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Kategorie: Ida

Sammlung aller Beiträge von Redakteurin Ida S.

Mein Liebster

Ein Liebesbrief von Ida S.

Mein Liebster,

die Landschaft fliegt an mir vorbei und mit jeder Minute vergrößert der Zug den Abstand zwischen uns. Wenn ich daran denke, wie groß dieser jetzt schon ist, wird mir das Herz schwer.
Ich sehne mich so sehr nach Dir.
In meinen Gedanken springe ich aus dem Zug und fahre zurück zu Dir. Du stehst lachend am Bahnhof und ich versinke in Deinen Armen. Zwischen unseren Küssen flüsterst Du mir zu: „Nie, nie wieder werden wir uns trennen.“
Die kurze Zeit, die wir miteinander verbringen können, ist für mich unersetzlich. Jeder Moment ist ein Geschenk. Dein Lachen, Deine Berührungen auf meiner Haut, die flüchtigen Momente, die nur mir gehören … Ich verwahre sie tief in mir. Wie eine kostbare Gabe hole ich sie dann und wann hervor, um mich an ihnen zu erfreuen.
Heute Morgen habe ich mir Dein T-Shirt aus dem Wäschekorb gemopst, welches Du gestern getragen hast. Es riecht so angenehm nach Dir. Wenn ich daran schnuppere und die Augen schließe, kann ich mir vorstellen, Du wärst bei mir,so nah bei mir.
Ich wünschte, Du wärst hier.
Ich wünschte, ich könnte Dir all das sagen, dass Du meine Sonne bist, ich Dich wie die Luft zum Atmen brauche.
Du bist am Morgen mein erster Gedanke und mein letzter am Abend. Selbst in meinen Träumen bin ich bei Dir.
Stattdessen werde ich diesen Brief mit all den anderen Briefen an Dich verstecken und hoffen, dass sie nie, nie gefunden werden.
Wenn ich das nächste Mal meine Schwester besuche, werde ich an Euren Tischsitzen, Eure Kinder bewundern und mir wünschen, es wären unsere. Ich werde meiner Schwester zuhören, wie sie voller Bewunderung von einem Leben mit Dir schwärmt, während ich in Gedanken das Messer wetze, welches ich ihr in die Brust stoßen möchte. Dabei werde ich lächeln und niemand wird mir ansehen, wie sehr ich begehre, was ihr gehört.
Du hast mich gefragt, warum ich ans andere Ende des Landes gezogen bin. Was sollte ich Dir antworten?
Dass ich Dich liebe, dass Du der Mann meiner Träume bist? Dass ich es nicht ertragen kann, Dich jeden Tag im Arm meiner Schwester zu sehen? Dass es mir das Herz brechen würde, wenn ich meiner Schwester das Herz breche.
Denn für meine Schwester bist Du die Liebe ihres Lebens, Du bist ihr Universum.
Und sie … sie ist alles für mich. Nie würde ich ihr wehtun.
Und wenn Du ihr jemals wehtust, werde ich mir meine Liebe aus dem Herzen reißen und dann werde ich Dich zerfetzen.
Ich liebe Dich.

