Gottes Hammer XV

„Was zur Hölle ist mit dir geschehen?“

Iliana hielt den Atem an. Teshin und die Dämonin musterten sich gegenseitig, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Stille kehrte ein. Allein das Zischen der giftigen Flüssigkeit in Sitraxas Narben erfüllte die Luft.

Im nächsten Moment erklang ein Klirren wie von einer zerbrechenden Vase. Ilianas Blick flog zum Eingangstor. Das blutrote Siegel verschwand langsam. Sitraxas Zauber verlor seine Wirkung.

Einen Augenblick später wurde die Tür aus den Angeln gehoben. Funken stoben, als Halgin und Esben in den Raum stürzten.

Sitraxas Züge verzerrten sich zu einer animalischen Maske aus Wut und sie deutete stumm auf den gefiederten König. Erneut schoss eine Feuersäule empor, der Halgin jedoch elegant auswich. Teshin hob Murakama und hüllte sich in rotes Licht, doch Sitraxa bedrängte ihn mit einer Druckwelle. Die Wucht des Angriffs schleuderte selbst Iliana schmerzvoll zu Boden, Teshin jedoch hielt diesmal stand.

Ehe er jedoch reagieren konnte, schlug Esben sein Buch auf und sprach ein Wort der Macht.

Es war ein gedehnter Laut, der wie ein Lockruf Ilianas Ohren umschmeichelte. Beinahe verspürte sie das Bedürfnis, sich dem großen Folianten zu nähern. Im nächsten Moment stand sie bereits auf beiden Beinen und trat auf Esben zu. Der Schmerz des Sturzes versank in einem warmen Sumpf.

Sitraxa traf der Zauber härter. Sie kroch mit wild rudernden Armen und einem wahnsinnigen Grinsen im Gesicht zu Esben. Kaum hatte sie ihn erreicht, erhob sich ein Sturm aus Magie, der die Dämonin regelrecht in die vergilbten Seiten saugte. Grelles rotes Licht erhellte den Raum. Iliana musste geblendet die Augen schließen. Im nächsten Moment war es vorbei. Auf den leeren Seiten befand sich nun eine realistische Illustration der Dämonin, sowie alte Schriftzeichen, die Iliana nicht lesen konnte.

Stille legte sich über sie wie ein dunkles Tuch. Kurz tauschten die vier Blicke miteinander aus, dann holte der Schock Iliana mit voller Wucht ein. Ihre Knie gaben nach und sie sank entkräftet zu Boden. Ein Tränenschleier legte sich über ihre Augen.

Teshins Stimme klang schwach, als er das Wort ergriff. „Tja“, stieß er heiser hervor. „Danke.“

Dann kollabierte er.

Halgin stieß ein überraschtes Krächzen aus und Esben ließ beinahe das schwere Buch fallen. Iliana musterte Teshin schockiert. Erst jetzt bemerkte sie seine Wunden.

Durch die rote Aura seiner verstärkten Magie hatte sie das viele Blut nicht gesehen. Aus seinen Armen, seinen Beinen und sogar aus der Platzwunde an seinem Kopf sickerte beständig das Leben.

Halgin eilte sofort an seine Seite. Grünes Licht erfüllte das dunkle Verlies, als der König einen Heilzauber wirkte.

„Heilen könnt Ihr auch noch?“, fragte Teshin leise. Der Ton seiner Stimme erschreckte Iliana mehr als seine ermatteten Gesichtszüge.

Halgin nickte langsam. „Du hast viel Blut verloren“, krächzte er schließlich. „Hat diese Dämonin dir so sehr zugesetzt?“

„Nicht nur.“ Ein Hustenanfall schüttelte Teshin. „Aber das habt Ihr mit Sicherheit schon bemerkt. Das rote Licht schlägt nicht nur dem Feind Wunden.“

Iliana sah die beiden überrascht an. Wovon sprachen sie?

