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Autorinnen und Autoren im Netz

einfach drauflos oder doch lieber plotten?

Für mich ganz klar: beides!

Ich bin weder discovery writer noch outliner, kein reiner Bauchschreiber und kein Planer, der alles von vorne nach hinten bis ins kleinste Detail durchplottet, und ebenso geordnet runterschreibt. Bei mir liegt eher ein Fall von Zoom-Plotting vor, wie Jacky sagt. Auch wenn ich mich bemühe, von vorne nach hinten zu schreiben, um später in den Schreibprojekten der Reihe nach kapitelweise einstellen zu können, so klappt das nicht immer.

  1. Ich schreibe einfach drauflos mit einzelnen Bildern  oder einem Wortwechsel vor Augen sowie einer Grundidee im Hinterkopf und lerne meine Figuren dadurch kennen, wie sie gerade so spontan miteinander interagieren.
  2. Aus dem Gefühl für die Figuren ergibt sich dann, wie sie handeln würden, wenn sie in bestimmte Situationen kämen. Ich überlege mir mithilfe der 15-Punkte-Struktur eine grobe Rahmenhandlung, die ich aus der Grundidee entwickle, mit der ich das Vorhaben für diese Geschichte überhaupt gefasst habe.
  3. Zweiseitige Zusammenfassungen der Geschichte aus Sicht der wichtigsten Figuren bringen mir Figuren und Handlung näher. Erste Eckdaten zu den einzelnen Figuren halte ich schonmal fest, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Später, wenn ich meine Pappenheimer kenne, brauche ich vielleicht nicht mehr nachzusehen. Aber gerade am Anfang war es hilfreich, nochmal zu Details nachlesen zu können.
  4. Ich beginne mit der ersten Etappe (das Set-Up) und überlege mir, welche Szenen die gewohnte Welt gut zeigen können. Wenn ich die erste Etappe runtergetippt und die Szenen skizziert habe, denke ich über die Szenen für die nächste Etappe nach.
  5. Ich schreibe meinen ersten Entwurf so gut es geht von vorne nach hinten und führe nebenher eine Kapitelliste mit den wichtigsten Eckdaten zu jeder Szene, um nicht den Überblick zu verlieren. Ich habe das Ende klar vor Augen, aber die meisten Szenen liegen im Nebel und je weiter ich von Kapitel zu Kapitel vordringe, desto klarer wird die Sicht auf sie. Dabei entdecke ich jede Szene für mich neu, weil ich vorher nur eine grobe Vorstellung hatte über den Ort, die handelnden Figuren und den zentralen Konflikt. Kurz gesagt, ich arbeite mich vom Groben zum Feinen durch und bastel an das erste bissl Text nach und nach in mehreren Schüben immer was dazu.
  6. Sobald ich irgendwo alleine nicht mehr weiterkomme, hole ich mir Feedback von meinen Kollegen aus dem Forum, die auch in den Schreibprojekten an ihren Romanen arbeiten. Dort poste ich kapitelweise meinen Roman. Den Chat nutze ich auch gerne, um über die Planung der nächsten Szenen zu fachsimpeln oder wenn ich mir unschlüssig bin, ob ich ein Kapitel auch wirklich brauche, dann hole ich mir diesbezüglich Rat.
  7. Da nur ausgewählte User des Forums auch bei den Schreibprojekten Zugriff haben, sind genügend Interessierte übrig, die ich später als Probeleser gewinnen kann. Aber davon bin ich im Augenblick noch weit entfernt, ich habe ja gerade erst richtig angefangen. Es gibt erst sechs Kapitel, die über den allerersten Entwurf hinausgekommen sind und die muss ich erst noch (mehrmals) überarbeiten. Viele weitere noch ganz neu entwerfen bzw vorher oder mittendrin planen.

Ich habe bei mir verschiedene Arbeitsmodi festgestellt, die ich nach Möglichkeit alle voll ausschöpfen will:

