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Schlagwort: Grundlagen des Schreibhandwerks

Eine Geschichte beenden

Frage: Was macht man, wenn man immer nur Anfänge schreibt und dann stecken bleibt?

Gerade, wenn man längere Geschichten, ganze Romane schreiben will, kann man an einem Punkt kommen, an dem es einfach nicht mehr weitergeht.
Neil Gaiman beschreibt auf der NaNoWriMo-Seite diese plötzliche Durststrecke anhand eines Gesprächs mit seiner Agentin, die ihn bei jedem Buch wieder daran erinnert mit den Worten: »Ach, an dieser Stelle des Buches sind Sie!« Gemeint ist die Stelle irgendwo in der Mitte, wenn die anfängliche Euphorie verflogen, und das Ende noch nicht in Sicht ist. Du bist kurz davor, aufzugeben. Du weißt nicht einmal mehr, warum Du überhaupt angefangen hattest, zu schreiben.
Die Lösung sieht so aus: Du schreibst an guten und an schlechten Tagen. Du schreibst einfach. Egal, ob das Schreiben erfüllend ist, ob es Deine Bestimmung ist oder nicht, das spielt keine Rolle. Wichtig sind jetzt die Wörter, eins nach dem anderen. Finde das nächste Wort. Schreibe es hin. Und das nächste, das nächste, das nächste.

Aber auch Schreiber von kurzen Geschichten sind nicht davor gefeit, einen wunderbaren Anfang nach dem nächsten zu schreiben und keine Geschichte zu Ende zu bringen. Woran liegt es? Kannst Du Dich nicht für eine Idee entscheiden? Oder hast Du noch gar keine?
Es kann vielleicht helfen, die Übung vom letzten Mal zu wiederholen, die wir bezüglich des Anfangs gemacht haben: Überlege doch einmal, wie das Ende überhaupt aussehen soll! Wenn ich nicht bereits mit einem klaren Ziel vor Augen in eine Geschichte starte, dann entwickle ich eine Idee für das Ende unterwegs. In unserer Kaktusgeschichte vom letzten Mal (siehe unten) war das der Moment, als ich Ewald auf die Gartenschere blicken ließ. Da hatte ich ein mögliches Ende vor Augen, aber ich weiß natürlich nicht, ob die Geschichte wirklich so ausgeht. Dadurch bleibt es für mich spannend, sie überhaupt zu Ende zu schreiben.

Handelt es sich eher um ein arbeitsorganisatorisches Problem? Vielleicht findest Du nicht die Zeit, zu Ende zu schreiben und beim nächsten Mal weißt Du nicht mehr, was Dir überhaupt vorschwebte. Das ist nicht schlimm!
In solchen Situationen hilft es mir immer, die Geschichte noch einmal zu lesen und mir zu erlauben, sie einen anderen Verlauf nehmen zu lassen, als vielleicht ursprünglich geplant. Dabei hilft mir, das bereits Geschriebene ein wenig zu überarbeiten, dadurch werde ich wieder warm mit der Geschichte.

Findest Du Deine angefangene Geschichte zu schlecht, um die Arbeit zu investieren, sie weiterzuschreiben? Nun, vielleicht ist das auch wirklich so, vielleicht solltest Du sie verwerfen, je nach dem, wie viel Arbeit Du bereits investiert hast.
Eine prominente Kollegin nimmt sich der Frage an, ob Geschichten unbedingt zu Ende geschrieben werden müssen: Jacky aka J. Vellguth Sie rät: Schreib sie auf jeden Fall zu Ende, um daraus für die nächste Geschichte zu lernen. Vielleicht holst Du sie eines Tages aus der Schublade, wenn Du einiges dazugelernt hast, und überarbeitest sie zu einer noch viel besseren Geschichte. 

