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Autorinnen und Autoren im Netz

Kategorie: Liebesbriefe

Wir sind wie das sturmgepeitschte Meer

Ein Liebesbrief von Pia Pandämonium

An dich, liebe mir vertraute Unbekannte; ich suche dich schon mein ganzes Leben lang. 

Ich kenne weder deinen Namen noch dein Gesicht; doch das sind sowieso nur Nebensächlichkeiten, wie ich finde … das,was zählt, trägst du ganz tief in dir.
Dieses wunderbare, unfassbare Etwas, das der Mensch als Seele eingegrenzt hat, werde ich sofort erkennen, wenn ich in den aufgewühlten Ozean deiner Augen blicke. 
Kurz zu etwas Profanerem: Bitte verzeih mir meine Schlampigkeit – sie ist ortsbedingt,
denn ich bin am Strand: Das Papier, auf dem ich schreibe, knittert im rauen Wind; es hat außerdem gerade angefangen zu regnen. Dicke einzelne Tropfen fallen vom sturm grauen Himmel, verwischen manches Wort. Ich sitze an den einen Leuchtturm gelehnt, der am nördlichsten Punkt Dänemarks steht, und kritzele vor mich hin. Es ist kalt und meine Finger werden taub, aber ich liebe es.
Manch einer würde meinen, es gäbe schönere Tage, um herzukommen. Tage, an denen der Himmel klar und blau ist und die Sonne blendet. Doch du wirst mir sicher zustimmen: wir sind nicht der Typ für solch ein langweiliges Wetter … wir sind die hohen, dunklen Wellen, und der wütende Himmel, der nasse, kalte Sand und der Wind, der einem den Atem nimmt. 
Ich war noch nie gut darin, meine Gefühle in Worte zu fassen, aber ich nehme an, es von Zeit zu Zeit zu versuchen, ohne sich zu verbiegen, ist nicht ungesund.
Also, hier ist mein Versuch:
Wenn ich an dich denke, sehe ich das Meer und den Strand vor mir, wie er jetzt ist.
Ich stelle mir komischerweise vor, mit dir zu streiten, hier an diesem Ort, wo wir uns gegenseitig anbrüllen können, ohne auf Nachbarn Rücksicht nehmen zu müssen – denn in gesunden Beziehungen spricht man das aus, was einen stört. Danach haben wir in meiner Vorstellung wilden Versöhnungssex, in den windgeschützten Dünen verborgen.
Die Sehnsucht nach dir verzehrt mein Innerstes; sie ist wie ein gefräßiges Feuer, das nur dein Wasser löschen kann.Nur beim Gedanken an dich bin ich schwach, sonst bin ich echt ein harter Hund.Ich fahre Motorrad, um mich frei zu fühlen, doch langsam dämmert mir, dass nur du mich befreien kannst. 
Bitte lass mich nicht noch länger warten; dies ist ein Leben, das nicht wirklich zählt; ich entbehre zu viel, ich entbehre dich, meine bessere Hälfte.
Und da es in keiner Partnerbörse je geklappt hat, versuche ich es nun auf diesem Wege:
Ich werde gleich das Stück Papierzusammenrollen und es in den Bauch der leeren, gesäuberten Flasche meines Lieblingsweines gleiten lassen. Dann verschließe ich das Gefäß mit dem Korken und stakse gegen den Wind gelehnt zum nahen Wasser. Ich werde der Flasche einen letzten stoppeligen Kuss aufdrücken und sie so weit wie möglich in die sturmgepeitschte See werfen.
Ich werde ihr eine gute Reise zu dir wünschen und mich dann voller Zuversicht abwenden und nach Hause fahren.

Hoffnungsvoll,

Rudi Mortensen
Mosevej 4
3700 Danmark


Lieber Fremder


Ein Liebesbrief von Maryja

schon seltsam: Ich kenne deinen Namen nicht, aber deinen Geruch.
Ich weiß nicht, welche Worte dein Mund gerne formt, aber wie er sich auf meinem anfühlt.
Ich weiß, dass deine Lippen weich sind und dein Drei-Tage-Bart rau.
Ich weiß nicht, was du mit deinen Händen tagsüber arbeitest, weiß nur, dass sie groß sind und perfekt an meine Wange passen.
Ich weiß, dass ich gar nichts mehr weiß, wenn du mich küsst.

Es wird dunkel um mich
Ich fühl mich erdrückt, meine Welt wird verrückt
Erst dreh ich mich und dann du deinen Kopf von mir
Deine Lippen lösen sich, es entsteht eine Lücke
Lehn mich nach vorne, suche dich im Dunkeln
Schnell, bau wieder eine Brücke!
Lass mich nicht mit mir allein
Dann spür ich dich wieder
die anderen Menschen und der Lärm versinken
irgendwo im Boden
und du in mir und ich in dir.

Lieber Fremder,

ich habe mich verliebt in unsere Höhle und ein bisschen auch in dich.
Vor allem aber in den Moment.
Ich hab mich verliebt in das Gefühl von deinen Lippen auf meinen
In das Gefühl von Zusammenhalt, Zärtlichkeit und Zweisamkeit
Hab mich verliebt in – das Gegenteil von Einsamkeit.

Irgendwann ist sie gebrochen – unsere Brücke. Deine grünen Augen verschwunden in der Menge.
Jetzt bin ich verliebt in ein Hirngespinst, in das Was-wäre-wenn.
Aber vielleicht ist es nicht zu spät: Vielleicht können wir uns nochmal verlieben
– in einen anderen Moment
oder vielleicht auch ineinander?
Sollen wir es wagen, das Experiment?

Es tut mir leid

Ein Liebesbreif von schnuppe88

Faye,

ich weiß, ein Brief kann nicht ersetzen, was uns eigentlich zusteht. Was dir zusteht. Was wir geplant und ich versprochen hatte.Auch weiß ich, dass ich für deinen Schmerz verantwortlich bin. Es tut mir leid. Auch diese Worte fallen zu kurz. Ich weiß.
Ich fühle genauso wie du. Auch ich fühle den Schmerz, die Grausamkeit des Zufalls. Ich fühle mich, als würde ich in ein schwarzes Loch gezogen, und mein Herz, mein Kopf, meine Seele würden mit schwarzem Pech aufgefüllt. In mir ist es schwarz. Ohne dich ist mein Leben schwarz. Vielleicht ist es dir ein Trost.Vielleicht mache ich es damit nur noch schlimmer.
Ich wünschte, ich könnte persönlich mit dir reden, aber dazu habe ich nicht die Kraft und du wünschst dir keinen Kontakt mehr.
Ich hasse die Situation, in der wir uns befinden. Und dass ich heute beim Standesamt war und unsere Trauung abgesagt habe.


