1. Die Ankunft – Teil 2

»Ihre Sorge ist unbegründet, Sheriff Dunn. Wir sind im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte und bald werden wir auch stark genug sein, uns zu verschmelzen. Wenn das der Fall ist, werden wir Ihre Hilfe nicht mehr benötigen und Sie auch nicht länger in Anspruch nehmen.«
Sequel lächelte und streifte wie beiläufig ihre Handfessel ab. Ruhig legte sie die offenen Handschellen vor Dunn auf den Tisch. »Eine interessante, mechanische Spielerei, diese Handfesseln. Sie wurden unbequem. Es ist Ihnen doch recht, wenn ich sie ablege?«
»Zum Kuckuck …!« Dunn fielen fast die Augen aus den Höhlen. »Wie haben Sie das angestellt?«
»Es war doch nur ein mechanischer Verschluss. Wir spüren, dass Sie sich in unserer Anwesenheit unwohl fühlen. Das müssen Sie nicht. Wir sind nicht gekommen, um jemandem etwas zu Leide zu tun. Im Gegenteil. Wir sind nur hier, weil es auf Ihrer Welt und ihn Ihrem Zeitalter, historischen Unterlagen zufolge, etwas geben muss, dass wir dringend finden und von hier wegschaffen müssen. Es ist wichtig.«
»Sie kommen also aus der fernsten Zukunft zu uns, weil wir etwas besitzen, das Sie
unbedingt benötigen? Dass ich nicht lache!«
Sequel lächelte süffisant. »Halten Sie mich bitte nicht für arrogant, aber es hat vermutlich wenig Zweck, Sie weiter in unsere Aufgaben einzuweihen. Es würde uns jedoch helfen, wenn Sie uns verraten, welches Jahr wir haben und nach welcher Zeitrechnung es gezählt wurde.«
»Bitte was?«, fragte Dunn verblüfft. »Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Sie wirken auf mich wie zwei äußerst wache Menschen. Und Sie wollen nicht wissen, welches Datum wir haben?«
»Bitte«, sagte Sequel, die inzwischen das Reden der beiden vollständig übernommen hatte. »Sie würden mir damit wirklich helfen. Wir haben einen sehr weiten Weg hinter uns und da kommt es durchaus zu gewissen Unschärfen. Wir hatten gewaltiges Glück, im richtigen Moment die Oberfläche des Planeten zu treffen. Daher vermute ich, dass wir noch im Plan sind. Wir wissen es aber nicht genau. Also?«
Der Sheriff presste seine Lippen zusammen. »Von mir aus. Wir haben den 17. März 2018.«
Die beiden blickten sich kurz an, sagten jedoch nichts. Dunn vermutete, dass sie wieder in Gedanken miteinander sprachen.
»Gut 2018. Und nach welcher Zeitrechnung? Was war vor 2018 Jahren?«
»Na, Christi Geburt. Was sonst?«
Sequels Lächeln wurde breiter. »Das hatten wir gehofft. Die Zeit stimmt, der Planet auch – jetzt müssen wir es nur noch finden.«
»Was finden? Worum geht es überhaupt?«
»Besser, Sie wissen es nicht.«
Dunn schlug mit beiden Händen auf den Tisch und erhob sich. »Ich hab jetzt endgültig die Schnauze voll von Ihnen beiden. Ich kann es auf den Tod hassen, wenn man mich nicht für voll nimmt und mich zu veralbern versucht. Ich lasse Sie jetzt eine Weile allein. Sie können sich ja dann überlegen, ob Sie mir nicht noch etwas zu erzählen haben.«
Er verließ den Verhörraum und schlug die Tür lautstark hinter sich zu. Draußen atmete er ein paar Mal tief durch und sah seinen Deputy an, der die ganze Zeit über hinter der einseitig durchsichtigen Scheibe gesessen und dem Gespräch im Verhörraum zugehört hatte.
»Und was jetzt?«, fragte Cole.
