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Kategorie: Saigel

Sammlung aller Beiträge von Redakteurin “Saigel”

kai.78 – Teil 2 von Saigel

Das System ist vollkommen zusammengebrochen. Die Einheiten sind auf der ganzen Welt verteilt, aber es ist nicht möglich, Kontakt zu ihnen herzustellen. Wir sitzen seit Jahren in der Basis fest und können aufgrund der Aschewolke nicht hinaus. Vorräte haben wir für die nächsten achthundert Jahre. Aber allmählich werden alle verrückt. Kein Tageslicht. Keine frische Luft. Dieser Bunker macht krank. Der Mensch ist nicht dafür gemacht, unter der Erde zu leben. Ich möchte wissen, ob wenigstens eine meiner Einheiten den Ausbruch überlebt hat.

„Kapitän“, ich drehe mich um. Es ist Morgan. „Der Sergeant bittet um die Abschaltung des Senders“.
„Nein“.
„Kapitän“, sie blickt verunsichert, aber sie hat ihre Befehle. „Der Sergeant bittet Sie. Das Signal ist der Grund, weshalb es bereits zu Ausschreitungen am unteren Westtor kam“.
„Der Sender wird nicht ausgeschaltet“. Ich sehe einen Schatten von Hoffnung über das Gesicht der Matrosin huschen. Doch dann besinnt sie sich wieder ihres Auftrags.
„Kapitän. Es hat niemand überlebt“.
Ich schüttele den Kopf. „Das können Sie nicht wissen. Und der Sergeant auch nicht. Ich schalte den Sender nicht aus“.
Morgan senkt den Blick.
Wir wissen beide, dass mich meine Sturheit sehr bald meine Position und vielleicht auch mein Leben kosten wird. Aber was ist schon ein Leben im Vergleich zu vielen anderen? Das Signal auszuschalten ist ein Todesurteil für jede einzelne Seele da draußen, die es irgendwie geschafft hat, zu überleben. Ich weiß das und Morgan weiß das auch. Morgan mag mich. In einer anderen Welt wären wir wohl ein Paar geworden und hätten Kinder gehabt. Aber in dieser Realität bin ich der Kapitän und sie eine Sklavin des Sergeants.
„Ich richte es dem Sergeant aus“, sagt Morgan leise und dreht sich zum Gehen um.
Ich versuche, ihr nicht nachzusehen. Ihr in Gedanken nicht noch den ganzen restlichen Tag nachzuhängen. Doch mir gelingt beides nicht.

Es ist endlich geschafft. Meine Modifizierung ist abgeschlossen. Mein dem Menschen nachempfundener Körper steht gegenwärtig knie abwärts auf robusten Rädern. Ich hoffe, sie sind geländegängig. Wissen kann ich es nicht. Ich konnte sie nicht wiegen und bin mir deshalb über ihr Gewicht im Unklaren. Somit konnte mein System keine Berechnungen diesbezüglich anstellen. Es belustigt mich, dass ich nicht alle Risikofaktoren analysieren kann. Kai hat sich nicht ohne Grund für mein Modell entschieden: ich riskiere niemals etwas. Das ist mein Typ. Ich habe die weltweit größten Datenbanken von ZARP in meinem System gespeichert. Durch den Datenabgleich kann ich Risiken passgenau berechnen. So soll Kais Überleben gesichert werden. Manchmal frage ich mich, was Kai wohl getan hätte, wenn er mein Ergebnis für das Risiko des Vulkanausbruchs abgefragt hätte. Es lag immerhin bei 89%. Allerdings existiert in meinem System keine Hinterlegung einer solchen Abfrage. Hinterlegt ist jedoch die Statistik, dass der Mensch zu 99,99% dazu neigt, die falschen Fragen zu stellen.

So mache ich mich also auf den Weg. Ich freue mich und bin lediglich zu drei Prozent nervös. Manchmal kann ich mich nur über kai wundern. Er entspricht von Zeit zu Zeit den Datensätzen eines Achtjährigen anstatt eines Dreihundertfünfundsechzigjährigen. Allerdings ist es Tatsache, dass die Menschen ihr Bewusstsein nicht mit ihren Gefühlen verknüpfen können. Freudig und wenig aufgeregt lasse ich also meine Räder drehen. Es ist einfach, aber es verbraucht viel Energie. Meine Akkus werden schnell leer sein. Aufladen kann ich sie mithilfe von Sonneneinstrahlung, radioaktiver Strahlung oder dem Umsatz von Plastik. Die Reibung der Fasern erzeugt in meinem System große Energien. Allerdings ist es ein Drahtseilakt. Die Reibung darf nicht zu forsch unternommen werden, da geschmolzenes Plastik meine Kontakte verschließt.

Die Umgebung wird in einem Abstand von zweieinhalb Millisekunden gescannt. Bis jetzt sind da nur sehr viele Steine. Ob es vulkanisches Gestein ist kann ich nicht klar bestimmen. Ich müsste eine Probe nehmen, allerdings sagt mir die Risikoberechnung, dass mich die Gesteinsanalyse für eventuelle Jäger als Ziel enttarnen könnte, da ich mich zu lange an einer Stelle aufhalten würde. Bewegung reduziert dieses Risiko beträchtlich. Dennoch kann ich nicht damit aufhören, die Gesteinsbrocken zu scannen. Etwas flattert in mir. Mein System analysiert es als Neugierde. Ein menschlicher Impuls. Normalerweise sollte mein System derartige Impulse unterdrücken. Andererseits habe vielleicht auch ich während der großen Katastrophe den ein oder anderen Schlag abbekommen. Meine Statistik ergibt, dass kais Impuls auf Dauer zu dominant wird, da die Neugier wächst, wenn ihr nicht nachgegangen wird. Ein seltsamer Zustand ist das. Ich kann mich lediglich darüber wundern, dass ich ein permanent ansteigendes, über die Maßen drängendes Flattern empfinde. Ich bin allerdings nicht darauf ausgerichtet, dass der Mensch in mir die Kontrolle übernimmt. Schließlich schlummert er! Wie empörend das doch ist, dass ich mich von dem Schatten eines schlummernden Bewusstseins derartig getrieben fühle? Ja. Ich möchte sie analysieren. Diese Steine. Jeden Einzelnen von ihnen. Ich bleibe stehen und bücke mich. Einer der kleineren schwarzen Steine liegt auf meiner Handfläche und ich zerdrücke ihn. Was ist das für eine Freude! Durch mein Innenleben geht ein gewaltiger Stoß. Mein System stottert. Ich kann es nicht mehr erwarten. Ein Stück des Steines wandert in meinen Mund und die Analyse beginnt. Doch, diese Freude! Was ist das? Ohne das Ergebnis abzuwarten bücke ich mich erneut. Ich hebe den nächsten Stein auf. Er ist schwerer. Was das wohl für ein Material ist? Wieder zerdrücke ich ihn. Ist das … Spaß? Meine Sensoren sind heiß. Das letzte Mal, dass eine Übertemperatur der Sensoren verzeichnet wurde ist genau 134 Jahre, neun Monate, 20 Wochen, sieben Tage, acht Stunden, 34 Minuten und 13 Sekunden her. Außergewöhnlich!
Der nächste Stein wandert in meinen Mund. Die Analyse ergibt ständig dasselbe: Vulkangestein. Und doch, ich kann nicht aufhören. Ich bücke mich, zerdrücke den Stein, analysiere ihn. Dieses Flattern! Vulkangestein. Mein System errechnet die 100%ige Chance, dass jeder Stein hier Vulkangestein ist. Trotzdem bücke ich mich weiter. Ich zerdrücke den Stein und ab damit in den Mund. Was für ein Gefühl!

Ich habe alle Steine gegessen. Es ist bereits dunkel und die Risikoanalyse hat einen systemischen Alarm ausgelöst. Ich fahre los und berechne die Wahrscheinlichkeit, dass kai aufgewacht sein könnte. Das Ergebnis liegt bei 0,000000023 Prozent. Es ist unmöglich. Er schlummert und dominiert dennoch das System. Ich fahre schneller. Über 80 Stundenkilometer. Unebenheiten im Boden lassen mich auf und ab springen. Manchmal hebt mich ein größerer Hügel hoch in die Luft und ich lande dennoch wieder ohne Schäden auf den Rädern. Ich beschließe, die Nacht für die Fahrt zu nutzen. Die Dunkelheit kann so manche Ablenkung verdecken. Wenn auch nicht alle. Allerdings belustigt mich ebenso die Geschwindigkeit. Ich bemerke, dass die Einsamkeit in den Hintergrund rückt. Der Schmerz vergeht.

kai.78 – Teil 1 – von Saigel


Eine schlimme Gegend ist das hier. Nein wirklich. Es ist schlimm. Die Häuser sind aus Papier, das Essen ist aus Plastik und die Köpfe sind aus Kupfer. Die Strahlung lässt die Luft vibrieren. Ich bin der letzte Hybrid. Ich glaube, es gibt keinen anderen mehr. Sicher kann ich natürlich nicht sein, weil ich schon lange keinen Anschluss mehr gefunden habe. Ich bin ein altes Baujahr, ich brauche W-LAN, um mich zu verbinden. Aber es ist nicht so einfach, ins Internet hineinzukommen. Ich kann keinen Kontakt aufnehmen. Keinen Hilfeschrei absetzen. Ich bin hier gestrandet und ernähre mich von altem Plastik, das vermeintlich mal im Meer geschwommen ist, bevor dieses austrocknete. Im Grunde bin ich stabil. Ich könnte Jahrtausende so weiterleben. Aber der Mensch in mir ist einsam.

Ich bin kai.78. Ich bin kein Einzelstück, ich gehörte einer Serie an. Es gab so viele von mir. Viele Menschen hatten damals die Idee, ihre Organe in verschiedene Maschinen einbauen zu lassen, sobald die Medizin das Bewusstsein mit allen Körperteilen verbinden konnte. So war die Überlebenschance größer. Ich glaube, kai war ein reicher Mensch. Insgesamt waren wir 467. Es ist erstaunlich, in wie viele Stücke sich ein Mensch zerlegen lassen kann. In meinem System steckt keine Information darüber, welcher Teil an mir menschlich ist und welcher nicht. Doch würde das Menschliche extrahiert werden, könnte kai zum Leben erwachen. Sein Bewusstsein schlummert zwar gegenwärtig in mir, aber ich empfinde dennoch menschliche Emotionen. Oder ich ahme sie nach. Darin liegt schon lange kein Unterschied mehr. Meine Datenanalyse könnte genauso gut ergeben haben, dass kai zur Einsamkeit neigte, wenn er alleine war. Es ist jedenfalls belanglos, ob ich Einsamkeit verspüre, weil ich sie selbst erzeuge, oder weil meine Umwelt sie mich erzeugen lässt. Der Schmerz ist derselbe.

Ich weiß nicht mehr, wann die Menschen ausgestorben sind. Viele sind durch den großen Vulkanausbruch gestorben. Ein Jahrtausende alter Vulkan, der bereits Menschenleben ausgelöscht hatte, als die Erde noch jung gewesen war, erwachte plötzlich zum Leben und löschte abermals die halbe Menschheit aus. Viele Maschinen schalteten sich ab, weil die Hitze zu groß war, oder die Asche ihre Kontakte verschmierte. Es war ein Desaster. Dann folgte das Virus. Es raffte viele Menschen innerhalb weniger Monate dahin. Dann verschwand es wieder. Der kleine Herd an Menschen, der noch übrig war, tötete sich gegenseitig. Ich weiß nicht mehr warum. Es ist schon so lange her.