Jeder Werwolf hat einen Gefährten. Und wenn ein Wolf seinen Gefährten findet, dann ist es sein bester Tag auf Erden, so sagt man. Alles fühlt sich richtig an, die Luft ist mit weichem Honigduft erfüllt und die Sonne lacht auf einen herunter.
Als ich meinen Gefährten fand, wünschte ich mir, kein Wolf mehr zu sein. Ich wünschte mir, den vertrauten Rudelverbund nie gekannt zu haben, nie den Wind in meinem Fell und den Wald unter meinen Pfoten gespürt zu haben. Als ich meinen Gefährten gefunden habe, habe ich nur an dich gedacht.
Ich liebe dich.
Und ich wünschte mir, du wärst es.

In Liebe,
dein Dean

Tosteki

Ein Liebesbrief von Luziferito

Liebe Ella,

es war kein Zufall, dass wir uns im ‘Tosteki’ trafen, das Schicksal hat uns endlich zusammengeführt. Seit vielen Jahren teilen wir unser Faible für Kreta und die kretische Kultur. Waren unzählige Male dort und sind uns doch nie begegnet.

Seit dem gestrigen Abend bin ich wie verzaubert. Schon auf dem Heimweg machte sich in meinem Gesicht ein peinliches Dauergrinsen bemerkbar. Ich hatte den Eindruck, dass die Leute in der U-Bahn meinem Blick irritiert auswichen. Ein Angetrunkener pöbelte mich sogar an und wollte wissen, warum ich ihn ständig so dämlich angrinsen würde. Als ich ihm freundlich einen guten Abend wünschte und weiter anlächelte, trollte er sich kopfschüttelnd.
Die letzten Meter zu Fuß schien ich dann zu schweben, und das lag sicher nicht am Wein und den beiden Gläsern Metaxa, die wir zuletzt noch zum Abschied getrunken haben.


Zuhause angekommen, legte ich passend zum Abend die Platte Zorba The Greek von Mikis Theodorakis auf und begann zu tanzen – mit Dir (leider nur in meiner Vorstellung). Ich drehte die Lautstärke fast bis zum Anschlag. Erst das Hämmern von Frau Wegmann an die Wohnungstür machte dem Spuk ein Ende. Okay, es war schon halb zwei – meine Nachbarin musste am nächsten Morgen früh raus, ich konnte ihren Ärger verstehen.

Ich ging zu Bett, konnte aber einfach nicht einschlafen. Die Bilder und sinnlichen Eindrücke von unserem wunderschönen Abend im ‘Tosteki’ liefen wie in einer Endlosschleife vor meinem inneren Auge ab. Ich sah das Feuer der Begeisterung in Deinen schönen, braunen Augen, als du von ‘Picilia’ erzähltest, Dein anmutig lauschendes Gesicht beim Zuhören, den schimmernden Glanz Deines rotbraunen Haars im Widerschein des Kerzenlichts, hörte den warmen Klang Deiner Stimme und Dein bezaubernd heiteres Lachen. Wie weich sich Deine Schulter anfühlte, wie mich unsere Berührungen beim Tanzen in eine Art Trance versetzten, wie sollte ich da einschlafen können? Ich stand wieder auf und machte mir einen Kamillentee zur Beruhigung. Dann rief ich meinen Freund Jens an, ich musste mit jemand reden. War wohl keine gute Idee, er war ‘not amused’ und kündigte mir beinahe die Freundschaft auf – naja, es war halb drei und Jens muss heute wieder früh zur Arbeit.

Nach ein paar Stunden Schlaf bin ich wieder aufgewacht und alles ist noch viel schlimmer. Mein Frühstück verlief völlig chaotisch. Dass ich das Frühstücksei viel zu lange kochte, war nicht weiter tragisch, aber der Biss in das halbe Brötchen mit Marmelade, das ich zuvor mit Leberwurst bestrichen hatte, schmeckte doch etwas eklig. Dass ich dabei vor Schreck auch noch die Tasse mit dem Kaffee umschmiss, verwunderte mich nicht weiter. Statt zu fluchen und zu schimpfen, habe ich lauthals losgelacht. Das ist das Bedenkliche an meiner Verfassung.

Bisher empfand ich all die poetischen Formulierungen, mit denen man den Zustand des Verliebtseins gerne beschreibt – auf Wolke Sieben schweben, Schmetterlinge im Bauch haben oder verrückt vor Liebe sein – eher als Übertreibungen. Nun muss ich meine Meinung wohl korrigieren. Unsere gestrige Begegnung lässt mich diesen Rausch gerade zum ersten Mal erleben. Ja, ich schwebe, die Schmetterlinge im Bauch flattern wie wild und ich bin sowas von verrückt. Ich fahre in einem Karussell, mein Denken und die Welt dreht sich nur noch um Dich, Ella. Ich musste 36 Jahre alt werden, um das endlich erleben zu dürfen.

Als ich Dich vom ‘Tosteki’ noch bis zur Haustür begleitete und Dich zum Abschied küsste, durchströmte mich ein zuvor nie gekanntes Glücksgefühl. Und ich glaubte in Deinen wunderschönen Augen zu lesen, dass es Dir ganz genauso erging. Ich hoffe sehr, es war so.

Entschuldige bitte, dass ich Dir meine Gefühle so offen schildere. Vielleicht wirkt dies abschreckend auf dich und Du ziehst Dich deshalb zurück. Ich gehe dieses Risiko ein, weil ich nicht anders kann. Es ist nicht schwer, Dir den Grund für meine Offenheit zu erklären. Du bist heute Morgen nach La Rochelle abgereist. Die Vorstellung, drei Wochen auf Deine Rückkehr warten zu müssen, ist mir unerträglich. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll. Ich habe mich unsterblich in Dich verliebt, und wenn mir meine Verliebtheit keinen bösen Streich in der Wahrnehmung spielt, bist Du das auch. Bitte komm bald zurück, brich den Urlaub bei Katrin vorzeitig ab. Ich will das, was gestern Abend begann, fortsetzen – lass uns unser gemeinsames Glück beim Schopf packen – ohne langen Aufschub. Ich sehne mich nach Dir und kann es kaum erwarten, Dich wirklich kennenzulernen. Ich bin mir sicher, Deine Freundin wird es verstehen, wenn Du nicht lange bleibst.
Wie gern würde ich mit Dir schon nächste Woche nach Kreta fliegen, vielleicht nach ‘Picilia’, in Dein Dorf. Ich hätte Zeit. Willst Du? Sag Ja! Komm zurück, ich sehne mich so nach Dir. Isch ‘abe mein ‘erz an Disch verloren, chère Ella!