»Ich halte diese Idioten fest, bis ich sie weich gekocht habe. Die spielen ein Spiel mit mir, und so was kann ich nicht leiden.«
»Rein rechtlich können wir das nicht, Chef. Abgesehen davon, dass wir sie wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses dranbekommen können, haben wir nichts in der Hand. Sie sind nicht verpflichtet, Papiere mitzuführen.«
»Weiß ich selbst. Ich versteh auch nicht, wieso die mir so einen Schwachsinn auftischen müssen. Aber da ist immer noch die Frage, wieso sie identische Fingerabdrücke haben. Haben sie womöglich sogar die Wahrheit gesagt?«
Cole lachte leise. »Chef, die werden Sie doch nicht mit diesen Räuberpistolen
überzeugt haben?«
Dunn schüttelte den Kopf. »Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich denken soll. Sie machen in ihrer Geschichte einfach keine Fehler. Entweder ist sie einfach nur gut durchdacht und konsequent erzählt, oder es ist so, wie sie behaupten.«
»Wayne, ich hab Dein Gespräch von hier aus mitverfolgt. Diese Sequel ist sicher eine äußerst heiße Frau, aber lass Dich von der doch nicht einwickeln. Ich hab auch keine Ahnung, welche Ziele die beiden verfolgen, aber ich hab nicht das Gefühl, sie würden mit offenen Karten spielen.«
»Vielleicht sollten wir uns Unterstützung aus Omaha holen.«
»Damit uns die gesamte Polizei des Staates auslacht?«
Dunn blickte durch die Scheibe, wo die beiden sich nun gegenübersaßen und ihre Köpfe mit ihren Stirnen aneinanderdrückten. »Hey, was machen die den jetzt?«
Er sprang auf und öffnete die Tür zum Verhörraum. »Was tun Sie da?«
Sequel und Brungk reagierten nicht, worauf Dunn zu ihnen trat, um sie voneinander zu trennen.
Als er sie berührte, erschien es ihm, als stürze er in ein tiefes, dunkles Loch. Die Welt um ihn versank und nur noch Dunkelheit umgab ihn. Das Gefühl des Fallens war unangenehm, und in seiner Vorstellung ruderte mit Armen und Beinen, um Halt zu finden. Sein Gefühl für Zeit und Raum ging verloren und er hatte keine Vorstellung, wie lange es dauerte, als er plötzlich die Gegenwart von zwei Persönlichkeiten wahrnahm.
»Hallo?«, rief er. »Ist da jemand?«
»Entspann Dich«, ertönte es direkt in seinem Geist. »Es ist gleich vorbei.«
Im nächsten Moment befand er sich in einem fensterlosen Zimmer, dessen Decke und Wände Licht ausstrahlten. Er saß in einem bequemen Sessel und ihm gegenüber saßen Sequel und Brungk – jeder in einem ähnlichen Sessel wie er. Sie lächelten ihm zu. Sequel beugte sich etwas nach vorn. »Wir haben unsere vollen geistigen Kräfte inzwischen zurückerlangt. Da es uns nicht gelungen ist, Dich mit Worten zu überzeugen, haben wir uns entschlossen, Dich für einen Moment in unseren geistigen Zusammenschluss einzuladen. Es ist vielleicht einfacher, Dich zu überzeugen, dass wir die sind, die wir zu sein vorgeben.« Sie sah ihn prüfend an. »Alles in Ordnung?«
»Ob alles in Ordnung ist?«, fragte Dunn schrill. Hektisch blickte er sich um. Er verstand nicht, was soeben mit ihm geschehen war. »Überhaupt nichts ist in Ordnung. Was habt ihr mit mir angestellt? Ich will sofort zurück in den Verhörraum! Sofort!«
»Beruhige dich«, sagte Sequel sanft. »Dir wird nichts geschehen. Wir haben uns lediglich entschlossen, dir zu zeigen, dass du es nicht mit zwei Verrückten zu tun hast. Wir hatten nämlich den Eindruck, dass du uns kein Wort von dem glaubst, das wir dir erzählt haben.«
Dunn schnappte nach Luft. Er hatte sich immer für einen Menschen gehalten, den nichts leicht erschüttern konnte, doch jetzt spürte er aufkeimende Panik, wie er es noch nie erlebt hatte. »Wer zum Henker seid ihr? Was wollt ihr von mir?«
