Schreibkommune

Autorinnen und Autoren im Netz

Monat: Januar 2020

Rezension “Jamil – Zerrissene Seele” von Farina de Waard

Das Buch          Jamil – Zerrissene Seele

Die Autor          Farina deWaard

Genre          Fantasy

ISBN           978-3-945073-66-7

Seiten          469 Seiten

Preis          12,90 €

Verlag         fanowa

Informationen zur Autorin und deren Büchern (Bibliografie)

https://www.fanowa.de/

 

Die Handlung:

Jamil, seine Familie und einige Mitbürger müssen aus Kas’Tiel bei einem Angriff der grauen Krieger fliehen. Ihnen bleibt jedoch nichts anderes übrig als das Weite mit einem Schiff zu suchen.
Die Flucht führt die Vertriebenen über das Meer, wobei sie in einen Sturm geraten. Als dieser abgeflaut ist, finden sich die Menschen an einer fremden Küste wieder. Sie begeben sich an den Strand und erhoffen sich hier ein neues Zuhause.

Allerdings trügt der Schein.

Es ist Jamil, der sich kurz nach der Ankunft dazu bringen kann die neue Umgebung unter die Lupe zu nehmen. Als ihn sein Bruder mit Pfeil und Bogen versucht zu töten, überlebt Jamil nur knapp.
In den nächsten Tagen und Wochen kann Jamil nur mithilfe einer jungen Einheimischen namens Ashanee und dem heiligen Baum ihres Volkes überstehen. Doch auch in dieser Zeit bekommt Jamil Steine in den Weg gelegt. Hierbei ist es vor allem sein Bruder, der die Zügel mit in der Hand hält. Während der Zeit seiner Genesung kämpfen in Jamils Seele zwei Mächte, die unterschiedlicher nicht sein können.

In der Zwischenzeit versuchen die Neuankömmlinge sich ein neues Zuhause aufzubauen, wobei sie das Leben der Einheimischen auf den Kopf stellen.

Irgendwann jedoch spitzt sich die Lage jedoch so sehr zu, dass es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Menschen, in die auch Jamil und Ashanee hineingezogen werden.

 

Mein Eindruck:

Bereits als ich die ersten Bücher von Farina de Waard las, stach mir immer wieder das Buch ins Auge. Doch hielt mich etwas zurück. Ich schiebe es mal auf die Reihe, die die Autorin schreibt und daran, dass ich ein wenig voreingenommen war.
Die Handlung begann für mich zwar stockend, aber schon bald hatte mich wieder der Schreibstil von Farina de Waard eingeholt und ich befand mich mitten in der Handlung.

 

Mein Fazit:

Nach meiner ersten Skepsis und Voreingenommenheit, die auf vorangegangene Bücher zurückzuführen sind, muss ich mich doch positiv über das Buch äußern.
Ebenso wie die Bücher, die ich zuvor gelesen habe, besticht die erzählweise der Autorin mit ihrer Leichtigkeit.
Ich würde das Buch den Lesern des Genres Fantasy ohne umschweife weiterempfehlen. Auch für den Einstieg in dieses Genre würde ich jedem das Buch mit seiner Handlung wärmstens empfehlen.

Aufrufe: 8

Was bedeutet Antagonist?

Wie schon der Protagonist ist der Antagonist jedem Schreiber und Leser bekannt. Er ist derjenige, der sich dem Helden in den unterschiedlichsten Varianten in den Weg stellt.

 

Worterläuterung Antagonist

Das Wort Antagonist stammt von dem altgriechischen Wort „antagonistes“ ab und bedeutet so viel wie Nebenbuhler oder Feind.

 

Erläuterung

Der Antagonist ist wie der Protagonist in vielen Bereichen widerzufinden und findet sich nicht mehr nur im Schauspiel wieder.

Er ist der Gegenpart des Helden, der mit aller Kraft das handeln des anderen zu behindern.

Meist ist er ein unmoralischer Bösewicht jedoch nicht zwingend erforderlich.

