr …?«
»Miesbach. Anton Miesbach.«
»Und das ist Herr Miesbach Senior, nehme ich an?«
»Ja, ganz recht.«
»Herr Miesbach, es tut mir leid, kreisrunde Särge haben wir nun wirklich nicht. Da müssen Sie sich wohl noch ein wenig gedulden.«
»Ich bin 102 Jahre alt. 102!«
»Oh, ich gratuliere.«
»Und was ist das hier? Das ist doch kreisrund!«
»Das ist ein Blumengesteck. Interessieren Sie sich für Trauerkränze, Herr Miesbach?«
»Ja, kreisrund!«
»Die sind fast immer ringförmig, also kreisrund, wenn Sie so wollen. Soll ich Ihnen eins einpacken, ja? Welches hätten Sie denn gerne?«
»Kreisrund!«
»Herr Miesbach, nun sagen Sie doch auch mal was.«
»Opa, ich glaube, das dort wäre ganz nett für den Karl-Heinz. Mit der blauen Schleife. Ein ehemaliger Schulfreund meines Großvaters ist gestorben, müssen Sie wissen. Schreiben Sie einfach: ›Dein Freund Hans‹, dann weiß die Familie Bescheid.«
»Möchten Sie auch unseren Särge-Katalog mitnehmen?«
»Nein, danke. Opa will seebestattet werden.«
»Also doch kein Sarg?«
»Bei jeder Beerdigung kaufen wir den Kranz woanders und ich lasse ihm die Freude.

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

SGZ-Woche 2 Autoren und Protagonisten unter sich

»Warum muss eigentlich jede scheißverdammte Geschichte ein Happy End haben?« Fiete zerknüllte seinen letzten Entwurf.
»Muss sie nicht«, sagte August, der Mälzer. »Wenn du mich am Ende opfern willst, dann tu das eben.« Er deutete eine Verneigung an, wie sie eher zu einem Japaner aus einem Jackie-Chan-Film gepasst hätte.
»Aber du bist doch meine Hauptfigur!« Fiete kritzelte August Japaner? auf seinen Notizblock. »Welche Aussage mache ich denn damit? Den strahlenden Helden kann ich nicht einfach so sterben lassen, das muss auch einen Sinn ergeben.«
»Dann eben Happy End, wie du willst.«
»Will ich nicht!« Fiete raufte sich die Haare. »Der Leser soll das Buch noch lange in Erinnerung behalten.«
»Das geht auch mit Happy End.« Der Mälzer schaute ins Mahlwerk.
»He, da passt was nicht!« Fiete strich Mälzer und ersetzte es durch Müller.
»Augustus, der Müller. Das ist mir auch lieber als Bier zu brauen. Alkohol ist nicht so meins. Daran gehen viele Familien zugrunde.«
Fiete notierte Alkohol!.
Neugierig sah Fietes Protagonist auf die unsortierten Notizen des Autors. »Hast du es mal mit einem Mind Map versucht?«
»Klappe, August!«
»Ich mein ja nur.« Er zuckte mit den Schultern.
»Du fällst gleich ins Mahlwerk!«
»Das ist ein schönes, blutiges Ende. Damit bin ich einverstanden.«
»Ich frag dich aber gar nicht.«
»Und warum falle ich da rein? Einfach so, aus Versehen? Ist es ein Unfall? Oder ein Mordkomplott?«
August verschlug es die Sprache. »So, nun ist Ruhe.«

August, der Müller, war nicht gut angesehen im Dorf. Die Menschen waren auf ihn angewiesen, weil sie Mehl brauchten. Deshalb wahrten sie den Schein und taten freundlich, doch ihnen gefiel nicht, wie er mit Frau und Tochter umging und auch der Sohn musste regelmäßig grundlos Prügel einstecken. Hermann war ein guter Junge von gerade vierzehn Jahren, als es passierte.
Irgendwie musste August ins Mahlwerk gestürzt sein. Alles war rot von Blut und das Mehl nicht zu gebrauchen. Niemand verstand, warum der Alte nicht gebrüllt hatte wie ein Schwein. Der junge Müller musste alles sorgfältig reinigen, bevor er Mehl herstellen konnte.
Neun Monate später gebar Hermanns unverheiratete Schwester ein Kind. Welch eine Schande! Auf die Fragen, wer denn der Vater sei, schwieg sie beharrlich. Das konnte ja nur August gewesen sein.
Das Kind trug an versteckter Stelle dasselbe Muttermal wie seine Großmutter.

