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Tag: 12. Dezember 2018

Saigels Irr(e)lichter – der Wunsch zu veröffentlichen

Der Wunsch zu veröffentlichen kann groß sein. Aber auch manchmal ganz klein. Schreibt man denn nicht genau deshalb? Weil man einmal veröffentlichen möchte? Ich sage das auch immer: „Einmal möchte ich veröffentlichen. Das ist mein großer Traum, einmal mein eigenes Buch im Laden zu sehen.“ 
Ich glaube, so oft wie ich in diesem Zusammenhang das Wort „einmal“ nutze, habe ich es sonst noch nie gebraucht. Einmal. Irgendwann. In ferner Zukunft. In einem unbestimmten Zeitraum, der irgendwo an einem Punkt liegt, den ich noch nicht benennen kann.
Natürlich wünsche ich mir beim Schreiben, dass meine Texte auch gelesen werden, und wenn ich an einem Roman arbeite, dann stelle ich mir diesen auch gelegentlich als fertiges Buch vor. Allerdings habe ich persönlich nach so vielen Jahren des Schreibens diesen Sprung noch nicht gemacht.
Bei manchen scheitert es leider an der Zusage, die sie unweigerlich zu einer Veröffentlichung brauchen, zumindest sagt man das. Diese Grenzen sind allerdings durch die Möglichkeiten des Self-Publishings aufgeweicht. Bei mir ist das natürlich auch so. Die Absagen sind zahlreicher als die Zusagen, die mir in den letzten 15 Jahren ins Haus geflattert sind. Dennoch habe ich aus keiner Zusage etwas Ernstzunehmendes gemacht. Ich bin mir sicher, dass es vielen so geht: der Wunsch zu veröffentlichen ist ein zweischneidiges Schwert.
Ich sehe ihn selbst mit so widerstreitenden Gefühlen, dass ich es phasenweise bereuen kann, nicht die Chance ergriffen zu haben, als ich es gekonnt hätte, und dass ich es in anderen Zeiten wieder für gut und richtig erachte. Ich glaube, dass mir das zeigt, dass ich im Grunde noch nicht dazu bereit bin. Was das genau heißt, bereit zu sein, kann ich aber genauso wenig bestimmen wie die genaue Eingrenzung des Wortes „einmal“.
Ich habe über mich gelernt, dass das Schreiben mehr ist als das. Es stellt mich zufrieden. Die viele investierte Arbeit zahlt sich aus, auch ohne Veröffentlichung und Geld.
Schon alleine hier im Blog und im Forum zu veröffentlichen, fällt mir manchmal nicht leicht. Unweigerlich stellt sich mir dann die Frage, ob ich mich einer breiteren Öffentlichkeit überhaupt präsentieren möchte. Würde das nicht an meiner Zufriedenheit mit meinen Texten und der Tätigkeit des Schreibens etwas verändern?
Ich bewundere alle Autoren, die veröffentlichen. Ich bewundere die viele Arbeit und ich bewundere ihren Mut, sich einer unbekannten Öffentlichkeit zu stellen. Vielleicht gehört dazu eine gewisse Reife und Selbstdistanz, die es für mich erst noch zu erforschen gilt. Helfen kann hier oft der Austausch untereinander. Jedoch bleibt meines Erachtens der Sprung dennoch immens groß.
Sicher ist aber, dass es ganz bestimmt tausende und abertausende wunderbare Texte gibt, die in verschlossenen Schubladen hinter gewöhnlichen Haustüren Staub ansetzen und wohl niemals gelesen werden. Da schreit der Leser in mir auf und der Autor in mir lehnt sich zurück und denkt: „Bevor die es nicht machen, mache ich es auch nicht.“ Es gibt den Traum vom Schriftsteller-Sein. Aber noch lange nicht jeder Autor träumt ihn auch ausgiebig und lange, heiß ersehnend in der festen Absicht, ihn irgendwann zu verwirklichen. In den Texten sehe ich keinen Unterschied von dem einen zum anderen Autor, manche sind gut ganz still für sich, andere für größere Lesergruppen. Deshalb denke ich persönlich, dass das Schreiben „mehr“ ist als die Veröffentlichung und sie uns nicht wirklich als Autoren definiert.

Eure Saigel

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Über den Tod hinaus

Ein Liebesbrief von InEs

Lieber Vati!

Wärest Du 40 Lenze früher geboren oder ich vierzig Jahre später und wären wir uns tatsächlich irgendwo und irgendwann einmal zufällig begegnet, so hätte ich um Deine Hand angehalten, wenn das damals auch noch nicht so üblich war.
Du hättest heute auf den Tag genau Deinen 100. Geburtstag. Zweiundneunzig bist Du zumindest geworden, Du hast somit ein gesegnetes Alter erreicht.
Außer Dir gab es in meinem Leben noch keinen, der so lieb, freundlich, anständig, geduldig, anspruchslos, selbstlos, aufopfernd, vertrauenswürdig und witzig war wie Du. Deine Bescheidenheit nicht zu vergessen. Es gab nie ein böses Wort von Dir. Warst Du einmal über etwas grantig, so brummeltest Du es Dir lieber in den eigenen Bart. Als Familienoberhaupt hast Du Dich vollkommen bewährt, wenn man auch den Eindruck von Dir hatte, Du seiest zu weich und empfindsam. Dies warst Du nie bei Dir selber, hast nicht gejammert, trotz Deiner Kriegsverletzung, die Dich Dein ganzes Leben einschränkte und Dir Schmerzen bereitete. Gejammert hast Du nur, wenn einer von uns krank wurde oder jemand anderes litt, den Du gut kanntest. Ich kann mich gut daran erinnern, wenn Dich jemand zum Beispiel nach Deiner schwerkranken Frau fragte, dass Du Deine Tränen nicht zurückhalten konntest, so sehr schmerzte es Dich, nicht helfen zu können. Der Kelch ging an Dir vorüber, ihr konntet noch gemeinsam die Diamantene feiern. –
Ich liebe Dich über den Tod hinaus. Danke, dass es Dich gab! Danke für Deine Fürsorge und Liebe. Du warst mein Vati, Tröster in all meinen Lebenslagen, Helfer in der Not. Auf Dich war immer Verlass! Ich möchte Dir danken, dass Du mich an Kindes statt genommen hast und dabei keinen Unterschied machtest zwischen mir und Deinen Kindern. Für mich bist Du ein Heiliger.
Dieser Brief musste jetzt an Deinem Geburtstag sein; den lege ich zu den Blümchen auf Deinem Grab.

In ewiger Liebe und Treue
Deine Lotte.

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