Obwohl sich Antagonist und Protagonist meist äußerlich klar unterscheiden, kann es auch vorkommen, dass sich in gewisser Art und Weise doch ähneln.

Da sich der Gegenspieler des Helden, diesem in den Weg stellt, kann dies auf unterschiedliche Art tun. Hierbei ist es jedoch egal in welcher Form der Antagonist auftritt. Denn er verkörpert nicht nur eine Person sondern auch eine Landschaft oder die Vergangenheit des Haupthandelnden.

Im Großen und Ganzen gehören folgende Punkte zu dem typischen Handlungsrepertoire des Antagonisten:

  • die Prüfung

  • die Täuschung

  • die Verfolgung

  • der Familie oder den Freunden des Protagonisten schaden zufügen

  • besiegt zu werden

  • anderweitig besiegt zu werden

Aufrufe: 7

Voidcall: Das Rufen der Tiefe – Kapitel 14 – Exelion (Finale)

Knirschend bahnte sich die Atharymn einen Weg durch den Eisensturm. Die Reibungshitze der Teilchen, die von außen über die Bordwand schabten, war mittlerweile deutlich zu spüren, denn selbst die internen Notkühlleitungen gelangten allmählich an ihre Grenzen. Auch wenn alle Schotts geschlossen worden waren, wussten die Crewmitglieder auf der Brücke dennoch, dass ihnen der Feind im Nacken saß. Der rote Punkt auf dem Radar hatte kaum Anstalten gemacht, zurückzufallen. 
Doch glücklicherweise verhinderte der Sturm, dass der feindliche Impulsschlag ihnen weiter zusetzte, da die Unmengen an Eisenteilchen den Strom in undefinierbare Richtungen weiterleiteten. Scheinbar war es dem Monster nicht wert, das Risiko einzugehen, sich selbst in die Luft zu jagen.
Doch auch die Atharymn litt unter den neuen Umständen. Sich bei der Geschwindigkeit kontinuierlich der Reibungshitze auszuliefern, setzte dem Kreuzer arg zu. Vor allem der Bug drohte unter der Hitze zu kollabieren. Der Bereich war bereits evakuiert worden.
Archweyll begutachtete eingehend die Monitore und Hologrammanalysen. Seit Clynnt vor einem Tag restlos zusammengebrochen war, lag es an ihm, zu navigieren. Alarmsirenen ertönten und ließen den Kommandanten für den Bruchteil einer Sekunde zusammenzucken. Wenn das so weiter ging, würde sich ihr Bug bald verabschieden. 
Ein Fluch entwich seinen Lippen. Seit fünf Tagen spielten sie nun Katz und Maus im Eisensturm. Jedes Mal, wenn ihr Gegner zu nahe kam, aktivierten sich die Torpedobatterien, um ihn zurückzutreiben. Nun war ihre Munition fast völlig erschöpft. 
Einmal war einer der Köpfe so nahe herangekommen, dass er die Atharymn fast zwischen seinem geifernden Kiefer zermalmt hätte, hätte Archweyll nicht für den Bruchteil einer Sekunde einen Warpsprung gewagt. Unter der Last war das Schiff schwer beschädigt worden und eine glühende Hitze erfüllte die Gänge des Kreuzers. 