Fiete zerknüllte auch diesen Entwurf. SHOW DONT TELL schrieb er auf das nächste Blatt und umkreiste es mehrmals.
Happy End?

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

SGZ-Woche 1 GEDÄCHTNIS (ohne Titel)

Ein lieber Freund von mir – genau genommen mein Trauzeuge oder eigentlich der meiner besseren Hälfte, meine Trauzeugin ist verstorben – hat mir heute eine SMS geschickt. Er hat an mich gedacht. Ich habe ihm ein frohes Neues gewünscht – ist ja erst der zehnte, da geht das noch – und mir fällt auf, dass ich sehr lange nicht an ihn gedacht habe. Nicht mal zum Jahreswechsel.
Ich weiß nicht, wann er Geburtstag hat, und habe mir auch seinen Hochzeitstag – wir waren damals, ich weiß schon gar nicht mehr wann, auch bei seiner Hochzeit dabei – nicht gemerkt. Wenn das nur mein Gedächtnis wäre. Ich meine, so was kann man sich doch aufschreiben. Mache ich aber nicht. Weil ich mich dann drum kümmern müsste. Kontakt aufnehmen, halten, pflegen. Liegt mir nicht. Ich kann aber auch nicht behaupten, dass mir lieber wäre, wenn Leute auf mich zukommen – am liebsten ist mir, ich bin für mich allein.
Natürlich nicht so ganz allein wie jetzt gerade beim Schreiben, ich besuche schon gerne meine Gruppen. Singen und Autorenstammtische. Da muss ich auch nicht dran denken, das findet regelmäßig statt und steht im Kalender. Ich hab einen Kalender für unterwegs und einen an der Wand und nachdem ich es zweimal aufgeschrieben hab, hab ich es meistens auch im Kopf.
Mein Gedächtnis ist nicht mehr das beste. Vom Kniffeln mit meiner ungeduldigen Ergotherapeutin habe ich bereits erzählt. Neulich habe ich etwas beim Verlassen der Wohnung vergessen – was, das habe ich vergessen – und bin schnell noch einmal hinein, um es zu holen. Ich weiß nicht, ob ich daran gedacht habe, das Fenster in meinem Schreibatelier zu schließen.

Ob meiner einmal gedacht werden wird, wenn ich nicht mehr bin? Höchst unwahrscheinlich. Dazu müsste ich schon Außergewöhnliches schreiben und da gehört ein Selbstmitleidsepos über Konzentrationsstörungen sicher nicht dazu.
Zu einem Leben als Schriftsteller gehören auch Tage, an denen ich nur Mist schreibe. Relativen Mist vielleicht. Nicht unbedingt solchen, auf dem ein Hahn kräht.

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

100 Geschichten in 100 Tagen

In meinem eigenen Blog  habe ich es bereits angekündigt:

Ich habe vor, binnen 100 Tagen – ab dem kommenden Samstag, 09.02.21, täglich eine Geschichte zu schreiben.

100 Geschichten in 100 Tagen – wie soll das gehen?

Im Schreib-Forum machen wir jeden Abend von 20-21 Uhr eine Schreibübung namens »Schreiben gegen die Zeit« (SGZ).
Man hat genau diese Stunde Zeit, aus einem Begriff eine kleine Geschichte oder wie auch immer gearteten Text zu basteln. Das darf auch ein Gedicht sein oder auch ein Plotansatz, ein Ausschnitt eines Romans – ganz egal, Hauptsache man tippt möglichst hemmungslos irgendwas runter. Dabei gehts auch nicht um die Masse der Anschläge an sich, sondern darum, sich den Kopf freizuschreiben. Sich zu erlauben, auch mal schlecht schreiben zu dürfen. Den Kritiker geknebelt in die Ecke stellen. Um welchen Begriff es sich handelt, weiß man vorher nicht, der wird erst abends um acht bekannt gegeben. Danach wird dann gegenseitig gelesen und kommentiert.
Bei unserer wöchentlichen Übung habe ich natürlich seit Beginn nicht jede Woche teilnehmen können und so ist eine Liste mit über 100 Begriffen zustande gekommen, zu denen ich noch keine Geschichte geschrieben habe. Also wird es mal Zeit!