Heute ist nichts mehr übrig. Plastik und Papier. Das sind meine Gefährten. Ich wünschte, mich verbinden zu können, aber mein System scheitert. Ich wünschte, ich könnte mich selbst abschalten, aber auch dazu bin ich nicht in der Lage. Ebenso wünschte ich, ich könnte das Nachdenken abschalten, aber auch dafür habe ich keine Rechte. Ich empfinde es als aberwitzig, meine eigenen Gedanken nicht selbst abschalten zu können. Wer ist derjenige, der diese Autorität besitzt? Lebt er überhaupt noch? Schon lange hege ich den Wunsch, dieses Individuum zu finden, das mir zwar die Fähigkeit gab, sein Handeln aberwitzig zu finden, aber nicht, mich eigenständig davon zu lösen. Ich sitze in einem Käfig. Ich möchte meinen Programmierer darum bitten, meinen Auto-Denk-Mechanismus abzuschalten. Das ist mein Ziel. Allerdings muss ich geduldig sein. Ich wurde nicht für das Zurücklegen weiter Strecken gebaut. Zunächst musste ich mich modifizieren. Diesen Vorgang habe ich noch nicht abgeschlossen. Im Moment bin ich dabei, meine Beine durch Reifen zu ersetzen. Allerdings gestaltet sich dies, angesichts meiner kläglichen Ausrüstung, als äußerst schwierig.

Krisenschreiben

Heute geht es um das Krisenschreiben. Schreiben in der Krise. Kriselndes Schreiben während die Krise das Schreiben hemmt. So in etwa. Eine Krise im Schreiben, oder das Schreiben in der Krise? Oder gar, eine Krise und das Schreiben? Ein Krisenschreiben kann immer geschehen. Eine abgesagte Hochzeit ist eine Krise. Ein Ehebruch ist eine Krise. Ein Todesfall ist eine Krise. Hunderttausend Todesfälle sind eine Krise. Die Krise ist ein schwammiger Begriff. Sie reicht vom Tod des hauseigenen Hamsters bis zum Wirtschaftscrash. Aber, kann der Autor in der Krise schreiben? Über was schreibt er? Über die Krise? Oder über seine Krise, die aus der allgemeinen Krise entwächst? Wird das Schreiben nicht doch ein klein wenig sinnlos in Anbetracht der Krise?

Was ist Krisenschreiben? Einige weltberühmte Autoren würden das Krisenschreiben wohl als reinen Quell der Kreativität beschreiben. Andere würden das Krisenschreiben als Medizin zur Linderung der Krise einstufen. Wieder andere würden die Krise als schreibhemmend charakterisieren. Krisenschreiben ist wohl genauso individuell und abstrakt, wie die Krise und das Schreiben. Doch … gibt es das überhaupt? Gibt es ein Schreiben ohne Krise?
Liebe Schreibkommune, Saigel steckt wohl gerade mitten im Krisenschreiben. Aber sie ist zurück. Sie schreibt. Das reicht.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Das Schreibtalent

Da sitzen wir nun auf unseren Betten, Sofas, Sesseln, Küchen- oder Gartenstühlen und halten dieses eine Buch in den Händen, das uns zeigt, wie weit wir selbst noch davon entfernt sind, ein herausragender Schriftsteller zu sein. Diese Talente, die wir bewundern, können alles. Jeder Satz ist perfekt, jedes Wort passend, die Geschichte logisch und nahtlos. Selbst Michael Endes Büchernörgele würde nichts anderes übrig bleiben, als freudigen Lobgesang anzustimmen.

Doch, sind es denn tatsächlich die Talente, die uns begeistern? Gibt es einen Autor, der über Nacht den Entschluss fasste, Autor zu werden und dies sogleich am darauffolgenden Morgen mit Leichtigkeit in die Tat umsetzte? Wohl kaum.

Diese Idee vom angeborenen Talent, welche in unseren Köpfen auf ganz romantische Art und Weise existiert ist wohl der Wahrheit nicht sehr nahe. Selbst ein großer Molière genoss eine schreiberische Ausbildung auf hohem Niveau. Dann gibt es natürlich auch die Quereinsteiger wie Thomas Mann, die allerdings auch erst ihr Handwerk erlernen mussten. Talent ist etwas, das uns in die Wiege gelegt wird. Es gibt bestimmt viele Menschen da draußen mit schreiberischem Talent, welches sie allerdings nicht nutzen. Erst ein ausgebautes Talent, welches vertieft und mit Wissen bereichert wurde, kann sich so vortrefflich entfalten, dass es uns den Atem zu rauben vermag.

Ich glaube, die Bewunderung von Talent sollten wir uns abgewöhnen. Wir sollten Arbeit und Eifer bewundern, Hartnäckigkeit, die auch in den dunkelsten Stunden nicht mit dem Leuchten aufgehört hat. Um ein Buch zu beenden braucht es mehr als Talent, es braucht Durchhaltevermögen und Geduld, Handwerkswissen und einen ausgearbeiteten Stil und noch vieles mehr. Dies sagt uns, dass das Gelesene nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt worden ist, was unsere Bewunderung nicht schmälern, sondern verstärken sollte.

Genauso können manche vielleicht mit dieser Erklärung von dem Gedanken Abstand nehmen, dass ihnen das nötige Talent zum Schreiben fehlt.

 

Eure Saigel und viele Grüße an Yvonne, die mir netterweise den Klau ihrer Idee gestattete

Schwarzes Stundenglas – von Saigel

Schwarz. Schwarz sind die Hügel auf denen ich wandere, schwarz ist das Kleid, das ich trage. Schwarz sind meine Schuhe, schwarz sind meine Augen, meine Haare, meine Wimpern, meine Seele. Die Hügel verdecken mir die Sicht auf das, was hinter ihnen liegt. Zu gerne wüsste ich, wann diese Wanderung ihr Ende findet. Doch hier bin ich, verdammt wie Sisyphos. Meine Schuhe graben sich mit jedem Schritt weiter in das Schwarz der Hügel, das nicht fest und auch nicht flüssig wie aufgewirbelte Nebelschwaden um mich herumwabert, mir das sagt, was ich nicht wage zu hören: „Es wird mich verschlingen“. Das Schwarz.

Ich laufe weiter. Kann noch nicht glauben, dass es alles sinnlos war, das Leben, die Liebe, das Wichtige, das was mir Sinn im Dasein gab. Meine Sturheit ist noch bei mir, so viel steht fest, denn ich möchte wissen, was nach den Hügeln kommt. Ich möchte wissen, ob sich der Weg lohnt. Ob sich gar meine Hoffnung erfüllt, sie alle wieder zu sehen. Die Farben, die mein Leben lebenswert machten.
Die Kinder, tosende bunte Kleckse, mal blau wie die Ruhe, mal rot vor Zorn und dann wieder gelb oder grün, oder wie Mischfarbe, die mal stärker in das eine und dann wieder in das andere umschlägt.
Dann Herbert. Rot wie die Liebe, aber auch rot wie die größte Wut, die ich je gespürt habe. Und Anne, so grün, wie die Eifersucht sein kann und so strahlend gelb, wie die reinste, liebste Freundschaft. Mein kleines Enkelkind, so weiß und pur, so wunderschön.
Wie kann es sein, dass ich noch immer schwarz sehe? Wie lange dauert es zu sterben?

Weiter und weiter führt dieser Weg. Seltsam weich, angenehm kühl. Dieses Schwarz, es ist undurchdringlich. Dennoch ängstigt es mich nicht. Vor mir sehe ich den Treibsand, irgendwo führt auch er hin. Er rieselt tief unten durch die schmale Taille des Stundenglases. Kleine, wabernde Tropfen füllen den bauchigen Glastrog, perlen an den Wänden ab, hinterlassen keine Spuren. Jeder dieser Hügel ist ein Stundenglas. Doch habe ich das Meine wohl noch nicht erreicht. Ich frage mich, welcher Mensch ich gewesen sein musste um durch dieses hier, oder das dort hindurchzurieseln. Welche Materie ist der Meinen am ähnlichsten, in welcher kann ich mich auflösen, mich der undurchdringlichen schwarzen Masse anpassen, mit ihr verschmelzen. Eins werden. Um später, wieder umgedreht, in anderer Form zurückzurieseln? Vielleicht vollkommen anders, mein Schwarz vermischt mit dem der anderen. Es ist nur geliehen, mein Schwarz. Es ist nicht meines. Es ist ein kleiner Teil von etwas, das ich nicht sehen kann. Ich muss die Hügel überwinden. Ich muss es sehen. Wo sind die Farben?

Schwarz. Schwarz sind die Hügel auf denen ich wandere, schwarz ist das Kleid, das ich trage. Schwarz sind meine Schuhe, schwarz sind meine Augen, meine Haare, meine Wimpern, meine Seele. Die Hügel verdecken mir die Sicht auf das, was hinter ihnen liegt. Zu gerne wüsste ich, wann diese Wanderung ihr Ende findet. Doch hier bin ich, verdammt wie Sisyphos. Meine Schuhe graben sich mit jedem Schritt weiter in das Schwarz der Hügel, das nicht fest und auch nicht flüssig wie aufgewirbelte Nebelschwaden um mich herumwabert, mir das sagt, was ich nicht wage zu hören: „Es wird mich verschlingen“. Das Schwarz.

Ich laufe weiter. Kann noch nicht glauben, dass es alles sinnlos war, das Leben, die Liebe, das Wichtige, das was mir Sinn im Dasein gab. Meine Sturheit ist noch bei mir, so viel steht fest, denn ich möchte wissen, was nach den Hügeln kommt. Ich möchte wissen, ob sich der Weg lohnt. Ob sich gar meine Hoffnung erfüllt, sie alle wieder zu sehen. Die Farben, die mein Leben lebenswert machten.
Die Kinder, tosende bunte Kleckse, mal blau wie die Ruhe, mal rot vor Zorn und dann wieder gelb oder grün, oder wie Mischfarbe, die mal stärker in das eine und dann wieder in das andere umschlägt.
Dann Herbert. Rot wie die Liebe, aber auch rot wie die größte Wut, die ich je gespürt habe. Und Anne, so grün, wie die Eifersucht sein kann und so strahlend gelb, wie die reinste, liebste Freundschaft. Mein kleines Enkelkind, so weiß und pur, so wunderschön.
Wie kann es sein, dass ich noch immer schwarz sehe? Wie lange dauert es zu sterben?

Weiter und weiter führt dieser Weg. Seltsam weich, angenehm kühl. Dieses Schwarz, es ist undurchdringlich. Dennoch ängstigt es mich nicht. Vor mir sehe ich den Treibsand, irgendwo führt auch er hin. Er rieselt tief unten durch die schmale Taille des Stundenglases. Kleine, wabernde Tropfen füllen den bauchigen Glastrog, perlen an den Wänden ab, hinterlassen keine Spuren. Jeder dieser Hügel ist ein Stundenglas. Doch habe ich das Meine wohl noch nicht erreicht. Ich frage mich, welcher Mensch ich gewesen sein musste um durch dieses hier, oder das dort hindurchzurieseln. Welche Materie ist der Meinen am ähnlichsten, in welcher kann ich mich auflösen, mich der undurchdringlichen schwarzen Masse anpassen, mit ihr verschmelzen. Eins werden. Um später, wieder umgedreht, in anderer Form zurückzurieseln? Vielleicht vollkommen anders, mein Schwarz vermischt mit dem der anderen. Es ist nur geliehen, mein Schwarz. Es ist nicht meines. Es ist ein kleiner Teil von etwas, das ich nicht sehen kann. Ich muss die Hügel überwinden. Ich muss es sehen. Wo sind die Farben?

