Da sitzen wir nun auf unseren Betten, Sofas, Sesseln, Küchen- oder Gartenstühlen und halten dieses eine Buch in den Händen, das uns zeigt, wie weit wir selbst noch davon entfernt sind, ein herausragender Schriftsteller zu sein. Diese Talente, die wir bewundern, können alles. Jeder Satz ist perfekt, jedes Wort passend, die Geschichte logisch und nahtlos. Selbst Michael Endes Büchernörgele würde nichts anderes übrig bleiben, als freudigen Lobgesang anzustimmen.

Doch, sind es denn tatsächlich die Talente, die uns begeistern? Gibt es einen Autor, der über Nacht den Entschluss fasste, Autor zu werden und dies sogleich am darauffolgenden Morgen mit Leichtigkeit in die Tat umsetzte? Wohl kaum.

Diese Idee vom angeborenen Talent, welche in unseren Köpfen auf ganz romantische Art und Weise existiert ist wohl der Wahrheit nicht sehr nahe. Selbst ein großer Molière genoss eine schreiberische Ausbildung auf hohem Niveau. Dann gibt es natürlich auch die Quereinsteiger wie Thomas Mann, die allerdings auch erst ihr Handwerk erlernen mussten. Talent ist etwas, das uns in die Wiege gelegt wird. Es gibt bestimmt viele Menschen da draußen mit schreiberischem Talent, welches sie allerdings nicht nutzen. Erst ein ausgebautes Talent, welches vertieft und mit Wissen bereichert wurde, kann sich so vortrefflich entfalten, dass es uns den Atem zu rauben vermag.

Ich glaube, die Bewunderung von Talent sollten wir uns abgewöhnen. Wir sollten Arbeit und Eifer bewundern, Hartnäckigkeit, die auch in den dunkelsten Stunden nicht mit dem Leuchten aufgehört hat. Um ein Buch zu beenden braucht es mehr als Talent, es braucht Durchhaltevermögen und Geduld, Handwerkswissen und einen ausgearbeiteten Stil und noch vieles mehr. Dies sagt uns, dass das Gelesene nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt worden ist, was unsere Bewunderung nicht schmälern, sondern verstärken sollte.

Genauso können manche vielleicht mit dieser Erklärung von dem Gedanken Abstand nehmen, dass ihnen das nötige Talent zum Schreiben fehlt.

 

Eure Saigel und viele Grüße an Yvonne, die mir netterweise den Klau ihrer Idee gestattete