Wenn Ideen für neue Geschichten immer verlockender sind als die bisherigen, weil es plötzlich keinen Spaß mehr macht, weiterzuschreiben, aber die neue Geschichte macht Dir Riesenspaß – dann solltest Du es vielleicht wirklich mal versuchen und wie eingangs empfohlen einfach weiterschreiben, auch wenn es keinen Spaß macht. Nur, um es einmal erlebt zu haben, eine zu Ende zu bringen.
Fang klein an: Eine Seite, zwei Seiten, fünf Seiten, zehn Seiten, zwanzig Seiten. Bevor Du einen Roman schreibst, ein mehrbändiges Epos in einer fiktiven Welt gar, versuche es erst mal mit einer Novelle.

Du schreibst nur aus Spaß und musst kein Geld verdienen mit dem Schreiben? Warum liest Du dann diesen Artikel? 😉

Schreibübung: Schreibe ein Ende für die Kaktusgeschichte vom letzten Mal! Wenn Du merkst, dass Du die Geschichte ändern musst, damit Du zu einem funktionierenden Ende findest, dann ändere sie. Überarbeiten gehört dazu!

Der Kaktus war sein ganzer Stolz gewesen. Vom kleinen Mitbringsel an, das auf dem Schreibtisch Platz gefunden hatte, hatte er ihn gehegt und gepflegt, bis er kaum noch durch die Terrassentür passte. Das war sicher auch der Grund dafür, dass seine Frau den armen Kojoten, wie Ewald die Kaktee in seiner Jugend getauft hatte, gestern Abend nicht ins Haus geholt hatte. Sie hatte das Risiko des Nachtfrosts auf die leichte Schulter genommen. Zugegeben, im Juli war das auch recht unwahrscheinlich. Trotzdem. Wie er jetzt aussah!
Kojote war nur noch ein jämmerlicher Haufen grüner Matsch. Es schnitt Ewald ins Herz, ihn so zu sehen. Seine einst so stolzen Äste hingen schlapp herunter, waren geborsten und sein Inneres war auf die Fliesen gelaufen. Sogar Kojotes hübscher blauer Blumentopf mit den weißen Blumen, den die Kinder bemalt und ihm, Ewald, zum Geburtstag geschenkt hatten, war zerbrochen. Offensichtlich hatte Christa es gut gemeint und den Kaktus am Vorabend besonders ausgiebig gegossen.
»Christa, sieh ihn dir an!« Ewald rannten die Tränen übers Gesicht.
In Morgenmantel und Hausschuhen schlurfte sie näher. »Wasn?«
»Kojote ist tot! Du hast ihn ermordet!«
»Ich hab was?!« Jetzt war seine Frau hellwach, obwohl sie noch nicht ihre erste Zigarette geraucht, geschweige denn Kaffee getrunken hatte. Das Frühstück bereitete Ewald üblicherweise erst für sie beide, nachdem er morgens als erstes nach Kojote gesehen hatte.
»Der Kaktus! Er ist nur noch Matsche! Was hast du getan?« Er wischte sich die Tränen ab, ballte jetzt die Fäuste, sein wutrotes Gesicht verzerrt.
»Na, ich hab ihn gegossen. War ganz ausgetrocknet. War det falsch?«
»Ersäufen ist eine Sache, da hätte ich was gegen tun können. Aber du hast ihn über Nacht draußen gelassen. Er ist erfroren!«
»Erfroren? Das geht?«
Ewald raufte sich die Haare. Sein Blick fiel auf die Gartenschere.
»Hättest ihn ja selbst reinholen können.«

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Eine Geschichte anfangen

Frage: Wie kommt man in Dialoge rein?

Ich möchte das gerne ausweiten zu der Frage, wie ich allgemein Geschichten anfange. Dabei ist der Dialog nur eine von drei Möglichkeiten, die ich hauptsächlich sehe: Innerer Monolog, Beschreibung oder Dialog. Idealerweise vermischt zu einer szenischen Darstellung wie in meinem dritten Textbeispiel.