Halgin blieb ihre Verwirrung nicht verborgen. „Während wir das Siegel zu brechen versuchten, nahmen wir den Kampf wahr. Eine kleine blaue Flamme gegen eine gewaltige rote. Als die blaue Flamme beinahe erloschen war, verwandelte sie sich in einen ebenfalls roten Feuersturm.“ Halgin legte eine Pause ein. „Ich habe dich stets unter Vorbehalt Angnaur genannt, doch nun bin ich mir sicher. Du bist ein Dämon, richtig?“

Iliana erstarrte. Sie wollte daran nicht glauben, obwohl sich die Vermutung nahezu aufdrängte. Auch wenn sie Teshin für den Wahnsinn hasste, den er in ihr Bewusstsein pflanzte, sah sie ihn dennoch als Menschen. Obwohl – oder gerade weil – er ihren Wunsch nach Rache verkörperte.

Teshin seufzte geschlagen. „Die Hinweise waren zu zahlreich, nicht wahr?“

Halgin nickte. „Du entstammst einem adeligen Haus, dessen Familienoberhaupt sich mutig opferte, um den Kult des Irodeus zu zerschlagen. Du bist der Sohn von Arion Heilsbringer, nicht wahr? Der mächtige Ritter, der die Klinge Megingjormar besaß und hinterrücks ermordet wurde?“

Teshin nickte langsam.

Iliana ertrug es nicht länger. „Aber das muss doch nichts heißen!“, platzte sie heraus. „Spricht das nicht eher für als gegen ihn?“

Esben schüttelte den Kopf. Halgin seufzte traurig. „Iliana, Kind, wie alt ist Teshin deiner Schätzung nach?“

Iliana betrachtete den Söldner kurz. „Zwanzig Jahre? Dreißig Jahre?“, riet sie.

Ein amüsierter Laut entfuhr Teshin.

Halgins Augen leuchteten im grünen Licht seiner Heilmagie. „Arion Heilsbringer starb vor über fünfzig Jahren“, erklärte er. „Danach trat der Kult des Irodeus in die Öffentlichkeit und der lange und verheerende Bürgerkrieg nahm seinen Lauf.“

Iliana starrte Teshin fassungslos an. Dieser junge Mann sollte über fünfzig sein? Teshins schmales Lächeln schien sie alle zu verspotten.

„Glückwunsch“, sagte er heiser. „Was sonst?“

„Du kanntest die Dämonin, richtig?“, fragte Halgin. „Ich habe gehört, was du kurz vor Esbens Angriff gesagt hast.“

Teshin nickte langsam. „Ich kenne sie“, erwiderte er schließlich. „Aber nicht als Dämonin. Ich bin ihr vor langer Zeit begegnet.“

Iliana kam ein Gedanke. „War das etwa … Saskia?“

Teshin schüttelte den Kopf. „Nein“, flüsterte er.

Halgin holte tief Luft, als Teshin schwieg. „Angnaur, ich weiß nicht, wie viel Zeit dir noch bleibt. Ich denke, wir verdienen die Wahrheit. Wer … und was … bist du wirklich?“

Teshin lächelte. Dann begann er zu sprechen.

„Ihr habt gewonnen, Majestät. Wenn Ihr meine Vergangenheit kennt, könnt Ihr vielleicht eher herausfinden, was in den letzten Monaten tatsächlich geschehen ist. Selbst wenn ich nicht mehr erfahren werde, was mit Saskia geschehen ist…“ Er räusperte sich, was zu einem Hustenanfall führte. „Falls ich hier sterbe.“

Esben ließ sich neben ihm nieder und sprach ein eindringliches Gebet.

Teshin holte tief Luft, dann erzählte er seine Geschichte.

