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Schlagwort: Corvus

Voidcall – Das Rufen der Tiefe – Kapitel 2: Auf zu neuen Ufern



»Wir springen in den Warp!«, rief Clynnt Volker lautstark durch das Mikrofon. Seine elektronische Stimme krähte durch den gesamten Patrouillenkreuzer. 
Bei diesen Worten zog sich eine vorfreudige Erregung durch Archweylls Körper, während er von der Kommandobrücke aus in die Weiten des Alls starrte. Endlich. 
Die Atharymn war wieder einsatzbereit und auf dem Weg zu ihrer nächsten Mission. Ihr Verschwinden und Wiederauftauchen vor drei Monaten, als der Warp sie verschluckt und Howard Bering sie an den Dämonen ausliefert hatte, war von der föderalen Obrigkeit nicht einmal mit einem Achselzucken quittiert worden.
Aber auf diesen Ruhm hätte Archweyll auch getrost gepfiffen. Was er brauchte, waren loyale Männer und Frauen, die wussten, was sie taten.
Als hätte jemand seine Gedanken verraten, trat plötzlich die neue Chefmechanikerin an ihn heran. »Nautilon, hm? Nie davon gehört.« Sie extrahierte ein Datenbündel auf ihre Monitore, indem sie mit dem Finger eine Bewegung zwischen den Bildschirmen durchführte. 
»Könnte daran liegen, dass dieser Planet für die Föderation bisher absolut unbedeutend gewesen ist«, erwiderte der Kommandant stirnrunzelnd. »Ich frage mich, was sie gefunden haben, dass sie direkt einen Kreuzer mit Ausrüstung dort hinschicken. Hast du dich da unten mittlerweile gut eingelebt?«
»Es ist etwas finster, aber ich komme zurecht. Nur eure Ausstattung ist mangelhaft, im Vergleich zu meinem früheren Arbeitsplatz«, antwortete Daisy Lee gelassen, bevor ihre großen blauen Augen Archweyll gänzlich zu durchdringen schienen. »Von welcher Ausrüstung reden wir eigentlich?«, erkundigte sie sich neugierig. 
Er winkte sie näher zu sich heran, dann aktivierte er einen Hologrammgenerator. 
Wie aus dem Nichts entstand ein Bild, zunächst verzerrt und undeutlich, doch dann wurde es immer markanter, bis man die Umrisse einer großen Maschine erkennen konnte.
Daisy pfiff durch die Zähne. »Ein Zyklop. Nicht schlecht«, sagte sie gespielt ehrfürchtig, als würde sie etwas für sich behalten. 
»Die haben sie damals gebaut, um den Renegatenfürst Balthasar Coiren auf Orian II den Garaus zu machen. Drei dieser U-Boote haben bis heute überlebt und sind einsatzbereit«, erklärte Archweyll, während er mit dem Finger auf das Hologramm deutete. 
»Ach, echt?«, irgendetwas in Daisys Stimme missfiel dem Kommandanten.
Der Zyklop war ein Berg aus Metall, mit einer riesigen, runden Frontkuppel aus Glas, die das Gefährt wie einen einäugigen Riesen erscheinen ließ und ihm somit zu seinem Namen verholfen hatte. 
»Ausgestattet mit Torpedobatterien der Untergangs-Klasse und einem Dutzend Scherenpanzer-Anzügen, die habe ich damals selbst entwickelt«, zwinkerte ihm die neue Chefmechanikerin zu. 
»Beeindruckend«, lobte Archweyll. Trieb sie ein Spiel mit ihm?
»Die Generäle der Heerführung vergessen schnell, wem sie ihren Erfolg zu verdanken haben«, winkte Daisy ab, doch Archweyll bemerkte sofort, dass sie das heimlich zu ärgern schien. 
Der einsetzende Warpsprung war so samtweich, dass er ihn kaum noch spürte. Diese fließende Bewegung in einen Ort, jenseits von Raum und Zeit, konnte eine beeindruckende Erfahrung sein. Vor der Glaskuppel schien das Schwarz des Alls in seine einzelnen Komponenten zu zerfließen. Farben verschmolzen zu einer Kaskade der Leidenschaft, bildeten im Sekundentakt explodierende Prismen, bis sie schließlich undefinierbare Formen annahmen, die das bloße Auge kaum noch zu erkennen vermochte.