In meiner Vorstellung ist immer zuerst ein Bild da, das ich beschreibe. Das kann ein Gegenstand wie ein Kaktus sein, der vielleicht beim ersten Frost über Nacht draußen stand und sich zu Matsch verwandelt hat, das sind aber bei mir in den allermeisten Fällen Menschen. Oft habe ich zu der Situation auch ein Gefühl. Ich versetze mich also in die Figur hinein und bin sie, agiere und reagiere aus ihrer Sicht heraus. Die Voraussetzung dazu ist also, wie Andi schon im Juni vermutete, dass ich meine Pappenheimer kenne. Ich muss wissen, welches Ziel sie haben und idealerweise sollten sie nicht dasselbe haben, sonst setzen sie sich gemeinsam aufs Sofa, gucken eine Liebesschnulze und mampfen Popcorn.
Ich bin kein Fan davon, Charakterbögen mit winzigkleinen Tabellen auszufüllen, aber andere nennen das ein Spiel und es macht ihnen Spaß, so what?
Es gibt unzählige Methoden, sich den Figuren zu nähern. Manche interviewen sie, manche lassen sie Gespräche mit den Protas anderer Autor:innen führen, meine erzählen mir freiwillig aus ihrer Sicht, wie sie die Geschichte erlebt haben.

Bleiben wir mal beim Kaktus. Das jämmerliche Bild, das er jetzt noch abgibt, kann man auch als Einstieg wählen. Ich stelle mir das arme Ding in immer mehr Details vor. Wo steht bzw. stand der Kaktus? Auf einer Terrasse? Gibt es dort eine Markise? Stand er in einer Garage? Im Hinterhof? Auf einem Balkon? Wie sah der Topf aus? Groß, klein, blau mit weißen Blumen daraufgemalt? Und der Kaktus selbst? Was für ein Kaktus war das überhaupt?
Was kann man hören, was riechen und vielleicht sogar schmecken? Was ertasten?
Da ich kein Plotter bin, überlege ich mir das alles nicht bewusst im Vorfeld, sondern ich entdecke die Geschichte, während ich aus dem Bauch heraus schreibe. Es macht also nichts, wenn die vielen Fragen Dich überfordern oder sogar abschrecken. Vergiss sie einfach!
Für eine detaillierte Beschreibung kann die Bildersuche einer Suchmaschine helfen. Achtet nur darauf, nicht zu sachlich zu werden.
Dazu passen zwei Figuren, die sich gegenseitig dafür die Schuld zuschieben wollen, dann haben wir auch schon einen Konflikt.

Hier ein Innerer Monolog als Texteinstieg:

Der Kaktus war sein ganzer Stolz gewesen. Vom kleinen Mitbringsel an, das auf dem Schreibtisch Platz gefunden hatte, hatte er ihn gehegt und gepflegt, bis er kaum noch durch die Terrassentür passte. Das war sicher auch der Grund dafür, dass seine Frau den armen Kojoten, wie Ewald die Kaktee in seiner Jugend getauft hatte, gestern Abend nicht ins Haus geholt hatte. Sie hatte das Risiko des Nachtfrosts auf die leichte Schulter genommen. Zugegeben, im Juli war das auch recht unwahrscheinlich. Trotzdem. Wie er jetzt aussah!

Hier eine Beschreibung als Texteinstieg:

Kojote war nur noch ein jämmerlicher Haufen grüner Matsch. Es schnitt Ewald ins Herz, ihn so zu sehen. Seine einst so stolzen Äste hingen schlapp herunter, waren geborsten und sein Inneres war auf die Fliesen gelaufen. Sogar Kojotes hübscher blauer Blumentopf mit den weißen Blumen, den die Kinder bemalt und ihm, Ewald, zum Geburtstag geschenkt hatten, war zerbrochen. Offensichtlich hatte Christa es gut gemeint und den Kaktus am Vorabend besonders ausgiebig gegossen.