Für meine Zwecke werde ich die Übung etwas abwandeln. Ich mache sie nicht abends um acht, sondern gleich nach dem Aufstehen.
Da ich sie alleine mache, habe ich niemanden, der mir den Begriff vorgibt. Deshalb habe ich mir etwas einfallen lassen, wie ich mich selbst überraschen kann, um dann spontan zu einem Wort etwas zu schreiben:
1. Jeder Begriff in der Liste hat eine Nummer. Ich verwende einen Zufallsgenerator, um eine Nummer zufällig (ja, liebe IT-ler, es heißt »Pseudozufall«) aus der Liste auswählen zu lassen.
2. Timer auf 60 Minuten stellen und spätestens beim Klingeln wird veröffentlicht. Tipp: In den letzten Minuten lese ich noch mal drüber und mache letzte Korrekturen.
3. Danach wird die Nummer aus der Liste gestrichen (Zeile löschen) und für die verbleibenden Begriffe werden die Nummern neu vergeben (einfach von oben nach unten ausfüllen).
4. Und am nächsten Tag fange ich wieder bei 1. an.
Wichtig ist nicht die Reihenfolge, sondern dass jede Nummer in der Liste nur einmal auftaucht und kein Begriff leer ausgeht.

Wer will, kann mitmachen!
Meine Liste mit den Begriffen werde ich demnächst – rechtzeitig vor Beginn der Aktion am 09.01.21 – in meinem Blog  zur Verfügung stellen. Es laufen dann jeweils nach meinem Beitrag 24 Stunden, innerhalb derer der eigene Beitrag gepostet werden kann.
Wer vor dem Schreiben des jeweiligen SGZ über den Begriffen brütet, pfuscht!

Ich behaupte, das ist zu schaffen, jeden Tag eine Stunde zu schreiben. Ob jeden Tag eine Perle daraus hervorgeht, wird sich zeigen. Aber es ist möglich!
Jeweils die beste Geschichte einer Woche wähle ich für die Schreibkommune aus. Ich veröffentliche hier also in den nächsten Wochen immer donnerstags eine Kurzgeschichte von mir, die erste schon am 14.01.21!
Ob ich die Aktion 100 Tage am Stück überhaupt durchhalte? Das sind immerhin über drei Monate! Ich weiß es nicht, aber da mich der letzte NaNoWriMo so beflügelt hat, dass ich innerhalb von drei Wochen meinen halb fertigen Roman zu Ende schrieb, kann ich es mir sehr gut vorstellen.

Wer möchte mitmachen? 😀

Sollte ich die Aktion abbrechen müssen, poste ich hier stattdessen bereits fertige Geschichten.

Nur eine Minute

»Nur noch eine Minute, Schatz.«

»Eine Minute?« Sie schwieg. Ich wandte mich wieder dem Bildschirm zu und tippte weiter. Nur diese Szene noch, ein letzter Absatz.

»Von wegen eine Minute!« Sie stampfte mit dem Fuß auf. In mir verschmolz ihr Tritt mit dem Trampeln der Pferde, deren Reiter aufeinanderzuhielten und ging dann im Tosen der Menge unter, als einer der Männer den anderen mit der Lanze nur knapp verfehlte.

Ein flüchtiger Blick auf mein Mädchen zeigte mir ihren Schmollmund und die verschränkten Arme. Die erdachte holde Jungfer, um die beide Ritter kämpften, schrie entsetzt auf, da sie um ihren Favoriten bangte.

»Du hast mich gar nicht lieb!« Der Film auf meiner inneren Leinwand erlosch augenblicklich, ich wirbelte herum und sah sie ernst an.

»Andrea, natürlich hab ich dich lieb.« Ich breitete die Arme aus. Sie sah mich mit einem Stirnrunzeln an. Enttäuscht ließ ich die Arme sinken. »Warum glaubst du, ich hätte Dich nicht lieb?«

Sie funkelte mich an für ein »Mama hat immer Zeit für mich« und blickte dann zu Boden.

Immer. Soso. Ich wartete.

»Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich!«, trumpfte meine Kleine auf.

Der Satz war mir aus dem Mund meiner Exfrau geläufig. Was meiner Tochter allerdings entgangen war, war die Tatsache, dass ich soeben meine Arbeit Arbeit sein gelassen hatte und mir Zeit für mein Kind nahm. Um dies zu verdeutlichen, drückte ich zwei Tasten, um meine Arbeit zu sichern, klappte den Laptop zu und stand auf.