Archweyll erkannte, wie Daisy dieses Spektakel mit offenem Mund bestaunte. »Ein wahres Wunderwerk, nicht wahr?«, fragte er sanft und stellte sich neben sie, um aus dem Fenster zu schauen. Die Blicke seiner Navigatoren ignorierte er gekonnt.
»Es ist wunderschön«, hauchte die junge Frau mit großen Augen. 
»Noch 57 Minuten bis zur Ankunft«, knisterte es durch das Mikrofon. 
Der Kommandant verdrehte die Augen. Clynnt war einfach kein Romantiker. Er aktivierte die Sprachausgabe seines Kampfanzuges und linkte sich in die Mikrofonanlage ein. 
»Lagebesprechung. Tamara, Clynnt, ich möchte euch in zwei Sekunden bei mir haben…«, er zählte kurz laut runter. »Ihr seid zu spät. Beeilt euch gefälligst!«
Einen Moment später lugte Clynnts Kopf aus der Navigatorenkabine heraus. »Ist es wichtig? Das Radar zeigt mir so viele uninteressante Sachen, dass ich es vorziehen würde, weiter daraufzustarren. Man weiß ja nie.« Er lächelte verschmitzt, kam dann aber zu Archweyll herübergelaufen.
Eine Minute später öffnete sich ein Aufzug und Tamara trat auf die Kommandobrücke. Mit einem steifen Nicken begrüßte sie die anderen, bis ihr Blick schließlich auf Daisy traf. »Die Neue?«, fragte sie Archweyll ausdruckslos. 
»Ich kann durchaus für mich selbst sprechen!«, zischte die Chefmechanikerin. Für eine Sekunde schien die Luft zu knistern, als ihre Blicke sich trafen. 
Clynnt warf Archweyll einen flehenden Blick zu. »Mein Radar…«, flüsterte er und deutete mit einer Geste an, dass er plötzlich unglaublich wichtige Dinge in seiner Navigatorenkabine zu erledigen hatte. 
»Meine Damen, ich habe euch nicht hergerufen, um Liebesbekundungen auszutauschen«, grummelte Archweyll. Derlei sinnlose Feindseligkeiten empfand er als ermüdend. Aber er wusste, was an Tamara nagte. Und es war nicht die Tatsache, dass sie die neue, hübsche Kollegin als so etwas wie eine Konkurrentin wahrnahm, denn das lag unter ihrer Würde. 
Es war vielmehr der Umstand, dass sie es damals nicht geschafft hatte Howard Bering aufzuhalten und sie daher jedem Neuankömmling mit äußerster Skepsis gegenübertrat. 
Ein Instinkt, von dem Archweyll hoffte ihn niemals teilen zu müssen. »Wenn ich nun also eure ungeteilte Aufmerksamkeit habe, würde ich gerne die Missionsdetails erläutern«, fuhr er fort, schritt demonstrativ zwischen den Frauen entlang und unterband damit jeglichen Blickkontakt der beiden. Abermals aktivierte er den Hologrammgenerator und eine blaue Kugel wurde sichtbar. »Planet Nautilon, aus dem Neon-System. Seine Oberfläche besteht zu hundert Prozent aus Wasser. Aber lasst euch dadurch nicht beunruhigen, ich habe für alle Schwimmflügel eingepackt.« Sein Blick wanderte mit der Eindringlichkeit einer Nadel durch die Reihen, doch er bekam nur dezentes Kopfschütteln als Antwort. »Um bei der Sache zu bleiben, vor zehn Jahren hat die Föderation diesen Planeten für sich beansprucht und eine Forschungseinrichtung errichtet, die mittlerweile ein Fabrikant von gängigen Stimulanzmitteln für das Militär geworden ist.« 
Er merkte, wie Tamara dem Chefnavigatoren etwas ins Ohr flüsterte und dieser ihr grinsend zunickte.
Archweyll konnte nur spekulieren, worum es ging. »Doch vor ein paar Wochen haben sie dort unten etwas gefunden und es wird unsere Aufgabe sein, es zu bergen. Dafür hat uns der interstellare Rat einen Zyklopen samt Mannschaft zur Verfügung gestellt.«
Die Aussicht, bald den Himmel zu verlassen, um in der erdrückenden Tiefe eines gigantischen Ozeans nach etwas zu suchen, schien den anderen ebenso wenig zu gefallen wie Archweyll. 