»Wir müssen hier raus und uns stellen.« Daisy Lee schien diese Aussicht kaum mehr zu gefallen, als Archweyll selbst. Sie war angesichts der tagelangen Belastung kaum noch dazu in der Lage, ihre Augen offen zu halten und kämpfte gegen die Müdigkeit. »Aber noch ein paar Stunden hier drin und unser Schiff bricht in sich zusammen«, sagte sie mit spröder Stimme.
»Ein paar Stunden sind vielleicht alles, was wir brauchen«, erwiderte Archweyll. Er war froh, dass sie sich wenigstens nicht auf ein nervenaufreibendes Kreuzfeuer einlassen mussten. 
»Aber was ist, wenn keine Hilfe kommt?« Daisy schien der Verzweiflung nahe. 
»Wenn sich Magnus Theyssen nicht auf so einen Kampf einlässt, heiße ich Kunibert der Behaarungslose«, sagte Archweyll und strich grinsend über seine Glatze. 
»Er kommt hierher?«, keuchte die Chefmechanikerin atemlos. 
»Ich kenne Magnus schon unfreiwillig lange. Dieser Mann ist eine Bestie. Er hat mit seiner Flotte sowohl die Briganten, als auch die Dunklen Engel zurückgeworfen und noch dazu ein Dutzend Lager der Herrlichkeit ausgelöscht. Niemand verdient es mehr, den Titel Oberster Flottenkommandant zu tragen und gleichzeitig ist niemand ungeeigneter. Obwohl er zwei Herzen besitzt, schlagen sie nicht vor Menschlichkeit. Ich bezweifle, dass er sich einen solchen Kampf entgehen lassen wird. Allerdings sollten wir versuchen, aus seiner Reichweite zu gelangen, denn ich bezweifle ebenfalls, dass er auf unsere Nussschale Rücksicht nehmen wird, angesichts dieses Feindes.« Archweyll zuckte mit den Achseln. »Wir waren immer schon zu gering für das Spiel der Großen.« 
Auf einmal ging ein schauderhaftes Knacken durch das Raumschiff, das klang wie berstendes Metall. Schriller Alarm ertönte und tauchte die Kommandobrücke in ein rotes Licht. 
»Der Kahn ist kurz davor, abzusaufen«, fluchte Daisy lautstark. »Archweyll, ich befürchte uns bleibt keine Zeit mehr zum Warten. Wenn wir das hier irgendwie überleben wollen, müssen wir den Eisensturm verlassen!« 
Grübelnd ging Archweyll alle Möglichkeiten, die ihm verblieben waren, im Kopf durch. Fieberhaft suchte er nach einer Möglichkeit, sie neu zu kombinieren, doch es schien alles nichts zu nutzen. Wenn das so weiterging, waren sie am Ende. 
Plötzlich eilte ein geduckter Mann aus der Navigatorenkabine, die Augen weit aufgerissen. Hechelnd blieb er vor dem Kommandanten stehen. »Sir, die Exelion und die Bonesaw haben gerade Funkkontakt zu uns aufgenommen, sie sind 0,12 Parsec nahe unserer Position.«
Grinsend wandte sich Archweyll an Daisy. »Was habe ich gesagt?«, lachte er schallend. »Der Schlächter kommt zum Bankett und wir haben kalt serviert. Soldat, bringen Sie uns aus diesem Sturm.« Dann wurde seine Miene ernst. 
Also beginnt es.



