Autor:innen im Netz

Monat: Februar 2021

SGZ-Woche 7 PRESSE (Ohne Titel)

Um ihn herum war alles dunkel. Es roch nach Benzin, Öl und Leder. Er klopfte und trat gegen die Wände seines Gefängnisses und rief nach Leibeskräften um Hilfe. Vergeblich.
Vermutlich hatte er auf eine der Fragen eine falsche Antwort gegeben und sie hatten ihn in einen Kofferraum gesteckt. Dabei war er nur ehrlich gewesen!
Er hörte das tiefe Brummen großer Maschinen und etwas, da sich mit Quietschen näherte. Als es zuschlug, kreischte Metall und ein Beben erschütterte das Auto, in dem er gefangen war. Nun ging es aufwärts, als ob er in einem Aufzug nach oben führe.
»Nein! Tut mir das nicht an! Ich flehe euch an!« Seine Blase entleerte sich.
Das Auto fiel, er stieß mit dem Kopf hart an. Das Brummen war jetzt ohrenbetäubend und das kreischende Metall allgegenwärtig. Er bat um Vergebung für seine Sünden.
Mehrere Knochen waren gebrochen und der Druck auf seine Lunge nahm immer mehr zu, da platzte ihm endlich der Schädel.

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

Der Schreibwettbewerb – Der Hobbyautor

Liebe Schreibkommune,


der Hobbyautor zeigt sich uns in seinen schönsten Farben. Er ist divers, er folgt keinem Stereotypen. Ja, in der Tat tummelt sich unter diesem Begriff eine Gruppe an zappeligen Schreibwütigen , die in keiner Weise zu kategorisieren sind. Es gibt so viele gute Autoren und Bücher. Allerdings liegen noch fünf Mal so viele tolle Bücher, Gedichte und unfertige Texte in den staubigen Schubladen oder in den fernen Weiten der unorganisierten Dateiordner der Hobbyautoren begraben. Diese auszugraben könnte die archäologische Arbeit von mehreren Leben bedeuten und dennoch offenbart sich uns gerade ein wahrer Schatz, der offensichtlich nur ein kleiner Teil dessen ist, was wirklich dort draußen zu erforschen ist.


Der Hobbyautor ist demnach ein Mensch, der dem Schreiben verfallen ist. Diese Eigenschaft sollen wir alle gemeinsam haben. Genau diese Eigenschaft spiegeln zudem alle wunderbaren Texte und Gedichte wider, die uns bis jetzt erreicht haben. Bis zum Einsendeschluss hoffen wir, noch die letzten Erleuchtungen willkommen heißen zu dürfen. Für uns geht ein Traum in Erfüllung und wir wissen, dass dies erst der Anfang ist.


Die Schreibkommune soll wachsen und jeder Hobbyautor soll sich hier entwickeln können, soll sich zeigen dürfen und anderen wiederum die Plattform bieten, dasselbe zu tun. Liebe Hobbyautoren, ihr seid klasse!