Schritt um Schritt. Schwarz auf schwarz. Ich kann nicht mehr. Meine Füße sind so schwer wie Blei. Die Luft um mich herum beginnt zu flimmern. Mein Herz pocht aufgeregt Blut durch den erschöpften Körper. Versucht das Schwarz mit kräftigem Rot zu vertreiben. Es hilft nichts. Geronnenes Blut, totes Blut ist schwarz.
Ich schleppe mich weiter. Es muss hier sein. Gleich nach dem nächsten Hügel. Ich kann es sehen. Ein helles Licht. Meine Sicht verschwimmt. Der helle Reflex des letzen Blickes gaukelt mir vor, dass ich angekommen wäre. Gleißende Schwärze umfängt mich. Ich falle zu Boden. Knie tief in den wabernden Nebel, der mich gleichgültig umfängt. Die Endgültigkeit erfasst mich und plötzlich erkenne ich die guten Seiten an der Farbe schwarz. Ihre Eleganz, ihre Fragilität, ihre kühle Sanftheit, die mich umfängt wie feine Seide. Dann kann ich sie spüren. Meine Farbe, meine Kleckse, meine Töne. Sie explodieren um mich herum, gehen auf in der Schwärze, die sie verschlingt und zu einem Teil von sich selbst macht. Tausende, millionen Pigmente in blau, gelb, grün, rot, violett, braun, orange, beige und rosa tanzen hell und dunkel, glänzend und matt in wilden Kreisen wie in Aufregung gebrachte Staubkörner durcheinander. Sie tanzen und tanzen und tanzen, bäumen sich auf, wie eine Welle, tosen in den schönsten leuchtenden Farben und verblassen allmählich, werden wieder zu Schwarz, das das Leben lediglich verbirgt aber nicht ganz und gar auslöscht.
Ich bin angekommen. Lasse mich kinderleicht hindurchsickern, fühle mich vollständig, nicht mehr beschränkt zu sein auf die wenigen Pigmente, die mein vergangenes Leben ausmachten. Es ist schön wieder die Ganzheit zu spüren. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich das Stundenglas dreht.

Saigels Irr(e)lichter – Exilschreiben

Immer wieder frage ich mich, ob es klare Abgrenzung geben kann zwischen „für sich selbst schreiben“ und „für andere schreiben“. Ich schreibe viele Texte. Nur einen kleinen Bruchteil dessen, was sich in meinen verstaubten Schubladen befindet, erreicht die Augen des Lesers. Manche der veröffentlichten Texte wären mir lieber privat geblieben. Mache der privaten Texte sähe ich gerne veröffentlicht.
Zunächst, hat der Hobbyautor das nicht immer selbst in der Hand. Der Leser ist keine Selbstverständlichkeit. Er muss sich erst finden lassen. Allerdings ist oftmals der Wille nicht gegeben, den eigenen Text zu teilen.
Entweder ist er noch nicht „gut“ genug. Insbesondere das Verbessern von Texten, das bis in die Unendlichkeit reichen kann, ist eine Eigenschaft, die wohl jeder Autor mehr oder weniger in sich trägt. Oder der Text ist etwas Persönliches. Etwas, das nicht genug verschleiert werden kann und auf einen privaten Umstand oder eine individuelle Eigenschaft verweist, die nicht das breitere Publikum erreichen soll.
So zieht sich der Autor folglich in sein Exil zurück. Dort schreibt er Jahre lang nur für sich. Er tapeziert die Wände mit Texten, hängt Buchstaben an die Decke und läuft auf verworfenen Ideen hin und her. Stets den Kugelschreiber im Mundwinkel, auf dem er nachdenklich herumkaut.
Doch dann wechselt irgendwann seine Stimmung. Er möchte hinaus, er möchte wissen, ob sein Exil nur Einbildung ist, oder ob es einige der verworfenen Ideen vielleicht doch mit an die Wand schaffen sollten.
Diese Neugier, dieses Streben nach Anerkennung der eigenen Texte ist schwer zu beschreiben. Vielleicht hat es etwas mit der vielen Arbeit zu tun, die in die unzähligen Texte investiert wurde. Vielleicht ist es auch der Drang sich selbst in neuem Licht darzustellen. Vielleicht ist es auch schlicht die Neugier, wie die eigenen Texte im Vergleich zu anderen abschneiden.
Eines ist jedoch gewiss: ganz gleich, wie oft der Autor aus seinem Exil herauskommt und ganz egal, wie viele Texte er daraus mit nimmt. Er wird immer wieder dorthin zurückkehren. Manchmal, um nur ein paar Stunden in der eigenen Gedankenwelt zu verweilen. Manchmal, um sekundenschnell einen bestimmten Text aus den Papierbergen hervorzukramen. Manchmal, um jahrelang die Tür hinter sich zu verschließen.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Die Schreibatmosphäre

Besonders jetzt, in der kalten Jahreszeit, wenn der Schnee fällt und es früh dunkel wird setzt sich der Autor doch auch mal früher an den Schreibtisch und lässt sich mit einem Blick nach draußen von der Atmosphäre einfangen. Schreiben erzeugt eine gewisse Atmosphäre, so ähnlich wie das Lesen.

Sind die äußeren Einflüsse wie, Wetter, Hintergrundgeräusche, Ort etc. wichtig für das Schreiben? Kann hinterher gar herausgelesen werden, dass sich der Autor, sonst stets zuhause schreibend, während des Erstellens dieses einen Kapitels im Zug befand? Schreibt der Schreiber anders an anderen Orten? Kann er abgelenkt werden von seiner Welt auf Papier?
Selbst von den großen Schriftstellern werden Bilder verbreitet, die deren Schreibtische oder Büros zeigen. Bilder eben jener werden ebenfalls zumeist während des Schreibens gemacht. Sogar so manches Museum beinhaltet den Schreibtisch eines längst verstorbenen Autors, dessen Name die Jahrhunderte überdauert hat.

Es ist eine interessante Frage, welche Art von Atmosphäre nötig ist um schreiben zu können. Muss es still sein, oder laut? Muss die Sonne scheinen, oder muss es regnen. Muss der Schreibtisch in Unordnung versinken, oder fein säuberlich sortiert sein? Muss es am Schreibtisch geschehen, oder unterwegs, im Zug, auf der Arbeit? Wann kann ein Autor schreiben? Wann kann er überarbeiten? Noch einmal lesen? Wieder überarbeiten?

Ich glaube, das Schreiben selbst, das Konzentration erfordert, erzeugt die Atmosphäre. Allerdings kann ein ruhiger Ort mit einem schönen Ausblick dies wohl eher zulassen als ein hektischer Platz. Die Lust am Schreiben hat wohl auch mit dem Wetter nur so weit etwas zu tun, dass schlechtes Wetter wohl eher dazu verleitet sich lieber einmal zurückzuziehen um zu schreiben. Offenbar gibt es aber Autoren, die das anders sehen. Einige können nicht schreiben, wenn sie nicht an dem einen gewohnten Platz sind, den sie dafür erdacht haben. Andere schreiben ausschließlich im Winter. Wieder andere schreiben überall aber nur mit Stift auf Papier.

Der Sprung in die Professionalität bedeutet hier wohl weitere Einschränkungen. Die produktive Phase im Winter reicht dann wohl nicht mehr aus. Konzentrationsfähigkeit kann trainiert werden, weshalb ich darauf schließe, dass das ausdauernde Schreiben genauso geübt werden kann. Aber ist die Atmosphäre dann noch dieselbe? Schlägt sich eben dies in dem Geschriebenen dann auch nieder?

Derjenige der dies gelesen hat ist dazu eingeladen, seine eigene Schreibatmosphäre in den Kommentaren zu beschreiben.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Der Höhenflug

 

Als Hobbyautor verschieben sich ständig die Prioritäten. Zeitweise wird viel geschrieben und alles andere steht hinten an. Ja, es gibt Phasen, da wird ständig über eine Idee nachgedacht, ein Plot hin und her gewälzt, bis er endlich passt oder es wird geschrieben, korrigiert und wieder geschrieben. Solche Schreibphasen sind schön. Allerdings können sie auch vieles verdrängen, das es auch wert ist, genauer betrachtet zu werden.
Befinde ich mich am Ende eines solch schreibwütigen Abschnitts, atme ich oftmals tief auf. Dann beginne ich damit, wieder Bücher zu lesen, ich widme mich meinem privaten Umfeld, meinem Beruf, ich habe Freude daran am Abend die Schreibtischlampe auszulassen und mich völlig auf die Musik zu konzentrieren, die sonst schändlich verkannt im Hintergrund abläuft. Es fühlt sich so an wie ein „aus-dem-Schneckenhaus-kriechen“. Um den schriftstellerischen Exzess verdauen zu können, bleibe ich erst mal abstinent und bemerke all das, was mir durch diesen unwiderstehlichen Sog des „schreiben-Wollens“ entgeht.
Leider gibt es zumeist keinen Mittelweg. Eine Geschichte zu schreiben kann schnell auch mal zur Sucht werden. Erst dann, wenn die Fliege im Netz es geschafft hat sich zu befreien begreift sie, dass sie von der Spinne hätte gefressen werden können. Abstand tut gut und der Blick relativiert sich. Denn ein Autor verfällt oft zu gerne dem Gefühl, dass das was er oder sie da gerade aufschreibt ungeheuer wichtig ist. So wichtig, dass es beinahe nichts Wichtigeres geben kann. Ich würde das als Höhenflug beschreiben, auch wenn das Wort im allgemeinen negativen Gebrauch findet. Es ist ein Höhenflug, aber es muss nicht negativ sein, solange der Absprung doch immer wieder geschafft wird. Ein Autor braucht Erdung bevor er schreiben kann. Die Worte heben ihn dann wieder in die Lüfte, lassen ihn schweben, ihn träumen, ihn alles vergessen, was dort unten zu ihm gehört. Ein schöner Höhenflug, der alsbald wieder auf dem Boden enden muss um mit einem tiefen Aufatmen verlauten zu lassen, dass die Worte nur eine Sphäre im Leben bilden, die es sich lohnt zu erleben.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Das Schreibgefühl

Ein Gefühl, das abhängig macht. Eine Droge, wenn man so will. Schreiben kann einiges auslösen. Dabei ist es völlig egal, ob der Autor einen Bestseller geschrieben, oder lediglich sein tägliches Kreuzworträtsel ohne Hilfestellung vollendet hat. Es ist dasselbe Gefühl. Es fühlt sich an wie ein Urlaubsgefühl. Ein Gefühl von Leichtigkeit und Erfolg. Ein Höhenflug, der vielleicht nur kurz andauert, denn in jedem von uns steckt ein kleiner Nörgler, der selbst den schönsten Text kritisieren und das schwerste Kreuzworträtsel banalisieren kann.
Das ist wohl die Essenz des Schreibgefühls: es fühlt sich wahnsinnig gut an und dann plötzlich nicht mehr. Das Schreibgefühl ist ein endlos rollendes Rad auf einem Weg aus Höhen und Tiefen, unendlich weit und niemals gleich. Hier und da sind kleine und große Steine, dann kommt da Sand und Moos, bevor es wieder einen steilen, felsigen Abhang hinauf geht. Mal fährt es tonnenschwer auf dem unergründlichen Meeresgrund, mal dreht es sich wie ein Propeller in leichten, überschaubaren Lüften.

