Zur Werkzeugleiste springen

Autorinnen und Autoren im Netz

An meinen Geliebten

Ein Liebesbrief von Stephanie Schneider

Mein Geliebter,
schon im allerersten Moment, an jenem sonnenwarmen Tag, als sich erst unsere Hände und dann unsere Blicke trafen, schon in dieser Sekunde öffnete sich eine Tür in meinem Herzen.
Ach was, keine Tür, ein riesiges Tor war das, von dem ich nicht einmal ahnte, dass es dort war – noch nie zuvor war mir so etwas geschehen! Mein Lachen, mein Weinen, meine Einsamkeit, meine Freude, meine ganze ziehende, schmerzende Sehnsucht strömten daraus hervor wie ein Sturzbach, auf dich zu, und wollten ein Zuhause finden bei dir. Ach Gott sei Dank war auch dein Herz weit offen, mehr noch, es hielt dem Ansturm stand und nahm mich auf.
Seitdem bist du für mich der Ort, den ich Geborgenheit und Glück nenne. Von deinen Armen gehalten, deine Brust mein Kopfkissen, kann ich mich sorglos fallen lassen. Dein Körper umgibt mich, schmiegt sich mit seiner Weichheit an und gibt mir Halt mit seiner Härte. In der Nacht kann mir nichts Böses geschehen, so lange du bei mir liegst, denn du hältst die wilden Tiere und schaurigen Nachtmahre fern.
Deine Küsse schmecken so köstlich, besser als jedes Festmahl! Geradezu verboten gut sind sie – ich tauche meine Zunge ein wie früher ins Honigglas, um auch noch den allerletzten Rest aufzuschlecken. Und sehe mich verstohlen um, ob auch kein Neider uns beobachtet.
Ich begegne uns in deinen Augen. Sie sind Spiegel deiner wie auch meiner Seele geworden, so weit ist es gekommen! Ich kann meinen Ärger nicht festhalten, wenn ich sein Spiegelbild in deinen Augen erkenne. Und ist es deine Plage und dein Schmerz, der ihr klares Blau trübt, reißt das eine Wunde in mein Herz. Ach, könnte ich doch dann das eine richtige Wort finden, um die Schatten auf Nimmerwiedersehen zu vertreiben!
Lachen will ich mit dir und das Leben genießen, auf jeden Fall heute. Komm mit, lass uns feiern, lass uns die Nacht durch tanzen! Wir vergessen die Endlichkeit, die gibt es für uns nicht mehr. Den Tod, wenn er kommt, den nehmen wir in die Mitte wie einen alten Bekannten. Trennen kann er uns nicht, denn ich liebe dich, mein Gefährte, mein Freund, mein Geliebter.


2 Kommentare

  1. Saigel

    Du hast mich sehr gerührt mit deiner Beschreibung von der Liebe, die nach der stürmischen Verliebtheit wächst und wohl wirklich bis über den Tod hinaus verbindet. Es ist magisch und wertvoll, genauso wie dein Brief.

  2. Andre Marto

    Ich begegene uns in deinen Augen – ist ein so wunderbarer Satz, dass man sich darin verlieren möchte. Es sind die Worte, die Liebe beflügeln und fühlbar machen. Vielen Dank für diesen liebevollen Einblick in deine Gefühle…..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Bitte akzeptiere unsere Datenschutzbedingungen, nur so können wir Dich und uns schützen.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2020 Schreibkommune

Theme von Anders NorénHoch ↑

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.  Mehr erfahren