»Wissen wir, um welches Objekt es sich handelt?«, fragte die Chefmechanikerin kritisch. 
»Das wird uns der Leiter der Forschungsabteilung mitteilen, es ist bisher streng vertraulich«, erwiderte der Kommandant achselzuckend. 
»Initiiere Schubfrequenz, wir verlassen den Warp«, knisterte es plötzlich aus der Sprechanlage. Sanft wie eine Feder glitt die Atharymn zurück in Raum und Zeit. Die Farben vermengten sich wieder zu einem einheitlichen Schwarz. Vor ihnen lag eine blaue Kugel, von grauen Schlieren durchzogen, die wirkten wie Geisterfäden. 
Auf den ersten Blick sah der Planet ihrer Heimat Prospecteus gar nicht mal unähnlich. Nur bei genauem Hinsehen wurde einem klar, dass die Kontinente fehlten. 
»Kreuzer auf Standby halten und über dem Planeten kreuzen«, befahl Archweyll durch das Mikrofon. »Der Einsatztrupp folgt mir in den Hangar. Wir nehmen den schnellsten Weg.«
Hektische Schritte und das Läuten von Sirenen begleiteten Archweyll, während er, flankiert von seinem neuen Team, durch den geräumigen Hangar schritt. 
Einige Arrows hatten sich bereits Abflugbereit gemacht, die pfeilschnellen Jäger würden als Eskortschiffe dienen. Vor ihnen ragte die Manticor auf, das größte Transportschiff, dass die Atharymn beheimatete. Es war ein wenig anmutiges, aber praktisches Schiff, mit drei Reihen übereinander gekreuzter Flügel und riesigen Propellerantrieben, die eine punktgenaue Landung in der Atmosphäre ermöglichten. Zischend kam ihnen die Rampe entgegen und gewährte der Truppe Einlass. 
Archweyll stieg eine steile Leiter zur Kommandobrücke hinauf, quittierte die engen Raumverhältnisse mit einem unflätigen Fluch und befahl den Startvorgang. 
Die Manticor startete und ein ohrenbetäubendes Brüllen entwich ihren Antrieben. 
»Klingt fast so wie bei mir zuhause«, knurrte der Kommandant bissig, während er sich anschnallte. »Atmosphäreeintritt in Siebzig Sekunden. Alles anschnallen«, frohlockte er. 
Tamara nahm neben ihm Platz. Ihr Blick verriet ihre Befürchtungen. »Dort unten sind wir nicht in unserem Element. Wer wird das U-Boot steuern?«, fragte sie besorgt.
»Ich mache das«, verkündete Daisy mit einem undefinierbaren Ton in der Stimme. »Schließlich habe ich es gebaut.« 
Das war es also gewesen. Archweyll schloss die Augen und entschied sich dafür, für ein paar Sekunden in das Land der Feen und Kobolde abzutauchen, um Tamaras Blick zu entgehen. 
Als er die Augen öffnete, war dieser aber immer noch auf ihn gerichtet, wie eine geladene Waffe die jederzeit feuern konnte. Und würde. 
Clynnt seufzte. »Das wird ein Spaß«, kommentierte er die Szenerie, dann brachen sie unsanft durch die Atmosphäre. 
Dichte Regenwolken schlossen sich um sie und prasselten unnachgiebig auf die Frontscheiben. Unter ihnen tobte das Meer, in einem beständigen auf und ab. 
Gischt spritzte in die Höhe, während die Wellen einen Krieg ausfochten. 
»Eine Stunde noch bis zum Ziel«, plötzlich bemerkte Archweyll trotz der Umstände so etwas wie Vorfreude in sich aufkeimen. Denn noch hatte er keine Ahnung, was ihn erwarten sollte…

 

 

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Leseprobe aus meinem ersten Roman: Söhne der Krähe – Die schwarze Krankheit (Fantasy)

Von Tobias Ziemann

Hey, ich hoffe ich kann euch ein bisschen für mein Buch begeistern. 
Wenn ja, lasst mir doch eine Nachricht da. 🙂

Kapitel 1: Dunkle Visionen

»Wir haben schon wieder drei verloren.« Das Entsetzen in Amnaeons Stimme war kaum zu überhören. Vor drei Wochen war die Seuche ausgebrochen, seitdem hatten sich die Todesfälle drastisch vermehrt. »Die Frau vom Fischer hat es nicht überstanden.« Er bedeckte das furchtbar entstellte Gesicht der alten Frau mit einem schmutzigen Laken und kniete sich neben sie, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Die beiden anderen Leichname waren bereits in Leinensäcke verstaut worden und lagen auf einem Karren.