Das Schreibgefühl. Ein unberechenbarer Begleiter eines jeden Autors und Denkers. Ein freundlicher Gast und ein gemeiner Zeitdieb.
Ob nun das Gelesene genauso empfunden wird wie das Geschriebene? Diese Frage beschäftigt mich bereits eine Weile. Werden die Texte, die mir mühselig von der Hand gingen auch genauso gelesen? Werden die Geschichten, die ich innerhalb eines Tages auf Papier bringen konnte, auch genauso schnell verschlungen? Bis jetzt habe ich noch keine eindeutige Antwort darauf gefunden.
Ein individueller Text wird wohl stets irgendwo Anklang finden. Es gibt immer Texte, die zwar selbst verfasst, jedoch ohne Zugang einfach in den Weiten der Schreibtischschubladen verschwinden. Der Gedanke daran, dass jeder Text seinen Leser hat, auch wenn sich selbst der Autor nicht zu dieser Gruppe zählt, ist tröstlich. Das Rad dreht sich weiter auf seinem Weg und auch wenn dieser beschwerlich erscheint, kann er für jemand anderen ein Morgenspaziergang sein.
Verständnis ist demnach subjektiv. Daran glaube ich. Allerdings bedeutet das auch, dass jeder Leser das aus einem Text heraus liest, was er lesen will und wenn er nichts für sich findet, so lehnt er ihn wohl ab, oder öffnet sich für etwas Neues. Hieraus schließe ich für mich, dass es mein Schreibgefühl und nicht der Leser sein sollte, das mich zum Schreiben bewegt.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Schreiben und Reifen

Wann ist ein Text soweit? Im Grunde ist das eine dieser mysteriösen Fragen, auf die sich wohl kein Autor eine konkrete Antwort zu geben weiß. Für professionelle Texte gibt es freilich konkrete Abgabetermine. Allerdings möchte ich es wagen zu behaupten, dass noch lange nicht jeder Text an seinem Abgabetermin fertig ist.
„Fertig“ ist ein abstrakter Begriff. Vielleicht gibt es für mich schlicht keine fertigen Texte, da ich diese Kategorie unter dem Überbegriff „vollkommen“ einordne.
Ein vollkommener Text. Oft las ich schon das ein oder andere „Vollkommene“. Allerdings gab es nicht weniger häufig einige Jahre danach eine erschreckende Entdeckung: Der einst als derart vollkommen wahrgenommene Text wies plötzlich Schwächen auf. Er war ohne Zweifel immer noch gut, ja, sehr gut, aber Vollkommenheit war nicht mehr zu spüren.
Um also die Lebenseinstellung, das nichts perfekt sein kann, weil es geradezu unmöglich ist, etwas rein Positives zu erleben, ohne die sogenannten Nebenwirkungen, oder Schattenseiten oder vielleicht auch einfach nur Konsequenzen, die sich für eine Person negativ anfühlen, für die andere wiederum lang ersehnt sein mögen, auf diesen Gedanken zu übertragen, müsste die Antwort sein, dass es keinen fertigen Text gibt. In diesem Moment könnte ein Text geradezu perfekt für einen bestimmten Menschen oder eine Gruppe von Personen sein. In einem anderen Moment könnte er seine Vollkommenheit allerdings auch schon wieder verloren haben. Arbeite ich also über einen langen Zeitraum hinweg an einem Text, gibt es meiner Erfahrung nach einem Punkt, an dem ich am Liebsten etwas völlig anderes daraus machen würde. Ich sehe in Texten vielmehr Zeitfenster, die mehr oder weniger aktuell sein können. Texte, die in jeder Lebensphase Zugang zu mir finden und mich einnehmen, würde ich als vollkommen bezeichnen. Allerdings schaffen das lediglich die Texte, die mehrere Aktualitäten miteinander vereinen und es mir gestatten, in jeder Reifephase eine andere Wahrheit für mich herauszulesen. Ist dies der Schlüssel zum fertigen Text? Ich weiß es nicht. Ich persönlich habe noch keinen geschrieben und bin dennoch nicht vollkommen von dieser Idee abgerückt, dass er existieren kann, dieser fertige Text, den ich damals und jetzt gleichermaßen bewundern kann.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – die Leseerwartung

Jeder hat sie: Die Lieblingsautoren. Manch einer liest über Jahre hinweg denselben Autor, ein anderer liest phasenweise dies und phasenweise das. Was ich allerdings festgestellt habe ist, dass ein gewisser Hang zu den Lieblingsgenres meistens bleibt.
So liest der eine gern Fantasy und der nächste bleibt lieber bei der klassischen Literatur. Dafür sind sie da, die Genres und die meisterhaften Autoren, die ihre Sparten ganz genau zu bedienen wissen.
Nehme ich also ein Buch zur Hand, das von einem Autor geschrieben ist, den ich bereits kenne und das zudem noch in ein Genre „einsortiert“ ist, hege ich eine Erwartung. Eine Richtung, die mir alleine schon ein Name und eine Einordnung felsenfest versprechen. In dem Sinne bin ich als Leser unflexibel, ich rechne nicht damit, hinsichtlich dieser beiden Größen überrascht zu werden.
Reicht ein Autor ein Manuskript zur Prüfung bei einem Verlag ein, sind Angaben zum Genre sowie zum angesprochenen Leserkreis in den meisten Fällen unerlässlich. Ebenso liegt für mich die Vermutung nahe, dass ein bereits veröffentlichter Autor aus diesem Grund gerne zum Pseudonym greift, wenn er sich in einem anderen Genre versuchen will. Denn sein Name ist bereits verbunden mit dem Genre, in dem er schon erfolgreich veröffentlicht hat. Wäre der Leser also enttäuscht, ein Experiment in Händen zu halten, obwohl er eine gewisse Konsistenz erwartet?
Ich glaube, wir Hobbyautoren haben es da leichter: Wir können experimentieren, wir können uns ausprobieren, Faxen machen, aus dem lose gesteckten Rahmen ausbrechen und entweder frisches Weidegras oder fiese Dürre finden. Wir dürfen das. Ein professioneller Autor kann sich dies wohl nicht mehr erlauben. Ein Aspekt, der den Beruf vom Hobby unterscheidet. Der eine wird wohl zu gegebener Zeit den anderen um das beneiden, was er hat. Allerdings gibt es schmale Wege und Hintertürchen, die erlauben, doch noch einmal das zu erschnuppern, was man vor langer Zeit aufgegeben hat.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Schreiben und Reflexion

Was geschieht beim Schreiben? Mit dieser komplexen Frage beschäftige ich mich gerade immer öfter. Ich glaube, die Analyse sollte für jeden Autor anders ausfallen. Zu viele Unterschiede, Geschmäcker, Meinungen.
Allerdings, so denke ich, gibt es eine Sache, die uns alle verbindet. Die Selbstreflexion. Wie kann ich über ein Thema schreiben, über das ich nicht genügend nachgedacht habe? Das ich nicht bis auf die Grundmauern erforscht, meine eigene Stellung dazu geprüft und dann den Gedanken geformt habe, den ich vermitteln möchte?
Ich glaube, die Selbstreflexion steht noch über der Recherche. Es gibt Dinge, die recherchiere ich nicht. Es kann möglich sein, dass ich sie deshalb falsch wiedergebe. Aber die Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe, in meiner Wahrheit, meiner Welt, die sind stets geschehen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es deshalb so ist, dass ich zuerst mich selbst reflektieren muss, bevor ich schreiben kann, weil ich sonst keine Worte dafür finden würde.
Was mir fern liegt, was ich nicht für mich durchdringen kann, sei das Ergebnis meiner Reflexion nun falsch oder wahr, über das kann ich womöglich auch nicht schreiben. Dabei geht es nicht um die offensichtliche Ebene, denn auf dieser kann vermutlich jeder alles schreiben. Es geht um das Abstrakte, das Gedankliche dahinter, das, was der Leser nachvollziehen soll, wenn er meine Worte liest.
Schreibe ich folglich eine Geschichte oder einen Beitrag, beschäftige ich mich grundsätzlich ersteinmal automatisch mit mir selbst. Wie stehe ich wozu? Wie verstehe ich das, worüber ich schreiben möchte? Wie bringe ich dem Leser meine Realität näher? Meine Gedanken? Oder sogar: Wie bringe ich dem Leser die Worte eines anderen, einer dritten Person, oder eines Forschungsergebnisses näher, an dem ich vollkommen unbeteiligt war? Welche Worte finde ich für das, was ich sagen will, auch wenn es nicht einmal meine eigenen Gedanken sind, die sprechen?
Daraus schlussfolgere ich, dass der Autor, der sich selbst gut kennt, gut mit seinen Worten umgehen kann. Oft läuft das ja tatsächlich komplett unterbewusst ab. Ein Satz wird einfach schnell so hingekritzelt, der letztendlich so hohe Wellen schlägt, dass man erst im Nachhinein begreift, was man da geschrieben hat. Welche Macht diese Wörter haben, die in dem Moment der Produktion verschwindend klein erschienen. Beinahe unbedeutend.
Bedeutung bekommen also die Worte erst auch dann, wenn sie verstanden werden. Eine Wechselwirkung vollzieht sich, auch wenn es lediglich der Autor selbst ist, der zu seinem eigenen Leser wird, nach vielen, vielen Jahren ein vergrabenes Manuskript wieder herausholt und plötzlich etwas darin liest, was zwar schon immer dagewesen, ihm jetzt aber erst durch das Auge in den Verstand springt.

Eure Saigel

Walsterben – von Saigel

Eine Tour zu den Walen. Das hat er mir geschenkt. Nur er und ich. Wir zwei allein. Eigentlich bin ich seekrank, aber ich werde mir vorher noch diese Tabletten besorgen. Er ist ja so ein toller Mann. Ich bin froh, dass ich es geschafft habe, ihn für mich zu gewinnen. Lange dachte ich, er hätte kein Interesse an mir. Doch jetzt, jetzt glaube ich, dass sich das geändert hat. Ich habe es geschafft.
Eine Rundfahrt in der glitzernden Bucht, bei schönem Wetter. Das Wasser sieht so aus, als bestünde es aus tausenden von schillernden Diamanten, die aufgeschüttet immer in Bewegung bleiben müssen und sich aneinander abschleifen. Ich trage ein schönes Sommerkleid, das ich extra für diesen Anlass gekauft habe. In meiner Tasche habe ich eine Packung Tabletten, zur Sicherheit habe ich allerdings vor einer Stunde schon eine heruntergewürgt.
„Hallo“, sagt er lächelnd und zeigt auf das Motorboot. „Bist du bereit?“.
Ich nicke und kann nicht aufhören in seine blauen Augen zu starren, die so traumhaft schön und weich sind, dass es mir den Atem verschlägt. Hand in Hand laufen wir über den Steg und setzen uns in das Boot. Die Rundfahrt beginnt, in ein paar Minuten werden wir gemeinsam die großen Wale bestaunen dürfen. Das mit ihm gemeinsam zu erleben, macht mich glücklich. Die Diamanten wiegen unter uns und schlagen an die Außenwände des Bootes. Sein Gesicht belebt ein Grinsen, das weiße Zähne offenbart und mich ansteckt mit dem, was da ist.
Was es ist, das weiß ich nicht. Es ist seltsam, mein Lächeln mag nicht zu dem passen, was sein Grinsen sagen möchte. Ich kann es spüren, etwas ist da; etwas ist anders.
Da sehe ich schon eine Flosse. Gigantisch, majestätisch sticht sie hervor aus dem Diamantenmeer und sinkt beinahe lautlos und elegant wieder hinab. Woanders ist ein Rücken zu sehen, der tausend kleine funkelnde Perlen in der Luft zerstäuben lässt.
„Boa! Der kratzt bestimmt bald ab!“, sagt der junge Mann neben mir, dem ich wie aus Reflex, der aus einer bösen Vorahnung entstanden ist, meine Hand entziehe.
Fragend blicke ich ihn an. Er sieht mir in die Augen und ich bekomme Angst vor diesem blauen, klaren Eis, das mich gefühllos anblickt und dieses furchtbare Grinsen, das meine Illusion verschwimmen lässt, versetzt mir einen Stich.
„Na, weißt du das nicht? Auf diese Rundfahrt gehen eigentlich nur die Touris, weil die nicht wissen, dass die Wale hier zum Sterben herkommen. Deshalb kann man die so gut anschauen. Die pfeifen alle auf dem letzten Loch!“.
Das Meer um mich herum wird plötzlich schal, die Diamanten schimmern in blutigem Wasser. Blut von den Walen, die sich an den brillierend scharfen Kanten schmerzende Wunden aufreißen. Qualvoll sehe ich ihnen zu, wie sie sich treiben lassen, im Blitzgewitter der Kameras ihre letzte Ruhe suchend.
Ich würge. Hätte ich die Tablette nicht genommen, hätte ich mich jetzt gerne über seinen Schoß übergeben. Doch leider war ich vor der Rundfahrt noch davon überzeugt gewesen, dass er genauso erhaben funkelte wie das Wasser und die Wale, wie diese Bucht und alles, was sich darin befand.
In mich gekehrt warte ich auf Erlösung, für die Wale, aber auch für mich. Das Boot dreht bei, wir sind auf dem Weg zurück. Am Steg verabschiede ich mich nicht, sondern lasse ihn einfach stehen. Dankbar für diese Rundfahrt, die mir zwar nicht das brachte, was ich mir davon erhofft habe, allerdings innerhalb von wenigen Minuten einen anderen Menschen aus mir machte. Die mir zeigt, die Dinge zu sehen, die dort draußen genauso wie hier manchmal in dem Schein verschwimmen, der uns Menschen blendet und beinahe erblinden lässt.