Wie auch immer Du Dich entscheiden wirst, ich wünsche Dir eine schöne Zeit in La Rochelle – schönes Wetter, leckere Baguettes, Meeresrauschen und lass Dich von Deiner Freundin Katrin verwöhnen.

Dein vor lauter Liebe verrückter
Daniel

Der erste Kuss

Ein Liebesbrief von Marek Schaedel

Mein liebster Clarke,

längst wirst Du über meine Gefühle gegenüber Dir unterrichtet worden sein und auch aus diesem Anlass schreibe ich Dir. 
Die schönen Worte, die Du sagtest, bin ich bereit von Herzen zu erwidern, aber doch muss ich Dich hier verblüffen.
Denn es ist nicht die Emilia, die aus mir spricht, wohl aber die Cassandra.
Ich liebe Dich, Clarke und für immer spüre ich diesen Kuss, den Du mir schenktest, als wir am Brunnen saßen, letzten Sonntag nach der Vesper. Du hieltest ihre Hand und sahst in ihre Augen.
Liebster Clarke! So sind denn ihre Augen doch auch meine!
Du erschrakst, als ich – Cassandra – Dich erblickte, doch schon war ich von Deinem verliebten Antlitz überwältigt, das in mir die Emilia sah.
Ich glaube Dir, Clarke.
Wenn Du – so wie meine Zofe mit scheuem Blick und kurzem Wort – mir sagst, dass diese eine Frau mit dem einen Herzen, dem Haar aus Ebenholz und den zwei silberblauen Augen zwei Frauen in sich hat. Emilia und mich, Cassandra.
Emilia bin ich nie begegnet, aber ich glaube Dir, dass sie da ist, in mir.
Sag mir! Warum kannst Du nicht auch mich lieben? Dieselbe Frau, dasselbe Herz, dieselben Augen?
Küsstest Du nicht auch meine Lippen, als Du Emilia mit festem Griff umschlossest?
Was für ein wonnevoller, endloser Augenblick der Schönheit.
Aber dann erkanntest Du mich. Cassandra. Die erwachte beim ersten zarten Kuss von Dir. 
Natürlich! Natürlich, liebster Clarke!
Doch dann Dein Schreck, Dein Blick, Dein überstürzter Aufbruch! 
Kannst Du mich denn nicht lieben, so wie sie?
So stehe ich nun wieder hier am Brunnen und schreibe diese Zeilen auf.
Da unten vor mir wird sich bald das Schicksal zweier Frauen zu letztlich einem wenden.

Auf ewig Dein!
Cassandra

Mein Liebster

Ein Liebesbrief von Ida S.

Mein Liebster,

die Landschaft fliegt an mir vorbei und mit jeder Minute vergrößert der Zug den Abstand zwischen uns. Wenn ich daran denke, wie groß dieser jetzt schon ist, wird mir das Herz schwer.
Ich sehne mich so sehr nach Dir.
In meinen Gedanken springe ich aus dem Zug und fahre zurück zu Dir. Du stehst lachend am Bahnhof und ich versinke in Deinen Armen. Zwischen unseren Küssen flüsterst Du mir zu: „Nie, nie wieder werden wir uns trennen.“
Die kurze Zeit, die wir miteinander verbringen können, ist für mich unersetzlich. Jeder Moment ist ein Geschenk. Dein Lachen, Deine Berührungen auf meiner Haut, die flüchtigen Momente, die nur mir gehören … Ich verwahre sie tief in mir. Wie eine kostbare Gabe hole ich sie dann und wann hervor, um mich an ihnen zu erfreuen.
Heute Morgen habe ich mir Dein T-Shirt aus dem Wäschekorb gemopst, welches Du gestern getragen hast. Es riecht so angenehm nach Dir. Wenn ich daran schnuppere und die Augen schließe, kann ich mir vorstellen, Du wärst bei mir,so nah bei mir.
Ich wünschte, Du wärst hier.
Ich wünschte, ich könnte Dir all das sagen, dass Du meine Sonne bist, ich Dich wie die Luft zum Atmen brauche.
Du bist am Morgen mein erster Gedanke und mein letzter am Abend. Selbst in meinen Träumen bin ich bei Dir.
Stattdessen werde ich diesen Brief mit all den anderen Briefen an Dich verstecken und hoffen, dass sie nie, nie gefunden werden.
Wenn ich das nächste Mal meine Schwester besuche, werde ich an Euren Tischsitzen, Eure Kinder bewundern und mir wünschen, es wären unsere. Ich werde meiner Schwester zuhören, wie sie voller Bewunderung von einem Leben mit Dir schwärmt, während ich in Gedanken das Messer wetze, welches ich ihr in die Brust stoßen möchte. Dabei werde ich lächeln und niemand wird mir ansehen, wie sehr ich begehre, was ihr gehört.
Du hast mich gefragt, warum ich ans andere Ende des Landes gezogen bin. Was sollte ich Dir antworten?
Dass ich Dich liebe, dass Du der Mann meiner Träume bist? Dass ich es nicht ertragen kann, Dich jeden Tag im Arm meiner Schwester zu sehen? Dass es mir das Herz brechen würde, wenn ich meiner Schwester das Herz breche.
Denn für meine Schwester bist Du die Liebe ihres Lebens, Du bist ihr Universum.
Und sie … sie ist alles für mich. Nie würde ich ihr wehtun.
Und wenn Du ihr jemals wehtust, werde ich mir meine Liebe aus dem Herzen reißen und dann werde ich Dich zerfetzen.
Ich liebe Dich.

Ida

Zwei Seiten

Ein Liebesbrief von Inyara
                        

Marina, oh Sonne meines Lebens!

