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Schlagwort: Dialog

Lies mal, wer da quatscht – Dialoge in Prosa (2), Figuren und ihre Konflikte in Szene setzen

Wichtiger als die Form ist beim Entwerfen eines Dialogs der Inhalt, was auch damit im Zusammenhang steht, wer da miteinander spricht. Deshalb kann man die Figurenentwicklung auch meiner Ansicht nach nie so genau von der Handlung trennen – ich schreibe figurengetrieben, andere handlungsbasiert. Ich passe lieber die Geschichte dem an, wie sich die Leute in einer bestimmten Situation verhalten würden, als die Leute dem anzupassen, was ich mir für den Verlauf der Geschichte ausgedacht habe.
Aus diesem Grund steht bei mir immer zuerst der Dialog und alles andere folgt dann danach.
Ich gehe auch nicht so heran, dass ich eine Szene konstruiere und abhake, ob ich einen Konflikt drin habe, die Spannung zu- oder abnimmt und auch ja alle Motive-Relation-Units (MRU) hübsch ins Scene-Sequel-Schema passen. Damit befasse ich mich allenfalls bei der Überarbeitung, aber nicht beim Schreiben.

Wie entwerfe ich also einen Dialog?
Ich versetze mich in die Figur, aus deren Sicht die Szene oder die Geschichte erzählt wird und lasse sie sprechen. Meistens habe ich dazu ein Anfangsbild, in das ich eintauche. Ich nehme etwas wahr, meistens habe ich ein Gegenüber (sonst kein Dialog), ich höre also, was gesagt wird, ich sehe die andere Person, ich habe Gefühle als Reaktion auf die Einflüsse, die auf mich hereinprasseln – ich erlebe die Szene so, wie der Leser sie später bestenfalls auch erleben soll. Dabei weiß ich, dass in dessen Kopf ein anderer Film läuft als in meinem – Hauptsache, da läuft einer.
Gutes Stichwort!

Der Film lief gerade an, da wurde die Tür aufgestoßen.
»Nicht abspielen!«

Da haben wir gleich einen Konflikt. Jemand will verhindern, dass der Film abgespielt wird, der soeben angelaufen ist. Das sind zwei gegensätzliche Ziele.

»Gehts noch?! Sie können hier nicht so einfach reinplatzen. Bitte begeben Sie sich auf ihren Sitzplatz oder verlassen Sie den Saal.«
»Wissen Sie, was für ein Film das ist, den Sie da zeigen wollen?« Sie versuchte, an die Maschine zu gelangen. »Schalten Sie das ab!«
Er stellte sich ihr in den Weg. »Für wen halten Sie sich? Ich bin hier der Filmvorführer. Verlassen Sie den Saal, sonst lasse ich Ihnen Hausverbot erteilen.«
»Das ist nicht nötig. Hanne Müller-Meier, Kripo Dortmund. Stoppen Sie die Vorführung.« Sie zeigte ihre Marke.

Man kann das Kräfteverhältnis hin- und herschaukeln lassen und so die Sache immer weiter eskalieren lassen. Er widersetzt sich, sie zieht die Waffe, er ist ebenfalls bewaffnet, die Verstärkung wartet schon, es entpuppt sich als ein Hinterhalt, endlich trifft das SEK ein … und um was für brisantes Filmmaterial es sich eigentlich handelt, ist immer noch nicht aufgelöst.

Was wir hier noch nicht haben, ist eine klare Erkennbarkeit der Erzählperspektive und was völlig fehlt, sind die Gefühle. Es gibt keinerlei Innenschau, denn die gäbe es ja nur aus einer Perspektive. Vermutlich ist er der Perspektivträger, da die Szene mit ihm beginnt – man sollte immer mit demjenigen anfangen, aus dessen Sicht die Szene erzählt wird, um das (also den Point of View, kurz POV) gleich klarzustellen. Ich könnte jetzt auch sie wählen, indem ich den Anfang ändere. Aber bleiben wir mal bei ihm.

Der Film lief gerade an, da wurde die Tür aufgestoßen.
»Nicht abspielen!«
Was wollte die denn hier? »Gehts noch?! Sie können hier nicht so einfach reinplatzen.« Rolf schüttelte den Kopf und wies zur Tür. »Bitte begeben Sie sich auf ihren Sitzplatz oder verlassen Sie den Saal.«
»Wissen Sie, was für ein Film das ist, den Sie da zeigen wollen?« Sie versuchte, an die Maschine zu gelangen. »Schalten Sie das ab!«
Die tickte doch nicht sauber! Er stellte sich ihr in den Weg. »Für wen halten Sie sich? Ich bin hier der Filmvorführer. Verlassen Sie den Saal, sonst lasse ich Ihnen Hausverbot erteilen.« Demonstrativ verschränkte er die Arme, um Entschlossenheit zu zeigen, doch am liebsten würde er ihr das Feld überlassen.
»Das ist nicht nötig. Hanne Müller-Meier, Kripo Dortmund. Stoppen Sie die Vorführung unverzüglich.« Sie zeigte ihre Marke.
Erleichterung machte sich in ihm breit.

Ich verwende hier das Stilmittel der erlebten Rede. Jetzt merkt man, dass er ein ganz schöner Hasenfuß ist. Das hätte man vorher nicht gedacht, oder? Nun zeigt sich auch, dass die Wahl des POV die richtige war, denn man sollte immer aus Sicht der Figur erzählen, die die größte emotionale Herausforderung hat.
Da ich bei der Polizistin keine Innenschau zur Verfügung habe, um sie zu charakterisieren, habe ich ihr noch ein Wort in den Mund gelegt. Ihn habe ich Rolf genannt, was einen Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter geben könnte.
Die Stimmung der Szene ist hier im Übrigen am Anfang aufgeladen und am Ende ruhig. Ich hätte auch von davor erzählen können, wie der Mann in aller Ruhe die Filmrolle einlegt und dann am Ende abbrechen, als plötzlich die Frau im Raum steht, das wäre dann der umgekehrte Fall. Sind Anfang und Ende ruhig, ist die Szene langweilig.