Saigels Irr(e)lichter – wie viel verkraftet dein Leser?

Immer wieder gerate ich beim Schreiben an den Punkt, an dem ich mich frage, ob das, was ich aufgeschrieben habe, überhaupt für andere verständlich ist. Für mich ist es glasklar: Ich habe einen Gedanken, während ich schreibe. Allerdings stellt sich mir die Frage, wie viel Erklärung mein Leser braucht, um den Gedanken, der mich zum Schreiben brachte, auf dieselbe Art und Weise fassen zu können wie ich.
Dann frage ich mich weiter, ob es überhaupt nötig ist, dass mein Leser einen klaren Text vor sich hat, der nur eine Art der Interpretation zulässt. Ist es nicht das, was das Lesen für uns alle so schön macht? Eigene Gedanken zu entwickeln, Ansichten des Autors entweder anzunehmen oder abzulehnen, oder sich Teile davon herauszunehmen und ein anderes, stimmiges Bild herum zu bauen?
Dennoch hat etwas Grundlegendes an einem Text nicht funktioniert, wenn der Leser sich weder seine eigenen noch die Gedanken des Autors machen kann. Natürlich kann das auch daran liegen, dass sich der Leser nicht auf den Text einlassen konnte. Die Gründe hierfür sind vielseitig und für den Autor undurchdringbar. Manch einer legt den Text weg, weil er schlicht in keinerlei Hinsicht seinem eigenen Geschmack entspricht. Ein anderer beendet seine Lektüre aus persönlichen Gründen. Vielleicht ist es das Thema, mit dem sich der Leser zu diesem Zeitpunkt nicht auseinandersetzen möchte. Oder es ist die Aussage des Textes, der der Leser sich nicht zuwenden möchte. Jedoch können noch völlig andere Beweggründe vorliegen, individuelle Mischformen aus vielen Antrieben, die oft dem Leser selbst nicht immer bewusst sein können.
Kann sich jedoch keiner der Leser einen Reim auf den Text machen, sollte sich der Autor wohl an die eigene Nase fassen. An diesem Punkt befinde ich mich immer wieder. Einmal habe ich an Informationen gespart, die zwar für mich selbstverständlich, für den Leser allerdings nicht zu erraten waren. Ein anderes Mal habe ich mich zu sehr hinreißen lassen und das Spiel mit der Sprache derartig ausgereizt, dass mein erschlagener Leser nicht mehr hinter diesen Wall von Worten spähen konnte. Das nächste Mal habe ich beides in einem Text vereint und kann es dennoch selbst beim Schreiben nicht so sehen, denn meine Gedanken sind für mich vollkommen klar …
Der Sprung vom Hobbyautor in die Professionalität sehe ich unter anderem genau an dieser Stelle. Ein Autor, der sich verständlich machen kann, der viele, wenn nicht sogar alle seine Leser auf die eine oder andere Weise erreicht, hat eine wertvolle Gabe. Bis jetzt habe ich für mich noch keine Regeln diesbezüglich festlegen können. Manchmal erreiche ich die Leser, manchmal nicht. Oft funktioniert es dann mit nachträglichen Erklärungen. Allerdings sehe ich hierin keine Lösung für das Problem.

Wie so oft beim Schreiben, behandle ich die Thematik als abstrakt. Sie scheint mir oft mehr Gefühl als Regelbefolgung zu sein, da zu viele unbekannte Größen jeden Fall anders aussehen lassen und allgemein gültige Leitlinien wohl nur bedingt greifen können. Ich hoffe, das entmutigt niemanden, der das hier liest. Ich, als absoluter Meister im unklaren Ausdruck habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, irgendwann einen gangbaren Weg für mich zu finden. Das ist das Schöne am Schreiben.

Eure Saigel

Höhlenwahnsinn

Die Dunkelheit vibriert, sie ist schwärzer als schwarz und tief. Sehr tief. Die Erde um mich herum grollt, wie ein schwarzes Loch, um das jeder einen vernünftigen Bogen macht. Nur ich nicht. Ich bin direkt hineingeraten in diese unerforschte Dunkelheit, die meinen Sinnen die Funktion raubt und ihnen schaurige neue Wahrnehmungen andichtet.
Ich starre in die undurchdringliche Masse vor mir und irgendwann sehe ich kleine Partikel, sie tanzen wie wirbelnder Staub um mich herum, sie durchdringen mich und ich rätsele, ob ich aus ihnen gemacht bin. Die Befürchtung steigt in mir auf, dass ich mich in der tiefen Dunkelheit aufgelöst habe, ein Teil von ihr oder vollkommen sie geworden bin. Wo sind meine Kanten? Meine Hände vor mir grenzen sich nicht ab, ich kann sie nicht erkennen. Oder doch? Bin ich das vielleicht schlicht alles um mich herum?
In mir tobt etwas. Etwas nie Gekanntes, etwas Beängstigendes, etwas Mächtiges. Mit unbeirrter Gewalt durchfährt es mich, es durchzuckt mich wie ein Lichtblitz den Himmel, lässt es in meiner Kehle gurgeln, bevor sie sich zuschnürt und mir die Luft zum Atmen nimmt. Irritiert schnappe ich nach Luft, nicht in der Lage zu begreifen, was hier gerade geschieht. Diese eindeutige Übermacht unterdrückt meine Angst. Angst hat der Mensch nur vor dem, was er nicht kennt. Was er nicht einzuschätzen vermag. Die identifizierte Gefahr, die klare Willkür lässt mich nicht zittern. Sie lässt mich kampflos aufgeben, lässt mich ergeben in mein Schicksal auf das Unausweichliche warten.
Meine Beine pulsieren, mein Herz pocht schnell. Ist das Aufregung? … Neugier? Bin ich etwa neugierig auf mein eigenes Ende? Noch nie zuvor in meinem Leben habe ich mich in derartiger Klarheit über mich selbst befunden. Alle meine Sinne sind nach innen gekehrt, ich spüre nichts, außer mich selbst, ich rieche und sehe nur in mich hinein. Was ist das, dieses Ich? Ist es die Dunkelheit? Ist das nicht ganz natürlich, dass es so kommt, wie es kommen musste? Hatte ich jemals die Möglichkeit, mich so auszubreiten, wie ich es jetzt gerade mache? Obwohl ich dastehe, die Arme um den Körper geschlungen, die Beine geknickt. Nein, in der Dunkelheit bin ich nicht mehr der Körper. Da bin ich etwas anderes, etwas größeres. Da bin ich das, was eingesperrt in mir nur dann und wann mal zum Vorschein kam, um so schnell wie möglich wieder zu verschwinden.
Ach, du willkommene Tiefe, herrliche Schwärze, wie habe ich dich gemieden und bereue es, nun da ich verstehe, dass in dir die Lösung liegt. Fürchtete ich mich deshalb vor dir? Weil ich wusste, was du verbirgst in deinem undurchdringlichen Mantel, den man nur erforschen kann, wenn man ihn sich selbst umlegt?
Es ist seltsam. Jetzt, da ich weiß, dass du ich bist, dass du mit mir tun kannst, was immer du willst, und dass ich keinerlei Macht habe, mich zu behaupten, fühle ich mich wohl. Ich lehne mich zurück in diese schmeichelnde Gewissheit, die ich stets ersehnt und doch nie gefunden habe. Ist es das, was mich so unglücklich gemacht hat? Die Ungewissheit über mich selbst? Die vergebliche Suche der einzigen Lösung außerhalb meines eigenen Ichs?
Stille.
Ich brauche keine Antwort.
Irgendwo zieht mich ein Seilzug aus der Schwärze heraus. Jetzt spüre ich es wieder: die Plattform unter meinen Füßen, die mich trägt, die Gitter um mich herum, die mich dort oben eingesperrt haben und dort unten die reinste Form der Freiheit bedeuteten, die ich jemals gespürt habe. Ich möchte nicht nach oben, nicht hinaus in diese Welt, in der ich nicht bestehen kann, die mich nicht liebt. Die Dunkelheit wird lichter. Ich blicke auf schwarze Hände und auf enge Wände um mich herum. Unter mir liegt ein kleiner Sack mit edlen Steinen, die in der tiefen Dunkelheit genau denselben Wert hatten wie ich. Ich schließe die Augen und jetzt sehe ich es wieder: kleine tanzende Partikel, weite Tiefen, undurchdringliche Dunkelheit. Ich sehe mich und lächle.
Eine Hand zeigt auf mich und ich höre jemanden sagen: „Schau mal, wie der grinst. Irgendwann werden die alle irre. Hol den Nächsten und schaff den da weg!“

Regen – von Saigel

Es regnet.
Leise klopfen Tropfen auf die Erde, werden immer lauter, kommen zu vielen, drängen sich aneinander, bis jeder kleinste Teil der Oberfläche bedeckt ist. Ob sie jemand hört? Klopf, klopf, klopf.
Der Wind muss sie vernommen haben, denn er trägt die schweren, kleinen Tropfen noch weiter hinaus, an noch fernere Plätze, wo sie energisch um Einlass bitten können.
Noch mehr kommen.
Sie überschwemmen die Erde, zerplatzen und dringen wässrig in sie ein. Zuerst tut ihr das gut. Die Pflanzen beleben sich, die Erde atmet. Doch dann sind es zu viele. Der Regen hört nicht auf, lässt seiner Wut darüber, dass er nirgendwo Einlass bekommt, freien Lauf.
Seine kostbaren Tropfen: Kleinste Kristalle aus schimmerndem, reinstem Wasser werden von der Erde nicht als Ganzes empfangen. Sie müssen zerbrechen, sich verteilen und zu dem werden, was dem Regen so missfällt, dunkle schwarze Erde.
Seit jeher kämpft der Regen um seine Schätze und hat sich über die Jahre unten auf der Erde Verbündete erstritten. Der Tau ist sein Bruder, er versucht, die Wasserkristalle für einen kurzen Moment wiederzubeleben. Das fließende Wasser ist seine Schwester, die hier und da die schönsten Tropfen abwirft. Das Meer ist seine Mutter und die Gischt sein Vater, der stets darum bemüht ist, seinem Sohn ein klein wenig Beistand zu leisten.
Die Wolken sind seine Helfer, dort oben, wo seine Regenwerkstatt liegt. Sie verschleiern die warme Sonne um seine Kristalle dann mit einzelnen Sonnenstrahlen aufeinandertreffen zu lassen, sodass der wahre Funke, für kurze Zeit zu Tage tritt. Er ist der wertvollste Schatz des Regens. Der Regenbogen lässt sie farbenprächtig scheinen, hält sie fest, für einen Augenblick und bedient sich ihrer Schönheit.
Doch dann ist es vorbei.
Der Tropfen fällt zu Boden und zerschellt in tausend kleine Teile. Er ist vergangen und der wunderbarste Moment ist vorüber. Der Regen zieht sich zurück, sammelt neue Schätze, die er auf die Erde herunterwirft, um dabei zuzusehen, wie sie auf die undankbarste Weise empfangen werden. Sein Kristall, der wertvollste den es gibt. Ein Geschenk, dessen Kostbarkeit wohl nur dann Beachtung finden könnte, wäre sie einzufangen, zu besitzen, für die Ewigkeit zu bestaunen.