  • Wenn es ums Planen geht, dann plotte ich im Chat, ich stelle also Fragen zu Konflikten, die ich habe oder ich lasse mir Löcher in den Bauch fragen über meine Figuren und die Handlung. Das regt meine Phantasie an und ich komme in Schreibstimmung. Dazu muss ich aber auch aufnahmefähig sein, sonst raubt es mir den Schlaf.
  • Wenn ich – gerade bei fehlendem Schlaf – schreibwütig bin, dann lasse ich das möglichst gleich raus. Ich fange, falls mich mehrere anlachen, mit der frühestmöglichen Szene an und arbeite mich dann weiter nach hinten. Irgendwann ist alle und ich brauche dann auch bald Erholung.
  • In der dann folgenden Bastelstimmung fange ich an, die ersten Entwürfe nach und nach auszubauen. Hier sind Schreibdruck und Tempo nicht mehr so hoch, denn für das Basteln brauche ich keine zusätzliche Inspiration, da habe ich ja den bereits vorhandenen Text, an den ich anknüpfen kann.
  • Wenn ich Überarbeiten will, lasse ich den inneren Kritiker raus. Dazu ist es hilfreich, den Textabschnitt eine Weile nicht gelesen zu haben, damit er “fremd” wird. Sobald mein innerer Kritiker restlos zufrieden ist, hole ich ihm Verstärkung: In den Schreibprojekten kritisieren wir gegenseitig unsere werdenden Romane.
  • Da ich häufig Selbst- und Textzweifel bekomme, hat es sich bewährt, die Ergebnisse meiner einzelnen Arbeitsschritte getrennt zu sichern. So fällt nichts der Löscheritis zum Opfer und ich kann jederzeit zurückrudern und doch nochmal etwas aus einer früheren Version retten.

Meiner Erfahrung nach muss jeder seinen eigenen Arbeitsstil finden, der zu ihm passt. Ich habe bei verschiedenen erfolgreichen Autoren hier und da etwas abgeschaut, was für mich passend war.

Ich hadere nicht mit mir, weil ich jetzt gerade nicht meine neuen Szene anfangen kann, sondern tue das, was ich in meiner gegenwärtigen Stimmung gerade am besten tun kann – und wenn das Recherche ist.

Und ich rufe mir immer wieder ins Gedächtnis, dass die Zeit, in der ich mit etwas anderem beschäftigt bin (zB Bloggen, Essen, Einkaufen), von meinem Unterbewusstsein genutzt wird, um den Text weiter reifen zu lassen.

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

Ob das alles zum Erfolg führen wird, kann ich euch leider noch nicht sagen.

Aber es macht auf jeden Fall einen Riesenspaß!

Euer Ingo

PS: Streng genommen ist es bereits ein Erfolg, dass ich immer noch am Ball bin und noch nicht aufgegeben habe. Über die ersten dreißig Seiten war ich bei früheren Versuchen nicht hinausgekommen. So viel geplottet habe ich aber auch noch nie.

4 Kommentare

  1. Andre Marto

    Ich bin ganz klar der Plotter 😉
    Ideen kommen und ich versuche diese schnell aufzugreifen. Dann passe ich das dem Plot an. Einfach drauflos schreiben kann ich nicht, denn meine Stories sind zum Teil so komplex, dass es gar keinen Sinn machen würde zu schreiben ohne Bezug auf die Story, den Inhalt oder die Figuren.

    Drauflos schreibe ich bei Szenen, da kommt dann alles zum Vorschein und ich hacke auf die Tastatur wie es mir gerade in den Sinn kommt. Natürlich können das längere oder kürzere Szenen sein. Hauptsache ungefiltert. Diese speicher ich auch ab und setze sie dann in die jeweilige Hauptstory. Wenn ich Szenen beschreibe – stelle ich ganz viele Fragen. Diese Fragen beantworte ich während des Schreibens. Jeder Versuch wird gespeichert. Ich hatte schon mal zwanzig Szenen zu ein und demselben Anlass. Mein Online Anbieter https://evernote.com/intl/de rauft sich schon die Haare, aber das stört mich nicht. Das geniale dabei ist, ich setze mich an einen meiner Arbeitsplätze, starte Evernote und alle Notizen, Szenen etc. sind dort wo ich gerade tippe.
    *G*e*n*i*a*l*

    • Ingo S. Anders

      Klingt doch ganz ähnlich, auch ein sowohl als auch, nur anders. 🙂

      Mein Arbeitsplatz ist zu Hause und dabei bleibt es bis auf Weiteres. Klingt aber nach einem prima Programm für alle Ortsungebundenen. Vielleicht kommt das später auf mich zu, wenn ich Lesungen halten muss.

      • Andre Marto

        Ach ja die Arbeitsplätze….bereits durch meine Pendleraktivität habe ich wechselnde Schreibplätze. Aber auch Turniere meines Sohnes besuchen, bannt mich immer wieder für mehrere Stunden – so ich denn Augen für das Smartphone und nicht fürs Spiel habe….

        “anders” – da war es wieder 😛

      • Ingo S. Anders

        Ja, jeder Jeck is anders ;D

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