***


Lord Castellant Magnus Theyssen saß auf seinem mit golden Insignien überhäuften Kommandothron und beobachtete das Schauspiel, das sich unter ihm abspielte. Er residierte in einer gläsernen Kuppel, die sich direkt über der Kommandobrücke befand. Von hier aus konnte der aschgraue, muskelbepackte Riese der Mannschaft und seinen Generalstabsmarschällen bei ihrer unbedeutenden Arbeit zusehen. Während er sich umsah, ächzte der Kabelbaum, der durch das Rückenmark direkt in sein Hirn eintrat und ihn mit sämtlichen Funktionen der Exelion verband. Rote Leuchten an seinen Schläfen pulsierten im Takt der zwei Herzen, die in seiner Brust verankert lagen. Sämtliche Farbe war im Laufe der Jahrhunderte aus seinem Körper verschwunden und einem einheitlichen Grauton gewichen. 
Der Lord Castellant war, wie für gewöhnlich immer, in seine goldene Titanenkampfrüstung gehüllt, die ihm das Aussehen eines strahlenden Gottes verlieh. Und wie ebenso ein Gott herrschte er über sein Schiff, wachte über die Schafe, beseitigte die Krankheiten, welche die Welt mit ihrer süßen Verlockung überfielen, und setzte Mahnmale, damit die Menschen seiner Gedachten. Seine gepanzerten Fäuste ruhten stets einsatzbereit auf den Konsolen seines Thrones, mit denen er seine Anweisungen in den psionischen Vortex seiner Kampfstation fließen ließ. Hellscreamer per Funk zu steuern, war kaum machbar, wenn man bedachte, dass sie auf mindestens 50.000 Frequenzen senden mussten, um sich nicht zu überschneiden. Also bediente er sich anderer Mittel. 
Wer Dienst auf der Exelion, dem Flaggschiff der galaktischen Föderation, leisten wollte, musste sich bereit erklären, mit diesen Mitteln zurechtzukommen, auch wenn das eine Gehirnoperation bedeutete, die einem den beschränkten Zugriff auf den Vortex ermöglichte. 
Magnus Theyssen war keiner der Männer, die einen Feind entkommen ließen. Er saß in dieser Kuppel und herrsche über Leben und Tod wie ein Gott. 
Der kalte Blick seines Hextech-Auges studierte die neusten Meldungen. Darunter war ein Scan ihres Gegners, sowie der Funkverlauf mit der Atharymn, jenes Schiff, welches ihnen diesen Ärger eingebrockt hatte. 
Archweyll. Dieses Mal werde ich dich nicht davonkommen lassen.
Doch mit der Mannschaft würde er später abrechnen. Zuerst gab es einen Feind der Föderation zu vernichten. Ein Lächeln spiegelte sich auf Magnus aschgrauen Lippen wieder. 
Bestrafung war etwas Ehrenhaftes. Bestrafung belehrte die Schuldigen und je nach ihrem Ausmaß erzielte sie mehr Auswirkungen als der blanke Tod. Bestrafung war etwas, dass durch seine Hände erfolgte und in diesen Momenten war sich Magnus bewusst, dass er überhaupt noch so etwas wie Leidenschaft verspüren konnte. Das aufgesetzte schwache Lächeln, das er bis zur Perfektion trainiert hatte und keine Spur von Freude enthielt, huschte über seine Lippen, während er den Angriffsbefehl erteilte. Erneut würde Gottes Auserwählter den Tod über die Feinde der Föderation bringen. 