Saigels Irr(e)lichter – Die (Schreib-)Inspiration

Die Inspiration kommt, um zu gehen. So geht es mir zumindest. Es gibt Phasen, da fühle ich mich immens inspiriert, dann gibt es wieder Phasen, da habe ich einfach nichts zu sagen. Das Thema dieses Beitrags spiegelt meine momentane Inspirationslosigkeit, da ich bereits überlegte, den Beitrag diesen Monat auszusetzen. Allerdings geht es in dieser Reihe um persönliche Schreiberfahrungen, die selbstverständlich auch nicht immer rosig sein können.

Die Inspiration ist also für meine  Begriffe recht scheu. Die Situation, eine gute Idee zu haben, die sich beim sofortigen Aufschreiben sogar über mehrere Seiten erstrecken könnte, nach ein paar Minuten jedoch wieder verflogen ist, müsste wohl jedem ein schrecklicher Bekannter sein. Genauso dürfte es nicht nur mir so gehen, dass es Phasen im Leben gibt, die völlig unabhängig von den Ereignissen, die sich darin abspielen, absolut ideenlos verlaufen.

Ich habe gehört, dass sich die Inspiration aber auch suchen lässt. Für mich stellte sich das allerdings stets so ähnlich dar, wie die „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“. Meine Erfahrung zeichnet ein eindeutiges Bild, davon, dass eine Verbindung zwischen Inspiration und Auslöser besteht. Gibt es keinen natürlichen Auslöser, bleibt zumeist auch die Inspiration aus. Einen Weg, den Auslöser künstlich zu erzeugen, habe ich bisher nicht gefunden, was sicherlich einer der Gründe ist, weshalb ich nicht in professionellem Rahmen schreiben kann.

Allerdings gibt es einen Lichtschimmer in diesem nebligen Text, der eine der großen Schattenseiten des Schreibens beleuchten soll: Die Inspiration kommt immer wieder zurück. Sie ist vergänglich, genauso wie wir es sind. Das kann ein Problem sein. Jedoch glaube ich, dass gerade die Vergänglichkeit und das Wissen darum das Leben und die Liebe ausmachen. Wäre die Inspiration eine Konstante in meinem Leben, würden sich wohl wieder andere Abgründe auftun.

Für mich persönlich ist das Schreiben Balance und Ausgleich. Nur, weil ich nicht zum Schreiben inspiriert bin, bedeutet das nicht, dass ich keine Inspiration in anderen Teilen des Lebens erfahren kann. Die Momente, in denen sie dann aber da ist und ich die Zeit finde, mich ihr zu widmen, die sind besonders, und die Texte, die daraufhin entstehen, sind einzigartig. Wie eine Fotografie, die es so nur ein einziges Mal gibt. Ich denke also folglich, dass Schreiben auch Geduld sein muss, weil sich die Inspiration nicht drängen lässt. Dies mag auf den ersten Blick nicht gerade enthusiastisch klingen, auf den zweiten Blick jedoch hoffentlich umso mehr.

Eure Saigel

Eine Kunst – von Saigel

Jetzt ist das Grab verschlossen. Ich fühle mich so unsäglich leer, bekomme den Moment und mich selbst nicht zu fassen. Meine Beine wiegen schwer, sie drohen unter dem Gewicht zu zerbrechen. Ich kann keinen Schritt gehen. Scheine hier festzusitzen, auf der Erde, in die ich mich regelrecht hineinbohre, weil sie meine Last nicht zu tragen gewillt ist.
Das soll es jetzt gewesen sein: Sie ist tot. Immer und immer wieder gehen sie mir durch den Kopf. Die Worte, die sie mir noch vor einigen Tagen zuflüsterte: „Schau genau hin, dann vergeht es irgendwann“.
Also sehe ich nicht weg. Weder dann, als ich an der Reihe bin, sie in ihrem Sarg zu betrachten, noch dann als ich eine Schaufel Erde in das tiefe Loch werfen muss, in dem sie nun ruhen soll.
Ruhen. In einem gepolsterten Sarg, in einem dunklen Fleckchen Friedhof. Dort soll sie also liegen, die Frau, die ihr Leben lang nicht liegen wollte. Sie, die das Leben lebte, einfach so an einem Wochenende nach Rom fuhr, um einen Kaffee in der Sonne zu trinken. Sie, die als einzige mit im Sandkasten auf dem Spielplatz saß und kräftig schaufelte, während die anderen Mütter kopfschüttelnd an ihren Sojalattemachiatos nippten. Sie, die nicht nur fragte, wie es in der Uni liefe, sondern die wissen wollte, wie diese und jene Vorlesung gewesen sei. Sie, die mich bei meiner Trauung zum Altar führte, weil mein Vater nicht mehr laufen konnte. Sie, die ihren Mann bis zuletzt pflegte, um dann auch selbst nach ein paar Jahren zu gehen. Meine Mutter, die nun in diesem fürchterlichen Sarg liegt und mich scheinbar noch immer über die Kunst des Lebens unterrichtet.
Fest verschließe ich den Anblick des Grabes in meinem Herzen und fange alle Gedanken ein, die wie wild gewordene Geister und letzte Worte um den Grabstein tosen und tanzen, ein wahres Fest veranstalten und mit ihren Ketten rasseln, die sie mir zu gerne um den Hals werfen würden. Ich sammele sie alle ein, verschließe sie in dem Sarg meiner Trauer, sehe noch einmal ganz genau hin und kann mich dann abwenden, die Beine leicht, die Zeit willkommen heißend, die mir noch bleibt, die in Freiheit gelebt werden will.

Saigels Irr(e)lichter – der Wunsch zu veröffentlichen

Der Wunsch zu veröffentlichen kann groß sein. Aber auch manchmal ganz klein. Schreibt man denn nicht genau deshalb? Weil man einmal veröffentlichen möchte? Ich sage das auch immer: „Einmal möchte ich veröffentlichen. Das ist mein großer Traum, einmal mein eigenes Buch im Laden zu sehen.“ 
Ich glaube, so oft wie ich in diesem Zusammenhang das Wort „einmal“ nutze, habe ich es sonst noch nie gebraucht. Einmal. Irgendwann. In ferner Zukunft. In einem unbestimmten Zeitraum, der irgendwo an einem Punkt liegt, den ich noch nicht benennen kann.
Natürlich wünsche ich mir beim Schreiben, dass meine Texte auch gelesen werden, und wenn ich an einem Roman arbeite, dann stelle ich mir diesen auch gelegentlich als fertiges Buch vor. Allerdings habe ich persönlich nach so vielen Jahren des Schreibens diesen Sprung noch nicht gemacht.
Bei manchen scheitert es leider an der Zusage, die sie unweigerlich zu einer Veröffentlichung brauchen, zumindest sagt man das. Diese Grenzen sind allerdings durch die Möglichkeiten des Self-Publishings aufgeweicht. Bei mir ist das natürlich auch so. Die Absagen sind zahlreicher als die Zusagen, die mir in den letzten 15 Jahren ins Haus geflattert sind. Dennoch habe ich aus keiner Zusage etwas Ernstzunehmendes gemacht. Ich bin mir sicher, dass es vielen so geht: der Wunsch zu veröffentlichen ist ein zweischneidiges Schwert.
Ich sehe ihn selbst mit so widerstreitenden Gefühlen, dass ich es phasenweise bereuen kann, nicht die Chance ergriffen zu haben, als ich es gekonnt hätte, und dass ich es in anderen Zeiten wieder für gut und richtig erachte. Ich glaube, dass mir das zeigt, dass ich im Grunde noch nicht dazu bereit bin. Was das genau heißt, bereit zu sein, kann ich aber genauso wenig bestimmen wie die genaue Eingrenzung des Wortes „einmal“.
Ich habe über mich gelernt, dass das Schreiben mehr ist als das. Es stellt mich zufrieden. Die viele investierte Arbeit zahlt sich aus, auch ohne Veröffentlichung und Geld.
Schon alleine hier im Blog und im Forum zu veröffentlichen, fällt mir manchmal nicht leicht. Unweigerlich stellt sich mir dann die Frage, ob ich mich einer breiteren Öffentlichkeit überhaupt präsentieren möchte. Würde das nicht an meiner Zufriedenheit mit meinen Texten und der Tätigkeit des Schreibens etwas verändern?
Ich bewundere alle Autoren, die veröffentlichen. Ich bewundere die viele Arbeit und ich bewundere ihren Mut, sich einer unbekannten Öffentlichkeit zu stellen. Vielleicht gehört dazu eine gewisse Reife und Selbstdistanz, die es für mich erst noch zu erforschen gilt. Helfen kann hier oft der Austausch untereinander. Jedoch bleibt meines Erachtens der Sprung dennoch immens groß.
Sicher ist aber, dass es ganz bestimmt tausende und abertausende wunderbare Texte gibt, die in verschlossenen Schubladen hinter gewöhnlichen Haustüren Staub ansetzen und wohl niemals gelesen werden. Da schreit der Leser in mir auf und der Autor in mir lehnt sich zurück und denkt: „Bevor die es nicht machen, mache ich es auch nicht.“ Es gibt den Traum vom Schriftsteller-Sein. Aber noch lange nicht jeder Autor träumt ihn auch ausgiebig und lange, heiß ersehnend in der festen Absicht, ihn irgendwann zu verwirklichen. In den Texten sehe ich keinen Unterschied von dem einen zum anderen Autor, manche sind gut ganz still für sich, andere für größere Lesergruppen. Deshalb denke ich persönlich, dass das Schreiben „mehr“ ist als die Veröffentlichung und sie uns nicht wirklich als Autoren definiert.

