Autor:innen im Netz

Monat: Juni 2021

Lies mal, wie gequatscht wird – Dialoge in Prosa (1), Zeichensetzung

Manche Autor:innen, die zum ersten Mal eine Geschichte schreiben, wollen es gleich richtig machen und nicht mehr die „langweiligen“ Anführungszeichen über der 2 benutzen, sondern die wie im Buch.
Was ich dann manchmal sehe, ist das hier:

> > Oh, wie furchtbar! < <, rief Ingo. Oder: <<Bitte nicht!>>

Das ist nicht schlimm, wenn man sich mit seinem Textverarbeitungsprogramm anfangs noch nicht so gut auskennt. Das lässt sich alles einstellen, und später mit Suchen und Ersetzen (Strg + F) automatisch korrigieren.
Es gibt “englische Anführungszeichen”, die im Deutschen nicht korrekt sind.
Es gibt die normalen „deutschen Anführungszeichen“, die man auch mit der Hand schreibt.
Es gibt die Guillemets in den Varianten «Buchdruck» (in Schweiz und Frankreich gebräuchlich) und »Buchdruck umgedreht«, wie wir sie aus Deutschland kennen. Diese Begriffe zu kennen, ist schon einmal hilfreich, wenn man nach einer Anleitung sucht.
Das einfache Anführungszeichen wird entsprechend korrespondierend gewählt, sodass es stilistisch zusammenpasst. Die verwendet man, wenn man wörtliche Rede innerhalb wörtlicher Rede zitiert, also die eine Figur wiederholt, was die andere gesagt hat, beispielsweise.


Der Apostroph ist dann wiederum ein anderes Zeichen, das liegt auf der Taste mit der Raute oben:

Herr Anders’ Apostroph.

Ein Fehler, den ich selbst am Anfang gemacht habe, ist einer, der die Interpunktion betrifft. Er passiert mir heute noch als Flüchtigkeitsfehler, obwohl ich es eigentlich besser weiß. Sogar in gedruckten Büchern habe ich es schon gesehen.

»Schaut euch mal das Beispiel an.«, sagte Ingo.

Es geht um den Punkt. Das war mir beim Lesen von Büchern nie aufgefallen, aber wenn ein Punkt am Ende der direkten Rede wäre, weil der Satz zu Ende ist, und darauf ein Komma folgt, dann entfällt dieser Punkt. Frage- und Ausrufezeichen bleiben dagegen erhalten. Deshalb schleicht sich so ein Fehler immer wieder ein, auch im Rahmen der Überarbeitung, etwa weil man ein Ausrufezeichen doch wieder zurücknimmt. Es lohnt sich auch hier, mit Strg + F nach dieser Zeichenkombination zu suchen und sie gnadenlos zu ersetzen.

Was mir ebenfalls passiert ist:

»Macht das bitte nicht zu Hause nach«, lachte Ingo.

Wer zuletzt einen Satz gelacht hat, werfe den ersten Stein. Macht auch bitte ein Video bei Youtube und verlinkt es in den Kommentaren, damit ich mir das anhören kann. Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinauswill: Das ist recht unwahrscheinlich bis unmöglich.

Besser: »Macht das bitte nicht zu Hause nach.« Ingo lachte.

Und Obacht: Jetzt muss der Punkt natürlich wieder hin!
Es gibt noch eine Reihe ungeeigneter Sprecherverben (auch Inquits genannt):

  • lächelte
  • grinste
  • schnaufte
  • strahlte
  • schimpfte

Im Grunde reichen fragte, sagte und rief völlig aus, aber wenn ihr auch das weglassen könnt, weil klar ist, wer spricht – dann lasst es weg.
Der Trick besteht darin, die Person etwas wahrnehmen oder tun zu lassen und das in dieselbe Zeile zu schreiben. Manchmal sprechen auch die Figuren einander mit Namen an.