Die letzten Strahlen des Tages glitzerten in seiner goldenen Maske, die der Hohepriester des Klosters von Karkarstyre schon trug, seit Corvin ihn kannte. Er hatte dem jungen Schüler nie sein wahres Gesicht enthüllt. Die Maske war kreisrund und formte die Strahlen einer aufgehenden Sonne, die sich einmal um das angedeutete Gesicht zogen. Auf der Stirn war eine elfische Rune eingraviert. Malhaeyli, die Sonne einer längst vergangenen Zeit. Lediglich das aschgraue Haar, das in einem imposanten Zopf über seinen Rücken fiel, ließ darauf schließen, dass sich ein Mensch unter der Maske verbarg. Amnaeon hatte eine elegante rote Robe angelegt, die mit Goldfaden bestickt war, und die verwobenen, glitzernden Linien schienen immer wieder miteinander zu verschmelzen, auch wenn sie doch getrennt waren. Außerdem trug er rote Samthandschuhe, sodass kein Stück seiner Haut unbekleidet war.
Corvin runzelte die Stirn. Er betrachtete die leblose Leiche, die vor ihm lag, und fuhr sich dabei durch sein mittellanges, schwarzes Haar. 
»Mit deiner Erlaubnis würde ich gerne noch einmal ihren Körper betrachten. Ich untersuche die Krankheit jetzt schon eine ganze Weile und möchte sämtliche Symptome in einer Zeichnung festhalten«, sagte der junge Priesterschüler zu seinem Lehrmeister. 
»Nur zu, aber beeile dich«, erwiderte Amnaeon mit einem düsteren Ton in der Stimme. »Die Krankheit entfesselt ihre wütende Seele und schickt sie gen Himmel. Sei wachsam, dass sie nicht in dich hineinfährt und dich zu einem Dämon macht.«
Corvin antwortete nicht und schob das Leichentuch sachte beiseite. Die Augen der Toten waren weit aufgerissen und sie hatte sich sicher ein Dutzend Büschel Haare herausgerissen. Dort, wo einmal Zähne gewesen sein mussten, befanden sich Lücken oder faulige Überreste. Ihre Gesichtszüge erinnerten eher an eine groteske Grimasse und sie war über und über mit blutig aufgekratzten Pusteln bedeckt. Die Augen des Priesteranwärters ließen keine Stelle der Frau aus und er bemühte sich, möglichst schnell eine Skizze anzufertigen, um die Verstorbene nicht allzu lange ihrer Ruhe zu berauben. Sie so zu betrachten kam ihm im ersten Moment unglaublich merkwürdig vor, doch dann rief er sich in Erinnerung, dass er hier eine wichtige Aufgabe zu erledigen hatte. Dafür zog er eine Rolle Pergament hervor und begann diese mit Feder und Tinte zu bearbeiten. Plötzlich fiel ihm auf, dass die alte Frau etwas in der Hand festkrallte. Er hatte Mühe, ihre geballte Faust zu öffnen, da sie schon in die Leichenstarre verfallen war. Als er den Gegenstand endlich entwenden konnte, bemerkte Corvin einen fauligen Gestank, der von der Alten ausging. Erschrocken riss er den Inhalt ihrer Handfläche an sich und taumelte ein paar Schritte rückwärts. Sein Blick wandte sich von der Toten ab, zu dem Objekt, das er in der Hand hielt.
Es war ein aus Holz geschnitztes Amulett des Araz’Nol, dem Gott des Jüngsten Gerichts. Die Frau schien den Tod gespürt zu haben und hatte in ihrer Verzweiflung um Gnade und Einzug in den Himmel gebetet. Er legte das Amulett zurück in ihre Hand und sie verschlossen den Leichensack. Zwei stämmige Männer legten die Leiche zu den anderen und das eingespannte Maultier setzte sich in Bewegung. Bald war der Karren verschwunden.
»Lass uns aufbrechen. Hier können wir nichts mehr tun«, sagte Amnaeon sanft und legte dem jungen Priester eine Hand auf die Schulter.