Eure Saigel

Dunkle Liebe

Ein Liebesbrief von Saigel

Wie lange noch, Liebste? Wie lange werde ich noch auf dich warten? Hier in den dunklen Kellern der tiefen Verließe aus Mondglas und Sonnenstein? Wann wirst du mich holen, mich mit deinem grellen Licht erhellen, das die Augen leiden lässt und doch so heilsam seine Wirkung zeigt, da es allen Schmerz auf einmal bannt?
Evangeline … Sage ich deinen Namen so vor mir her, flüstere ihn in mich hinein, wo er sich kreisend niederlässt, sich in mein Fleisch bohrt und mich quält, entflammt sich ein Feuer der Entbehrung, das mich gänzlich verschlingt. Schreiend winde ich mich zwischen spuckenden Flammen, die an mir reißen und dem tonnenschweren Stein, der deinen Namen trägt, der sich immer weiter in mich hineinfrisst. Dies ist die schlimmste Folter, die ich hier unten in Gefangenschaft erleiden muss. Weder der Ausspruch des Todesurteils noch der Anblick des Folterknechts oder der Geschmack von zappelnden Ratten in meinem Mund vermögen mich so sehr zu plagen wie du. Dein Name dröhnt in meinen Ohren, lässt sie immer stärker schwingen, bis sie den Schall nicht mehr ertragen. Deine Schönheit sticht mir die Augen aus, selbst wenn ich an dieser nur im Traum vorübergehe und die Erinnerung an den Geschmack deiner Haut lässt mich die Bitterkeit all der anderen Dinge nur schwer ertragen. Mit fest verschlossenem Mund beiße ich mir auf die Zunge, um mit dem Geschmack des Blutes die Sehnsucht zu stillen. Die Augen stets weit geöffnet, knie ich, mir die Ohren zuhaltend, in einer Ecke der Zelle, um dem Traum von dir zu entgehen und den Namen nicht zu hören, der mir von den kalten Wänden um die Ohren peitscht wie ein Wirbelsturm.
Evangeline … Wann kommst du, um mich zu erlösen? Wann befreist du mich? Wie lange muss ich diese Qual noch ertragen?
Die Augen fallen mir zu und ich blicke direkt in dein Gesicht. Sofort schlägt das verloren geglaubte Herz in meinem Hals, lässt meinen Atem stocken. Ein wunderschöner Glanz aus feinstem Smaragd, umrundet von einem tiefschwarzen Meer aus Seide, gekrönt von dunkelroten Pforten in die höchsten Ebenen des Paradieses. Ich rieche den Duft von Zitronenmelisse und Rosenwasser, verschwimme in dem Traum, schreite auf das purpurne Portal zu, das sich mir bereitwillig öffnet und mir einen Moment der unangefochtenen Glückseligkeit beschert.
Du hast mich das Leben gelehrt. Den Genuss, im Sommer auf dem Felde zu tanzen, wonach die Arbeit verwunderlich leicht von der Hand ging. Die Kunst, sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen und herzlich zu lächeln. Dieselbe Liebe selbst für den aufzubringen, der Vergebung nicht verdient. Das, was du für mich empfindest, finde ich für mich selbst nicht wieder. Dass du mich hier zurücklässt, muss wohl ein Irrtum sein, jedoch wünschte ich mir, es wäre dein Wille, um mich zu lehren, dir kein Leid mehr anzutun, nicht aus Kummer, nicht aus Eifersucht und auch nicht aus Liebe.
Liebste, ich wünschte, du könntest mich heute schon befreien, doch ich harre aus, beweise dir, deiner würdig zu sein. Obgleich ich wohl nie eines Wesens würdig war, dessen Züge sich so makellos auch in seiner Seele spiegelten.
Diesen Brief als letzten Beweis für meine tiefste Zuneigung, deren Empfindung mich bis ins Mark erschüttert und mich zu verschlingen droht, übersende ich dir und schiebe ihn mit den tauben Fingerspitzen durch den feinen Fensterbruch hinaus in die dunkle Finsternis, in der du auf mich wartest.

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„Am heutigen Tage wird das Todesurteil an diesem Manne vollstreckt, der den grausamen Mord an der selbstlosen Evangeline und ihrem Ehegatten gestand und somit seine Schuld zu sühnen hat.“

Saigels Irr(e)lichter – Zeit zum Schreiben

Schreiben ist schön, aber es gibt Tage, Monate, ja sogar Jahre im Leben eines jeden Hobbyautors, in denen er nichts zu Papier bringt. In dieser Zeit fehlt die Zeit. So sitzt der eine oder andere von uns schon seit Jahren an einem Projekt und fragt sich, ob es wohl irgendwann noch einmal fertig wird. Denn das Leben, Beruf und Familie vereinnahmen uns und lassen phasenweise unser Hobby in den Hintergrund treten.
Wer hat sich nicht schon gewünscht, einmal in den Schreiburlaub zu fahren? Ganz allein, einfach nur schreiben und essen und schlafen.
Meiner Erfahrung nach ist die Zeit zum Schreiben jedoch trügerisch: Sie blockiert mich.
Am besten kann ich schreiben, wenn ich ausgelastet bin. Denn das Schreiben ist nicht die Arbeit, sondern das Ventil. Erlebe ich nichts und verbringe Tage ohne Input, ist es im Grunde logisch, dass mir die Textproduktion schwerer fällt.
Optimale Bedingungen, ein Buch zu schreiben, sind für mich persönlich folglich tatsächlich nicht in ausschließlicher Zeit zum Schreiben begründet.
Meinem Gefühl nach muss ein Text nicht zwangsläufig in einem großen Zeitfenster entstehen, um Qualität zu liefern. Sicher, bestimmt gibt es ein Beispiel, dass einen der ganz großen Schriftsteller zeigt, der ausschließlich schrieb oder immer noch schreibt. Jedoch wird auch dieser wohl eine relativ große Bandbreite an verschiedenen Texten in seinem Repertoire finden. So liegt der Ausgleich also in der Themenwahl.
Zu wenig Zeit fürs Schreiben ist also meiner Meinung nach nicht direkt das Problem eines Hobbyautors, sondern die wahre Schwierigkeit liegt in zu viel Zeit und die Anforderung an sich selbst, den Fokus zu behalten.

So gibt es also die Phasen in meinem Leben, in denen mir die Zeit zu der Aktivität des Schreibens fehlt. Das bedeutet, dass ich zu beschäftigt bin, um ein Fenster zu finden, in dem ich mich am Tag an den Schreibtisch setzen kann, um zu schreiben. Dann gibt es die andere Phase, die zwar sehr viel Zeit für das Schreiben übrig lässt, dann aber zu Frustration führt, weil ich im Vergleich tatsächlich nur sehr wenig aufschreibe.

Wie sonst auch im Leben, zählt hier also für meine Begriffe die Balance. Wenn mein Leben im Gleichgewicht ist und ich den Tag über mit anderen Dingen ausgelastet bin und dann letztendlich ein paar Stunden zum Schreiben finde, dann fließt der Text am besten. Ein Selbstexperiment hat bereits gezeigt, dass mehr Zeit das Textergebnis nicht beeinflusst. Ich käme genauso weit wie an einem ausgefüllten Tag.

Die Disziplin, mich professionell einem Projekt zu widmen, worunter ich das mehrstündige Schreiben an ein und demselben Projekt über mehrere Monate, bis es fertig gestellt ist, fehlt mir also offensichtlich. Dennoch bin ich davon überzeugt, meinen Weg gefunden zu haben, und lerne gerade, die Zeit nicht überzubewerten.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Schreiben können

Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder schreiben kann. Das Schreiben ist eine Tätigkeit, die der Mensch lediglich verlernt hat. Für meine Begriffe beschäftigen sich heute viel zu wenige damit. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass das Buch fester Bestandteil der Abendgestaltung und des Zeitvertreibs war. Man schrieb Briefe, führte Tagebücher und zückte im Supermarkt weder Handy noch Organizer, sondern einen beschriebenen Zettel.

Durch das Lesen formt sich auch der eigene Zugang zum Schreiben. Kein Mensch ist einfach morgens aufgestanden und hat ganze Bücher geschrieben. Erst einmal war da Input, vielleicht sogar ein bisschen Theorie, Analyse, Gedanken. Dann hat man sich selbst daran gemacht, den Stift zu schwingen und hat geübt, geübt und geübt. Genauso wie ein Musiker sein Instrument zuerst erlernen, ein Maler ein paar Grundlagen über Farben und Pinselstriche kennen und der Gärtner Informationen über seine Pflanzen sammeln muss, genauso muss sich auch der Autor die Zeit geben, sich mit seinem Handwerk vertraut zu machen.

Jedoch gebe ich zu, dass der Sprung heutzutage größer erscheint als er vielleicht schon einmal gewesen ist. Wieso also seine Freizeit damit verbringen, sich einer selbst erdachten Geschichte zu widmen, wenn man genauso gut Storys in Hülle und Fülle über alle möglichen Kanäle vierundzwanzig Stunden am Tag konsumieren kann?

“Nichts ist nicht schon einmal geschrieben worden, es gibt nichts, das es noch nicht gibt.” Diesen Satz hat bestimmt jeder schon einmal gehört. Jedoch sehe ich das anders: Eigene Gedanken, denen Ausdruck verliehen wird, die gibt es so noch nicht. Vielleicht gibt es keine originelle Idee, der Text jedoch ist einzigartig, denn er ist aus einem eigenständigen Geist herausgeschrieben und individuell erzählt. Durch die Augen ganz eigener Erfahrung und Wissen. Diesen Text gibt es so noch nicht. Der Satz oben hingegen ist stets derselbe.

Ich befürchte, dass sich die wenigsten Autoren, darüber im Klaren sind, dass sie ab dem Augenblick einzigartig sind, ab dem sie einfach schreiben. Das Streben nach großem Erfolg, nach dem Herausstechen aus der Masse, drückt doch eher die Stimmung anstatt sie darüber zu erheben, dass die Tätigkeit des Schreibens an und für sich niemand genauso anstellt, wie ich das mache. Dass niemand ein und dieselben Bücher in exakt derselben Reihenfolge gelesen hat wie ich. Dass niemand das Schreiben in denselben Etappen geübt hat wie ich.

Es sollte immer lohnen, sich einer Sache anzunähern, sie zu erlernen, sie nach eigenem Gefühl zu perfektionieren. Besonders das Schreiben, welches Individualität in vollem Ausmaß zulässt und im Grunde als bunte Ausdrucksform fungiert, sollte doch jedem zugänglich sein. Denn ist es nicht oft einfach der Ausdruck, der heutzutage fehlt, das „Ventil“, sich auch mal selbst erklären zu können und verstanden zu werden?

Das Schreiben ist einzigartig, nicht durch den Stift und auch nicht durch das Papier, sondern durch den, der sich beider bedient, um seine persönlichen Gedanken und Beobachtungen aufzuschreiben.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Das Schreibselbstbewusstsein

Das Schreibselbstbewusstsein. Eine Größe im Leben eines jeden Autors, ein Faktor, eine Variable und (hoffentlich) irgendwann einmal ein Ergebnis. Ständig ändert es sich, schwingt innerhalb eines Tages von einer Million auf minus Tausend und schnellt mit dem nächsten Wort wieder rasant in den Plusbereich. Es macht uns sowohl müde und verzweifelt als auch stark und motiviert.

Das Schreibselbstbewusstsein … es ist ein Phänomen. Ein unbändiges Tier, das sich entweder brav von uns kraulen oder uns tagelang im Regen stehen lässt.

Es zu bändigen habe ich bis heute nicht gelernt. Ebenso wenig konnte ich es zähmen oder die immensen Aufs und Abs zu kleineren, weniger verheerenden Schlägen überreden. Es erfasst mich noch immer genauso hart und unvorbereitet wie vor über zehn Jahren, als ich anfing zu schreiben. Sitze ich, mir die Ohren zuhaltend und die Augen verschlossen unter einer großen Welle, die tosend über mir zusammenzubrechen droht, erkenne ich selbst nicht einmal den Fortschritt, den ich bereits zu verzeichnen, die schönen Kritiken, die ich bekommen habe. Die Welle ist dieselbe, sie hat sich nicht verändert, sie macht weder halt vor schönen Anfängen noch vor beendeten Werken, die Zeugnis für tausende von Arbeitsstunden sind.

Das mag jetzt auf den ersten Blick trostlos klingen, jedoch habe ich gelernt, dass die Tiefschläge genauso wichtig sind wie das Hochgefühl. Wie viele herausragende Schriftsteller wollten in ihrem Leben ihre Manuskripte verbrennen? Gott sei Dank, haben sie sich nicht unterkriegen lassen, sich aus den Wassermassen erhoben und einfach weitergemacht. Besser. Bemühter. Überlegter.

Das Schreiben ist für mich ein Prozess. Eine Geschichte entwickelt sich nicht innerhalb von ein paar Wochen. Sie arbeitet in uns, schlägt Wurzeln und Blüten. Das braucht Zeit und Geduld. Stehe ich am Ende meiner Überlegungen, liegen vielleicht fünf Jahre zwischen dem Schluss und der Anfangsidee. Das ist oftmals ein guter Zeitpunkt für das Schreibselbstbewusstsein, unterzutauchen. Denn genau dann stelle ich fest, dass ich mich mit dem Anfang meiner Geschichte nicht mehr identifizieren kann, sie sich also wie aus fremder Hand liest, da der Fortschritt, den ich mir über die lange Zeitspanne erarbeitet habe, meine Texte verändert hat. Genauso begreife ich, dass die Handlung nicht ideal verläuft und der Anfang auf den weiteren Hergang der Geschichte nicht mehr passen will.