Hier ein Dialog (mit Beschreibung und innerem Monolog gemischt = szenische Darstellung) als Texteinstieg:

»Christa, sieh ihn dir an!« Ewald rannten die Tränen übers Gesicht.
In Morgenmantel und Hausschuhen schlurfte sie näher. »Wasn?«
»Kojote ist tot! Du hast ihn ermordet!«
»Ich hab was?!« Jetzt war seine Frau hellwach, obwohl sie noch nicht ihre erste Zigarette geraucht, geschweige denn Kaffee getrunken hatte. Das Frühstück bereitete Ewald üblicherweise erst für sie beide, nachdem er morgens als erstes nach Kojote gesehen hatte.
»Der Kaktus! Er ist nur noch Matsche! Was hast du getan?« Er wischte sich die Tränen ab, ballte jetzt die Fäuste, sein wutrotes Gesicht verzerrt.
»Na, ich hab ihn gegossen. War ganz ausgetrocknet. War det falsch?«
»Ersäufen ist eine Sache, da hätte ich was gegen tun können. Aber du hast ihn über Nacht draußen gelassen. Er ist erfroren!«
»Erfroren? Das geht?«
Ewald raufte sich die Haare. Sein Blick fiel auf die Gartenschere.
»Hättest ihn ja selbst reinholen können.«

Meine Textbeispiele können als fortlaufende Geschichte gelesen werden, aber sie funktionieren auch für sich als Einstieg. Du entscheidest, wo und wie Deine Geschichte beginnt. Fang also einfach innerhalb Deiner Komfortzone an und steigere Dich nach und nach mit kleinen Herausforderungen.
Viele von uns müssen sich erst mal warmschreiben und streichen den Anfang später weg. Auch ich gehöre dazu, weshalb ich bei Romanen vorher Zusammenfassungen aus Sicht der wichtigsten Figuren und aus der »Vogelperspektive« schreibe. Das ist dann schon der erste Entwurf für die Zusammenfassung des Inhalts für ein Exposé. Wenn Du lieber gleich ein Exposé schreibst, tu das, wenn man Dich damit jagen kann, bleib hier!

Schreibübung: Googel nach einem Foto von einer Pflanze, überlege dir, warum sie eingegangen ist und welche Auswirkung das auf zwei Figuren hat, die genau darüber sprechen.

Tipp: Was man machen kann, wenn einem so gar nichts einfällt, hatte ich in einem älteren Beitrag schon einmal beschrieben: Weg mit der Maurerblockade!

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Lies mal, wer da quatscht – Dialoge in Prosa (2), Figuren und ihre Konflikte in Szene setzen

Wichtiger als die Form ist beim Entwerfen eines Dialogs der Inhalt, was auch damit im Zusammenhang steht, wer da miteinander spricht. Deshalb kann man die Figurenentwicklung auch meiner Ansicht nach nie so genau von der Handlung trennen – ich schreibe figurengetrieben, andere handlungsbasiert. Ich passe lieber die Geschichte dem an, wie sich die Leute in einer bestimmten Situation verhalten würden, als die Leute dem anzupassen, was ich mir für den Verlauf der Geschichte ausgedacht habe.
Aus diesem Grund steht bei mir immer zuerst der Dialog und alles andere folgt dann danach.
Ich gehe auch nicht so heran, dass ich eine Szene konstruiere und abhake, ob ich einen Konflikt drin habe, die Spannung zu- oder abnimmt und auch ja alle Motive-Relation-Units (MRU) hübsch ins Scene-Sequel-Schema passen. Damit befasse ich mich allenfalls bei der Überarbeitung, aber nicht beim Schreiben.

