5.Teil – Flucht nach vorn (1/2)

Als Thomas wach wurde, stellte er fest, dass er sich nicht bewegen konnte. Etwas hinderte ihn daran. Schlagartig war er vollständig wach. Er stellte fest, dass ein Arm quer über seiner Brust lag. Khendrah!
Er blickte zur Seite und erblickte eine schlafende Frau, die sich offenbar in der Nacht an ihn gekuschelt hatte. Ihren Kopf hatte sie in seine Halsbeuge gelegt. Beruhigt stellte er fest, dass sie noch immer ihren Overall trug.
»Warum eigentlich?«, fragte er sich, »Ich habe doch immer davon geträumt, mit einer solchen Frau eine Nacht zu verbringen. Was ist es dann? Yvonne? Nein, denn was auch immer mich veranlasst, mit Yvonne auszugehen – Liebe ist es nicht.«
Eine Bewegung an seiner Seite lenkte ihn ab. Khendrahs Kopf hob sich. Sie sah einfach niedlich aus, mit ihren zerzausten Haaren. Aus schmalen Augen blinzelte sie ihn an und ließ ihren Kopf wieder fallen.
»Oh, mein Kopf«, klagte sie. »Was ist passiert?«
»Du warst betrunken. Ich habe dich in eine Pension geschafft, wo wir schlafen konnten.«
Sie fuhr mit einem Ruck hoch.
»Wir haben hier zusammen geschlafen?«, fragte sie. »Was hast du mit mir gemacht?«
Thomas musste lachen.
»Gar nichts!«, sagte er. »Du warst zu nichts mehr in der Lage. Wie geht es dir heute Morgen?«
»Du hast mich mit diesem Wein vergiftet«, warf sie ihm vor.
»Blödsinn! Du bist Alkohol einfach nicht gewohnt und warst betrunken. Ich habe dich hier ins Bett gelegt und habe drüben auf der anderen Seite geschlafen. Mehr war nicht.«
Khendrah sah ihn zweifelnd an. Ein Auge hatte sie inzwischen ganz geöffnet. Thomas konnte einfach nicht anders und strich ihr mit der Hand sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie entspannte sich sofort und legte leise grunzend ihren Kopf auf seine Brust. Thomas kraulte ihr leicht den Kopf und sie schnurrte ein wenig.
»Weißt du, dass ich mich an so etwas gewöhnen könnte?«, fragte sie.
»Woran?«, fragte Thomas abwesend.
»An diese Behandlung. Noch nie hat mich jemand in dieser Art und Weise verwöhnt.«
»Du machst Witze«, sagte Thomas. »Du willst mir doch nicht weismachen wollen, dass du noch keinen Freund hattest, oder noch nie mit einem Mann zusammen warst.«
Sie stützte sich auf ihre Ellenbogen und sah ihn an.
»Wenn ich es dir sage. Das ist der Preis für das Leben das ich führe. Keine persönlichen Beziehungen.«
»Und ein solches Leben gefällt dir? Ich könnte es mir nicht vorstellen.«
Er konnte förmlich sehen, wie es in Khendrah arbeitete.
»Thomas Rhoda, was bist du für ein Mensch?«, fragte sie auf einmal. »Ich kenne dich noch keinen Tag lang, aber ich habe das Gefühl, als hättest du mich bereits verändert. Alle meine Grundsätze geraten ins Wanken. Gestern wollte ich nur meinen Fehler wieder rückgängig machen, aber schon heute stelle ich fest, dass es mir wichtig ist, dass dir nichts geschieht.«
»Das finde ich sehr erfreulich«, sagte Thomas lächelnd. »Damit wären wir bei einem sehr wichtigen Thema. Wie stellen wir es an, dass uns beiden wirklich nichts geschieht? Du hattest angedeutet, dass man jetzt auch dich suchen würde. Sind wir hier sicher? Was meinst du?«
Khendrah setzte sich auf.