Nie werde ich den Moment vergessen, in dem mein Blick dich das erste Mal traf. Ich weiß noch genau, wie die Sonne Reflexe zauberte auf deinem Haar, wie deine Augen strahlten, wie deine Hände gestikulierend durch die Luft fuhren, während du telefoniertest.
In diesem ersten Moment, da wusste ich, du warst die Frau, die ich für immer lieben würde. Du warst die Frau, die ich an meiner Seite haben wollte.
Ich habe dir Briefe geschrieben, seitenlang, immer wieder. Doch du wolltest mich nicht erhören. Hast dich gesperrt gegen das Unausweichliche, das das Schicksal für uns vorbereitet hatte. Wolltest nicht sehen. Hast dich gewehrt, mich angeschrien, mir mit Polizei gedroht. Mich angezeigt.
Bist sogar umgezogen, um mir zu entgehen.
Hast dich geziert, wie es sich gehört für ein anständiges Mädchen. Ich habe es verstanden. Du musstest das tun. Konntest doch nicht einfach „Ja“ sagen, nicht wahr? Kanntest mich doch gar nicht. Recht hast du getan.
Doch ich, ich wusste einfach, all das war nur gespielt. Du wolltest es doch auch. Ich bin deiner Spur gefolgt, habe dich wiedergefunden. Egal, wohin du gelaufen bist. Ich habe nie aufgegeben.
Und dann, vor anderthalb Jahren, da war er schließlich da, dieser Tag. Der Tag, auf den ich so lange warten musste, für den ich so hart gekämpft habe. Der Tag, an dem du endlich bei mir eingezogen bist. Mein Werben erhört hast. Dich mir hingabst. Da war ich der glücklichste Mann auf Erden. Natürlich hast du geweint und geschrien, um Erlösung gebettelt. Auch das musstest du tun.Konntest doch nicht einfach so „Ja“ sagen. Nach all der Zeit. Doch ich habe gespürt, tief in deinem Innersten, da wolltest du es doch so. Wolltest, das sich mich um dich kümmere. Wolltest in meiner Nähe sein, von mir berührt werden. Ich liebe dich doch.
Anderthalb Jahre hast du bei mir gewohnt. Es waren wohl die schönsten meines Lebens. Immer wieder hast du gefleht, gebettelt. Dass ich dich rauslasse. Das konnte ich natürlich nicht. Ich wusste doch, das war nur gespielt. Teil des Spiels. Teil unseres Spiels. Du hast oft geweint. Du wusstest doch, dass mich deine Tränen verletzt haben. Du wusstest doch, dass ich es lieber mochte, wenn du lächeltest. Selten nur hast du mir dieses Geschenk gemacht. Nur unter Schmerzen. Warum? Es hätte alles so schön sein können.
Und jetzt das. Warum hast du das getan? Was hast du dir nur dabei gedacht? Das muss doch weh getan haben. Ich wollte nie, dass du Schmerzen hast. Ich wollte doch, dass du glücklich bist. Ich habe dich doch geliebt.
Durch die Gitterstäbe vor meinem Fenster sehe ich ein Stück Himmel. Blau sieht er aus. So, als würde die Sonne scheinen. Die kann ich aber nicht sehen. Doch es ist mir egal. Denn ich weiß, dich, Sonne meines Lebens, dich werde ich nie mehr sehen. Denn du hast dich entschieden. Hast dich entschieden für eine Flucht, auf der ich dir nicht mehr folgen kann. Egal, was ich versuche.
Ich habe dich verloren. Bin verloren. Dieses Mal für immer. Allein. Dabei habe ich dich doch geliebt.

Dein Erwin

Zwanzig Jahre

Ein Liebesbrief von C.

 Liebe M.,

es wird wieder Frühjahr. Spürst du, wie das Leben zurückkehrt? … Ich auch nicht.
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit ich dich zuletzt sah. Damals tranken wir billigen Whisky mit noch billigerer Cola und träumten von der Zukunft. Du von der IT und ich von „irgendwas mit Medien“. Wir lachten, grölten mit Onkel Tom und Ohrenfeindt, bis meine Schwester wütend an die Zimmertür klopfte, und als es still wurde, weil wir nur noch kicherten, küssten wir uns. Ich erinnere mich nicht mehr, wer von uns damit anfing, oder warum ich dir das Shirt abstreifte. Ich weiß nur noch, dass wir aufhörten, weil ich meine Tage hatte und du sagtest: „Machen wir einfach beim nächsten Mal weiter.“
Eine Woche später saß ich im Bus nach Wien. Auf dem Weg zu meinem Verlobten, die erste gemeinsame Wohnung herrichten. Achthundert Kilometer zwischen mir und dir. Wir telefonierten noch einmal. Du sagtest, du wirst jetzt wohl Berufssoldatin, denn bei der Fremdenlegion nehmen sie keine Frauen. Ich lachte.Aber es war kein Scherz, nicht wahr? Dieses tiefe Gefühl, zu Hause und wahrhaft am Leben zu sein – das habe nicht nur ich empfunden, wenn wir zusammen waren. Nicht wahr? Aber damals wusste ich nicht, dass es so etwas gibt. Ich wusste nicht, dass eine Frau eine Frau lieben darf, nicht einmal eine, die so wundervoll ist wie du.
Und jetzt sitze ich hier, zwanzig Jahre später. Meine Kinder sind so alt wie wir damals, und ich denke an dich und was hätte sein können, wenn ich ein bisschen mehr Mut gehabt und ein bisschen mehr auf mein Herz vertraut hätte. Dann hätte ich gewagt, es dir zu sagen, ein ums andere Mal. Hätte es nicht abgetan als Spinnerei wie meine Mutter oder die Vertrauenslehrerin. Dann hätte ich dich in meinen Armen gehalten und gesagt: Ich liebe dich. Und vielleicht hättest du gesagt: Ich dich auch. Dann wärst du jetzt hier und die Welt eine andere. Dann hätte „irgendwas mit Medien“ uns vielleicht nach Bali geführt oder nach Peru, und nicht in einen Teilzeitjob bei der Stadtverwaltung. Dann hätten wir statt einem Haus in der Neubausiedlung ein Hausboot auf der Seine oder einen Wohnwagen in Antwerpen und ich müsste mich nie wieder fragen, ob es so etwas wie Glück überhaupt gibt. So aber helfe ich dem Großen mit den Umzugskartons und der Kleinen mit der Abiprüfung und dieser Brief bleibt unbeantwortet, wie all die anderen davor.

Bis zum nächsten Frühjahr, in Liebe, C.

Brief von der Front

Ein Liebesbrief von Peter S.