»Andrea«, ich reichte ihr die Hand, »Draußen scheint die Sonne.«

Sie sah mich misstrauisch an und blinzelte.

»Wir könnten einen kleinen Spaziergang durch den Park machen und vielleicht ein Eis essen.«

Bei »Eis« hellte sich ihre Miene auf.

»Als Arbeitsessen sozusagen«, witzelte ich.

Jetzt nahm sie meine Hand.

Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das Abtippen der ohnehin fast fertig erdachten Geschichte war ja nur noch die Drecksarbeit, andererseits auch die einzige Tätigkeit, die mein Produkt und somit jeglichen Arbeitsfortschritt überhaupt fassbar machte. Spazieren gehen und Eis essen und währenddessen die Passanten beobachten, die ich später als Vorbilder für Figuren verwenden konnte, sah genauso wenig nach Arbeit aus wie die drei Stunden, die ich während der Zeit der großen Schreibblockade auf der Toilette verbracht hatte in der Hoffnung auf gute Einfälle. Judith hatte sich sicherlich nicht nur deshalb von mir getrennt, weil ich in meiner Besessenheit unser gemeinsames Kind bei der Nachbarin aufs Klo geschickt hatte.

»Woran denkst du?«

»Das willst du nicht wissen, Kleines.«

»Ich bin nicht klein!«, maulte sie.

»Siehst du, du willst nichtmal hören, was ich sage.« Ich sah sie herausfordernd an, aber da ihr Eis in der Sonne schmolz, war sie vollauf damit beschäftigt und legte zur Abwechslung mal nicht jedes meiner Worte auf die Goldwaage. Dabei war sie besser darin als mein Lektor, der auch noch Geld für seine gezähmte Korinthenkackerei bekam.

»Also gut«, versuchte ich es, »Ich denke nicht an ein rotes Fahrrad.«

»Geht ja gar nicht«, erwiderte sie gelangweilt.

Der Witz hatte aber auch schon einen Bart. In ihrem Alter war sie nicht mehr so leicht zu begeistern.

»Ich denke an die Geschichte, die ich vorhin aufschreiben wollte«, gab ich zu.

»Worum geht’s da?«, fragte sie.

Mir war nicht klar, ob sie nur höflich sein wollte, aber ich fasste kurz zusammen:

»Zwei Ritter sind in die selbe Frau verliebt. Sie aber nur in einen von beiden. Die Männer kämpfen gerade.«

»Und wer gewinnt?«

»Na der, in den sie verliebt ist.«

»Das ist klar, sonst gibt’s ja kein Happy End. Aber wer ist es?«

»Das weiß ich auch noch nicht. Und wenn ich Dir alles verrate, macht es ja keinen Spaß mehr, die Geschichte aufzuschreiben.«

»Heiraten die am Ende?«

»Klar.«

»So wie du und Mama?«

»Nein, anders. Damals gab es ja noch kein Standesamt und da feierte das ganze Dorf zusammen.«

Und Liebesgeschichten enden normalerweise, bevor das Brautpaar sich wieder scheiden lässt.

Als ob sie meine Gedanken gelesen hätte, fragte Andrea:

»Bist du noch traurig?«

Ich fühlte mich ertappt und zögerte. »Ja, manchmal. Und du?«

»Hmm«, nuschelte sie in die letzten Krümel der Waffel.

Plötzlich hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf die bevorstehende Veröffentlichung, die anschließende bereits geplante Lesereise und die verdammte Abgabefrist und würde am liebsten fortan und für alle Zeit auf den schnöden Mammon verzichten. Spätestens beim nächsten Saunabesuch wäre ich jedoch wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen, da ich mir mit Geld eben nicht nur Eis kaufen konnte, sondern es mich eben auch in die Lage versetzte, das tun zu können, was ich gerne tat. Dass man sich einen Spaziergang mit der eigenen Tochter nicht kaufen konnte, stand auf einem anderen Blatt.