»Verdammt!«, rief sie. »Seit wann sind wir schon hier? Wir sind hier natürlich auf Dauer nicht sicher.«
»Wie viel Zeit, meinst du, haben wir denn?«
»So darfst du nicht rechnen! In der Basis ticken die Uhren vollkommen anders als in der realen Zeit. Sie können schon wochenlang gesucht haben und Agenten zu jedem beliebigen Zeitpunkt hier absetzen.«
»Du meinst, es könnten hier jeden Augenblick deine Leute hereinkommen und uns festnehmen?«
»Im Prinzip ja, nur, dass sie uns nicht festnehmen würden. Sie würden uns auf der Stelle liquidieren.«
»Aber wie sollen sie uns denn finden? Ich dachte, wir hätten unsere Spuren gut verwischt.«
»Sie haben Scanner, die eine Zeitenebene durchforsten können, um eine Person zu suchen«, sagte Khendrah. »Unser Hauptproblem bin aber ich selbst. Ich trage einen Kommunikator, den jeder von uns in den Jochbeinknochen eingesetzt bekommt. Diesen Sender können sie orten. Er hat eine große Reichweite.«
»Das sagst du mir erst jetzt? Dann müssen wir uns sofort trennen!«
»Halt, halt, es gibt eine andere Lösung«, wandte Khendrah ein. »Auch wenn diese Lösung für mich sehr schmerzhaft ist.«
»Welche Lösung meinst du?«
Sie deutete auf ihren rechten Jochbeinknochen.
»Ich weiß genau, wo das Gerät sitzt. Es wird von außen über Codes bedient, die mit dem Finger an diese Stelle hier geklopft werden. Du musst mir mit einem spitzen Gegenstand hier hineinstechen und es zerstören.«
Thomas starrte Khendrah entsetzt an. »Das kann nicht dein Ernst sein! Wenn ich einen Fehler mache oder abrutsche, bringe ich dich noch um.«
»Du musst es machen, Thomas!«, bettelte sie. »Wenn du es nicht tust, sind wir beide schon so gut wie tot. Schau nach, ob du etwas Passendes hast, das wir verwenden können.«
Thomas biss sich auf die Unterlippe und durchsuchte seine Taschen, bis er schließlich ein Schweizer Taschenmesser hervorholte. Dieses verfügte über einen spitzen Dorn, der gefährlich blitzte. Er hob das Messer hoch und präsentierte den Dorn.
»Das ist alles, was ich habe. Das soll ich dir in den Kopf stoßen? Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter.«
»Das ist perfekt. Du musst es machen, je eher, desto besser. Am besten jetzt gleich.«
Sie setzte sich auf das Bett und hielt ihm ihre rechte Gesichtshälfte hin. Mit dem Finger deutete sie genau auf die Stelle, wo er den Dorn ansetzen sollte.
»Hier musst du zustechen«, sagte sie mit belegter Stimme, »halte meinen Kopf mit der anderen Hand und stoße mindestens drei Zentimeter tief hinein.«
»Hast du eigentlich keine Angst? Ich bin immerhin kein Arzt und wenn du mich fragst …«
Thomas blickte zwischen dem blitzenden Dorn und ihr hin und her.
»Ich hab eine Scheißangst«, gab Khendrah zu. »Mach endlich, bevor ich es mir anders überlege!«
Thomas atmete noch einmal tief durch, dann packte er Khendrahs Kopf und stieß ihr den Dorn tief ins Jochbein. Sie schrie auf und ihr ganzer Körper begann wild zu zucken. Schnell zog Thomas den Dorn heraus, aber Khendrah beruhigte sich fast eine ganze Minute lang nicht, bevor sich ihr Körper entspannte und sie bewusstlos zusammensank.
Thomas stand ratlos vor ihr und wusste nicht, was er nun tun sollte. Vorsichtshalber tastete er nach ihrem Puls und war beruhigt. Sie lebte noch. Dann sah er nach der Einstichstelle und sah, dass sie leicht verbrannt aussah. Glücklicherweise war die Stelle sehr klein – es würde also nicht entstellend wirken. Ein Gutes hatte es: Die Wunde blutete quasi überhaupt nicht.
Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis Khendrah zu sich kam. Vorsichtig betastete sie die Wunde und zuckte zurück, als sie sie berührte.
»Es fühlt sich alles taub an, bis auf die Wunde«, sagte sie. »Aber es war notwendig. Wir sollten trotzdem machen, dass wir von hier verschwinden.«
“Bist du sicher? Du warst eben noch ohne Bewusstsein. Ich hab mir wirklich Sorgen gemacht.”
Sie lächelte gequält. “Schön, wenn du dir Sorgen um mich machst, aber wir sind beide in Gefahr. Wir müssen los.”