Liebste Rosa,

Ich schreibe diesen Brief in der Angst, es könnte der letze sein. Morgen beginnt der Großangriff. Meine Einheit wird ganz vorne dabei sein. Kommandant Huber sagt, es sei eine Ehre für uns, ich bin mir da nicht so sicher. Ich glaube, wir werden als Kugelfutter eingesetzt.
Darum nutze ich die letzten Stunden, um dir diesen Brief zu schreiben; noch mal alles zu teilen, was mir im Kopf herumschwirrt, damit ich mit leichten Herzens morgen in den Kampf ziehen kann.
Ich vermisse dich so unendlich viel. Ich vermisse dein Haar, das wie eine Wolke um deinen Kopf schwebt; deine roten Lippen, die mich immer an Rosen denken lassen.Ich vermisse dein Lachen, so bezaubernd wie der erste Sonnenstrahl nach Regen.
Die Tage hier werden wieder etwas länger und ich glaube, wir haben die schlimmste Kälte überstanden. Leider haben sich viele meiner Kameraden dem Trinken hingegeben, morgen werden sie es bereuen. Der Alkohol vernebelt die Sinne und man wird unachtsam. In der Schlacht darf man nicht unkonzentriert sein. Zu groß ist die Sehnsucht, nach dir und unserem ungeborenen Kind, um das Risikoeinzugehen und getroffen zu werden. Dein Bauch muss jetzt schon riesig sein. Es bricht mir das Herz, nicht bei der Geburt dabei sein zu können.
Ich habe mir gedacht, wenn es ein Knabe wird, könnten wir ihn »Franz« taufen, nach meinen Großvater. Ich musste in letzter Zeit oft an ihn denken. Er hatte mir oft Geschichten über den Krieg erzählt und nun bin ich selbst an der Front. Wie die Zeit vergeht.
Gestern hat das Rote Kreuz ein Klavier gebracht. In meiner Kompanie gibt es einen Polen, ich sage dir, der kann spielen! Seine Musik ist wie ein Sonnenstrahl im Winter. Es ist nicht immer schlimm hier. Wir haben auch viel Spaß. Der Krieg schweißt uns zusammen und steigert die Kameradschaft zwischen uns Männern. Ich habe viele neue Freunde gefunden.
Ich sitze oft bis spät in der Nacht draußen und sehe mir die Sterne an. Sogar die Sterne sind mir hier fremd, aber sie erinnern mich an dich. Kannst du dich noch an den einen Abend erinnern? Wir waren tanzen und später sind wir mit dem Volkswagen auf den Kalvarienberg gefahren. Wir lagen Arm in Arm im Gras und haben zu den Sternen geblickt. Du hast mir verraten, dass du einen Lieblingsstern hast. Ich denke oft an diesen Stern, wenn ich zum Himmel schaue,und hoffe, dass er irgendwo da oben ist. Er ist für mich wie eine Brücke zu dir.
Grüße deine Eltern von mir. Sag ihnen, dass ich mich gut schlage und dass sie sich keine Sorgen machen müssen.
Schau bitte auch nach meiner Mutter. Seit Vater tot ist und Anton und ich an der Front sind, ist sie viel alleine. Gibt ihr ein Bussal von mir. Sag ihr, sie kann stolz auf ihren Sohn sein.
Vor ein paar Tagen sind wir in ein Feuergefecht gekommen. Ich bin hinter einem Baumstamm in Deckung gegangen, und während die Kugeln über meinen Kopf schossen, hatte ich eine Vision von unserer Zukunft. Ich sah dich vor einem kleinen gelben Hof stehen. Er hatte ein rotes Tondach und braune Fensterläden;Efeu kletterte die Wand empor. Die Kinder spielten auf der Wiese und lachten;es waren vier. Zwei stramme Knaben und zwei bildhübsche Mädchen, wie ihre Mutter. Vor dem Hof war ein Gemüsegarten, auf den du sehr stolz warst. Ich danke Gott für diese Vision, sie gibt mir Mut für den Kampf morgen.
Wenn du mich wieder siehst, wirst du erschrecken, wie mager ich aussehe. Der Krieg zehrt schon an mir. Darum muss ich oft an deinen Braten denken, ich kann ihn sogar manchmal riechen.
Ich danke Gott aus tiefsten Herzen, dass es dicht gibt. Der Gedanke an dich gibt mir Kraft; er erfüllt mich mit Wärme, hier an diesem kalten Ort und schenkt mir Hoffnung. Wenn das mein letzter Brief ist, bitte vergiss nie, dass ich dich liebe, und sag unserem Kind, dass sein Vater gestorben ist, damit es eine bessere Zukunft hat. Ich liebe dich, Rosa.

In tiefster Liebe, dein Karl.

An Sophie

Ein Liebesbrief von Falky67

Meine liebe Sophie!

Ich kann heute Nacht nicht schlafen. Du bist mit dem Auto nach Bonn unterwegs. Das erste Mal allein auf so weiter Strecke. Wie könnte ich da schlafen, bevor ich nicht weiß, dass Du angekommen bist? Tja, und schlaflose Nächte haben es so an sich, dass man beginnt, über Dinge nachzudenken, die man sonst gern von sich schiebt.
Hab ich Dir gestern zum Abschied eigentlich gesagt, dass ich Dich lieb hab?
So viel Zeit, die mir wie im Flug vergangen scheint. Und so viele Fehler, die ich gemacht hab und die ich nicht mehr ändern kann.
Ich weiß noch genau den Tag Deiner Geburt, wie könnt ich das vergessen? Schmerzen, die ich vorher nicht kannte, Du hast einfach noch nicht auf diese Welt gewollt. Hast Dich daran geklammert, weiter beschützt zu werden, dabei hab ich Dir schon da geschworen, Dich immer zu lieben, egal was kommt.
Und dann hielt ich Dich in den Händen, ein kleines Geschöpf, herausgepresst in ein unbekanntes Leben. Wie hätte ich nicht bei Deinem Anblick gleich in Liebe zu Dir entbrennen können? So zart, so schutzbedürftig und gleichzeitig bereits so kraftvoll. Ein Wunder des Lebens.
Du hast mir in den Jahren so manchen Kummer bereitet. Und doch haben Deine Augen, der Schmollmund und Dein Lachen alles ins Gegenteil verkehrt. Ich habe viele Fehler gemacht, die ich gern zurücknehmen würde, falls es ginge.
Am meisten schmerzt mich, dass ich nicht da war für Dich, als Oma ging. Ich war zu sehr in meiner eigenen Trauer gefangen, um die Deine zu spüren. Das ist ein Punkt, den ich mir bis heute nicht verzeihe. Ich hab Dich in ein tiefes Loch fallen lassen, aus dem Du nur schwer wieder heraus fandest.
Wie schnell Du danach erwachsen geworden bist.
Für mich viel zu schnell.
Die Pubertätsstreitereien hab ich gelassen hingenommen. Die kannte ich nur zu gut noch aus meiner eigenen Kindheit.
Und dann Dein Abi-Abschluss, was war ich stolz auf Dich. Wie Du da oben standest zwischen all den anderen jungen Menschen. Für mich, liebe Sophie, warst Du die schönste von allen.
Und ich war Dir peinlich, weil ich die einzige war, die laut aufschluchzte, als Du da oben standest und die Blumen entgegennahmst. Aber ich konnte nicht anders.
Das kleine Mädchen, das Du einmal warst, dem ich das Fahrradfahren beibrachte, das vor mir saß, ein Bilderbuch auf dem Schoß und mir daraus Geschichten erzählte, während ich die Haare kämmte, dieses kleine Mädchen stand nun auf der Bühne und war zu einer Frau geworden.
Wie hätte ich da nicht weinen sollen vor Glück, vor Stolz und auch vor Trauer? So viel Gefühl, das aus mir heraus musste.
Und nun sitz ich hier, schreibe die Zeilen, die mich davon ablenken sollen, dass Du allein mit dem Auto diesen weiten Weg nach Bonn fährst. Mitten in der Nacht. Mein Handy liegt neben mir, bereit, die rettende Nachricht zu erhalten: Mama, ich bin gut angekommen.
Ich höre Dich förmlich: Och Mama, mach dir keine Sorgen, ich bin schon groß, ich schaff das.
Ja mein Schatz, das weiß ich. Irgendetwas muss ich doch gut gemacht haben, denn Du schaffst das wirklich. Und doch werde ich nie aufhören, mir Sorgen um Dich zu machen, mit Dir zu leiden und Dir ungefragt Ratschläge zu geben.
Weil ich Dich uneingeschränkt liebe bis ans Ende meiner Tage.