Eure Saigel

SGZ-Woche 6 In Erwartung

Der Arzt war unter einem Vorwand hergebeten worden. Stephanie Woodbrocks hatte dem Boten nicht gesagt, was genau der medizinische Notfall sei.
»Seht euch Nala an!«
Das Hausmädchen verbarg ihren Leib seit Wochen in weiten Kleidern und ließ sich nur blicken, wenn zwingend nötig.
»Seit wann bist du in Erwartung?«, herrschte die Hausherrin sie an.
»Verzeihung, Miss Stephanie.« Offenbar verstand das junge Ding gar nicht, was in ihrem Körper vorging.
»Wer hat dich bestiegen, Nala?«, wollte Miss Woodbrocks wissen.
Beschämt blickte das Mädchen zu Boden, wagte keinen der Herren zu benennen.
»Doktor, können Sie es wegmachen?«
Er verstand nicht gleich. »Ich soll die Schwangerschaft beenden?«
»Ja. Ich dulde keinen Bastard in diesem Haus«, erklärte Stephanie Woodbrocks.
»Ich weiß nicht.« Der junge Arzt drehte seinen Hut in der Hand. »Dieses Verfahren ist noch sehr neu und nicht ungefährlich für die Patientin. Sind Sie sicher, dass Sie das Kind nicht in einem Waisenhaus abgeben wollen? Wenn es so weit ist, meine ich.«
»Ich bin sicher, Herr Doktor. Sonst hätte ich Sie nicht rufen lassen. Wenn Sie dann bitte anfangen wollen.«
Mit angstvoll aufgerissenen Augen hielt das Hausmädchen sich den Bauch. Die Frucht war fast ausgereift. Der Gynäkologe beschloss, ihr noch etwas Zeit zu schenken.
»Ich muss um Verzeihung bitten, Miss Woodbrocks. Ich benötige spezielle Instrumente und einen Assistenten.«
»Es sind genügend Knechte, die Ihnen assistieren können, Herr Doktor.«
»Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, Miss Woodbrocks, aber ich habe einen Assistenten, der geschult ist auf den Umgang mit Äther. Ich erwarte ihn in den nächsten Tagen von einer Bildungsreise zurück. Es wird nicht ohne ihn gehen.«
»Äther für ein Hausmädchen!«
»Ich kann nicht in Ruhe arbeiten, wenn sie sich in Schmerzen windet. Womöglich verletze ich lebenswichtige Gefäße und sie verblutet mir auf dem Tisch.«
»Und seis drum! Darüber hätte sie nachdenken sollen, bevor sie sich bespringen lässt!«
»Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden.« Damit zog der Arzt sich zurück.

Vier Tage später kam Nala nieder und brachte einen gesunden Jungen zur Welt. Schweren Herzens trennte sie sich von ihm, um ihn in die Obhut des örtlichen Krankenhauses zu entlassen.

21 Jahre später sprach ein junger Arzt beim Anwesen der Woodbrocks vor …

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

SGZ-Woche 5 Der Perlentaucher

In unserem Dorf lebten die meisten von dem, was sie in ihren Netzen und Reusen fanden. Unsere Familie züchtete Muscheln, seit mein Urgroßvater einmal eine Perle gefunden hatte, die ihn reich gemacht hatte. Mein Vater züchtete sie. Dafür gab es schon mehr als für die Muscheln alleine. Doch das richtige Geld gab es für echte Perlen, also suchten meine Brüder und ich danach.
Wir tauchten mit nichts als dem Messer zwischen den Zähnen ins Dunkel hinab. Ich hatte schon die ein oder andere Auseinandersetzung mit einem Hai hinter mir, da traute ich eines Tages meinen Augen nicht: Ich sah eine fußballgroße Perle in einer Muschel, so groß wie eine Badewanne. Das hört sich nicht nur ungeheuerlich an, das war auch ein Ungeheuer. Dieses Ding konnte ich natürlich nicht mal eben in die Hand nehmen und ihm das Prachtexemplar entreißen.
Ich sah mich um, so gut ich da unten etwas erkennen konnte. Das Auto! Hier ganz in der Nähe lag das Wrack eines Pkw, das vor einigen Jahren von einer Klippe gestürzt war. Vielleicht fand ich dort irgendeinen Hebel, den ich anstelle meines Messers einsetzen konnte. Ich tauchte auf, um Luft zu holen, und fand dann im Kofferraum einen Wagenheber. Versorgt mit frischer Luft schwamm ich zurück zur Muschel.
Mein Versuch, sie zu öffnen, schlug fehl. Doch nicht nur das: Das Biest schnappte nach mir und ehe ich mich versah, war ich in ihr gefangen. Jetzt machte sich bezahlt, dass ich von klein auf nach Muscheln tauchte und länger die Luft anhalten konnte als die meisten anderen Männer im Dorf.
Das Einzige, das mir geblieben war, waren das Messer und der Wagenheber. In meiner Verzweiflung fing ich an, diesen einzusetzen, als wolle ich einen Reifen wechseln. Offensichtlich war genau das der richtige Weg, denn die Muschel gab nach.
Mit meinem Messer trennte ich die Perle heraus, befreite mich aus dem Monster und schaffte es unter Darbietung all meiner verbleibenden Kräfte, aufzutauchen und die rettenden Atemzüge zu tätigen.