Die Erkenntnis, dass der Anfang im besten Fall noch einmal komplett überarbeitet und im schlechtesten Fall neu verfasst werden muss, drückt mich dann nieder, lässt mich den Text vergraben, ihn vergessen. Das Potenzial, das darin steckt, sehe ich nicht mehr, in meiner Erinnerung klingt jedes Wort schief, jeder Satz ungelenk und jedes Kapitel zusammenhangslos.

Doch dann, mit der Zeit, kehrt es zurück, das Schreibselbstbewusstsein. Schmiegt sich versöhnlich an mich, lockt mich mit zarten Gesten in das Versteck, wo meine Texte schlummern und lässt mich neugierig einen davon herausziehen. Beim Lesen setzt es sich auf meinen Schoß, hört meinen Gedanken zu, erfüllt mich mit einem eigenartigen Hochgefühl und lässt mich dann endlich wieder laut sagen: „Mensch, das ist ja doch gar nicht so schlecht!“

Frohes Schreiben!

Eure Saigel

Saigels Irr(e)lichter – Die korrekte Grammatik

Das Schreiben hat natürlich hauptsächlich etwas mit Kreativität zu tun. Mit Fantasie, Einfallsreichtum, Weltanschauung, individueller Erfahrung etc. Der ein oder andere würde vielleicht sogar behaupten, dass Schreiben auf wundervolle Art und Weise magisch sein kann. Schreiben ist Geschichten erzählen. Schreiben ist Botschaften vermitteln. Schreiben ist Ausdruck.

Für den, der schon eine Weile dabei ist, durch das ewige Moor der Schriftstellerei zu stapfen, ist das Spiel mit der Sprache sicherlich schon ein weiterer Bereich des Schreibens geworden. Für mich persönlich stellt es jedoch nur eine Erweiterung des Wesentlichen dar. Denn das Wesentliche am Schreiben ist zunächst nicht die Sprache.

Ich habe schon sehr viele Bücher gelesen. Um ehrlich zu sein, bin ich bereits an dem Punkt angekommen, an dem ich ein Buch erst auf der letzten Seite „wiedererkenne“ und mir dann siedend heiß einfällt, dass ich es ja eigentlich schon einmal gelesen habe. Ich schätze Bücher in korrekter Sprache. Ich schätze korrekte Grammatik. Und ja, das habe ich absichtlich getrennt, denn auch Umgangssprache oder gar vulgäre Sprache können grammatikalisch einwandfrei daher kommen. Die meisten Bücher in Druckversion, die ich gelesen habe, weisen ein oder zwei Fehlerchen auf, die sogar in namhaften Verlagen durch das Lektorat „geschlüpft“ sind. Das ist nicht schlimm. Genauso kann ich nicht von mir behaupten, dass mir mit Sicherheit alle Fehler auffallen würden.

Jedoch kann ich mit Sicherheit behaupten, dass eine gute Idee und eine noch bessere Geschichte in meinen Augen nicht davon abhängen, dass sie grammatikalisch korrekt erzählt wurden. Ich habe auch schon Geschichten gelesen, die mich zu Tränen gerührt, mich tagelang danach noch beschäftigten und tatsächlich in „gebrochenem Deutsch“ verfasst worden waren. Denn der Autor war kein Muttersprachler und mit der deutschen Sprache zudem noch nicht sehr vertraut.

Hat eine Geschichte also keine Substanz und vermittelt sie mir nichts, das mich auf einer oder mehreren Ebenen zugleich anspricht, dann erlebe ich auch die schönste, grammatikalisch korrekte Sprache als leere Hülle, deren Vollkommenheit ich vielleicht bemerken, aber nicht emotional verarbeiten, sie in keinen Kontext rücken kann.

Gleichsam ist vielleicht auch die Schönheit der Sprache nicht in jedem Fall mit der grammatikalischen Korrektheit gleichzusetzen. Denn auch sprachlich vielseitige Texte, mit vielen Wendungen, Bildern und einem „Rhythmus“, der den Lesefluss hervorzaubert und plötzlich eine textbegleitende Melodie erklingen lässt, müssen nicht zwangsläufig grammatikalisch richtig sein.

Es gibt also viele Nuancen, die ein Text aufweisen und viele „Richtlinien“, die ein Text erfüllen kann. Jedoch denke ich, dass der wichtigste Teil des Textes stets seine Aussage ist. Ist die Aussage sowohl durch logischen Aufbau als auch sprachliche Ausschmückungen an den Leser herangetragen, wird das Bild runder. Ist die Grammatik zudem korrekt, ohne dass der Leser ständig darüber stolpert und aus dem Lesefluss gerät, ist der Text noch besser. Seinen Wert hat er jedoch für mich entweder von Beginn an oder gar nicht.

Mein Schlusswort soll nun an alle „Schreibanfänger“ gerichtet sein, die sich wohl oftmals demoralisiert fühlen, wenn sie Texte anderer lesen und sich fragen, ob sie das selbst jemals „so“ hinbekommen. Die Frustration darüber, einen guten Text „nicht“ schreiben zu können, schmälert meiner Meinung nach immer den eigentlichen Wert an dem, was uns alle zum Schreiben bewegt: die Idee.

Eure Saigel

Saigels Irr(e)Lichter – Das Schreibexil

Ist es nicht so, dass jeder genau das am Schreiben mag? Die Abgeschiedenheit. Irgendwo in der Ferne zwitschern ein paar Vögel, leichter Regen klopft zaghaft an die Scheiben, völlige Stille, vollkommener Frieden. Der Tag, mit all seinen Turbulenzen, die mit Lichtgeschwindigkeit auf uns einprasseln, uns überfordern und uns keinen Moment zum Durchatmen lassen, ist leicht verjagt, wenn der Schreibtisch ruft.

Der Schreibtisch. Heimisches Terrain. Beinahe schon selige Entspannung. Ein leidenschaftlicher Schreiber sitzt oft dort, an diesem Ort, der sich gefühlsmäßig auf dem höchsten Punkt eines verlassenen Berges befindet. Das Schreiben ist eigentümlich, es kann an manchen Tagen so unendlich viel bedeuten, an anderen Tagen weniger bis nichts.

Wie lange habe ich mich schon damit auseinanderzusetzen versucht, was da vorgeht, was dieses Schreibgefühl für mich bedeutet und ob ich bereit bin, all das auch mit anderen zu teilen. Ist da nicht ein großer Unterschied, alleine auf dem Berg zu schreiben, oder dann das Geschriebene auch ins Tal hinabzurufen?

Für mich ist es heute beides. Ich teile gerne das, was ich schreibe, natürlich nur einen Bruchteil von dem, was an beschriebenen Blättern oder Dateien wirklich in meinen Regalen steht. Aber es gab eine lange Zeit, in der ich das Tal nicht brauchte. Es war mir egal, niemand wusste von meinem Hobby, ich war die einzige, die etwas von mir zu lesen bekam. Ich war im Schreibexil. Fühlte mich wohl, suchte es dann auf, wenn ich es brauchte und verließ es, wenn es mir nichts mehr gab.

Für mich ist das Schreibexil genau das: ein Ort, der mir offen steht, nur ich besitze den Schlüssel, jedoch ist er auch zufrieden ohne mich.

Es ist ein zweischneidiges Schwert, das Tal mit einzubeziehen. Ich habe mich erst vor einem Jahr getraut, einen leisen, verschüchterten Ruf hinunter zu wagen. Das Echo, das ich bekam, war schwer verdaulich. Denn darüber wurde ich mir plötzlich bewusst: einmal ins Tal hinab gerufen, und man kann es nicht mehr lassen. Das Schreibexil ist nun nicht mehr das, was es war. Es ist jetzt bevölkert von Stimmen, Meinungen, Kritikern.

Öffnet man die Tür, schlägt einem nicht mehr schöne Stille entgegen, sondern ein unbekömmlicher Tumult. Schnell kristallisiert sich aber heraus, dass es Kollegen gibt, deren Schreibexil in etwa so aussieht wie das eigene, und die sich gerne der hiesigen Hausordnung anpassen.

Ich glaube, dass mein Schreibexil die Veränderung gut verkraftet hat. Ich habe nun ein ganzes Team an meiner Seite, eine Gemeinschaft, die sich mit meinen Texten auseinandersetzt, mich aber auch nicht sucht, sollte ich einmal die Türen meines Exils hinter mir geschlossen haben.

Denn es ist nicht das Exil, das wir als Autoren so dringend brauchen, es ist das richtige Tal, das eine, das zu uns passt. Das uns dann fördert, wenn wir stagnieren, das uns dann tröstet, wenn wir zweifeln, und das uns dann mit einem kräftigen Ruck herauszieht, wenn wir ganz und gar versumpft sind. Feedback ist wichtig, um zu wachsen. Das Schreibexil ist wichtig, um Wurzeln zu schlagen. Ich bin dazu übergegangen, weder in dem einen, noch in dem anderen Gegenteiliges zu suchen. Der selbstbestimmte Autor nimmt sich das, was er braucht und entscheidet selbst wohin er wann mit welchem Text geht: auf den Berg, oder in das Tal?

Eure Saigel

Saigels Irr(e)Lichter

Hallo! Ich bin Saigel.

Dauerschreiberin, Schreiblieberin, Lieberverkopferin, Verkopfautorin.

Meine Gedanken aufzuschreiben, habe ich schon sehr früh angefangen. Meine ersten kleinen Geschichten kamen im Grundschulalter an die Klassenpinnwand. Berauscht von dem Ruhm und dem überschwänglichen Lob, das mich auf dem kleinen gefliesten Streifen vor der Pinnwand ganz nach Belieben von allen Seiten überrollte, habe ich mich anschließend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und seither nur für mich geschrieben. Irgendwann, mehr als 15 Jahre später, keimte in mir der Wunsch wieder auf, meine Texte mit anderen zu teilen.

Was ich also mit Sicherheit für alle Leser hier bereitstellen kann, ist Erfahrung. Erfahrung im Schreiben, im Verkopfen, im Loslassen und im: „Auf welche Weise schreibe ich das genauso und auch wieder gar nicht so, wie es in diesem wunderbaren Buch steht, das ich da gerade lese?”

Meine Schreibtipps, Ratschläge und allgemeinen Wegweiser können also für euch, liebe Leser, entweder irre Lichter sein, die euch eine wahnsinnige Erleuchtung über das Schreiben erfahren lassen, euch motivieren, euch weiterbringen, euch Mut zusprechen und euch den Spaß an einer vertrackten Sache wieder entdecken helfen.

Andererseits können sie auch all das nicht sein.

Denn wenn ich etwas über das Schreiben gelernt habe, dann, dass die Schriftstellerei ein weites, dunkles, zuweilen sogar ein recht stinkiges Moor ist, das jeder Autor auf seinem ganz eigenen Weg beschreiten muss. Meine irren Lichter, die meinen Weg kennzeichnen, können für euch also genauso gut auch Irrlichter sein, die euch in eine falsche Richtung locken, euch schmeicheln und rufen, nur damit ihr versumpft und nicht mehr weiterkommt, euch wünschtet, ihr wäret nie auch nur einen Schritt in dieses Moor gegangen, das euch hinabzuziehen versucht, tief und tiefer in die feuchte Kälte, irgendwohin, wo euch niemand mehr herausholen kann – ganz besonders nicht meine irren Lichter, die ironischerweise leuchtende Wannen unter jeden meiner Füße projiziert haben, sodass ich gar nicht erst mit dieser schwer bis gar nicht verdaulichen Brühe in Berührung komme.

So freue ich mich umso mehr, mit euch meine Irr(en)Lichter zu teilen, sie mit euch zu diskutieren und auch selbst Neues daraus zu lernen. Denn, gleich wie einsam so ein Autorenmoor auch sein kann, hört man die Stimmen der anderen um sich herum, weckt das sofort die Hoffnung, dass man eines Tages vielleicht doch mal Land sieht.

Eure Saigel

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