Es ist bereits zwei Uhr in der Früh, endlich kommt deine Nachricht über WhatsApp:
Bin gut angekommen, geh jetzt schlafen. Du kannst ins Bett, Mama Lachsmiley, Kussmund
Wie gut du mich doch kennst.
Erst jetzt merke ich, liebe Sophie, wie müde ich bin. Ich werde den Brief zu den anderen legen, die ich Dir über die Jahre geschrieben habe. Wenn ich nicht mehr bin, sollen sie Dir Trost sein, Dir zeigen, dass Du alles für mich bist. Dass ich Dich immer lieb hab.

Deine Mom

Bei Norbert läuft´s flüssig

Liebster Norbert,

Ein Liebesbrief von Dirk Hoffmann

an solch verregneten Sonntagen wie heute fehlst Du mir ganz besonders, deshalb liege ich gerade auf meinem Bett und schreibe Dir diesen Brief.

Schon am ersten Tag als Deine neue Sekretärin war ich ganz hingerissen von Deiner weltmännischen Art und Deinen kultivierten Umgangsformen.Vor einigen Wochen spürte ich dann zum ersten Mal Deine streichelnden Blicke und wagte kaum zu hoffen, dass ein so erfahrener Mann wie Du wirklich Interesse an mir haben könnte. Doch dann, als ich Dir einige Akten brachte und deine Finger ganz sacht meine Hand streiften, wurde es für mich endlich Gewissheit. In den folgenden Tagen konnte ich mich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren und kam sogar verspätet ins Büro, da ich vorher besonders viel Zeit vor dem Spiegel verbracht hatte, um mich für Dich hübsch zu machen.
Ich konnte es kaum glauben, als Du mir bei unserem ersten gemeinsamen Abendessen davon erzähltest, wie sehr dich Deine Frau vernachlässigt und wie furchtbar diese Ehe für Dich ist. Ich verstehe, dass Du bei ihr bleiben musst, weil sie nun mal das Geld hat und die Firma praktisch ihr gehört. Aber, weißt Du, auch wenn es mir schwerfällt, Dich zu teilen, so hätten wir doch ohne diese Firma niemals zueinander gefunden. Und letztlich bezahlt sie ja viele unserer Treffen, bei denen Du Dich stets so spendabel zeigst und so zuvorkommend dafür sorgst, dass ich mich wie eine Prinzessin fühlen kann. Es muss wirklich anstrengend für Dich sein, gerade jetzt, wo die Firma so tief in den roten Zahlen steckt, Dir ständig neue Geschichten über Geschäftstermine und Überstunden auszudenken, um uns die nötige gemeinsame Zeit zu verschaffen.
Flüssigkeiten haben ja schon immer eine Rolle bei uns gespielt. Erst der Kaffee, den ich Dir jeden Morgen ins Büro bringe, später dann ein, zwei Gläschen Sekt und letztlich das Wasser aus der Blumenvase auf Deinem Schreibtisch – dessen Stabilität ich sehr zu schätzen gelernt habe –, die wir umstießen, während wir noch ganz andere Säfte austauschten. Dieses Mal, so einsam und allein, habe ich mich also für die Tinte entschieden.


In Liebe und sehnsuchtsvollem Verlangen,
Petra

p.s.
Ja, Hr. Uhlenbring, genau so einen Brief wird ihre Ehefrau – natürlich durch einen ganz dummen Zufall – in die Hände bekommen, wenn ich nicht endlich von Ihren plumpen und widerlichen Annäherungsversuchen verschont bleibe.
Sollte ich auch nur noch ein einziges Mal eine Bemerkung wie zu Beispiel „Damals, da schrieb man Pfütze noch mit O“ von Ihnen zu hören bekommen, oder Sie vertrockneter alter Sack bieten mir noch einmal einen neuen Arbeitsplatz „unter Ihrem Schreibtisch“ an, werden Sie sich sowohl mit dem Scheidungsanwalt ihrer Ehefrau als auch mit dem Betriebsrat auseinandersetzen müssen.


Ich hoffe, mein Anliegen deutlich und verständlich vorgebracht zu haben, und verbleibe mit unfreundlichen Grüßen.
P. Meinert

Über den Tod hinaus

Ein Liebesbrief von InEs

Lieber Vati!

