Der Wind pfeift mir um die Ohren. Ich fliege über endlose Wälder hinweg. Moment mal. Da stimmt etwas nicht. Ich kann doch gar nicht fliegen.

Noch bevor ich darüber nachdenken kann, gerate ich in einen Aufwind. Wie im Expreßaufzug zieht es mich nach oben. Das macht Spaß. Ich gebe mich den Luftströmungen hin und lasse mich treiben. Ab und an ein Flügelschlag zur Korrektur reicht völlig aus. Flügelschlag?

Wo bin ich nur? Ich sehe mich um. Am Horizont kann ich einen blauen Tupfen im grünen Waldmeer erkennen. Der Fleck zieht mich magisch an und ich halte darauf zu. Es ist einsam hier. Wo sind nur die Menschen?

Plötzlich fließt mir Wasser aus dem Auge. Das ist sicher der Fahrtwind. Ich wische es weg und betrachte dabei meine Hand. Sie hat sieben Finger und mein Daumen ähnelt einer Kralle. Kralle?

Bei Sonnenuntergang habe ich den blauen Tupfen erreicht. Es ist ein großer, fast kreisrunder See und in seiner Mitte liegt eine Insel. Auf ihr kann ich ein Dorf erkennen in dem Menschen herumlaufen.

Schon seit einiger Zeit knurrt mein Magen. Doch jetzt wird es richtig schlimm. Ob es hier wohl ein Gasthaus gibt?

Als ich näher komme, höre ich Wortfetzen. Noch kann ich nichts verstehen, doch es scheint so, als wären alle Dorfbewohner in großer Aufregung. Ich schaue mich um. Was die wohl haben?

Dann höre ich einen Schrei. „Rennt in die Häuser, er greift wieder an.“

Im selben Moment pfeift etwas durch die Luft, knapp an meinem linken Ohr vorbei. Als ich den Kopf drehe, sehe ich eine Metallkugel in der Ferne verschwinden. Ich überfliege den Ort, wende und suche einen Landeplatz. Ein Mann, direkt unter mir, rennt brüllend auf eine Holzhütte zu.

„Der Drache kommt!“ Und schon schwirrt die nächste Kugel an meinem Kopf vorbei.

Während ich abdrehe, läuft eine einsame Träne aus meinem Auge. Ich habe endlich verstanden. Ich bin der Drache.

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