Da sie kein Gepäck besaßen, konnten sie sofort verschwinden. Khendrah zupfte ihren Overall etwas glatt und bürstete sich im Bad ihre Haare, dann verließen sie die Pension. Auf der Straße blickte sich Khendrah in alle Richtungen um, da sie befürchtete, dass ihnen bereits jemand auf den Fersen sein könnte.
»Da kommt ein Bus«, sagte Thomas. »Vielleicht sollten wir den erst einmal nehmen, um uns von hier zu entfernen.«
»Gute Idee!«
Sie stellten sich an die Haltestelle und Thomas löste beim Fahrer zwei Tickets. In dem Moment, als der Bus anfahren wollte, gab es einen Ruck und das Fahrzeug neigte sich leicht zur Seite. Ein Teil der Tür hatte sich in Luft aufgelöst.
Khendrah kannte diese Erscheinungen durch ihre eigene Anihilationswaffe zur Genüge.
»Auf den Boden!«, schrie sie Thomas zu und stieß ihn hinunter.

************

Die erste Verwirrung hatte sich schnell gelegt. Fancan war einfach schon zu lange im Geschäft, um sich nicht schnell in einer Zeit zurechtzufinden. Da ein Ort zunächst so gut war wie jeder andere, mietete sie sich in einem kleinen Hotel an der Hauptstraße ein, an der sie aus dem Zeitaufzug gestiegen war.
Die Einrichtung des Zimmers war denkbar einfach. Ein Fernsehgerät war vorhanden, doch interessierte es Fancan nicht sonderlich. Was hätte diese Zeit ihr schon bedeuten sollen? Ihre Aufgabe war es, Khendrah zu finden und sie und ihren mutmaßlichen Begleiter zu liquidieren. Sie setzte sich aufs Bett und zog ihre Ausrüstung aus den Taschen. Fancan betrachtete die Auswahl, die sie mitgebracht hatte. Da war die Anihilationswaffe, die materielle Körper in einem gewissen Umkreis auflöste. Im Magazin befanden sich noch mindestens hundert Schuss – das sollte reichen. Dann war da noch der Funkorter, ein kleines Gerät, mit dem man äußerst präzise nach Funkquellen suchen konnte. Im Gegensatz zu den primitiven Geräten dieser Zeit benötigte man keine Kreuzpeilung, um einen exakten Standort zu bestimmen. Sie glaubte zwar nicht, dass ihr das Gerät etwas nutzen würde – trotzdem schaltete sie es ein und justierte es auf die Frequenz der bei Agenten gebräuchlichen Kommunikatoren. Sofort erhielt sie eine Messung und zuckte zusammen.
»Du Närrin!«, schalt sie sich selbst. »Du hast deinen eigenen Kommunikator geortet.«
Sie änderte den Fokus und weitete den Messbereich immer weiter aus. Nach zwei Stunden wurde sie fündig.
»Mein Täubchen, du wirst nachlässig«, sagte sie. »Es wird wohl dein letzter Fehler gewesen sein.«
Fancan zog eine Folie aus ihrer Kombination und schaltete sie ein. Sofort erschien eine Karte der Stadt dieser Zeit darauf in leuchtenden Farben. Die überspielte die vom Orter ermittelten Koordinaten auf die Karte und erfuhr so, wo sich das Ziel befand.
»Eigentlich wollte ich ja erst morgen früh mit der Jagd beginnen«, dachte sie. »Doch diese Gelegenheit sollte ich mir nicht entgehen lassen.«
Sie packte ihre Sachen zusammen und verließ das Hotel. Sie überlegte, wie sie es anstellen sollte, ihr Ziel zu erreichen. Sie war nicht bereit, zu viel Aufsehen zu erregen. Es gab ein recht gutes öffentliches Verkehrssystem, in dem man weitgehend anonym reisen konnte, leider kam man nachts nicht besonders weit. Ein sogenanntes Taxi wollte sie nicht verwenden, da sie keine Erinnerung bei einem der Fahrer hinterlassen wollte. Vermutlich war sie zu vorsichtig, aber sie hatte stets Wert auf Anonymität in fremden Zeiten gelegt. Also informierte sie sich über die Route zu ihrem Ziel und ging wieder in ihr Hotelzimmer. Die Folie und das Ortungsgerät ließ sie eingeschaltet.
Fancan schlief nicht in dieser Nacht. Immer wieder dachte sie an Khendrah. Es würde unter Umständen schwierig werden, den Auftrag auszuführen, denn immerhin war Khendrah eine ebenso gute Agentin wie sie selbst. Außerdem war auch sie bewaffnet. Sie würde sich wehren.