„Ich wurde vor vierundsechzig Jahren als drittältester Sohn von Arion dem Heilsbringer, dem Herzog von Astaval, geboren. Ich hatte zwei Brüder und zwei Schwestern. Eine dritte wurde kurz vor Beginn des großen Krieges geboren.“ Wieder hustete er. „Wir alle wuchsen in dem Wissen auf, die Kinder des stärksten Mannes im Reich zu sein. Mein Vater Arion führte die Klinge Megingjormar und man erzählte sich zahlreiche Geschichten über ihn. Im Kampf war er wohl wirklich nahezu unbesiegbar. Aber außerhalb des Schlachtfelds konnte er sich kaum behaupten.“ Teshins Blick schweifte in weite Ferne. „Er war ein guter Vater, aber immer etwas unbeholfen. Rückblickend betrachtet denke ich, dass es ihm stets schwerfiel, die Gefühle anderer einzuschätzen. Ebenso war er ein schlechter Politiker. Die staatlichen Geschäfte lagen beinahe vollständig in den Händen unserer Mutter. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb er immer viel von Ehre hielt und sich dem strengen Kodex der Ritterschaft stets verpflichtet fühlte. Er war für ihn eine Art Anleitung, wie man sich in der Gesellschaft richtig verhalten sollte.“ An dieser Stelle brach Teshin kurz ab. Als er weitersprach, klang seine Stimme dünn. „Die ersten zehn Jahre meines Lebens habe ich davon nicht viel bemerkt und verstanden. Ich war einfach stolz, so einen ehrenhaften und starken Vater zu haben. Aber nach meinem zehnten Geburtstag änderte sich alles.

Es begann mit dem Einsetzen der Hexenverfolgungen. Zu jener Zeit verwüsteten Hagelstürme das Reich, die Pest wütete unter der einfachen Bevölkerung und der Bürgerkrieg war bereits absehbar. Die Menschen waren verunsichert und ängstlich. Ein alter Mönch aus Aminas lieferte ihnen einen Sündenbock für ihre missliche Lage.“

Teshin hob eine zitternde Hand, um sich die Schläfen zu massieren. Iliana ahnte, was als nächstes kommen würde.

„Als die Hexenverfolgungen begannen, war mein Vater mit der Lage völlig überfordert. Er war ein Mann des Schwertes und der Ehre. Als Feinde konnte er sich nur gerüstete Männer oder Dämonen vorstellen, aber keine alten Frauen und jungen Mädchen. Er verlangte eine Erklärung von der Denomination und sie machte den Fehler, ihn aufzuklären.“

Teshin versuchte, sich aufzusetzen, aber er sank zurück in den Staub. Das grüne Licht schien heller zu glimmen.

„Es gab und gibt keine Hexen. Es handelt sich nur um Aberglauben. Die Gründung der Inquisition diente nur zur Beruhigung der Bevölkerung und dazu, die fanatischen Hexenjäger unter Kontrolle zu haben, die sonst ohne die leitende Hand der Geistlichkeit in den Provinzen ihr Unwesen getrieben hätten. Leute wie Medardus werden zwar von der Denomination mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, aber letztendlich ist all das nur Fassade. Die Bischöfe sehen die Inquisitoren als notwendiges Übel, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern.“ Teshin hustete erneut. Staub wirbelte um ihn herum. „An diesem falschen Spiel zerbrach mein Vater. Er konnte mit dieser Information einfach nicht umgehen. Uns Kindern fiel natürlich auch auf, dass unser sonst so netter Vater mit etwas haderte. Das war das erste Anzeichen, dass die glücklichen Tage zu Ende gingen.

Eines Tages kam dann ein Mann zu uns. Er war alt und blind und verlangte, unseren Vater zu sprechen. Heute weiß ich, dass er ein Bote des Dämons Irodeus war.“

Teshin hustete bei der Erinnerung. Ein Schauer ließ ihn erzittern. „Irodeus machte unserem Vater das Angebot, alle Menschen in seinem Herzogtum zu beschützen, Hexenverfolgungen zu verhindern und sogar die Seuchen und Stürme zu beenden. Als Gegenleistung musste er dem Dämon zwei seiner Kinder weihen. Eines, das bereits am Leben war, eines noch im Mutterleib.“

Iliana starrte den Söldner fassungslos an. Sie ahnte, in welche Richtung die Erzählung ging. „Ich weiß nicht, wie er meinen Vater überredete oder wieso seine Wahl auf mich fiel“, flüsterte Teshin. „Wie auch immer, ich wurde umgetauft und dem Dämon geweiht. Seither trage ich einen dunklen Namen. Deshalb wollte ich den Lehenseid nicht schwören.“ Halgin nickte mit betrübtem Blick. Teshin hustete. „Ich werde es auch jetzt nicht tun. An einem Ort wie Hornheim wirkt mein Name wie ein Wort der Macht. Wenn wir also nicht sämtliche Dämonen im Umkreis von hundert Meilen auf uns aufmerksam machen wollen, lassen wir es lieber.“ Er hustete. Blut spritzte aus seinem Mundwinkel. Halgin verkrampfte sich und das grüne Licht erstrahlte noch heller.

„Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr blieb unser Land tatsächlich größtenteils von den Katastrophen verschont. Die Pest ging zurück, Ernteausfälle wurden weniger und sogar die Hexenprozesse fanden kaum noch statt. Dennoch war der Preis furchtbar. Mein Vater musste eine eigene Kultstätte errichten, Gläubige einweisen und dem Dämonenkönig huldigen.“ Teshin wandte den Blick ab. „Als der Kult immer weiter wuchs und Irodeus ein Menschenopfer verlangte, ertrug er es nicht länger. Er leistete Abbitte bei der Denomination und brach den Vertrag.“ Kurz legte sich Schweigen über sie, bevor Teshin mit zitternder Stimme weitersprach. „Heute wird berichtet, dass die Kultisten meine Familie ermordet haben. Das ist falsch. Tempelsöhne haben unsere Burg gestürmt. Meine beiden älteren Brüder stellten sich ihnen allein entgegen, sodass ich mit meiner neugeborenen Schwester entkommen konnte. Sie war das zweite Kind, das Irodeus geweiht wurde.

Mein Vater hatte Vorkehrungen getroffen. Ich traf einen alten Fischer, der mich zu ihm und meine Schwester in Sicherheit bringen sollte. Der Fischer meinte nur, dass mein Vater mir alles erklären würde und ließ mich ahnungslos zurück, während er mit meiner Schwester ins Ungewisse fuhr . Mein Vater erklärte mir nichts mehr. Ein Meuchler der Denomination tötete ihn, bevor ich ihn erreichen konnte. Natürlich wurde die Tat den Kultisten in die Schuhe geschoben. Die Denomination erfand die Geschichte von ihm als Agenten und rettete damit seine Ehre. Seine Familie aber schlachtete sie ab.“

Wut schlich sich in Teshins Stimme.

„Nach Vaters Tod hörte ich, dass mein Bruder Seimos überlebt und Verbündete um sich geschart hatte. Er fiel drei Wochen später auf dem Schlachtfeld, aber diese kurze Zeit reichte ihm, um einen Bürgerkrieg auszulösen. Irodeus’ Segen war verschwunden und die gesamte Wut entlud sich. Und ich … ich war allein, meine Geschwister alle verschollen oder tot. Also verdingte ich mich als Söldner, gab Personenschutz oder half Menschen in Not. So kam ich auch zu … ihr.“

Teshin deutete auf die Überreste von Sitraxas entsetzlichem Spinnenleib.

„Sie war das schönste Mädchen im ganzen Dorf. Ihr Vater beauftragte mich für ein ganzes Jahr, den Frauen beim Wasserholen Begleitschutz zu geben. So lernten wir uns kennen.“ Ein Lächeln schlich sich auf Teshins Gesicht. Seine glasigen Augen blitzten hell. „Ihr Name war Silena. Ich verliebte mich Hals über Kopf in sie und alles wäre vielleicht gut gelaufen … aber eines Tages kam das Heer des Fürsten von Aminas und schlug in der Nähe das Lager auf. Die Soldaten verlangten die Herausgabe der gesamten Ernte von den Dorfbewohnern. Natürlich konnten sie nicht einwilligen. Wovon hätten sie sonst gelebt? Die Soldaten gaben den Dörflern einen Tag Zeit. Sollten sie sich danach immer noch weigern, würden sie sich einfach gewaltsam nehmen, was sie wollten.

Ich wusste, dass wir keine Chance hatten. Ich überlegte gerade, zu fliehen, als mir der alte Mann erschien.“

Mit einem Mal schien es im Raum kälter zu werden. Teshin hustete erneut. Diesmal dauerte es länger, bis er wieder sprechen konnte.