»Müssen wir uns nicht beeilen?«

Ich sah auf die Uhr. »Noch nicht«, erklärte ich. »Deine Mutter kommt Dich erst in zwei Stunden abholen.«

»Papa, wo ist mein grüner Pullover?«

»Meinst du den mit dem Herz drauf oder mit den Bärchis?«

»Papa! Den mit den Bärchis hab ich schon ewig nicht mehr!«

›Ewig‹ war gerade mal ein Dreivierteljahr, aber trotzdem ging der Punkt an Andrea. »Keine Ahnung, Schatz. Bist du sicher, dass Du den grünen dabei hattest?«

»Ja! Den hatte ich am Freitag in der Schule an und die Natalie fand den voll toll.«

Auch die Zeit, während der das Herz aus pinken Pailetten angesagt war, würde ihr Ende finden. Das gehörte zum Lauf der Welt, aber daran, dass meine Tochter nur alle zwei Wochen zu Besuch kam und ich bei meiner Familie nicht mehr zu Hause war, wollte ich mich nicht gewöhnen.

Es klingelte und vor der Tür stand die Frau, die mir eines Tages ihr Wort gegeben hatte, in guten wie in schlechten Zeiten zu mir zu stehen.

»Ich hab ihn!«, rief Andrea. Nun war es also soweit. Meine Tochter stand mit gepackter Tasche neben mir und ihre Mutter, meine ehemals Angetraute, mir gegenüber.

Ich wollte Judith von dem dämlichen Schreibwettbewerb erzählen, der maßgeblich zu unserer Trennung geführt hatte und den ich dann trotz aller Bemühungen natürlich doch nicht gewonnen hatte – aber ich entschied mich dagegen, um den Moment nicht mit den Scherben unserer Ehe zu verderben.

»Judith.« Ich legte ihr die Hand auf die Schulter.

Sie sah mich an.

»Du bist eine gute Mutter.«

Sie lächelte.

Kurzfaust

Nachdem ich mich mit Goethes Faust befasst hatte, war ich so infiziert von dieser Sprache, dass ich versuchte, es dem großen Meister gleichzutun und obendrein das ganze mal kurz und knapp zusammenzufassen. Das war vor zwölf Jahren. Dabei musste ich an die Melodie des König von Thule denken.

Gesteh ichs unumwunden
Ich bin ganz bloß und nackt
Immer noch gebunden
An des Teufels Pakt.

Ach wenn ich doch nicht bliebe
Hier in dem dunklen Ort!
Denn als ich sprach von Liebe
So wars mein Herzenswort

Doch sah ich lang im Leben
Auf Erden keinen Sinn
Und hab es hingegeben
Um zu erfahren ihn.

Dies hier soll sein ein Zeichen
Für Menschen alle Zeit
Für Euch und Euresgleichen
Die ihr noch suchend seid

Tut nicht dem Teufel geben
Für Antwort einer Frag!
Der Sinn, der ist zu leben
Und lieben jeden Tag.

Wie miss ich meine Buhle
In alle Ewigkeit.
Einst war ich Fürst in Thule
Gestorben vor der Zeit

Und nur vor lauter Denken
An mich, den eitlen Narrn,
Kann ich die Lieb nicht schenken
Muss ihrer Liebe harrn.

Wozu Schreibspiele führen können: Eine Ein-Satz-Geschichte

Es war einmal eine hässliche, hirnlose Schmeißfliege. Sie lebte in einem weit entfernten Königreich im Schweinestall des Schlosses. Der Schweinehirt war unsterblich in sie verliebt. Immer, wenn ihm die Schmeißfliege um die Nase surrte, machte sein Herz einen Hüpfer vor Freude.

Und dann atmete er sie ein. Nun war sie noch näher bei seinem Herzen, das vor Wonne gegen seine Rippen trommelte.

Die Prinzessin beobachtete dies in rasender Eifersucht. Sie stürmte ihm rasend entgegen, stolperte aber über eine quiekende Sau. Obwohl sie es nicht wusste, rettete die Sau dem Hirten damit das Leben, denn so traf das Messer, das die Prinzessin ihm ins Herz rammen wollte, nur seinen Fuß. “Verdammter Scheißdreck!”, fluchte die Prinzessin.

Der Schweinehirte brach über ihr zusammen. Die Fliege summte immer noch durch seine Lunge und suchte nach dem Ausgang oder wenigstens einer Tasse Kaffee.

Die Prinzessin bekam unter der Last kaum Luft, freute sich jedoch über so viel Körperkontakt zu ihrem Angebeteten und drehte sich um, um die Lage zu ihren Gunsten auszunutzen.

Er erbrach die Fliege zwischen ihre zum Kuss gespitzten Lippen.