***


Das Kreischen, mit welchem die Hellscreamer aus dem Nichts in die Realität geschossen kamen, verlieh ihrem Namen alle Ehre. Sogar Archweyll deaktivierte für eine Sekunde seine Hörgeräte und zog die Stille des Taubseins vor. Als er wieder hören konnte, waren die beiden Schiffe bereits nahe ihrer Flanke. Die Exelion war eine beeindruckende Wunderwaffe. Die Form des Raumschiffes beschrieb drei ineinander gekreuzte Halbmonde aus Titan und Glas, die langsam in ihren Gelenken rotierten und vorne spitz zuliefen. In ihrer Mitte befand sich eine riesige Glaskuppel, das Herz des Raumschiffes. Von hier befahl Magnus Theyssen die Armada der Föderation. Wenn alle Module des Schiffs gemeinsam agierten, konnten sie ein grausames Geschoss aktivieren: Die Urknallkanone.
Eine Waffe, die die Atomstruktur ihres Opfers bis ins bizarre Verändern konnte, um ihn dann als eine bedeutungslose Singularität ins Immaterium zu verbannen, jener unerforschter Raum, der sich öffnen konnte, wenn man einen Sprung durch den Warp wagte, und voller Abscheulichkeiten war.
Die Bonesaw glich ihrem größeren Vetter in Form und Farbe, war jedoch mit anderen Waffensystemen ausgestattet, wie zum Beispiel dem riesigen hydraulischen Kettenschwert, dass sich selbst mühelos durch Raumschiffe wie die Atharymn hindurchfräsen konnte. Gemeinsam wurde dieses Geschwader auch als die Schwestern des Mordes bezeichnet. Aus dem Bauch des Flaggschiffes ergossen sich nun ströme von Fliegern, sowohl Arrows, als auch größere Schiffe, in Form von Patrouillenkreuzern, die an Form und Größe der Atharymn ähnelten. 
Binnen einer Sekunde schien ihr Feind das Interesse an Archweylls Kreuzer zu verlieren und sich der neuen Herausforderung zu widmen. 
Der Kommandant atmete aus, die Erleichterung schien ihm auf die Stirn geschrieben.
Auf der Kommandobrücke brach lauter Jubel aus. 
Doch dann aktivierte die Kreatur den Kristall auf ihrer Stirn und der Energiestrahl schoss auf die Exelion zu. 
»Verdammte Scheiße, nein!«, brüllte Archweyll mit zitternder Stimme. 
Wenn sie das Flaggschiff verlieren würden, war alles am Ende. Mit einem tosenden Röhren traf der Strahl auf die Deflektorschilde des Schiffes und zerbarst mit tausend Farben. 
Archweyll schluckte. Wenn der Impuls die Stärke besaß, einen Planeten zu fragmentieren, so wollte er nicht darüber nachdenken wie viel Energie vonnöten war, um ihn abzuleiten. 
Die Schwestern des Mordes näherten sich ihrer Position, die ersten Torpedosalven detonierten und hüllten das Monster ein in eine Wolke der Zerstörung.
Doch es näherte sich unbeugsam der Formation. Blitze schossen aus ihm hervor und verwandelten sowohl Arrows als auch Kreuzer in Aschehäufchen. 
»Wir müssen ihnen helfen!«, fauchte Daisy und zeigte mit dem Finger auf das Massaker. »Jedes Raumschiff bedeutet 10.000 Leben. Das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen!« 
Archweyll gab ihr Recht, doch die Atharymn war angeschlagen und ihre Munition fast gänzlich verbraucht. »Die kommen ohne uns klar. Lieber halte ich mich heraus, als meine Leute in einen Kampf zu führen, den sie nicht gewinnen können. Ich weiß, es passt so gar nicht zu mir, oder?« Er grinste. »Aber möglicherweise können wir ja ein paar Torpedos abfeuern, so als Abschiedsgruß?« 
»Schon erledigt«, erwiderte die Chefmechanikerin. Blitzend detonierten ihre Geschosse, doch noch schien der Deflektorschild ihres Feindes zu halten. 
»Khael-Tzr-Kormarohn.«
Archweyll blickte sich irritiert um. »Hast du was gesagt?«, fragte er Daisy.
Sie schaute ihn kopfschüttelnd an.
»Vasec-Mkh-Arakh.«
»Lass den Scheiß, das ist nicht witzig«, knurrte der Kommandant bissig. 
»Lass ihn selber!«, fuhr ihn die Chefmechanikerin an. »Wenn du glaubst, das ist der richtige Zeitpunkt, um schlechte Witze zu reißen, kannst du mich mal kreuzweise.«
Verunsichert blieb Archweyll stehen. Weitere Torpedos krachten in ihren Feind, sein Deflektorschild schien am Ende zu sein. Aber er hatte sich die Stimme doch nicht eingebildet?
»Callas-Hant-Kzullek.«
Sie kommt aus meinem Kopf! Aber kann es denn wirklich sein?
Er blickte aus der Glasscheibe.
Es spricht mit mir.