Seine Augen wanderten hektisch durch den Raum. Er suchte krampfhaft nach einer Fluchtmöglichkeit. Als hätte Sequel seine Gedanken gelesen, sagte sie: »Du brauchst nicht vor uns zu fliehen. Deine Angst ist unbegründet. Wir haben diesen Raum eigens geschaffen, um uns mit dir ungestört unterhalten zu können. Natürlich hätten wir es auch in der realen Umgebung tun können, doch – wenn wir ehrlich sind – hat uns dein Kollege Cole hinter der Spiegelwand irritiert. Hier sind wir ungestört.«
»Verdammt, ihr habt mich nicht gefragt! Das ist eine Entführung! Was denkt ihr eigentlich? Dass ihr mich einfach in einen Scheiß Kerker schaffen müsst, um mich weich zu kochen? Ich kann euch versichern, dass ihr gehörigen Ärger bekommt, wenn ich hier rauskomme!«
»Wir können dich verstehen«, warf Brungk ein. »Du bist gegen deinen Willen durch uns hierher transportiert worden. Es ist jedoch weder ein Kerker noch haben wir vor, dich zu irgendetwas zu zwingen. Wir möchten dir nur unsere Mission erklären und hoffen, dass du anschließend verstehst, wer oder was wir sind. Ich gebe allerdings zu, dass wir und
davon auch erhoffen, dass du uns hilfst. Aber das wird am Ende deine Entscheidung sein – nicht unsere. Begreifst du nun, dass wir dir nicht schaden wollen?«
Dunns erste Panik begann sich zu legen und sein Atem beruhigte sich etwas. »Ihr betont das zwar immer wieder, aber es übersteigt meinen Verstand. Es erklärt auch noch immer nicht, wer oder was ihr seid.«
Sequel beugte sich vor und berührte ihn sanft an der Hand. Dunn wollte sie erst zurückziehen, entschied sich dann jedoch dagegen. Es war wie ein leichter elektrischer Schlag, als sie seine Hand berührte, und was auch immer sie tat, es führte dazu, dass er sich entspannte.
»Ist jetzt alles in Ordnung? Bist du jetzt bereit, uns zuzuhören?«
Dunn nickte. »Ich weiß zwar nicht, was hier gerade abgeht, aber ja, ich bin in Ordnung.«
»Gut. Brungk und ich sind speziell für diesen Auftrag konfigurierte Menschen. Die Umweltbedingungen in unserer Heimat sind etwas anders als hier auf der Erde. Wir wurden geschickt, weil es auf der Erde etwas gibt, das so gefährlich ist, dass es den Fortbestand der menschlichen Rasse, des Planeten und vielleicht sogar des gesamten Sonnensystems gefährden könnte.«
»Bitte was? Du willst mich verscheißern, oder? Ihr kommt daher und wollt mir erzählen, dass das Ende der Welt bevorsteht und ihr das mal eben verhindern wollt? Hab ich das richtig verstanden? Seid ihr sowas wie Sekten-Heinis, die immer wieder mal den Weltuntergang prophezeien? Ich sag dir gleich: Ich glaub nicht an solchen Quatsch!«
»Ich weiß nicht, was eine Sekte ist, aber ich kann dir versichern, dass es mit einer Prophezeiung nicht das Geringste zu tun hat. Die Gefahr ist real und tödlich. Es gibt auf der Erde einen Mechanismus, der dafür geschaffen wurde, die Menschen, die Erde und zuletzt das komplette Sonnensystem zu zerstören. Er stammt aus der Zukunft und durchzieht die Zeitalter, bis zur Entstehung des Menschen. Wir wurden ausgeschickt, diesen Mechanismus zu finden und unschädlich zu machen.«
Dunn lief es eiskalt den Rücken hinunter. »Ihr wollt mich wirklich nicht verarschen? Es gibt tatsächlich so ein Ding auf der Erde?«
Sequel und Brungk blickten ihn ernst an. »Ja.«
Dunn schluckte. Sein Rachen fühlte sich an wie zugeschnürt. Seine Stimme klang heiser, als er fragte: »Wie viel Zeit haben wir noch?«
»Das kann man so einfach nicht sagen. Wenn wir versagen, mag es noch einige Planetenjahre dauern, bis es geschieht – es kann aber auch deutlich schneller gehen. Die Menschen würden davon nichts spüren. Es würde sie nur auf einmal nicht mehr gegeben haben. Eure Welt – und letztlich natürlich auch unsere Welt – würde es in dieser Form nie gegeben haben. Wir wären aus der Geschichte getilgt.«
Dunn brach der Schweiß aus. Er spürte, wie eiskalte Angst Besitz von ihm ergriff. Es war schwer zu glauben, was ihm die beiden erzählten, doch die Umstände ihres Gesprächs verlieh dem Ganzen eine irrationale Glaubwürdigkeit.