„Er erzählte mir alles über meinen Vater und über meine Weihung. Durch Irodeus’ Segen würde ich nur langsam altern und viele Jahre leben. Er redete mir ein, dass der Dämon mir schon viele Gefallen getan hätte und bot mir daraufhin einen Vertrag an. Damals war ich verzweifelt genug, das Angebot anzunehmen. Der Kontrakt ist immer noch in Kraft. Ich erlangte dadurch nicht nur starke Magie, sondern bekam auch drei Wünsche freigestellt. Meinen ersten Wunsch verwendete ich, um das Dorf zu beschützen. In jener Nacht entstieg Irodeus höchstselbst der Finsternis und am nächsten Morgen waren sämtliche Soldaten verschwunden.“ Teshin atmete schwer. „Aber Irodeus erfüllt keine Wünsche ohne Gegenleistung. Für die Leben der Soldaten holte er sich Silena. Ich habe jahrelang nach ihr gesucht und schließlich aufgegeben, aber ich habe mich immer gefragt, was wohl aus ihr geworden ist.“ Eine Träne löste sich aus seinen Augenwinkeln. „Nun weiß ich es.“

„Meine Informationen unterstreichen das.“ Esben deutete auf Sitraxas Seite im Buch. „Sitraxa ist eine alte Dämonin, die schon in Texten vor Esbens Kirchbau erwähnt wird. Man erzählt sich, dass sie ihre Opfer langsam auffrisst und sich ihre Seelen einverleibt. Gefällt ihr ein Mensch besonders gut, verschmilzt sie mit seinem Körper. Das dürfte hier geschehen sein.“ Esbens Gesicht verzerrte sich zu einer Maske der Abscheu.

„Das hat sie nicht verdient“, murmelte Teshin schwach. „Sie war so nett zu mir und ich … ich habe sie einfach geopfert.“ Seine Stimme brach. „Nicht einmal Saskia habe ich so vieles von meinem Leben erzählt“, sagte er schließlich leise.

Iliana konnte Silenas Schicksal kaum erfassen. Sitraxa hatte sie wenige Sekunden lang mit einem Zauber gefoltert und sie auf diese Weise an den Rand des Wahnsinns gestoßen. Sie wagte nicht, sich eine solche Behandlung über Stunden hinweg auch nur ansatzweise vorzustellen.

Halgin wirkte nicht minder schockiert. Doch er errang seine Fassung bald wieder. „Du sprachst von drei Wünschen. Was ist mit den anderen zweien?“

Teshin schüttelte den Kopf. „Ich habe sie nicht eingesetzt. Ich wollte danach mit Irodeus nichts mehr zu tun haben.“

„Irrtum.“

Die Stimme klang sanft und jung. Sie umschmeichelte Ilianas Ohren und nahm ihr jegliches Gefühl von Furcht oder Beklemmung. Dennoch fuhr sie erschrocken herum. Hinter ihnen stand ein junges Mädchen, kaum älter als sie. Es trug ein schlichtes schwarzes Kleid und eine Art metallenes Halsband. Rote Augen stachen ins Halbdunkel des Raums und zwei gekrümmte Hörner durchstießen die glatten Haare. Ebenso hatte Teshin den Dämonen in der verfluchten Kirche beschrieben.

Iliana wollte zum Bogen greifen, aber etwas im Blick des Mädchens hielt sie davon ab. Darin lag ein schelmisches Funkeln von kindlichem Trotz, ungelenk verborgen hinter einer kalten Fassade von erwachsener Erhabenheit.

Das Mädchen deutete auf Teshin und sprach ein Wort der Macht. Rotes Licht erhellte den Raum und Teshin stand.

Er stand auf beiden Beinen, vollständig geheilt und wiederhergestellt.

„Wenn du Antworten willst, musst du in meine Halle kommen“, forderte das Mädchen leise. „Dort, und nur dort, werden deine Fragen beantwortet.“

Und während Teshin noch verdutzt seine unverletzten Gliedmaßen betrachtete, verschwand das Mädchen in einer Wolke schwarzen Nebels.

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