Plötzlich erzeugte das Ortungsgerät einen Alarm. Das Signal war verschwunden.
»Verdammt!«, schimpfte Fancan laut. »Ich hätte doch sofort mit einem dieser Taxis fahren sollen. Diese Khendrah ist doch besser, als ich dachte. Sie hat offenbar den Sender außer Betrieb gesetzt. Jetzt kommt es auf jede Minute an.«
Sie griff ihre Waffe und die anderen Sachen und hetzte zur Straße, wo gerade ein Mann in ein Taxi einsteigen wollte.
»Scheiß auf die Anonymität«, sagte sie und stieß den Mann zur Seite, um selbst in das Taxi zu steigen. »Fahren sie!«, befahl sie dem Fahrer.
»Nun hören sie mal«, sagte der Fahrer. »Sie können doch nicht einfach …«
»Wenn sie nicht sofort losfahren, blase ich ihnen den Kopf weg!«, fuhr sie ihn an und hielt ihm ihre Waffe an den Kopf.
Der Fahrer verstummte und gab Gas.
»Wohin soll ich denn fahren?«, fragte er ängstlich.
Sie hielt ihm die Folie unter die Nase und deutete auf einen der leuchtenden Punkte.
»Dort hin, und zwar im Eiltempo. Wenn sie wirklich schnell sind, bezahle ich vielleicht sogar für die Fahrt.«
»Ok, ok, ich mach ja schon«, sagte der Fahrer und tat sein Bestes, um diese eigenartige Frau zufriedenzustellen.
Als sich das Funkgerät meldete, fragte Fancan: »Was war das?«
»Mein Funkgerät«, antwortete der Fahrer. »Was sonst?«
»Ein Kommunikator also«, sagte Fancan und zielte mit der Waffe auf das Gerät. Plötzlich klaffte ein Loch in dem Gerät und es verstummte.
»Ich halte es für besser, wenn sie im Moment keinen Kommunikator besitzen«, sagte sie.
»Sagen sie mal, was sind sie eigentlich für eine Type?«, wollte der Fahrer wissen.
»Das wollen sie nicht wissen!«, sagte Fancan barsch und beendete damit das Gespräch.
Eine Viertelstunde später waren sie am Ziel und Fancan gab ihm ein paar Geldscheine. Am Gesicht des Fahrers erkannte sie, dass es wohl viel zu viel gewesen war. Soviel also zur Anonymität. Fancan schob den Gedanken beiseite. In wenigen Stunden würde sie wieder in der Kabine stehen und zur Basis zurückfahren. Was konnte es da schaden, wenn sich ein Taxifahrer an jemanden erinnerte, der nicht mehr in dieser Zeitebene existierte?
Sie sprang aus dem Wagen und tauchte in der Menge der Passanten unter. Jetzt würde es spannend werden, denn, da das Signal nicht mehr existierte, konnte sie nicht sicher sein, in welchem der Gebäude Khendrah steckte und ob sie überhaupt noch in der Nähe war. Sie war aber irgendwie sicher, dass sie sich hier nur auf die Lauer legen musste. Eine runde Säule mit vielen bunten Bildern darauf gab ihr Deckung, während sie mit wachsamem Blick die Umgebung im Auge behielt.
Einer der Busse des öffentlichen Verkehrssystems näherte sich der Haltestelle in ihrer Nähe. Fancan beobachtete, wie er sich anschickte, anzuhalten, da sah sie Khendrah. Sie stand mit einem Mann an der Haltestelle und wollte in den Bus steigen. Sie zog ihre Waffe, doch waren ständig Menschen im Weg. Erst als sie den Bus wieder anfahren sah, hatte sie freies Schussfeld. Sie hielt auf die Tür, an der die beiden eingestiegen waren, und drückte ab. Ein Teil der Tür und das rechte Vorderrad lösten sich auf und der Bus krachte auf die Achse. Fancan verließ ihre Deckung und rannte auf den Bus zu, ihre Waffe in der Hand. Es wäre ihr lieber gewesen, die beiden an einem verschwiegeneren Ort zu erledigen, aber dafür war es zu spät.

*********************

Khendrah spähte über die Sitze der Fensterreihe nach draußen und sah ihre Kollegin auf den Bus zustürmen.