Ida

Elfe Elli

Elli saß hinter einem Holzstapel, eingeklemmt zwischen dem Holz und einer großen Schneewehe. Sie zitterte und weinte bitterlich. Was sollte sie nur tun? Sie hatte heute einen so großen Unfug verbockt. Wenn die anderen Elfen merkten, was heute Nacht schiefgelaufen war, würde sie vor dem Rat der Oberelfen erscheinen müssen. Die Oberelfen würden über sie Gericht halten,  ihr das rote Elfenkleid und ihre grüne Elfenmütze wegnehmen. Anschließend würden sie ihr die spitzen Ohren rund schneiden, sodass sie wie Menschenohren aussahen und dann … dann würden sie sie aus dem Weihnachtsland verbannen. Ein heftiges Zittern überfiel den kleinen Elfenkörper. Elli zog sich die grüne Elfenmütze tief ins Gesicht und schluchzte herzerweichend.
Mit einem lauten Platsch landete etwas Schweres neben Elli in der Schneewehe. Das konnte nur Bert sein, ihr bester Freund. Bert liebte alles Süße und er roch wie eine Zuckerstange mit Zimtgeschmack. Bert und sie waren zusammen zur Elfenschule gegangen. Danach begann Bert eine Lehre bei den Postelfen und Elli lernte bei den Packelfen.
„Hallo Elli“, begann er aufgeregt. „Wie war deine Schicht? Oh, meine war cool. Endlich sind wir keine Lehrlingselfen mehr und können ordentlich arbeiten. Ich habe heute so einen riesigen Berg Wunschzettel in den Computer eingegeben. Das hat Spaß gemacht.“
Bert Stimme war voller Übermut. Elli konnte hören, wie begeistert Bert über seine Arbeit als Postelf war. Als Bert merkte, dass Elli nicht antwortete, verstummte er. Bert schaute erstaunt zu Elli.
„Elli, was ist los mit Dir?“, fragte er verwundert.
Elli war eine lustige Elfe, immer zu Scherzen aufgelegt. Ihr Lachen klang hell durch das Weihnachtsland. Wenn Elli stumm Berts Erzählungen zuhörte und ihn gar nicht aufzog, konnte das nur eins bedeuten.
„Elli, bist du krank?“
Eine kranke Elfe so kurz vor dem Weihnachtsfest war gar nicht gut.
„Wenn du krank bist, musst du zu den Heilerelfen.“
Mit einen Ruck zog Bert Elli die Mütze vom Gesicht und schaute erstaunt auf die verweinte Elli.
„Was ist passiert, Elli?“, fragte Bert alarmiert.
Elli schnappte sich ihre Mütze und zog sie sich bis zu ihrem Kinn. Dann nuschelte sie irgendwas Unverständliches.
Jetzt war Bert mehr als alarmiert. Er musste kurz mit Elli kämpfen, aber dann hatte er ihr die Mütze entwunden und schaute in ihre verweinten Augen.
„Elli, erzähle, was ist los!?“, fragte Bert und reichte Elli sein klebriges Taschentuch.
Elli pulte ein paar Schokostücken aus dem Tuch, bevor sie sich damit ihre kleine Elfennase putzte.
„Ach, Bert“, sagte Elli, mit Tränen in der Stimme. „Ich habe ein ganz großes Durcheinander angerichtet. Wenn die Oberelfen das merken, werde ich aus dem Weihnachtsland verbannt.“
Elli begann wieder bitterlich zu weinen und Bert nahm sie in seine Arme.
„Elli, komm, erzähl, was dir passiert ist. Ich kann dir bestimmt helfen.“ Tröstend klangen Berts Worte und in Elli glomm eine kleine Hoffnung auf. Sie schnäuzte in Berts Taschentuch und begann zu erzählen.
„Heute Nacht hat Förderband 14 gesponnen. Anstatt die Pakete zum Schlitten zu transportieren, wurden die Geschenke immer wieder ins Lager gebracht.“
Bert hatte eine große Zuckerstange aus seiner Jackentasche gezogen und nuckelte daran. Einladend hielt er sie Elli hin, doch die schüttelte den Kopf.
„Ja, das war toll. Ich konnte nicht weiterarbeiten und hatte Zeit in den Speisesaal zu flitzen.“ Bert strahlte. „Ich habe 5 Tassen Kakao mit Zimtgeschmack geschafft.“
„Ach, Bert,“seufzte Elli, „Du bist und bleibst ein Schleckermaul.“
Bert nickte und nuckelte weiter an seiner Zuckerstange.
„Na ja, wir mussten alle Bänder stoppen und Monika hat sich den Schlamassel angesehen. Als alles repariert war, hat sie mir ein Zeichen gegeben, damit ich die Bänder neu starte“, erzählte Elli weiter.
„Oh cool, Elli. Gleich in deiner ersten Schicht bekommst du eine solch verantwortungsvolle Aufgabe.“
Elli rannen die Tränen übers Gesicht. Ihr Kinn zitterte.