Sie verzog angeekelt das Gesicht und spuckte die Fliege in eine Ecke mit Schweinemist, hielt dabei aber ihren Liebsten mit kräftigem Griff an den Oberarmen fest.

Derweil gönnte die Sau sich seinen Fuß.

“Summ”, sagte die Fliege.

Die Augen der Prinzessin weiteten sich vor Erschrecken, als sie sah, was mit dem Fuß des Schweinehirten vor sich ging.

Der Fuß interessierte den Hirten aber kaum, schließlich hatte sich die Fliege gerade den Kopf gestoßen! Plötzlich musste er mitansehen, wie eine andere Fliege vorbeikam und beide Insekten sich heißblütig aufeinander stürzten.

Wie paralysiert starrte die Prinzessin auf den Fuß.

Wutentbrannt nahm der Hirte die auf dem Boden liegende Fliegenklatsche und erschlug die beiden brünstigen Schmeißfliegen.

“Ewald”, hauchte die Prinzessin entzückt.

Ewald drehte sich zu ihr um und sah, dass er ein Messer und ein Schwein in seinem Fuß stecken hatte. Ihr Atem roch nach frischem Kaffee. “Isolde.” Ewald musste sich jetzt zwischen Isolde und seinem Fuß entscheiden. Während er nachdachte, kam seine Sekretärin herein und fragte: “Möchtest du einen Kaffee?”

Das Messer nahm die Prinzessin wieder an sich.

Die Sekretärin wurde leichenblass und verließ wieder den Raum.

Fröhlich sprudelte das Blut aus Ewalds Fuß.

Im Büro des Schweinehirten wählte die Sekretärin den Notruf und sagte: “Isolde hier, bitte schicken Sie schnell einen Krankenwagen!”

ENDE.

Diese Geschichte haben wir erstellt, in dem wir zu dritt nacheinander jeweils einen Satz geschrieben haben. Wenn ihr Lust habt, sie fortzusetzen, könnt ihr das gleich hier in den Kommentaren tun! Aber bitte jeder nur einen Satz, danke. 🙂

Das Tetriskalb – eine ulkige Geschichte

Ein alter Afghane mit einem großen Salzstangenbeutel – er trug einen Lollipophut – erzählte mir eines Tages die Geschichte vom Tetriskalb.
Es war eine Zarenfrau, die in ihrem Zierfischteich eine Seerose bewunderte, als sie plötzlich ein Tintenalb befiel und sie von Anatolinens Nagetiergang träumte. Es waren keine Giraffen, sondern Nager in Elefantenblau. Sie rockten zu AH – ah! -, weil sie wohl zu oft in den USA gewesen waren. Es war niemand da, der die FW (Feuerwehr) zu Hilfe rufen konnte. So träumte die Zarenfrau nicht nur von der Berlinfee, sondern auch von einem Eiteralb, bis sie plötzlich den Westfalenruf vernahm und erwachte. Jemand, sie konnte es vom Teich aus nicht genau erkennen, betätigte sich mit Abfallklau und ergatterte ein Hanuta. Dabei waren diese extra von Rolltoren gesichert worden. Die nächsten Unkenrufe wurden aber ernst genommen, denn es tauchte wieder die Nagergang auf – diesmal in einem Giraffenhaufen. Ein lautes Seefahrtsamttatütata erscholl und bevor die Giraffen zum Ballsport in der Nähe des Elefantensees übergehen konnten, entfuhr der Zarenfrau ein Ulrikenfurz.
Zum Glück erschien die Erbsenmichaela und brachte sowohl ihren eigenen Teebeutel als auch Leseratteneis für sie beide mit.

