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Schlagwort: Schreiben gegen die Zeit

Fan Fiction: Wikinger auf Deep Space Nine

»Wo bleibt mein Raktajino?« Der Hüne mit dem gehörnten Helm auf dem Kopf näherte sich bedrohlich dem Ferengi, welcher die Bar auf dem Promenadendeck der Raumstation Deep Space Nine betrieb.

»Quark!« Ein fester Griff in die großen Lauscher des Kleineren verlieh seiner Forderung Ausdruck und brachte den Barmann zum Schreien. »Das kannst du mit Lundolf, dem Ungeduldigen, nicht machen. Lass die anderen Gäste warten, aber nicht mich. Wenn ich klingonischen Kaffee will, dann sofort.«
»Ich gebe mein Bestes.«
»Sofort!«
Der Ferengi machte, dass er an den Replikator kam und orderte die verlangten Getränke. »Wer hat die Wikinger bloß in den Weltraum gelassen?«, grummelte er. Umgehend suchte er mit der Bestellung seinen Gast auf, der unweit der Theke saß. »So, bitte, ungeduldiger Lundolf, so schnell wie ich konnte. Genießen Sie ihren Raktajino.«
»Der kocht ja noch!«
»So ist er ja auch richtig. Die meisten trinken ihn heiß.«
»Ich will ihn kalt.«
»Das hatten Sie nicht gesagt.«
»Sie haben nicht gefragt. Und Quark …«
»Ja?«
»Sofort!«
»Sofort. Natürlich..«
Schnell entfernte sich der Barbesitzer und kam sich dabei vor wie ein Laufbursche. »Diese Wikinger!«, schimpfte er. Zum Glück durften sie nicht bewaffnet auf die Station, sonst würden sie passend zu ihrer Fellbekleidung hier mit Schilden und Äxten sitzen. Das wäre noch weitaus gefährlicher, aber es war auch schon schlimm genug.
Mit dem frisch replizierten kalten Raktajino macht er sich wieder auf den Weg zu dem Anführer der Wikinger, diesem Lundolf.
Dieser nippte an der Tasse und stellte sie wieder zurück aufs Tablett. »Ich habe es mir anders überlegt. Ich will ihn heiß.« Er lachte und seine Männer fielen ein.
»Bitte, wie Sie wünschen. Aber denken Sie nicht, dass ich Ihnen das nicht in Rechnung stelle.«
»In Rechnung stellen? Was soll das heißen?«, fragte Lundolf amüsiert.
»Na, ich will mein Geld haben, das ist doch wohl klar. Keine Dienstleistung ohne Profit.«
»Hat Ihnen noch niemand gesagt, dass die Wikinger den Tauschhandel pflegen? Wir verfügen nicht über Geld.«
»Was können Sie anbieten?«
»Bruderherz«, meldete sich Rom über die interne Kommunikation.
»Was ist denn?«
»Wir brauchen Dich hier. Es sind Gäste da, die Dich sprechen wollen.«
»Ich komme. Computer, Simulation anhalten und abspeichern.«
Jetzt könnte er einen Raktajino gebrauchen. Wenn das Zeug nicht so widerlich schmecken würde.

Diese Geschichte ist während unserer Schreibübung “Schreiben gegen die Zeit” während einer Stunde entstanden.
Vorgegeben war das Wort “Kaffee” und da ich mich zu der Zeit viel mit der Raumstation Deep Space Nine beschäftigt habe, habe ich einfach klingonischen Kaffee genommen und die Wikinger kamen von einer Ausschreibung, die Geschichten über Wikinger im Weltraum (aber keine Fan Fiction) suchte. Die läuft noch bis Anfang Dezember.

Bild: Pexels

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Kniffelig

»Sie sind dran«, fordert meine Ergotherapeutin mich auf. Achso, schon wieder vergessen. Diese verdammten Konzentrationsstörungen. Ich schüttele den Würfelbecher. Drei Fünfen. Das ist schonmal gut. Könnte ein Kniffel werden. Ich bekomme eine Drei und eine Vier dazu.
»Na, wird das eine Straße?«, fragt sie.