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

Mir persönlich hat “Anfänge” (SGZ 28)  besser gefallen, aber das hier ist der Publikumsliebling. ;

Die Kinder Kains (1/3)

„Untersteht euch!“, rief die Heldin, die die Welt gerettet hatte. „Wehe, ihr rührt mich auch nur a…“ Ihr Protest versank in einem hysterischen Lachanfall, als die Kleinen sich auf sie stürzten und unter Freudenschreien kitzelten. Die Menschenmasse wurde von einem Berg aus Kissen verschlungen, der lautlos in sich zusammenfiel.

Ich saß hilflos neben dem Sofa und wusste nicht recht, was ich tun sollte. Während Tiphareth Sefer Qadmon sich der unzähligen kleinen Händchen zu erwehren versuchte, kratzte ich mich verlegen am Hinterkopf und musterte diskret das digitale Kaminfeuer. Das warmherzige Knistern ließ mich wohlig erschauern. Ein Blick aus dem Fenster des großen Hauses verriet mir, dass es immer noch schneite. In der Ferne zeichneten sich die weißen Gipfel der Alpen ab. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob die Wärme im Wohnzimmer von der Heizung oder von dem sanft glühenden, kreuzförmigen Breitschwert an der Wand kam.

Tiphareths Kreischen nahm beängstigende Ausmaße an und endete erst, als neben mir ein lauter Gongschlag ertönte. Ich zuckte zusammen. In Windeseile standen die Kinder artig und mit gesenkten Köpfen vor Binah Sefer Qadmon, Tiphareths bester Freundin. Sie war die Köchin in der Villa Paradiso und trug eine lange Schürze. Einzig ihre blau glühenden Augen verrieten ihre Herkunft.

„Was soll das werden?“, knurrte sie wütend. Ich wandte den Blick ab. Obwohl meine Kindheit schon Jahre zurücklag, fühlte ich mich wieder in unangenehme Situationen zurückversetzt – damals, vor der Eklipse.

„Entschuldigung, Tante Nah“, erwiderten die Kinder im Chor.

Binah verdrehte die Augen und warf ihr rostbraunes Haar zurück. Mit einem Wink bedeutete sie den Kindern, mitzukommen. „Wenn ihr so viel Energie habt, könnt ihr mir beim Kochen helfen. Heute Abend gibt es Schnitzel!“

Ich musste mich noch immer daran gewöhnen, dass ein außerirdischer Erzengel fünf Jahre nach der Eklipse seine Zeit damit verbrachte, für Waisenkinder Schnitzel zu klopfen.

Die Botschaft löste triumphierendes Jubelgeschrei aus. Binah bedachte mich mit einem entschuldigenden Blick, während sie die aufgeregten Kinder aus dem behaglichen Wohnzimmer führte. Das Geschrei wurde leiser, als die Tür hinter ihnen zufiel. Ich atmete erleichtert auf und sank kaum merklich auf meinem Stuhl zurück.

Mir reichten bereits Amelie und Jonas. Beim Gedanken, so viele Kinder erziehen zu müssen, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Neugierig ließ ich meinen Blick über die braun gestrichenen Wände schweifen. Wie viele Einrichtungsgegenstände hatte die Rasselbande wohl schon zerstört?

Meine Überlegungen endeten, als sich Tiphareth keuchend aufrappelte. Ihr feuerrotes Haar hing ihr wirr ins Gesicht und verdeckte die rubinfarbenen Augen, deren mattes Leuchten meine Blicke schon die ganze Zeit über auf sich zog. Ungeschickt zupfte sie an ihrem Pullover herum. Ich zwang mich wegzusehen, als ihr Rock kurz mehr als üblich offenbarte.