Die beiden probierten auch den neuen Ulmentee, der von der hiesigen Urflora inspiriert war und aufgrund dubioser EU-Richtlinien auch eine Spur Blaukraut und Seife enthielt. Für die Erbsenmichaela schmeckte dies eher wie ein Ekelkuss, während die Zarenfrau vom Nachtgesang eines Gentleman schwärmte, als sie den Tee probierte. Der Cafébetreiber setzte sich zu ihnen an den Tisch und erzählte vom hiesigen Ackerbau und den Riesenkarren, die während der Ernte ein kilometerlanges Gespann bildeten. Sie flüchteten über die Straße, ohne den Nettobetrag zu bezahlen, was ihnen ein Ampelkurzschlussermöglichte. Da Erbsenmichaela wegen überraschendem Unterschenkelschmerz ins örtliche Lazarett musste, dieses aber durch den jährlichen Wettbewerb im EisensiebWeitwurf der tirolerNarren schwer beschädigt worden war, machten sie sich auf die Suche nach einer anderen Bleibe. Schließlich hatte die Zarenfrau die Idee, eine Alpenstraße zu suchen, um sich eines Ausguckdaches zu bedienen. Sie kletterten eine Leiter aus Stahl hoch und erschlugen dabei leider unwissentlich eine kleine Laus. Sie entdeckten die örtliche Sauna des kleinen Alpennests und besuchten sie umgehend. Leider bekam die Erbsenmichaela hier noch immer keine Ruhe, da ein Hyazinthara in seinem Zypressenholzkanu in der Sauna saß und alte Piratenlieder kreischte, die auch noch Schleichwerbung für EA (Electronic Arts) enthielten.

Obwohl Erbsenmichaela wirklich tierlieb war, konnte sie diese Unruhe nicht ertragen. Auch die Zarenfrau fand die Neigung des Papageien, pausenlos zu krächzen, gemein. Deshalb beschlossen sie, diesem Saustall von Sauna den Rückenzu kehren und sich auf den Weg über die Alpenstraße zu machen. Doch das war gar nicht so einfach. Weder Erbsenmichaela noch Zarenfrau hatte noch Geld im Ablagefach.
Unter der Dusche, wo niemand ihnen lauschen konnte, ersannen sie eine List: Sie würden den FCKW-Alarm auslösen und dann, wenn alle panisch ihre Genitalien in Handtücher hüllten, wollten sie zum Notausgang hinausschlüpfen.
In der Umkleidekabine begann die Zarenfrau, laut und ordentlich falsch zu singen, und während alle abgelenkt waren, huschte Erbsenmichaela zu dem großen, gelben Knopf und drückte ihn. Dann versteckte sie sich hinter einer Agave im Flur und wartete. Schließlich erschien die Zarenfrau, und gemeinsam öffneten sie die Fluchttür und rannten, was das Zeug hielt. Hinter ihnen erklang Geschrei, und die beiden hatten Angst, dass ihre Flucht in einer Untierhatz enden würde. Doch zum Glück konnten sie sich auf einem Bauernhof am Wegesrand verstecken. Der Eigentümer bekam es gar nicht mit, so sehr war er mit dem Zebrastallbau beschäftigt. Gerade saß er auf einem Heuballen und machte Brotzeit – leckeres Schwarzbrot, dick mit Sanella bestrichen, und dazu eine Sardinenbüchse.
Die beiden beobachteten den Bauern, und Erbsenmichaela wünschte sich weit weg, am liebsten nach Uganda. Aber wenn das so weiterging, würden sie es nicht mal bis in die Bretagne schaffen! Sie zupfte die Zarenfrau am Ärmel, und gemeinsam schlichen sie in das Haupthaus. Dort fanden sie einen Atlas.
“Prima, jetzt können wir nachsehen, wo wir langmüssen”, freute sich Erbsenmichaela. “Sonst kommen wir ja doch nicht vom Fleck und hängen auf Lebenszeit hier fest wie die Nesthocker.”
Sie prägten sich den Wanderroutenverlauf genau ein und brachen auf. Sie wanderten über Roggenfelder, deren Rispen sich in der Sonne wiegten, kamen an einem seltsamen Betonklotz vorbei, der einen noch seltsameren Aufbau auf dem Dach trug, und passierten einen weiteren Bauernhof, auf dem man sich offenbar dem Enziananbau verschrieben hatte.
“Na, sind wir nicht ein super Team?”, fragte die Zarenfrau voller Eigenlob.
“Und was für eins!”, bekräftigte Erbsenmichaela. “Wenn wir ankommen, dann gönnen wir uns ein großes Glas Cognac und eine teure Havanna.” Sie seufzte bei dem Gedanken an eine gute Zigarre.
Ihr Weg führte sie an einem kleinen Bergsee vorbei. Ein Steg führte ein Stück ins Wasser und mitten auf dem See schaukelte ein kleines Boot. Sie beschlossen zu rasten. Doch was war das? In der Mitte des Steges klebte eine eklige Pfütze Erbrochenes! Und als sie hinunterblickten, trieb da eine Gestalt im Wasser. Leblos!
Da begann das Wasser des Sees zu sprudeln, als ob es kochte. Etwas durchstieß die Wasseroberfläche, riesig, schleimig – schrecklicher als jedes mutierte Vieh aus einem Endzeitdrama. Es riss ein Maul voller spitzer Zähne auf, brüllte und schlug mit einem Tentakel nach ihnen.
Schreiend rannten die beiden weg, zurück in die Sauna, wo sie sich im heißen Dampf von ihrem Schrecken erholten.