Das Dorf Windbruch lag nur einen kurzen Marsch entfernt von seiner Heimat, dem Kloster von Karkarstyre. Dies war die Umgebung, in der Corvin seine Kindheit verbracht hatte, nachdem er vor achtzehn Jahren als Findelkind an die Pforte des Klosters gelegt worden war. Hier gab es überall kleinere oder größere Wälder, Felsen und Höhlen und der seichte Plätschernde Wanderer wand sich wie eine fließende Schlange durch die Landschaft. Ringsumher erstreckten sich die Felder des Klosters oder jene der Bauern aus dem Dorf. Eine fruchtbare Landschaft, von der sie alle gut leben konnten. Corvin hatte keinerlei Ahnung, wer seine Eltern gewesen waren, dennoch spürte er deswegen keinen Zorn in sich. Er hatte in Amnaeon einen Vater und Lehrmeister gefunden, wie er ihn sich nicht besser hätte erhoffen können.
»Was meinst du, wie sich die Seuche entwickeln wird?«, riss ihn dieser aus seinen Gedanken. »Ich befürchte, sie wird sich ausbreiten, auf die nördlichen Gebiete bis nach Arkarnoss.«
»Gut möglich«, antwortete Corvin. »Ich hoffe wir finden bald ein Gegenmittel, denn das Dorf betrauert wahrlich schon genug Tote. Und es werden bald weitere folgen, da bin ich mir fast sicher. Spätestens, wenn sie die Hauptstadt erreicht.«
»Es stimmt mich traurig, aber wir sind so gut wie machtlos, angesichts dieser Bedrohung. Uns bleibt nur abzuwarten und weiter nach der Ursache zu suchen.« Amnaeon seufzte unter seiner Maske. »Sobald wir zurück im Kloster sind, möchte ich, dass du deinen Lehrgang absolvierst. Du warst nun schon lange genug mit mir hier draußen.«
Sie schritten eine Weile schweigend den matschigen Feldweg entlang.
»Irgendwie verhalten sich die Dorfbewohner merkwürdig«, murmelte Corvin nachdenklich. »Sie distanzieren sich immer mehr von uns und denken, ich würde ihre Blicke nicht bemerken. Seit die Krankheit ausgebrochen ist wirken sie angespannt.«
»Sie mussten schon einmal gegen eine Krankheit kämpfen, die dieser hier verdächtig ähnlich war«, erwiderte der Hohepriester und sein Tonfall nahm etwas Dunkles an. »Das nannte man die schwarze Zeit«, raunte er bedächtig. »Es werden möglicherweise viele Menschen sterben und wir schweben vielleicht in größerer Gefahr, als uns lieb ist.«
Bevor Corvin weiter darauf eingehen konnte, beschleunigte der Hohepriester seinen Schritt und hatte ihn bald abgehängt.
Vor ihnen zeichnete sich das Kloster ab.
Die Pforten aus schwerem Eichenholz öffneten sich quietschend, als sie sich dem Gebäude näherten. Schon von weitem konnte man den Kirchturm erkennen, dessen Glocke schon jahrelang nicht mehr geläutet hatte. Zu schwarz waren die Tage geworden, zu dunkel die Gedanken. Die roten Ziegel, die sein Dach bedeckten, waren alt und die Farbe schien aus ihnen zu weichen. Doch war das Kloster ein Auffangort für diejenigen, die noch wagten zu hoffen oder sich der Lehre der Magie unterziehen wollten. Allerdings schien Corvin, zumindest seit er sich erinnern konnte, der einzige Student der magischen Künste zu sein. Die anderen Jugendlichen in seinem Alter waren einfache Waisen oder hier geboren. Das Kloster bot Platz für jeden Hilfsbedürftigen und mittlerweile hatte sich daraus eine nette Gemeinde entwickelt.
Bruder Efaso begrüßte sie am Eingang, der runde Bauch und sein gutmütiger Gesichtsausdruck vermittelten seit jeher ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit. Obwohl Amnaeon das Oberhaupt des Klosters darstellte, so war er es doch, der stets ein offenes Ohr für die Mitglieder der Gemeinde hatte  und dem man sich am besten anvertrauen konnte. Eine braune Kutte bedeckte seinen mächtigen Bauch und ein grünes Amulett verzierte seinen Hals. Seine Glatze wurde durch eine schlichte Lederkappe bedeckt und er begrüßte die beiden mit einem warmen Lächeln, zwischen seinen fleischigen Wangen. »Wie ist die Visite verlaufen, meine Herren?«, fragte er mit einer unbeholfenen Verbeugung.