Dann stand Tiphareth auf. Kein Geräusch ertönte, als ihre nackten Füße den dicken Wollteppich berührten. Sie lachte verlegen.

„Entschuldigung!“, rief sie. „Destiny und Viktor haben letzte Woche herausgefunden, dass ich kitzelig bin und seitdem …“ Sie räusperte sich vielsagend und versuchte, ein seriöses Gesicht aufzusetzen. Der Anblick brachte mich zum Schmunzeln.

„Darf ich diesen … Vorfall in meinen Artikel aufnehmen, Frau Qadmon?“

Sie winkte ab. „Tiph reicht. Und mach dir keine Gedanken. Solange du unseren Standort nicht verrätst, kannst du alles detailgetreu wiedergeben. Ich weiß schließlich, dass ich dir vertrauen kann, David.“

Ich sah sie überrascht an. Ich hatte mich noch nicht vorgestellt.

„Sie kennen meinen Namen?“

Tiph hob drohend einen Zeigefinger. „Offenbar. Und duzt du mich? Bitte?“

Ich schluckte. Ich hatte sie mir anders vorgestellt.

„Wenn es Ih- … dir Freude macht.“

Tiph nickte zufrieden und kuschelte sich auf das gemütliche Sofa. Ich musterte sie unsicher, bis sie eine einladende Bewegung machte und mir zunickte.

„Komm schon, dein Stuhl ist steinhart. Ich sage Nah schon seit Ewigkeiten, dass wir ihn entsorgen müssen.“

„Ist schon in Ordnung.“

Tiph hob eine Augenbraue. „Glaub ich dir nicht.“

Ich seufzte und erhob mich mit einem Stöhnen. Seit Jahren verfolgten mich nun schon Schmerzen im Rücken. Harte Stühle und Bänke waren dabei nicht hilfreich. Ich seufzte erleichtert, als ich mich neben Tiph niederließ. Ein wohliger Schauer wogte über meine Haut. In ihrer Nähe war die Luft wärmer.

„Chessed meinte, ich kann mich auf dich verlassen“, sagte sie erklärend. Ich nickte erleichtert. Chessed Sefer Qadmon war der dritte im Bunde. Er zeigte sich als einziger in der Öffentlichkeit. Ich war überrascht, dass er sich mein Gesicht offenbar gemerkt hatte.

„Also habe ich ihm dieses Interview zu verdanken“, murmelte ich.

Tiph nickte. „Binah war natürlich dagegen, aber Chessed versicherte uns hoch und heilig, dass dieses Gespräch deinem Seelenfrieden helfen würde. Also konnte ich nicht ablehnen.“

Mein Innerstes gefror. Meinem Seelenfrieden? Wie viel wusste sie?

Außerdem entging mir nicht, dass sie bezüglich der Entscheidung nur von sich selbst sprach. Tiph wirkte zwar tollpatschig, aber ihre Führungsposition schien nicht infrage zu stehen.

„Also“, sagte Tiph, als ich schwieg. „Was willst du wissen, David?“

Einen Moment lang schloss ich die Augen und genoss die wohlige Wärme, die sie verströmte. Das war meine letzte Gelegenheit. Die letzte Chance, Vergebung zu finden.

„Was passierte wirklich während der Eklipse?“, fragte ich wie einstudiert. Dabei holte ich einen altertümlichen Schreibblock hervor und zückte einen Kugelschreiber. Mein Tablet und mein Aufnahmegerät waren mir nicht gestattet worden.

Tiph spielte mit einer ihrer feuerroten Locken. Sie wirkte entsetzlich jung. Sie hätte meine Tochter sein können.

„Du kennst die offizielle Version, David.“

Ich schluckte. Würde sie sich weigern?