Schluchzend antwortet sie: „Ich habe die Ländercodes vertauscht. Die Geschenke für die Kinder aus Schweden landeten in den Schlitten für Deutschland, die Geschenke für Deutschland liegen jetzt in den Schlitten für Südafrika. Alle Geschenke sind in falschen Schlitten gelandet.“
Elli schlug sich die Hände vor das Gesicht und weinte bitterlich.
Berts Gesicht war ganz blass geworden. Der Weihnachtsmann hatte am Weihnachtstag viele Geschenke auszuliefern. Natürlich passten die nicht alle in einen Schlitten. Deshalb gab es überall auf der Erde Verstecke für die Schlitten. Immer, wenn ein Schlitten leer war, flog der Weihnachtsmann zum nächsten Versteck und wechselte den Schlitten. Wenn aber in den Schlitten nicht die richtigen Geschenke lagen … diese Katastrophe wollte Bert sich gar nicht vorstellen.
„Das ist übel”, sagte Bert.
Bert steckte die Zuckerstange in seine Jackentasche und schaute Elli ernst an.
„Das ist wirklich übel”, wiederholte er.
Elli nickte. „Sie werden mich zu den Menschen verbannen.“
Bert sprang auf. Das konnte er nicht zulassen. Seine beste Freundin, verbannt aus dem Weihnachtsland. Nein, das durfte nicht geschehen.
Er zerrte die weinende Elli hinter sich her in den großen Speisesaal. Fast alle Tische waren besetzt. Auf den Tischen lagen körbeweise Plätzchen, Zimtsterne und viele andere Nascherein. Vor den Elfen standen dampfende Tassen gefüllt mit Milch oder leckerem Kakao. Aber Bert hatte keinen Blick für die Köstlichkeiten.
An ihren Tisch saßen Fionna und Nils beim Frühstück. Erstaunt sahen sie auf Elli, die noch immer heftig schluchzte. Bert schob ihr einen Tasse Milch mit Honig hin und dann erzählte er den beiden, was Elli in ihrer Schicht passiert war. Fionna und Nils wurden immer blasser. Das war so übel.
Es gab einen furchtbar wichtigen Plan, nach dem der Weihnachtsmann die Geschenke verteilte. Wenn er in Deutschland war und die Geschenke für die Kinder waren nicht im Schlitten … Oh weh, das gäbe eine Katastrophe.
Fionna überlegte kurz. „Bert, du bleibst bei Elli. Nils, komm mit mir. Wir trommeln unsere Freunde zusammen.“
Sie schnappte Nils am Arm und zog ihn mit sich. Es dauerte nicht lange und immer mehr Elfen sammelten sich um Elli und Bert.
Zuletzt kam Vicky angerannt. Vicky gehörte zu den Koordinationselfen, sie stellten die optimalen Flugrouten für den Weihnachtsmann zusammen und waren für die ganzen organisatorischen Dinge zuständig.
„Ich habe Listen erstellt”, begann Vicky, „wo die Pakete jetzt sind und wo sie hingehören.“
Sie winkte mit den vielen Listen, die sie in der Hand hatte.
„Wir bilden jetzt Teams und dann werden die Pakete in die richtigen Schlitten umgeräumt.“
Schnell hatte Vicky die Elfen zu Teams zusammengestellt und ihnen ihre Liste in die Hand gedrückt. Die Elfen gingen los, um die Pakete in die richtigen Schlitten zu räumen. Sie brauchten fast den ganzen Tag dazu. Am späten Nachmittag legte Elli das letzte Paket an seinen Platz. Erleichtert atmete sie auf. Bert, der mit ihr zusammengearbeitet hatte, war feuerrot im Gesicht und hatte seit mindestens einer Stunde keine Zuckerstangen mehr gegessen.
Erschöpft lehnte er sich an den Schlitten und sagte: „Elli, lass bloß die nächsten Tage deine Finger von den Ländercodes.“
„Das werde ich“, versprach sie.
Nach und nach kamen alle Elfen, die Elli geholfen hatten. Elli bedankte sich überschwänglich bei allen.
„Wir sind im Weihnachtsland. Da hilft man sich“, sagte Fionna. „Jetzt darfst du uns alle zu einer Tasse Kakao einladen.“
Elli nickte und sie gingen zusammen in den Speisesaal. Dort saßen sie zwischen den geschmückten Tannenbäumen, schlürften Kakao und aßen Plätzchen. Bert hatte wie immer eine Zuckerstange im Mund. Elli schaute zu ihren Freunden und war glücklich. Alle Pakete waren an ihrem Platz, die Kinder auf der Erde würden ihre Geschenke bekommen und sie durfte im Weihnachtsland bleiben. Freudestrahlend steckte sie sich eine Zuckerstange in den Mund und dachte: „Habe ich ein Glück, dass ich so viele liebe Freunde habe!“

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