»Es gab drei weitere Todesfälle und wir konnten nichts tun, außer ihre Beerdigung zu veranlassen«, entgegnete Amnaeon frustriert und stürmte regelrecht an dem dicken Mönch vorbei, eilte in das Innere des Klosters und verschwand.
Corvin strich sich nachdenklich durch das Haar. »Nimm es ihm nicht übel«, stotterte er hastig. »Das Ganze nimmt ihn einfach zu sehr mit.«
»Ich weiß«, entgegnete Efaso wehmütig. »Er ist ein guter Mann mit einem großen Herzen. An ihm können sich so manche ein Beispiel nehmen.« Der Mönch setzte ein mildes Lächeln auf.
»Wenn du mich nun entschuldigst, Bruder, ich muss noch meinen Lehrgang absolvieren und benötige dafür Zeit. Ich ziehe mich zurück«, sagte der junge Priester und setzte sich wieder in Bewegung.
Eine weitere Pforte, mit einem eingesetzten kleinen Türchen, um still in den Altarraum zu gelangen, trennte ihn von der großen Haupthalle. Links und rechts von ihm befanden sich Treppen, die in die Dormitorien führten, welche strikt nach Geschlechtern unterteil waren. Es gab einen Jungen- und einen Mädchentrakt. Dies waren zwei Flügelbauten, die seitlich parallel zu der Haupthalle gebaut worden waren. Im Notfall konnten also alle Klosterbewohner gemeinsam ihre Heimat und das Allerheiligste gleichermaßen verteidigen.
Die große Halle stellte gleichzeitig auch den Altarraum dar und somit den Ort für ihre morgendlichen Andachten. Zwei Reihen aus schlichten Bänken, gefertigt aus schwarzem Holz, bildeten einen Gang nach vorne, wo sich eine schnörkellose, erhöhte Kanzel befand. Von hier sprach Amnaeon zu ihnen, wenn er die Andacht hielt und die täglichen Aufgaben wurden von Bruder Efaso vorgetragen . Der Altar zu ihren Füßen war aus Stein gemeißelt und besaß goldene Verzierungen, die sich in elegant geschwungenen Linien darüber zogen. Eine Kerze flackerte darauf, so groß und dick, dass sie vermutlich schon brannte, seit Corvin hier lebte. Hinter dem Altar, in einigem Abstand und dicht an die Mauer gedrängt, führte eine Wendeltreppe nach oben. Hier ging es zu den Gemächern des Hohepriesters. Corvin erinnerte sich an die heutige Predigt, als Amnaeon diese Treppe hinabgestiegen war und ihm schon jeder gespannt gelauscht hatte, bevor er überhaupt zum Altar getreten war. Dieser Mann hatte eine bewundernswerte Ausstrahlung. In einiger Höhe befand sich zu beiden Seiten eine Empore, von denen aus man der Andacht folgen konnte, außerdem führten sie ebenfalls zu den Schlafzellen. Doch heute hatte er anderes zu erledigen, als im großen Altarraum zu beten. Corvin entschied sich für den Weg nach links, in den ersten Stock, wo die Bibliothek lag, ebenso wie die Zellen der männlichen Klosterbewohner. Er steuerte zielstrebig darauf zu, als er jäh gestoppt wurde. 
Auf der Bank eines Fensters saß ein Mädchen, mit einer langen braunen Mähne und großen grünen Augen, genauso grün, wie es seine eigenen waren. Sie schien in Tagträume vertieft zu sein und aus ihren wohlgeformten Lippen zwitscherte eine Melodie. Ein Diadem zierte ihren Kopf, welches mit kleinen grünen Steinen besetzt war und sie hatte eine Tasche aus Leder umgebunden, in der sich ein eleganter Langbogen befand.
Corvin schmunzelte. »Faulenzt du mal wieder, Jaina? Das kannst du doch hervorragend.«
»Die Pausen sind das Beste und hier wird nie jemand nach mir suchen. Du weißt doch, ich schätze es, meine Ruhe zu haben«, entgegnete das Mädchen mit einem frechen Grinsen. Die beiden fielen sich in die Arme.
»Wie ist es dir da draußen ergangen?«, wollte sie wissen.
»Es sterben immer mehr«, entgegnete der junge Zauberer niedergeschlagen und legte die Handflächen übereinander, um seinen Gott um Beistand zu ersuchen.