Wärest Du 40 Lenze früher geboren oder ich vierzig Jahre später und wären wir uns tatsächlich irgendwo und irgendwann einmal zufällig begegnet, so hätte ich um Deine Hand angehalten, wenn das damals auch noch nicht so üblich war.
Du hättest heute auf den Tag genau Deinen 100. Geburtstag. Zweiundneunzig bist Du zumindest geworden, Du hast somit ein gesegnetes Alter erreicht.
Außer Dir gab es in meinem Leben noch keinen, der so lieb, freundlich, anständig, geduldig, anspruchslos, selbstlos, aufopfernd, vertrauenswürdig und witzig war wie Du. Deine Bescheidenheit nicht zu vergessen. Es gab nie ein böses Wort von Dir. Warst Du einmal über etwas grantig, so brummeltest Du es Dir lieber in den eigenen Bart. Als Familienoberhaupt hast Du Dich vollkommen bewährt, wenn man auch den Eindruck von Dir hatte, Du seiest zu weich und empfindsam. Dies warst Du nie bei Dir selber, hast nicht gejammert, trotz Deiner Kriegsverletzung, die Dich Dein ganzes Leben einschränkte und Dir Schmerzen bereitete. Gejammert hast Du nur, wenn einer von uns krank wurde oder jemand anderes litt, den Du gut kanntest. Ich kann mich gut daran erinnern, wenn Dich jemand zum Beispiel nach Deiner schwerkranken Frau fragte, dass Du Deine Tränen nicht zurückhalten konntest, so sehr schmerzte es Dich, nicht helfen zu können. Der Kelch ging an Dir vorüber, ihr konntet noch gemeinsam die Diamantene feiern. –
Ich liebe Dich über den Tod hinaus. Danke, dass es Dich gab! Danke für Deine Fürsorge und Liebe. Du warst mein Vati, Tröster in all meinen Lebenslagen, Helfer in der Not. Auf Dich war immer Verlass! Ich möchte Dir danken, dass Du mich an Kindes statt genommen hast und dabei keinen Unterschied machtest zwischen mir und Deinen Kindern. Für mich bist Du ein Heiliger.
Dieser Brief musste jetzt an Deinem Geburtstag sein; den lege ich zu den Blümchen auf Deinem Grab.

In ewiger Liebe und Treue
Deine Lotte.

Dunkle Liebe

Ein Liebesbrief von Saigel

Wie lange noch, Liebste? Wie lange werde ich noch auf dich warten? Hier in den dunklen Kellern der tiefen Verließe aus Mondglas und Sonnenstein? Wann wirst du mich holen, mich mit deinem grellen Licht erhellen, das die Augen leiden lässt und doch so heilsam seine Wirkung zeigt, da es allen Schmerz auf einmal bannt?
Evangeline … Sage ich deinen Namen so vor mir her, flüstere ihn in mich hinein, wo er sich kreisend niederlässt, sich in mein Fleisch bohrt und mich quält, entflammt sich ein Feuer der Entbehrung, das mich gänzlich verschlingt. Schreiend winde ich mich zwischen spuckenden Flammen, die an mir reißen und dem tonnenschweren Stein, der deinen Namen trägt, der sich immer weiter in mich hineinfrisst. Dies ist die schlimmste Folter, die ich hier unten in Gefangenschaft erleiden muss. Weder der Ausspruch des Todesurteils noch der Anblick des Folterknechts oder der Geschmack von zappelnden Ratten in meinem Mund vermögen mich so sehr zu plagen wie du. Dein Name dröhnt in meinen Ohren, lässt sie immer stärker schwingen, bis sie den Schall nicht mehr ertragen. Deine Schönheit sticht mir die Augen aus, selbst wenn ich an dieser nur im Traum vorübergehe und die Erinnerung an den Geschmack deiner Haut lässt mich die Bitterkeit all der anderen Dinge nur schwer ertragen. Mit fest verschlossenem Mund beiße ich mir auf die Zunge, um mit dem Geschmack des Blutes die Sehnsucht zu stillen. Die Augen stets weit geöffnet, knie ich, mir die Ohren zuhaltend, in einer Ecke der Zelle, um dem Traum von dir zu entgehen und den Namen nicht zu hören, der mir von den kalten Wänden um die Ohren peitscht wie ein Wirbelsturm.
Evangeline … Wann kommst du, um mich zu erlösen? Wann befreist du mich? Wie lange muss ich diese Qual noch ertragen?
Die Augen fallen mir zu und ich blicke direkt in dein Gesicht. Sofort schlägt das verloren geglaubte Herz in meinem Hals, lässt meinen Atem stocken. Ein wunderschöner Glanz aus feinstem Smaragd, umrundet von einem tiefschwarzen Meer aus Seide, gekrönt von dunkelroten Pforten in die höchsten Ebenen des Paradieses. Ich rieche den Duft von Zitronenmelisse und Rosenwasser, verschwimme in dem Traum, schreite auf das purpurne Portal zu, das sich mir bereitwillig öffnet und mir einen Moment der unangefochtenen Glückseligkeit beschert.
Du hast mich das Leben gelehrt. Den Genuss, im Sommer auf dem Felde zu tanzen, wonach die Arbeit verwunderlich leicht von der Hand ging. Die Kunst, sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen und herzlich zu lächeln. Dieselbe Liebe selbst für den aufzubringen, der Vergebung nicht verdient. Das, was du für mich empfindest, finde ich für mich selbst nicht wieder. Dass du mich hier zurücklässt, muss wohl ein Irrtum sein, jedoch wünschte ich mir, es wäre dein Wille, um mich zu lehren, dir kein Leid mehr anzutun, nicht aus Kummer, nicht aus Eifersucht und auch nicht aus Liebe.
Liebste, ich wünschte, du könntest mich heute schon befreien, doch ich harre aus, beweise dir, deiner würdig zu sein. Obgleich ich wohl nie eines Wesens würdig war, dessen Züge sich so makellos auch in seiner Seele spiegelten.
Diesen Brief als letzten Beweis für meine tiefste Zuneigung, deren Empfindung mich bis ins Mark erschüttert und mich zu verschlingen droht, übersende ich dir und schiebe ihn mit den tauben Fingerspitzen durch den feinen Fensterbruch hinaus in die dunkle Finsternis, in der du auf mich wartest.