ENDE.

Gelesen habt ihr eine Gemeinschaftsarbeit von zwei Kollegen aus dem Forum, oder besser Freunden, und mir. Jeder von uns hat einen Abschnitt geschrieben. Die kursiven Wörter waren vorgegeben, die sind aus einem Spiel (Gefüllte Kalbsbrust) entstanden, bei dem man zu einem gegebenen ersten und letzten Buchstaben ein verbindendes Wort finden musste. Wir spielen manchmal im Forenchat, aber meistens quatschen wir nur – es sei denn, wir machen ernste Textarbeit.

Wir haben noch andere Formen des gemeinsamen Schreibens, die im Forum gelebt werden. Neben Schreibspielen gibt es auch Rollenspiele und zur Zeit läuft ein Experiment mit einem Textdokument, das von allen beschrieben werden kann. Und zudem gibt es den geschützten Bereich für Romanautoren, die Schreibprojekte. Da schreibt zwar jeder an seinem eigenen Roman, aber man tauscht sich sehr intensiv aus und arbeitet so schon gewissermaßen gemeinsam am Projekt.

Arbeitspausen beim Schreiben

Auch wenn es neulich beim Thema Durchhalten etwas scharf geklungen hat hinsichtlich der Zeit, die man sich fürs Schreiben nehmen können sollte: Pausen sind wichtig. Feierabend ist wichtig. Viele von uns müssen abends runterfahren, um schlafen zu können. Ich sage viele, denn ich weiß auch von Leuten, die sich hinlegen und ne halbe Stunde später fröhlich poofen, egal, was sie zuvor gemacht haben.

Auch wenn es manchmal tönt, man habe soundsoviele Stunden am Stück durchgeschrieben – das ist oft eine Frage der Wahrnehmung. Ich glaube nicht, dass jemand tatsächlich sechs Stunden ununterbrochen schreibt, ohne zwischendurch aufs Klo zu gehen oder dass die ganze Zeit getippt wird, ohne mal nachzudenken, wie der Satz nun am besten weitergehen soll.

Sicherlich sind die Bedarfe an Pausen unterschiedlich. Ich fahre gut damit, nur etwa eine Stunde am Text zu arbeiten und dann eine Stunde Pause zu machen. So komme ich an guten Tagen auf dreimal eine Stunde am Tag. Wenn ich dagegen zwei Stunden durchmache, bin ich danach so verbraucht, dass ich gar nicht wieder reinkomme. Da bin ich sicherlich ein Extremfall, andere werden  vier Stunden durchhalten ohne nennenswerte alternative Beschäftigung oder vielleicht sogar mehr.

Auch inhaltlich unterscheiden sich Pausen. Manche gehen vielleicht eine rauchen, während andere sich die Beine vertreten müssen. Ich persönlich bin ein großer Fan davon, in Pausen einfach andere Arbeit zu erledigen, zB die Spülmaschine auszuräumen oder an einem Blogartikel zu schreiben. Meist erwische ich mich jedoch dabei, im Chat herumzuhängen. Was sich allerdings auch zur Textarbeit entwickeln kann, da ich mit anderen Schriftstellern chatte.

Wenn ihr das Gefühl habt, zu viel Zeit zu vertrödeln, kann es helfen, eine Zeit lang aufzuschreiben, was ihr arbeitet und was ihr in den Pausen macht und dabei jeweils den zeitlichen Umfang festzuhalten. Dabei kann herauskommen, dass ihr euch in den vermeintlichen Pausen mit Ideenfindung oder Figurenentwicklung beschäftigt habt, was auch zum Schreiben gehört.

Auch wenn ihr “nur” die Küche aufgeräumt habt, solltet ihr euch auf die Schulter klopfen: Irgendwann hätte das ohnehin erledigt werden müssen. Und vielleicht hat sich eure Geschichte währenddessen unterbewusst weiterentwickelt.

Euer Ingo

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