»Lass den Unsinn. Du weißt ich glaube an keinen Gott«, sagte sie angewidert und schlug seine Hände ausladend zur Seite.
»Möge er dich auf den rechten Pfad leiten«, erwiderte Corvin, legte beide Fäuste an seine Brust, als Zeichen für religiöse Erhabenheit, und schritt weiter in Richtung der Bibliothek. Er bekam einen spöttischen Blick mit auf den Weg, was ihn jedoch nicht kümmerte. Er stand stets begeistert für seinen Glauben ein und hatte es noch nie bereut.
»Ich sehe dich dann beim Essen«, sagte das Mädchen und ging in entgegengesetzter Richtung davon. Er winkte ihr noch im Gehen hinterher, doch Jaina war schon verschwunden.
Der Korridor, in dem er sich jetzt befand, war im ersten Obergeschoss. Hier lagen die Zellen der älteren Schüler sowie der Ordensmönche. Der junge Priester stellte es sich wunderbar vor, bald zu ihnen zu gehören. Außerdem waren hier die Bibliothek und ein Bad, in dem zwei große, mit Wasser gefüllte Holzwannen standen.
Zum Glück regnete es regelmäßig in diesen Gefilden, denn das Wasser wurde niemals gänzlich ausgetauscht, sondern verlief von einem Rohr auf dem Dach direkt in die Kübel. Das war eine der vielen Ideen des Bruders Teskyr gewesen, einem schlauen Fuchs, der mit so mancher Idee das Leben aller angenehmer werden ließ. Leider war er letzten Winter verstorben und auf dem klostereigenen Friedhof beerdigt worden. Die Bibliothek war ein riesiges Labyrinth zusammengestellter  Buchregale, die sich bis zur Decke erstreckten. Tausende Bücher und Schriftrollen waren hier im dämmerigen Zwielicht der wenigen Fenster eingelagert.
Ob Meister Amnaeon wohl alle Bücher  kennt?, fragte sich Corvin, verwarf den Gedanken jedoch und konzentrierte sich auf seine Aufgabe.
Er sollte eine Abhandlung über eine Schrift des ersten Hohepriesters Merrymnion verfassen und dabei besondere Rücksicht auf die Konstruktion der Beziehungen der alten Götter nehmen. Er deckte sich mit Folianten ein, begab sich an einen freien Tisch und verlor sich zwischen den Zeilen. Corvin atmete den Geruch des alten Papiers und seiner Tinte ein und fing an, auf eine Rolle Pergament zu schreiben.
In der Bibliothek verbrachte er sehr viel Zeit seines Lebens und er tat es gerne. Das Wissen von unzähligen Generationen, vermittelt an einem Ort, zugänglich für jeden, das war einfach eine wunderbare Vorstellung. Wenn er einst ein vollwertiger Priester sein wollte, so wie er es sich immer vorstellte, so musste er noch viel Wissen aus diesen uralten Büchern aufsaugen. Es wurde langsam dunkel und er zündete sich eine Kerze an. Oft arbeitete Corvin bis tief in die Nacht. Manchmal kämpfte er dabei mit dem Schlaf, so wie auch heute. Der Tag war lang und anstrengend gewesen und sein Körper forderte eine Ruhepause für sich ein, die ihm der junge Zauberschüler jetzt aber noch nicht gewähren wollte. Also fokussierte er sich angestrengt auf die gekritzelten Buchstaben. Die Schrift des Merrymnion verdeutlichte die Beziehungen der Götter zueinander und ihren Zweck. Der große Erhabene war der Schöpfer der Götter und des Lebens, er stand an oberster Stelle und wurde von allen verehrt. Er hatte die Kaheleth erschaffen, die niederen Götter, die unter seinem Befehl einzelne Aufgaben zugetragen bekommen hatten. Mestopheles, sein erstes Kind, war der Weber der lebenden Seelen und befand sich im inneren Ich, dem Charakter des Menschen. Er war immer zugegen, da war sich Corvin ganz sicher. Dann gab es die vier Elementargötter, deren Macht die Erde formte, ganz nach dem Willen des Erhabenen. Eine weitere wichtige Gottheit war Andrysthe, die Gebieterin des Endes, da Leben und Tod ein empfindliches Gleichgewicht darstellten. Sie hatte mit Araz’Nol eine Tochter gezeugt, die jähzornige Morrigan, die sich schon früh von ihr abwandte und sich den dunklen Pfaden widmete. Sie verhieß Elend und Tod. Corvin musste intensiv gähnen und seine Augen wurden langsam schwer. Er versuchte sich angestrengt auf den Text einzulassen. Der Übermittlung nach trat die Morrigan in drei verschiedenen Formen auf.