»Und Ihr sucht dieses – was immer es auch ist – und verschwindet damit wieder in Eure eigene Zeit?«
Sequel schüttelte den Kopf. »Das wird nicht gehen. Die erforderliche Technologie steht hier nicht zur Verfügung. Wir werden hierbleiben müssen und uns an die Menschen dieser Zeit anpassen.«
»Was ist es überhaupt, was Ihr sucht? Was kann so gefährlich sein, dass es unser Sonnensystem gefährden kann?«
»Was sagt Dir der Begriff ’Singularität’?«
Dunn machte ein fragendes Gesicht. »Nichts.«
Sequel nickte. »Das dachte ich mir. Weißt Du, die Menschheit ist nicht allein dort draußen im Kosmos. Es gibt noch eine Reihe anderer Intelligenzwesen, und nicht alle sind dem Menschen wohlgesonnen. Wir hatten Dir gesagt, dass wir aus einer weit entfernten Zukunft stammen. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Menschheit und auch die anderen Rassen sich in dieser Zeit enorm weiterentwickelt haben – geistig, wie auch technisch. Der größte Feind des Menschen ist eine mächtige, insektoide Rasse mit gewaltigem technischen Wissen. Sie nennen sich Skrii, und sie setzen alles daran, die Menschheit aus dem Universum zu tilgen. Rein militärisch sind sie nicht in der Lage, uns endgültig zu besiegen, aber wir konnten erfahren, dass es Kriegern der Skrii gelungen sein soll, auf dem Mutterplaneten der Menschheit einen Mechanismus auszusetzen, der sich in winzigsten Schritten rückwärts durch die Zeit frisst. Das soll so lange weitergehen, bis die menschliche Rasse im Entstehen begriffen ist.«
»Und dann?«, fragte Dunn.
»Dann wird die Singularität im Innern des Mechanismus freigesetzt. Das bedeutet, dass von diesem Moment an die Materie des Planeten allmählich in diese Singularität stürzt und sie mit Masse anreichert. Irgendwann wird es zu einem regelrechten Schwarzen Loch werden und den gesamten Planeten verschlingen, bis nichts mehr von ihm übrig ist. Die Menschheit wird nie entstanden sein und statt eines blühenden Planeten wird ein kleines Schwarzes Loch Eure Sonne umkreisen. Wir würden aus der Geschichte des Universums getilgt. Das wollen wir verhindern. Wir werden zur Stelle sein, wenn der Mechanismus diese Zeit passiert, und ihn unschädlich machen.« Sie machte eine kurze Pause und sah Dunn prüfend an. »Ist das etwas viel für Dich?«
Dunn schluckte. »Wenn ich ehrlich bin … ja. Verdammt ich bin ein kleiner Sheriff in einem kleinen Nest, und Ihr erzählt mir Dinge über eine Gefahr für die gesamte Menschheit. Wie die Dinge liegen, ist es Euch auch verdammt ernst damit. Könnt Ihr denn dieses Singular-Ding unschädlich machen? Geht das so einfach?«
Brungk schüttelte den Kopf. »Absolut nicht. Zunächst müssen wir das Gerät finden und seine Wanderung durch die Zeit stoppen. Zumindest das sollte für uns kein Problem darstellen.«
Dunn presste seine Fäuste gegen seine Schläfen. »Aber das ist doch alles Bullshit! Habt Ihr mir nicht im Verhörraum erzählt, dass Ihr einen Punkt irgendwo im All finden musstet, an dem unsere Erde am Endpunkt Eurer Zeitreise einmal gestanden hatte? Wenn das so kompliziert ist, wieso kann dann so eine Maschine einfach auf der Erde bleiben und in die Vergangenheit reisen? Da stimmt doch etwas nicht.«
Sequel nickte anerkennend. »Du beginnst, in den richtigen Bahnen zu denken. Es stimmt, das klingt unlogisch. Es sind jedoch zwei völlig unterschiedliche Dinge. Während wir in einem Zug durch die Zeit hierher gereist sind, wurde die Waffe der Skrii schon in der Zukunft auf der Erde deponiert. Sie gleitet von dort quasi in winzigsten Schritten durch den Zeitstrom in die Vergangenheit zurück. Dabei kann sie den Kontakt zum Planeten ständig neu justieren. Wir haben leider erst spät davon erfahren, was die Insektoiden getan haben und viel Zeit haben wir dabei verloren, zu errechnen, wie wir die Waffe noch aufhalten können.«