Was man jetzt noch ergänzen könnte, um Atmosphäre zu schaffen, sind Sinneswahrnehmungen wie Gerüche, Geräusche, Ertastetes. Wie riechen die Filmrollen? Riecht es nach Maschinenöl? Wie ist das Licht in dem Raum? Gibt es eine knackende funzelige Deckenleuchte, kaltes Neonlicht oder sogar nur Rotlicht? Hört man die Zuschauer Popcorn knabbern, riecht man es? Ist der Boden rutschig, sind die Wände versifft oder frisch gestrichen?
Macht das doch mal als Übung!

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Lies mal, wie gequatscht wird – Dialoge in Prosa (1), Zeichensetzung

Manche Autor:innen, die zum ersten Mal eine Geschichte schreiben, wollen es gleich richtig machen und nicht mehr die „langweiligen“ Anführungszeichen über der 2 benutzen, sondern die wie im Buch.
Was ich dann manchmal sehe, ist das hier:

> > Oh, wie furchtbar! < <, rief Ingo. Oder: <<Bitte nicht!>>

Das ist nicht schlimm, wenn man sich mit seinem Textverarbeitungsprogramm anfangs noch nicht so gut auskennt. Das lässt sich alles einstellen, und später mit Suchen und Ersetzen (Strg + F) automatisch korrigieren.
Es gibt “englische Anführungszeichen”, die im Deutschen nicht korrekt sind.
Es gibt die normalen „deutschen Anführungszeichen“, die man auch mit der Hand schreibt.
Es gibt die Guillemets in den Varianten «Buchdruck» (in Schweiz und Frankreich gebräuchlich) und »Buchdruck umgedreht«, wie wir sie aus Deutschland kennen. Diese Begriffe zu kennen, ist schon einmal hilfreich, wenn man nach einer Anleitung sucht.
Das einfache Anführungszeichen wird entsprechend korrespondierend gewählt, sodass es stilistisch zusammenpasst. Die verwendet man, wenn man wörtliche Rede innerhalb wörtlicher Rede zitiert, also die eine Figur wiederholt, was die andere gesagt hat, beispielsweise.


Der Apostroph ist dann wiederum ein anderes Zeichen, das liegt auf der Taste mit der Raute oben:

Herr Anders’ Apostroph.

Ein Fehler, den ich selbst am Anfang gemacht habe, ist einer, der die Interpunktion betrifft. Er passiert mir heute noch als Flüchtigkeitsfehler, obwohl ich es eigentlich besser weiß. Sogar in gedruckten Büchern habe ich es schon gesehen.

»Schaut euch mal das Beispiel an.«, sagte Ingo.

Es geht um den Punkt. Das war mir beim Lesen von Büchern nie aufgefallen, aber wenn ein Punkt am Ende der direkten Rede wäre, weil der Satz zu Ende ist, und darauf ein Komma folgt, dann entfällt dieser Punkt. Frage- und Ausrufezeichen bleiben dagegen erhalten. Deshalb schleicht sich so ein Fehler immer wieder ein, auch im Rahmen der Überarbeitung, etwa weil man ein Ausrufezeichen doch wieder zurücknimmt. Es lohnt sich auch hier, mit Strg + F nach dieser Zeichenkombination zu suchen und sie gnadenlos zu ersetzen.

Was mir ebenfalls passiert ist:

»Macht das bitte nicht zu Hause nach«, lachte Ingo.

Wer zuletzt einen Satz gelacht hat, werfe den ersten Stein. Macht auch bitte ein Video bei Youtube und verlinkt es in den Kommentaren, damit ich mir das anhören kann. Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinauswill: Das ist recht unwahrscheinlich bis unmöglich.

Besser: »Macht das bitte nicht zu Hause nach.« Ingo lachte.

Und Obacht: Jetzt muss der Punkt natürlich wieder hin!
Es gibt noch eine Reihe ungeeigneter Sprecherverben (auch Inquits genannt):

  • lächelte
  • grinste
  • schnaufte
  • strahlte
  • schimpfte

Im Grunde reichen fragte, sagte und rief völlig aus, aber wenn ihr auch das weglassen könnt, weil klar ist, wer spricht – dann lasst es weg.
Der Trick besteht darin, die Person etwas wahrnehmen oder tun zu lassen und das in dieselbe Zeile zu schreiben. Manchmal sprechen auch die Figuren einander mit Namen an.

Ingo griff nach der Hundeleine.
»Hast du’n Rad ab, Alter?«
Er ging nicht darauf ein, sondern sah betont teilnahmslos aus dem Fenster. Es wurde gerade hell.
»Willst du wirklich so früh …?«
»Will ich, Mia. Und du kommst mit.«
Sie grunzte.
»Komm, Jack!«

In diesem Beispiel seht ihr drei Punkte. Stehen die am Ende der wörtlichen Rede, weil der Satz nicht zu Ende gesprochen wird, dann muss ein Leerzeichen davor sein und dahinter darf keins sein. Steht es dagegen … mitten im Satz, weil die Figur nach Worten sucht, dann muss vorne und hinten je ein Leerzeichen sein.
Ingo hätte Mia auch unterbrechen können:

»Willst du wirklich –«
»Mia!«

Dann verwendet man den Gedankenstrich.

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