Hastig übertrug er die Worte auf ein Tablet, bevor er sie womöglich vergessen würde. Auf Prospecteus konnte er diese Worte eventuell übersetzen lassen. 
Kurz nachdem das letzte Wort gesprochen war, drehte das riesige Wesen bei. 
Die Bonessaw war jetzt in Schlagdistanz und ihr riesiges Kettenschwert geriet knirschend in Bewegung. Der Greifarm schoss nach vorne und trennte dem Wesen ein Bein ab.
Der aus der Wunde austretende, elektrische Impuls wurde durch die Deflektorschilde aufgefangen. 
Es gab kein Raumschiff auf Prospecteus, dass eine bessere Verteidigung aufweisen konnte als die Bonesaw. Kreischend wandte sich der Arm mit dem Kettenschwert und fuhr wieder und wieder auf den Feind nieder. Lebewesen und Raumschiff waren jetzt auf einer Höhe.
Es gruselte den Kommandanten, dass das riesige Kampfschiff dennoch nicht die Größe dieser Bestie übertreffen konnte. Aber immerhin schien es technisch ausgefeilter zu sein. 
Auf einmal durchstieß das Schwert die Bauchdecke ihres Feindes. Ein elektrischer Schlag, den Archweyll bis zu ihrer Position vibrieren spürte, knallte mit unfassbarer Macht durch den Warp. Für eine Sekunde schien er in einer fernen Realität zu verweilen. Dann brach der Kettenarm der Bonesaw aus seiner Verankerung und das Schiff explodierte in einer Welle aus Detonationen und Feuer. 
Eine Millionen Menschenleben, genommen binnen einer Sekunde, schoss es durch Archweylls Kopf. Er ächzte entsetzt. Eine Beklommenheit, wie er sie noch nie gespürt hatte, machte sich in ihm breit und er merkte, wie sein Hals trocken und kratzig wurde. Sein Herz begann zu pochen und allmählich wurde ihm klar, dass er den Feind weit unterschätzt hatte. 
Aus der aufgerissenen Bauchdecke ergossen sich tausende Fliegen, die in etwa die Größe eines Abfangjägers besaßen. Surrend schossen sie in Schwärmen auf ihre Feinde zu und eröffneten das Feuer. 
Das sind Raumschiffe! Was für ein Spiel wird hier gespielt? 
Helle Farben erfüllten den Warp, als die ersten Explosionen die Finsternis mit ihrem Licht erstrahlten.
»Es ist immer noch nicht tot?« Daisy knirschte mit den Zähnen, während sie betrachtete, wie sich beide Seiten Torpedos entgegenschleuderten. 
»Nein, und es schickt uns Besucher!«, fluchte Archweyll mit einem besorgten Blick nach draußen. 
Der Fliegenschwarm war mittlerweile so groß, dass er auch auf die Atharymn Kurs nahm. 
»Alle Gefechtsstationen einsatzbereit!«
Surrend schossen die Fliegen über sie hinweg und hinterließen dabei eine einzige Spur der Verwüstung. 
»Sektor drei meldet Brände!«, knisterte es lautstark aus der Schiffskommunikationsanlage. 
Archweyll stieß einen Fluch aus. »Alle verbliebenen Arrows aktivieren, manuellen Beschuss einleiten!«, bellte er in den Funk. »Außerdem sollen die Techniki das Feuer löschen und zwar schnell!« 
Daisy war schon auf dem Weg zu den Fahrstühlen. »Ich organisiere das!«, rief sie ihm noch im Vorbeigehen zu. Ein Krachen schüttelte den Kreuzer durch, als weitere Geschosse sie trafen. 
Die Atharymn erwiderte mit Laserfeuer und Kurzstreckentorpedos, die ihre Feinde regelrecht in ihre Einzelteile zerfetzten. 
»Was zur Hölle sind das für Viecher?!«, Archweyll war drauf und dran die Fassung zu verlieren.
»Bemannte Kampfschiffe, Klasse unbekannt«, analysierte der Scan. 
»Danke aber auch. Ich habe ja ganz vergessen, dass ich Augen habe«, knirschte Archweyll mit den Zähnen.
»Lebensformen sind teilweise menschlich«, erwiderte der Computer, als wolle er den Kommandanten für seinen Konter quittieren. Jetzt wurde es interessant. 
Aber wenn wir gegen Menschen kämpfen, woher kam dann die Stimme in meinem Kopf?
Binnen weniger Minuten wurde aus dem Raum um die Atharymn herum ein tosendes Schlachtfeld. Arrows und Fliegen verwickelten sich in tödliche Duelle und immer wieder geriet der Kreuzer in die Schussbahn. In den unteren Decks tobte ein wütendes Feuer und es war hungrig. Geschosse erhellten den Warp, Laser krachten in Fliegen und ließen sie für eine Sekunde zu Glühwürmchen werden, bevor sie für immer erloschen. 
Fluchend riss Archweyll das Funkgerät an sich. Er musste unbedingt mit Daisy sprechen.
»Kannst du mich hören?«, fragte er lautstark. Es antwortete nur das Knistern.