Wie entwerfe ich also einen Dialog?
Ich versetze mich in die Figur, aus deren Sicht die Szene oder die Geschichte erzählt wird und lasse sie sprechen. Meistens habe ich dazu ein Anfangsbild, in das ich eintauche. Ich nehme etwas wahr, meistens habe ich ein Gegenüber (sonst kein Dialog), ich höre also, was gesagt wird, ich sehe die andere Person, ich habe Gefühle als Reaktion auf die Einflüsse, die auf mich hereinprasseln – ich erlebe die Szene so, wie der Leser sie später bestenfalls auch erleben soll. Dabei weiß ich, dass in dessen Kopf ein anderer Film läuft als in meinem – Hauptsache, da läuft einer.
Gutes Stichwort!

Der Film lief gerade an, da wurde die Tür aufgestoßen.
»Nicht abspielen!«

Da haben wir gleich einen Konflikt. Jemand will verhindern, dass der Film abgespielt wird, der soeben angelaufen ist. Das sind zwei gegensätzliche Ziele.

»Gehts noch?! Sie können hier nicht so einfach reinplatzen. Bitte begeben Sie sich auf ihren Sitzplatz oder verlassen Sie den Saal.«
»Wissen Sie, was für ein Film das ist, den Sie da zeigen wollen?« Sie versuchte, an die Maschine zu gelangen. »Schalten Sie das ab!«
Er stellte sich ihr in den Weg. »Für wen halten Sie sich? Ich bin hier der Filmvorführer. Verlassen Sie den Saal, sonst lasse ich Ihnen Hausverbot erteilen.«
»Das ist nicht nötig. Hanne Müller-Meier, Kripo Dortmund. Stoppen Sie die Vorführung.« Sie zeigte ihre Marke.

Man kann das Kräfteverhältnis hin- und herschaukeln lassen und so die Sache immer weiter eskalieren lassen. Er widersetzt sich, sie zieht die Waffe, er ist ebenfalls bewaffnet, die Verstärkung wartet schon, es entpuppt sich als ein Hinterhalt, endlich trifft das SEK ein … und um was für brisantes Filmmaterial es sich eigentlich handelt, ist immer noch nicht aufgelöst.

Was wir hier noch nicht haben, ist eine klare Erkennbarkeit der Erzählperspektive und was völlig fehlt, sind die Gefühle. Es gibt keinerlei Innenschau, denn die gäbe es ja nur aus einer Perspektive. Vermutlich ist er der Perspektivträger, da die Szene mit ihm beginnt – man sollte immer mit demjenigen anfangen, aus dessen Sicht die Szene erzählt wird, um das (also den Point of View, kurz POV) gleich klarzustellen. Ich könnte jetzt auch sie wählen, indem ich den Anfang ändere. Aber bleiben wir mal bei ihm.

Der Film lief gerade an, da wurde die Tür aufgestoßen.
»Nicht abspielen!«
Was wollte die denn hier? »Gehts noch?! Sie können hier nicht so einfach reinplatzen.« Rolf schüttelte den Kopf und wies zur Tür. »Bitte begeben Sie sich auf ihren Sitzplatz oder verlassen Sie den Saal.«
»Wissen Sie, was für ein Film das ist, den Sie da zeigen wollen?« Sie versuchte, an die Maschine zu gelangen. »Schalten Sie das ab!«
Die tickte doch nicht sauber! Er stellte sich ihr in den Weg. »Für wen halten Sie sich? Ich bin hier der Filmvorführer. Verlassen Sie den Saal, sonst lasse ich Ihnen Hausverbot erteilen.« Demonstrativ verschränkte er die Arme, um Entschlossenheit zu zeigen, doch am liebsten würde er ihr das Feld überlassen.
»Das ist nicht nötig. Hanne Müller-Meier, Kripo Dortmund. Stoppen Sie die Vorführung unverzüglich.« Sie zeigte ihre Marke.
Erleichterung machte sich in ihm breit.