»Fancan!«, schrie Khendrah. »Diese Schweine haben mir Fancan auf den Hals gehetzt. Wir müssen hier raus. Sofort!«
Sie setzte elegant über den am Boden liegenden Thomas hinweg und zog ihn hinter sich hoch.
»Los, Bewegung! Oder willst du draufgehen?«
Das wirkte, und Thomas kam auf die Beine. Geduckt liefen sie den Mittelgang des Busses entlang, bis sie an eine Stelle gegenüber der hinteren Tür ankamen, wo es keine Sitze gab. Die anderen Fahrgäste starrten die beiden nur entgeistert an.
Khendrah zog ihre eigene Waffe und richtete sie auf die Wand des Busses, die sich in einem Bereich von etwa einem Meter Durchmesser auflöste.
»Schnell!«, trieb Khendrah Thomas an. »Raus, bevor sie uns sieht!«
Sie sprangen durch das Loch ins Freie und Khendrah zog Thomas hinter sich her über die Straße und in den Eingang eines Kaufhauses hinein. Sie sahen noch, wie Fancan ebenfalls durch das Loch im Bus sprang und ihnen nachsetzte, bevor sie im Kaufhaus verschwanden. Khendrah war sicher, dass Fancan genau gesehen hatte, wohin sie verschwunden waren. Sie hetzten durch die Gänge und quetschten sich zum hinteren Ende des Kaufhauses hindurch, wo sie über die nächste Straße zu entwischen hofften. Leider hatten sie nicht gewusst, dass der hintere Eingang verschlossen und von diversen Regalen verstellt war. Khendrah wollte eben wieder für einen Ausgang sorgen, als Thomas rief: »Dort hinten ist sie! Wenn du jetzt schießt, weiß sie sofort, wo wir sind. Lass uns über die Rolltreppe nach oben fahren. Vielleicht können wir ihr dort eine Falle stellen.«
»Gute Idee«, sagte Khendrah und deutete auf die nächste, nach oben führende Rolltreppe. »Diese Treppe dort kann sie im Moment noch nicht einsehen. Also los!«
Sie rannten wie besessen und nahmen drei Stufen auf einmal, um die nächste Ebene zu erreichen. Hier wurde es ruhiger. Sie fuhren noch zwei weitere Ebenen nach oben, bis sie die Möbelabteilung erreichten. Hier waren ganze Zimmerkulissen aufgebaut, durch hohe Stellwände voneinander abgetrennt.
»Hier muss es geschehen«, entschied Khendrah. »Hier werden wir ihr auflauern.«
Sie suchten ein geeignetes Ensemble und bereiteten sich auf eine längere Wartezeit ein.
»Kann ich ihnen helfen?«, fragte ein Verkäufer, der sie für normale Kunden hielt.
Khendrah sah ihn fragend an und Thomas sagte schnell: »Nein danke, wir schauen uns hier nur etwas um. Wenn wir Fragen haben, melden wir uns.«
Zu Khendrah gewandt, sagte er: »Ich hab dir angesehen, dass du ihn dir greifen wolltest. Der Mann arbeitet hier. Man kann diese Sachen hier kaufen. Er hatte es nicht auf uns abgesehen.«
»Verdammt, ich weiß einfach zu wenig über eure Zeit!«, gab sie zu.
Es dauerte noch mehr als eine Stunde, bis sie Fancan erblickten, die sich vorsichtig durch die Auslagen bewegte.
»Ich werde gleich den Lockvogel spielen«, flüsterte Khendrah Thomas ins Ohr. »Bekommst du es hin, ihr von hinten eins überzuziehen? Du darfst dich nicht zurückhalten, Fancan ist Kämpferin. Du musst sie entweder ausschalten, oder soweit beschäftigen, bis ich sie überwältigen kann.«
»Das werd ich schon schaffen«, sagte Thomas leise und wandte sich ihr zu.
Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Ohne zu überlegen, gab Thomas Khendrah einen Kuss. Überrascht stieß sie ihn zurück. »Was soll das denn?«
»Ich weiß auch nicht. Mir war einfach danach.«
Ein Lächeln stahl sich auf Khendrahs Lippen. »Ich würde dich nur bitten, demnächst einen passenderen Zeitpunkt auszusuchen, o. k.? Wir brauchen unsere ganze Konzentration für Fancan.«
»Ist schon klar«, flüsterte Thomas und grinste.