Jetzt muss ich wieder überlegen. Ewig lang überlegen. Gebe ich zwei der Fünfen auf, muss ich von meiner Strategie, immer auf Kniffel zu pokern, abweichen. Das jetzt könnte ich ja auch gut als Dreierpasch nehmen. Aber dann habe ich in dieser Runde keine Chance mehr auf den Kniffel und die Fünfer habe ich ja auch noch offen.

»Nein«, sage ich und würfle erneut. Eine Eins und eine Sechs. Ist das jetzt besser oder schlechter? Ist egal, denn damit muss ich jetzt leben. Andere Leute würden nachrechnen, ob das nun oben mehr Punkte bringt oder unten. Ich entscheide das nach Gefühl. Drei Fünfer sind fünfzehn, das weiß ich. Mein Einmaleins ist lückenhaft, aber hier bin ich noch im sicheren Bereich. Ich schreibe das Ergebnis auf die Fünfer, auch wenn ich drei davon wenig finde.

Sie würfelt. Meine Gedanken schweifen ab und ich hadere mal wieder mit mir, mit meinem so schlecht gewordenen Gedächtnis. Ich bin unzufrieden. Früher war mehr Lametta. Als ich mir Namen noch merken konnte, einfach weil der Mensch mich begeistert hat und ich nicht mühsam Memorierungstechniken anwenden musste.

»Sie sind dran, Herr Anders.«

Schon wieder? Das war aber eine kurze Pause. Ich greife nach dem Becher und nehme mir vor, nun besser aufzupassen.

Ich bekomme vier Dreien und eine Eins. Natürlich habe ich die Dreien schon voll. Zwei erfolglose Versuche später setze ich sechzehn auf den Viererpasch. Normalerweise mache ich das nicht mit Dreien, aber ich hatte keine andere Wahl.

Ich gebe den Becher und die Würfel ab und achte nun genau darauf, was sie würfelt, und vor allem, wann sie das dritte Mal gewürfelt hat.

»Große Straße!«, freut sie sich.

Na, so hätte ich es auch so mitgekriegt, denke ich frustriert.

Mittlerweile habe ich den oberen Bereich voll. Normalerweise würde ich einen Taschenrechner benutzen, aber es ist ja der Sinn der Übung, dass ich im Kopf rechne. Um ein Schmierblatt mit Nebenrechnungen zu bekritzeln, bin ich zu eitel. Nicht mit zweistelligen Zahlen. Das kriege ich schon hin. Und ich weiß auch gar nicht, ob es ihr recht wäre und ich traue mich nicht, sie zu fragen. Mit dem oberen Bereich habe ich nie Probleme. Unten wird es haarig, da sind die Zahlen dreistellig. Und da guckt sie mir beim Rechnen zu. Das ist echt übel. Sie hat nämlich nicht die Geduld, abzuwarten, bis ich endlich ein Ergebnis präsentieren kann. Ich vergesse nämlich immer das Zwischenergebnis. Das, was ich vielleicht auf einem extra Schmierzettel die Eins im Sinn und all die anderen notieren könnte. Wenn ich nicht zu stolz wäre, diese Schwäche offen einzugestehen, wegen der ich hier in Behandlung bin: Konzentrationsschwäche. Und mit dieser Ungeduld führt sie mir deutlich vor Augen, wie unsäglich schlecht mein Gedächtnis geworden ist. Scheißtabletten.

Inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt, dass beim Lesen von Büchern alle drei oder vier Seiten meine Augen am Ende eines Abschnitts ankommen und ich überhaupt nichts davon weiß, was da geschrieben steht. Ich springe dann einfach nochmal an den Beginn des Absatzes, manchmal auch zwei oder drei Absätze weiter, nur zur Sicherheit. Papier ist ja geduldig. Ich mittlerweile auch.

 

Dieser Text ist entstanden im Rahmen unserer Schreibübung “Schreiben gegen die Zeit”, die wir sonntags veranstalten.

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