Ich verwende hier das Stilmittel der erlebten Rede. Jetzt merkt man, dass er ein ganz schöner Hasenfuß ist. Das hätte man vorher nicht gedacht, oder? Nun zeigt sich auch, dass die Wahl des POV die richtige war, denn man sollte immer aus Sicht der Figur erzählen, die die größte emotionale Herausforderung hat.
Da ich bei der Polizistin keine Innenschau zur Verfügung habe, um sie zu charakterisieren, habe ich ihr noch ein Wort in den Mund gelegt. Ihn habe ich Rolf genannt, was einen Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter geben könnte.
Die Stimmung der Szene ist hier im Übrigen am Anfang aufgeladen und am Ende ruhig. Ich hätte auch von davor erzählen können, wie der Mann in aller Ruhe die Filmrolle einlegt und dann am Ende abbrechen, als plötzlich die Frau im Raum steht, das wäre dann der umgekehrte Fall. Sind Anfang und Ende ruhig, ist die Szene langweilig.

Was man jetzt noch ergänzen könnte, um Atmosphäre zu schaffen, sind Sinneswahrnehmungen wie Gerüche, Geräusche, Ertastetes. Wie riechen die Filmrollen? Riecht es nach Maschinenöl? Wie ist das Licht in dem Raum? Gibt es eine knackende funzelige Deckenleuchte, kaltes Neonlicht oder sogar nur Rotlicht? Hört man die Zuschauer Popcorn knabbern, riecht man es? Ist der Boden rutschig, sind die Wände versifft oder frisch gestrichen?
Macht das doch mal als Übung!

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Lies mal, wie gequatscht wird – Dialoge in Prosa (1), Zeichensetzung

Manche Autor:innen, die zum ersten Mal eine Geschichte schreiben, wollen es gleich richtig machen und nicht mehr die „langweiligen“ Anführungszeichen über der 2 benutzen, sondern die wie im Buch.
Was ich dann manchmal sehe, ist das hier:

> > Oh, wie furchtbar! < <, rief Ingo. Oder: <<Bitte nicht!>>

Das ist nicht schlimm, wenn man sich mit seinem Textverarbeitungsprogramm anfangs noch nicht so gut auskennt. Das lässt sich alles einstellen, und später mit Suchen und Ersetzen (Strg + F) automatisch korrigieren.
Es gibt “englische Anführungszeichen”, die im Deutschen nicht korrekt sind.
Es gibt die normalen „deutschen Anführungszeichen“, die man auch mit der Hand schreibt.
Es gibt die Guillemets in den Varianten «Buchdruck» (in Schweiz und Frankreich gebräuchlich) und »Buchdruck umgedreht«, wie wir sie aus Deutschland kennen. Diese Begriffe zu kennen, ist schon einmal hilfreich, wenn man nach einer Anleitung sucht.
Das einfache Anführungszeichen wird entsprechend korrespondierend gewählt, sodass es stilistisch zusammenpasst. Die verwendet man, wenn man wörtliche Rede innerhalb wörtlicher Rede zitiert, also die eine Figur wiederholt, was die andere gesagt hat, beispielsweise.


Der Apostroph ist dann wiederum ein anderes Zeichen, das liegt auf der Taste mit der Raute oben:

Herr Anders’ Apostroph.

Ein Fehler, den ich selbst am Anfang gemacht habe, ist einer, der die Interpunktion betrifft. Er passiert mir heute noch als Flüchtigkeitsfehler, obwohl ich es eigentlich besser weiß. Sogar in gedruckten Büchern habe ich es schon gesehen.

»Schaut euch mal das Beispiel an.«, sagte Ingo.

Es geht um den Punkt. Das war mir beim Lesen von Büchern nie aufgefallen, aber wenn ein Punkt am Ende der direkten Rede wäre, weil der Satz zu Ende ist, und darauf ein Komma folgt, dann entfällt dieser Punkt. Frage- und Ausrufezeichen bleiben dagegen erhalten. Deshalb schleicht sich so ein Fehler immer wieder ein, auch im Rahmen der Überarbeitung, etwa weil man ein Ausrufezeichen doch wieder zurücknimmt. Es lohnt sich auch hier, mit Strg + F nach dieser Zeichenkombination zu suchen und sie gnadenlos zu ersetzen.