»Also jetzt mal ehrlich«, sagte Dunn. »Ihr könnt mich ja für einen ungebildeten Halbwilden halten, aber ist nicht bereits die Tatsache, dass wir uns hier unterhalten, in diesem … ja was ist das hier eigentlich? … ein Indiz dafür, dass der Plan dieser Fremden misslungen sein muss? Hätte er funktioniert, würde es weder Euch noch mich geben, oder?«
»Grundsätzlich folgerichtig gedacht«, stimmte Sequel zu. »Wenn man berücksichtigt, dass die Menschen dieser Epoche noch glaubten, Zeit verlaufe linear. Eine Katastrophe, von der ich nichts weiß, kann in der Vergangenheit nicht stattgefunden haben. Leider verhält es sich etwas anders. Zeit ist ein kompliziertes Gespinst von Möglichkeiten. Welchen Weg sie nimmt, hängt oft von Verkettungen winzigster Faktoren ab. Ich weiß, es ist nicht leicht, das zu verstehen, aber du musst dir vorstellen, dass jedes System seine eigene Zeit mitbringt, die zunächst einmal unabhängig von anderen existiert. So gibt es die Zeit der Erde, die einen komplizierten Weg von ihrer Entstehung über den heutigen Tag bis zu einer fernen Zukunft nimmt. Dann ist da diese Waffe der Skrii, die sich rückwärts durch den Zeitstrom der Erde ihren Weg zur Entstehung des Menschen sucht. Diese Waffe besitzt ihre eigene Zeit und sie verläuft nicht rückwärts, sondern vorwärts. Mit anderen Worten: Sie wird auf ihrem Weg rückwärts durch die Zeit der Erde älter. Solange sie ihr Ziel nicht erreicht hat, wird sie nicht aktiv werden, und erst, wenn das geschieht, beeinflusst sie den Zeitstrom der Erde.«
Sie blickte Dunn forschend an. »Kannst du mir folgen?«
Dunn nickte und schüttelte dann den Kopf. »Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll.«
»Dann begreife einfach, dass wir diese Waffe finden und aufhalten müssen. Wir können sie aufspüren, sobald wir in ihrer Nähe sind. Leider haben wir nur einige Hinweise, wo wir suchen müssen. Wir sind gut ausgebildet, aber unsere Zeit liegt eben zwei Millionen Jahre in eurer Zukunft. Du kannst dir sicher vorstellen, wie lückenhaft unsere Kenntnis der Erde und ihrer aktuellen Verhältnisse ist. Die Recherche nach zutreffenden Daten hat uns viele Jahre gekostet, und wir können nicht sicher sein, dass alles korrekt ist, was wir herausgefunden haben.«
»Spricht man auf eurer Welt und in eurer Zeit noch so wie wir?«, fragte Dunn. »Ihr habt nicht den geringsten Akzent und sprecht ein perfektes Englisch.«
Brungk lachte. »Nein, unsere Sprache ist von eurer vollkommen verschieden. Allerdings ist verbale Kommunikation bei uns nicht mehr besonders wichtig. Bei uns gibt es den mentalen Schirm, in den sich jeder Bürger einloggen kann. Ist man verbunden, kann man mit jedem anderen Teilnehmer gedanklich kommunizieren. Für diesen Einsatz hat man uns alle Sprachmuster implantiert, die wir noch über diese Epoche finden konnten. Da unsere Hirnkapazität jedoch nicht ausreicht, sie alle gleichzeitig zu beherrschen, brauchten wir Eure Sprache als Schlüssel zur Installation der richtigen Sprache.
Aber es ist schon angenehm, dass unsere Daten so zutreffend waren. Es wäre fatal gewesen, wenn man uns für die falsche Epoche konditioniert hätte.«
Dunn sah ihn ungläubig an.
»Wir sind besonders konzipierte Menschen«, sagte Sequel. »Wie ich bereits sagte. Wir sind aufs Reden konditioniert worden, um in dieser Welt normal zu wirken.«
Dunn lachte humorlos auf. »Na, das ist euch ja verdammt gut gelungen. Ihr ahnt nicht, wie verdammt normal ihr auf mich wirkt.«


… wird fortgesetzt am 15. September 2018