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„Am heutigen Tage wird das Todesurteil an diesem Manne vollstreckt, der den grausamen Mord an der selbstlosen Evangeline und ihrem Ehegatten gestand und somit seine Schuld zu sühnen hat.“

An meinen Geliebten

Ein Liebesbrief von Stephanie Schneider

Mein Geliebter,
schon im allerersten Moment, an jenem sonnenwarmen Tag, als sich erst unsere Hände und dann unsere Blicke trafen, schon in dieser Sekunde öffnete sich eine Tür in meinem Herzen.
Ach was, keine Tür, ein riesiges Tor war das, von dem ich nicht einmal ahnte, dass es dort war – noch nie zuvor war mir so etwas geschehen! Mein Lachen, mein Weinen, meine Einsamkeit, meine Freude, meine ganze ziehende, schmerzende Sehnsucht strömten daraus hervor wie ein Sturzbach, auf dich zu, und wollten ein Zuhause finden bei dir. Ach Gott sei Dank war auch dein Herz weit offen, mehr noch, es hielt dem Ansturm stand und nahm mich auf.
Seitdem bist du für mich der Ort, den ich Geborgenheit und Glück nenne. Von deinen Armen gehalten, deine Brust mein Kopfkissen, kann ich mich sorglos fallen lassen. Dein Körper umgibt mich, schmiegt sich mit seiner Weichheit an und gibt mir Halt mit seiner Härte. In der Nacht kann mir nichts Böses geschehen, so lange du bei mir liegst, denn du hältst die wilden Tiere und schaurigen Nachtmahre fern.
Deine Küsse schmecken so köstlich, besser als jedes Festmahl! Geradezu verboten gut sind sie – ich tauche meine Zunge ein wie früher ins Honigglas, um auch noch den allerletzten Rest aufzuschlecken. Und sehe mich verstohlen um, ob auch kein Neider uns beobachtet.
Ich begegne uns in deinen Augen. Sie sind Spiegel deiner wie auch meiner Seele geworden, so weit ist es gekommen! Ich kann meinen Ärger nicht festhalten, wenn ich sein Spiegelbild in deinen Augen erkenne. Und ist es deine Plage und dein Schmerz, der ihr klares Blau trübt, reißt das eine Wunde in mein Herz. Ach, könnte ich doch dann das eine richtige Wort finden, um die Schatten auf Nimmerwiedersehen zu vertreiben!
Lachen will ich mit dir und das Leben genießen, auf jeden Fall heute. Komm mit, lass uns feiern, lass uns die Nacht durch tanzen! Wir vergessen die Endlichkeit, die gibt es für uns nicht mehr. Den Tod, wenn er kommt, den nehmen wir in die Mitte wie einen alten Bekannten. Trennen kann er uns nicht, denn ich liebe dich, mein Gefährte, mein Freund, mein Geliebter.


Hoffnung

Liebe Karin,

Ein Liebesbrief von Angela Dragon

Vermutlich werden dich meine Zeilen überraschen oder auch nicht. Ich bin mir nie sicher was in dir vorgeht, wenn du in meiner Nähe bist. Du bist rätselhafter als eine Sphinx. Und doch kann ich meine Gedanken nicht von dir lenken. Es fällt mir so schwer, mich dir gegenüber auszudrücken.
Nur mit den Händen ist es unmöglich, das zu sagen, was ich empfinde.
Bitte versteh das nicht falsch. Du hast in so kurzer Zeit gelernt, mit mir auf diese Weise zu reden. Diese Stunden mit dir waren für mich besondere Momente, in denen ich alles dafür getan hätte, um die Zeit anzuhalten. Allein um zu verstehen, warum du so anders bist. Kein Vergleich zu den anderen Mädels.
Seit dem Tag, an dem die Welt für mich stumm geworden ist, wurde ich anders behandelt. Die Mädels mochten noch so süß lächeln, aber immer konnte ich das Mitleid spüren. Anders als bei dir. Dein Lächeln ist das wunderschönste für mich. Offen, ehrlich und direkt.
Erinnerst du dich an unser erstes Treffen? Naja, wenn dieses überhaupt zählt. Wer denkt schon an einen besonderen Moment in einem Krankenzimmer. Für mich war es jedenfalls so. Schon in diesem Augenblick wusste ich, dass du anders bist. Aber nicht, wie anders.
Jetzt, da ich weiß, wer du wirklich bist, verstehe ich es.
Und das ändert nichts an dem, was ich über dich denke. Du bist für mich ein Engel, der unerreichbar ist. Keine Ahnung, wie es sein wird, wenn du fort bist.
Daran möchte ich nicht denken. Allein weil es schmerzt, zu wissen, dass ich dich nicht mehr sehen werde. Und ich bedauere zutiefst, dass ich dich nicht hören konnte. Vermutlich würde ich selbst mit dem Teufel einen Pakt eingehen, um nur ein einziges Mal deine Stimme hören zu dürfen. Das Lachen verbunden mit den kleinen Grübchen und deinen strahlenden Augen.
Vielleicht empfinde nur ich so. Vielleicht kannst du dir nicht vorstellen, welche Gefühle in meiner Brust toben. Und selbst wenn diese Liebe, die ich empfinde, nur einseitig ist, genügt es mir vollkommen, so lange an deiner Seite zu bleiben, wie es geht.
Ist es lächerlich zu wünschen, dass wir uns vielleicht in einem anderen Leben wiedertreffen? Unter anderen Umständen, die deinen Weg nicht vorbestimmen? An einem Ort, wo du ein normaler Mensch sein kannst?
Der Kummer wird weniger, wenn ich deine Hand auf meiner spüre. Diese Wärme, die nicht echt ist. Selbst wenn ich deinen Puls fühle, der mir vorgaukelt, dass ein Herz in deiner Brust schlägt. Dein wacher Blick, der mir zeigt, wie selbstverständlich es sein kann, miteinander umzugehen. Und doch ist da eine Kluft, die uns trennt. Es mir unmöglich macht, dir nahe zu sein. Mir ist gleich, ob eine KI dich geboren hat. Du zeigst mehr Gefühl, Verständnis und Wärme als meine Mitmenschen.
Es mag kitschig klingen, doch ich wäre bereit, für dich in den Kampf zu ziehen und alle aufzuhalten, die dir wehtun wollen. Ich weiß, ich bin nicht so stark oder so schnell wie die kleine Familie, in die du mich aufgenommen hast. Aber ich wäre bereit, die Grenzen meines Körpers zu sprengen.
Wenn ich dadurch weitere Augenblicke herauszuschlagen kann, um deine Hand halten zu dürfen, dann mache ich das auch.
Entschuldige meine Feigheit dafür, dass ich dir diesen Brief nicht zu einem Zeitpunkt übergebe, in dem mein Herz noch schlägt.
Keine Ahnung, ob dieser Brief dich je erreicht. Und ob du meine Gefühle verstehst.
Aber mit diesen Zeilen will ich das ausdrücken, was ich mit den Händen nicht vermochte. Ich hoffe inständig, dass es für uns beide eine Zukunft gibt. Eine, in der du an meiner Seite sein darfst, ohne dass das Damoklesschwert über unseren Köpfen schwebt.
Ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Darum glaube ich fest daran. Bis dahin, vergiss mich nicht.

In Liebe, Henry

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