***


»Kannst du mich hören?« Archweyll fragte jetzt das vierte Mal. 
Aber unter einer Sauerstoffmaske inmitten des tosenden Infernos zu antworten, war etwas kompliziert. Einer der Löschroboter war zu Bruch gegangen und Daisy schraubte mit wahrlich feurigem Eifer daran herum. Schweiß tropfte aus jeder Pore ihres Körpers und die Hitze war trotz Schutzanzug fast unerträglich.
Surrend erhob sich das Gerät auf die Beine. 
»Jetzt nur noch die Löschfunktion aktivieren … Na bitte!«
Weißer Schaum attackierte die Flammen und dränge sie langsam zurück.
»Ja, Archweyll? Ich muss gestehen, ich bin gerade ganz heiß«, kicherte die Chefmechanikerin in den Funk. Eine Sekunde hörte man, dass der Kommandant versuchte klare Worte zu fassen und es ihm nicht gelang. Er konnte wirklich süß sein, wenn er in Verlegenheit geriet. 
»Wie steht es um das Feuer?«, fragte er dann unsicher. 
»Wirklich? Ich flirte und du schaffst es nicht mal zu einer deiner berühmten, schlagfertigen Antworten? Wie schade. Das Feuer ist groß, aber ich kriege das hin. Du kannst dich auf mich verlassen.« Sie beendete den Funkkontakt für eine Sekunde. 
»Okay, aber dann bewege deinen prächtigen Hintern wieder hierher, ich brauche dich«, erwiderte Archweyll bemüht.
»Na also, geht doch«, lobte Daisy lachend. 
Vielleicht kriegst du ihn dann auch. Und dann habe ich, was ich brauche.