Was mir ebenfalls passiert ist:

»Macht das bitte nicht zu Hause nach«, lachte Ingo.

Wer zuletzt einen Satz gelacht hat, werfe den ersten Stein. Macht auch bitte ein Video bei Youtube und verlinkt es in den Kommentaren, damit ich mir das anhören kann. Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinauswill: Das ist recht unwahrscheinlich bis unmöglich.

Besser: »Macht das bitte nicht zu Hause nach.« Ingo lachte.

Und Obacht: Jetzt muss der Punkt natürlich wieder hin!
Es gibt noch eine Reihe ungeeigneter Sprecherverben (auch Inquits genannt):

  • lächelte
  • grinste
  • schnaufte
  • strahlte
  • schimpfte

Im Grunde reichen fragte, sagte und rief völlig aus, aber wenn ihr auch das weglassen könnt, weil klar ist, wer spricht – dann lasst es weg.
Der Trick besteht darin, die Person etwas wahrnehmen oder tun zu lassen und das in dieselbe Zeile zu schreiben. Manchmal sprechen auch die Figuren einander mit Namen an.

Ingo griff nach der Hundeleine.
»Hast du’n Rad ab, Alter?«
Er ging nicht darauf ein, sondern sah betont teilnahmslos aus dem Fenster. Es wurde gerade hell.
»Willst du wirklich so früh …?«
»Will ich, Mia. Und du kommst mit.«
Sie grunzte.
»Komm, Jack!«

In diesem Beispiel seht ihr drei Punkte. Stehen die am Ende der wörtlichen Rede, weil der Satz nicht zu Ende gesprochen wird, dann muss ein Leerzeichen davor sein und dahinter darf keins sein. Steht es dagegen … mitten im Satz, weil die Figur nach Worten sucht, dann muss vorne und hinten je ein Leerzeichen sein.
Ingo hätte Mia auch unterbrechen können:

»Willst du wirklich –«
»Mia!«

Dann verwendet man den Gedankenstrich.

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Wie geht es weiter?

16 Wochen mit kurzen Geschichten sind vorbei. 100 Geschichten in 100 Tagen – ein großartiges Experiment, bei dem ich sehr viel gelernt habe. Unter anderem, dass nicht jede kurze Geschichte auch gleich eine Kurzgeschichte ist und die meisten meiner – aufgrund ihrer Länge – Kürzestgeschichten sind.

Wenn ich mich mit Autor:innen vergleiche, die so erfolgreich sind, dass sie vom Schreiben leben können, dann fühle ich mich daneben unwürdig und wenig fortgeschritten.
Wenn ich aber einen Blick auf meine tatsächlichen Fortschritte werfe, dann weiß ich, dass ich in den Jahren, seit ich schreibe, sehr viel dazugelernt habe. Ich kann mich noch sehr gut an meine eigenen Anfänge erinnern. Und damit meine ich nicht die Geschichte, die schon zu meiner Grundschulzeit in der Tageszeitung landete, ich meine den Moment, als ich mir das erste Mal in einem Forum Feedback von anderen Schreibenden holte.
Auf meiner Festplatte schlummern weitaus mehr Texte, die zu überarbeiten nicht lohnt, als solche, auf die ich wirklich stolz bin. Trotzdem habe ich sie alle aufgehoben! Sie zeigen mir meine Entwicklung. Und vielleicht greife ich eines Tages die ein oder andere Idee noch einmal auf und schreibe die Geschichte neu.

Ich möchte also an dieser Stelle künftig in die Grundlagen des Schreibhandwerks einführen, soweit ich sie selbst beherrsche.
Wer meine Geschichten vermisst, kann mein eigenes Blog abonnieren. Da plane ich, bald mit einer interaktiven Fortsetzungsgeschichte zu starten.

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