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Saigels Irr(e)lichter – Exilschreiben

Immer wieder frage ich mich, ob es klare Abgrenzung geben kann zwischen „für sich selbst schreiben“ und „für andere schreiben“. Ich schreibe viele Texte. Nur einen kleinen Bruchteil dessen, was sich in meinen verstaubten Schubladen befindet, erreicht die Augen des Lesers. Manche der veröffentlichten Texte wären mir lieber privat geblieben. Mache der privaten Texte sähe ich gerne veröffentlicht.
Zunächst, hat der Hobbyautor das nicht immer selbst in der Hand. Der Leser ist keine Selbstverständlichkeit. Er muss sich erst finden lassen. Allerdings ist oftmals der Wille nicht gegeben, den eigenen Text zu teilen.
Entweder ist er noch nicht „gut“ genug. Insbesondere das Verbessern von Texten, das bis in die Unendlichkeit reichen kann, ist eine Eigenschaft, die wohl jeder Autor mehr oder weniger in sich trägt. Oder der Text ist etwas Persönliches. Etwas, das nicht genug verschleiert werden kann und auf einen privaten Umstand oder eine individuelle Eigenschaft verweist, die nicht das breitere Publikum erreichen soll.
So zieht sich der Autor folglich in sein Exil zurück. Dort schreibt er Jahre lang nur für sich. Er tapeziert die Wände mit Texten, hängt Buchstaben an die Decke und läuft auf verworfenen Ideen hin und her. Stets den Kugelschreiber im Mundwinkel, auf dem er nachdenklich herumkaut.
Doch dann wechselt irgendwann seine Stimmung. Er möchte hinaus, er möchte wissen, ob sein Exil nur Einbildung ist, oder ob es einige der verworfenen Ideen vielleicht doch mit an die Wand schaffen sollten.
Diese Neugier, dieses Streben nach Anerkennung der eigenen Texte ist schwer zu beschreiben. Vielleicht hat es etwas mit der vielen Arbeit zu tun, die in die unzähligen Texte investiert wurde. Vielleicht ist es auch der Drang sich selbst in neuem Licht darzustellen. Vielleicht ist es auch schlicht die Neugier, wie die eigenen Texte im Vergleich zu anderen abschneiden.
Eines ist jedoch gewiss: ganz gleich, wie oft der Autor aus seinem Exil herauskommt und ganz egal, wie viele Texte er daraus mit nimmt. Er wird immer wieder dorthin zurückkehren. Manchmal, um nur ein paar Stunden in der eigenen Gedankenwelt zu verweilen. Manchmal, um sekundenschnell einen bestimmten Text aus den Papierbergen hervorzukramen. Manchmal, um jahrelang die Tür hinter sich zu verschließen.

Eure Saigel

2 Kommentare

  1. Edith Meusburger

    Sehr treffend, liebe Saigel, Du sprichst mir aus der Seele!
    Welche Ambivalenz im Inneren einer Schreibenden, welche Widersprüche, welche Sehnsüchte und Ängste, welche Hoffnungen und Enttäuschungen! Ob ein Profi die Spannung noch immer empfindet zwischen “niemand darf es je lesen” und dem Wunsch, die ganze Welt möge den Text wahrnehmen?
    Der Schluss Deiner Betrachtung gefällt mir besonders gut: ein Autor, der aus seinem Exil herauskommt und immer wieder dorthin zurückkehrt. Schön gesprochen!

    • Saigel

      Liebe Edith,

      vielen Dank. Ich freue mich sehr, dass Dich meine kleine Betrachtung überzeugen konnte.

      Sei lieb gegrüßt

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