Ingo griff nach der Hundeleine.
»Hast du’n Rad ab, Alter?«
Er ging nicht darauf ein, sondern sah betont teilnahmslos aus dem Fenster. Es wurde gerade hell.
»Willst du wirklich so früh …?«
»Will ich, Mia. Und du kommst mit.«
Sie grunzte.
»Komm, Jack!«

In diesem Beispiel seht ihr drei Punkte. Stehen die am Ende der wörtlichen Rede, weil der Satz nicht zu Ende gesprochen wird, dann muss ein Leerzeichen davor sein und dahinter darf keins sein. Steht es dagegen … mitten im Satz, weil die Figur nach Worten sucht, dann muss vorne und hinten je ein Leerzeichen sein.
Ingo hätte Mia auch unterbrechen können:

»Willst du wirklich –«
»Mia!«

Dann verwendet man den Gedankenstrich.

Habt ihr noch Fragen dazu? Habt ihr einen Wunsch für ein bestimmtes Thema?

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Gleich und gleich bekämpft sich gern – Die Sieben gegen Theben (Rezension)

Vor beinahe 2500 Jahren schuf Aischylos mit der Tragödie “Die Sieben gegen Theben” den Abschluss seiner fragmentarisch erhaltenen thebanischen Trilogie. Die Geschichte um die beiden Brüder Eteokles und Polyneikes begründete ein Motiv, das bis heute aktuell bleibt.

Sequel mit Stil 

Ödipus’ Söhne Eteokles und Polyneikes haben nicht gerade das beste Verhältnis zueinander. Bereits zu Beginn des schlanken Stücks holt Polyneikes als Rache für seine Verbannung zu einem gewaltigen Vergeltungsschlag gegen seinen Bruder aus und belagert mit sechs Gefährten die Stadt Theben. Das Ende dieser Tragödie erfüllt jedes Klischee des Genres: Die beiden Brüder töten sich gegenseitig.

Sieben … Zwerge?

Bemerkenswert ist die besondere Aufmerksamkeit, die Aischylos jedem der Krieger zukommen lässt. Im finalen Showdown vor den Toren Thebens wird jedes Kämpferpaar einzeln von Eteokles und dem Chor thebanischer Mädchen in Szene gesetzt (wohl der erste kommerziell präsentierte Schaukampf der griechischen Literatur, der sogar mit individuellen Symbolen aufwarten kann). Am Ende prallen sogar die beiden Brüder selbst aufeinander …

Sexismus auf Altgriechisch

Allerdings ist (im Gegensatz zum großen Finale) vor allem der Beginn der Belagerung zu kritisieren. Der Chor der Mädchen lamentiert herzerreißend vor den Altären der Götter, bis Eteokles trotz der Gefahr durch den Feind nichts besseres zu tun hat, als eine Diskussion über den Wert der Frau vom Zaun zu brechen. Während also vor den Toren die Fetzen fliegen, führen Eteokles und Chor die wohl sinnloseste Debatte der Weltliteratur, die außer Beleidigungen keine neuen Erkenntnisse bringt. Ich wäre beinahe versucht, einen Vergleich mit dem Rap-Battle “Mädchen gegen Jungs” aus “Bibi und Tina” zu ziehen …

Ein zeitloses Motiv

Apropos “Bibi und Tina”: “Die Sieben gegen Theben” gleicht in seiner Ausführung zahlreichen modernen Werken allen Genres. Den Konflikt zwischen (leiblichen oder geistigen) Geschwistern findet man allüberall: “The school for good and evil”, “Naruto” und schließlich auch “Harry Potter”. Immer treffen dabei das bewahrende und das zerstörende Element im Menschen aufeinander. 

Fazit

Trotz seiner Schwächen zählt “Die Sieben gegen Theben” zweifelsohne zu den wichtigsten Werken der Weltliteratur. Augrund seiner bescheidenen Länge ist es auch problemlos an einem verregneten Spätnachmittag zu lesen.

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