„Es sind fünf Jahre vergangen“, erwiderte ich mit zitternder Stimme. „Die Öffentlichkeit hat ein Anrecht auf die Wahrheit!“

Tiph seufzte und zog die Beine an. Sie schlang die Arme um ihre Knie und stützte ihr Kinn darauf, während sie mich betrübt musterte.

„Das ist eine lange und traurige Geschichte“, sagte sie kaum hörbar. „Und ich kann dir nicht erlauben, sie anderen zu erzählen.“

Die Luft erhitzte sich weiter und ich fühlte Angstschweiß auf meiner Haut. Ich wich instinktiv zurück, ließ aber nicht locker.

„Du sagtest doch, dass du mir wegen meines Seelenfriedens weiterhelfen willst, oder nicht? Ich kann dir versichern, dass die Eklipse viele Menschen mit ähnlichen Empfindungen zurückgelassen hat. Willst du ihnen nicht helfen?“

Tiphs Augen wirkten wie kaltes Feuer. Dann wandte sie sich ab und seufzte. Ich zuckte zusammen, als sie mich plötzlich umarmte.

Ich hatte mit vielem gerechnet, aber damit nicht.

Das Zittern meines Körpers beruhigte sich, als sie mich fest an sich zog. Ihre Wärme erfüllte mein Innerstes. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten fühlte ich mich wieder geborgen.

Dann ließ sie los und der Moment endete.

„Es tut mir leid“, flüsterte sie. „Was dir zugestoßen ist, was allen Menschen zugestoßen ist – es tut mir unendlich leid. In jener Nacht vor fünf Jahren … hat sich alles verändert.“ Sie schloss einen Moment lang die Augen. Sie wirkte wie eine Feuerlilie in einer Schneelandschaft.

„Ich werde es dir erzählen“, flüsterte sie und stand auf.

SGZ-Woche 4 STURMSCHÄDEN (Ohne Titel)

Wir hatten nicht mehr viel, als wir von zu Hause fortmussten. Nur das, was wir tragen konnten. Mein Spielzeugauto durfte ich mitnehmen.
Wir trugen unsere Habseligkeiten, bis wir in eine große Zeltstadt kamen. Dort war der Boden matschig von den Schritten so vieler Menschen. Uns wurden Schlafstätten zugeteilt und es gab Plumpsklos, die furchtbar stanken, weshalb manche dennoch in die Büsche gingen. Die Männer sowieso. Abends, wenn sie getrunken hatten, umso häufiger.
Ein wenig abseits des Lagers floss ein Bach, in dem wir uns wuschen und aus dem wir unser Trinkwasser holten.

Dann kam der Sturm.
Der Himmel wurde schwarz, als wäre es der letzte Tag. Wind heulte auf und verwandelte sich in ein Tosen, in dem das Prasseln des Regens unterging. Es schüttete so heftig, dass unsere Füße nass wurden. Das dachten wir, bis jemand rief, der Bach sei über die Ufer getreten.
Jetzt liefen wir um unser Leben, nur mit dem, was wir am Leib trugen. Wir fanden eine Anhöhe, auf der wir sicher waren, bevor die Flut uns von den Füßen reißen konnte.

Uns blieb nichts, bis auf Vatis Brieftasche mit den Pässen, Mutters wertvolle Kette und mein Spielzeugauto. Doch das wurde erst später wichtig.
Wir hatten jetzt kein Trinkwasser mehr, weil das Wasser jetzt überall stand und der Bach nicht mehr sauber war. Damit kamen die Krankheiten. Wir alle schissen uns die Seele aus dem Leib und bangten erneut um unser Leben.
Meine Mutter verlor diesen Kampf. Mein Vater zerbrach daran, da er sich die Schuld gab. Ich danke beiden für ihre Opfer, die mir eine bessere Zukunft ermöglichten.

Diese Geschichte ist im Rahmen der Mitmach-Aktion 100 Geschichten in 100 Tagen innerhalb von nur 60 Minuten entstanden und wurde bewusst nicht überarbeitet. 

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