***


Verwirrung kam in Archweyll auf. 
Was war das gerade? Hat sie sich so offen an mich herangegraben?
Detonationen unweit der Kommandobrücke rissen ihn aus seinen Gedanken. Das Feuerwerk ging weiter und die rettende Hilfe schien weit entfernt, in einen eigenen Kampf verwickelt zu sein. 
Wo ist das Monster? 
Ein Blick verriet ihm, dass es auf die Exelion zusteuerte und dabei Kreuzer und Arrows in Schutt und Asche verwandelte. 
Der Kommandant ballte die Fäuste. Das durfte nicht passieren. Sie mussten gewinnen, kostete es, was es wolle. Archweyll fasste einen folgeschweren Entschluss. 
»Feuert aus allen Rohren, wir wagen einen Ausbruch!«, befahl er durch den Funk. 
Binnen Sekunden erfüllten Explosionen den Warp, welche die Fliegen in Stücke schossen. Die Arrows schafften es, die verbliebenen Angreifer außer Gefecht zu setzen. 
»Sir, wir haben keine Munition mehr«, knisterte es aus dem Funk. So eine verdammte Scheiße. 
»Wir fliegen zur Exelion«, verkündete er. »Dort sind wir sicher, wir haben schließlich immer noch die Deflektorschilde.« 
Beinahe sofort glich sich der Kurs der Atharymn seinen Befehlen an und steuerte dem Schlachtfeld entgegen. 
Hoffentlich tue ich das Richtige. 
Wrackteile segelten ihnen entgegen. Eine Sekunde später verfluchte Archweyll sich selbst. Der ramponierte Kreuzer drehte gefährlich steil bei und wendete genau auf das Schlachtfeld zu. Torpedos und Laserbeschuss fegten über die Atharymn hinweg und belasteten die Deflektorschilde bis auf das Äußerste. 
Und dann erschien das riesige Monster wie aus dem Nichts und seine bedrohlichen Kiefer kamen ihnen bedrohlich nahe. 
Panisch versuchte der Kommandant beizudrehen, doch es war schon zu spät, die Zähne würden sich jede Sekunde in sie hineinbohren, die Außenbordwand zerfetzen und die Crew in den Tod stürzen lassen. 
Archweyll schloss die Augen. Jetzt war alles zu spät. 
Schreie wurden lauter und lauter, schwollen an zu einem Getöse der Agonie. Doch dann war es stumm. Blinzelnd öffnete er die Augen. Was ist passiert? 
Das Monster war fort. 
Die Urknallkanone, schoss es ihm durch den Kopf. Sie haben das Monster in das Immaterium verbannt. 
Er ging in die Knie. Während vor seinen Augen die verbliebenen Fliegen zunichte gemacht wurden, segelten sie langsam auf das große Flaggschiff zu. 
»Ich bin hier unten fertig. Das Feuer ist gelöscht. Ich schwinge meinen süßen Hinter dann mal wieder nach oben«, knistere es durch den Funk.
Archweyl atmete tief durch. 
Ich habe es geschafft. Jetzt müssen wir nur schauen, was Magnus Theyssen mit mir anstellen wird, wenn er erfährt, dass ich für das Ganze hier verantwortlich bin.
Doch das war Archweyll in diesem Moment so unbeschreiblich egal. 
Ich habe mich schon einmal mit ihm angelegt. Ich schaffe es wieder. 
Das wichtigste war, dass er seine Crew retten konnte und das Schiff halbwegs intakt war. Viel mehr konnte Theyssen ihm nicht vorwerfen. 
Der Aufzug öffnete sich surrend und Daisy kam heraus. Sie war voller Ruß und hatte gerade den Schutzanzug abgelegt. Unter der langen Unterwäsche ließen sich dennoch ihre Reize erahnen und sie schritt zielsicher auf Archweyll zu. Dabei ignorierte sie die Blicke, die auf ihr ruhten vollständig. »Ich muss kurz mit dir reden«, sagte sie und schleifte ihn mit sich.
»Worum geht es?«, erkundigte sich der Kommandant, während der Aufzug in die Tiefen raste. 
Sie fixierte ihn mit ihren Augen, die brannten wie Feuer.
Er konnte nicht darum herum, sich in diesem Blick zu verlieren. Dann bemerkte er einen sonderbaren Geruch von Daisy ausgehen. Er roch wie die lieblichste Blüte, die er je zu Gesicht bekommen hatte, und zog ihn wie magisch an.  
Dann schritt Daisy langsam auf ihn zu, wobei sie es sich nicht nehmen lassen konnte, ihre runden Kurven spielerisch zu bewegen. Sie legte ein verruchtes Lächeln auf und presste sich an seinen Körper, ließ es nicht aus, ihre Brüste an ihn zu pressen.
Das muss ein Zauber sein.
Archweyll wusste nicht, wie ihm geschah. Sein Blut geriet in Wallungen, obwohl er es nicht beabsichtigte.
Dieser Geruch macht mich wahnsinnig.
Er schloss die Augen.
Dann küsste sie zärtlich seinen Hals. »Wenn wir unten angekommen sind, darfst du mit mir machen, was du willst«, flüsterte sie spielerisch in sein Ohr. 
Was soll ich nur tun? 
Archweyll wusste, dass noch nie so viel durch seine Entscheidung auf dem Spiel stand, wie in diesem Moment.
Das letzte, an das er sich bewusst erinnerte, bevor alles schwarz und rot wurde, waren Daisys geschwungene Lippen. 

Aufrufe: 8

© 2020 Schreibkommune

Theme von Anders NorénHoch ↑

error

Gefällt Dir unser Blog? Bitte sage es weiter ;)

Zur Werkzeugleiste springen