Die erste davon war Macha, eine Krähe, die sich an den Gefallenen der Schlacht labte. Dann gab es Badb, eine Riesin, welche die Kleidung derer an einem Bach wusch, die am heutigen Tage fallen würden, und für Unglück stand. Ihr letzter Aspekt war die Nemain, die Mutter der Trauer und des Wehklagens über den Tod. Drei Schwestern, die zusammen ein großes Ganzes ergaben.
Es gibt so viele verschiedene Götter, die für die Menschen das Unheil verheißen, dachte der junge Priester wehmütig. Die Leute vergaßen einfach an den positiven Seiten des Lebens festzuhalten. Schließlich übermannte ihn der Schlaf. Er hatte bis tief in die Nacht gelesen und konnte sich dem Verlangen nach Ruhe nicht mehr entziehen. Corvins Kopf sank auf das Pult und er schlief über seinen Büchern ein.


Er taumelte vorwärts, seine Füße schienen an Blei gekettet zu sein. Jede Bewegung erschien ihm schwerfällig und träge. Corvin merkte sofort, dass etwas nicht stimmte. Diese bestimmte Gewissheit, gleich mit etwas konfrontiert zu werden, das ihm Angst bereiten würde, schnürte ihm die Kehle zu. Er befand sich auf einem Hügel. Ein schwarzer Himmel, der mit tausenden furchteinflößenden Augen auf ihn herabstarrte, schien ihn zu verspotten, weil er so klein und nichtig war. Um den Priester herum erstreckte sich eine weite, hügelige Graslandschaft, die bis zum Horizont reichte. Dunkle Vögel am Horizont, sie kamen ihn holen!
Ein riesiger Schwarm aus Krähen näherte sich mit kreischendem Flattern seiner Position, ihre Präsenz war durch und durch böse. Plötzlich ertönte das wohlbekannte Donnern von Hufen, die auf die Erde niederfuhren, dunkel und mächtig. Ihr regelmäßiger Schlag drang wie ein Blitz in Corvins Schädel ein und zwang ihn auf die Knie.
Der junge Priester schrie und hielt sich den Kopf, welcher zu explodieren drohte. Dunkle Vögel am Horizont, sie kamen ihn holen!

Corvin öffnete die Augen. Vor ihm baute sich ein Reiter auf, der ein Ross aus Schatten ritt. Er hatte einen schwarzen Mantel umgelegt und sein Gesicht wurde durch eine Kapuze verborgen. Ein Schwert ruhte in seiner Hand, das mit tausend Stimmen kreischte, noch lauter als die Vögel am Himmel. Corvins Kopf schien zu platzen und vor Schmerz schrie er abermals auf. Er blickte gegen seinen Willen direkt in das Gesicht des Reiters, irgendetwas zwang ihn dazu. Der junge Priester erkannte nichts außer einer alles verschlingenden Dunkelheit darin, die an ihm sog, um ihn zu vertilgen. Der Reiter richtete seine Klinge an Corvins Hals und seine toten Lippen flüstern das wohlbekannte Wort. »Bruder!«
Corvin schrie: 
»Nein! Geh fort! Weg von mir!« Es fühlte sich so an, als würde ein Zeitalter vergehen, während er sprach, so langsam formten seine Lippen die Worte, so schwach war er. So schwach. Die Vögel hatten ihn fast erreicht. Sie kamen ihn holen! 
Abermals rief der Reiter: »Bruder!« Die Krähen erreichten ihn, der Reiter verschwand und alles wurde erstickt von schwarzem Gefieder und messerscharfen Schnäbeln. Schmerzerfüllt sank Corvin zu Boden. Er versuchte sich zu schützen, doch er kam nicht dagegen an. Die Schnitte in seinem Körper ließen ihn noch an Ort und Stelle sterben. Während seine Seele in den dunklen Himmel aufstieg, um endlose Qualen im Fegefeuer der höllischen Schmieden von Heraxes zu erwarten, sah er auf seine eigene Leiche herab und ein letztes Mal vernahm er den Ruf des Reiters. »Bruder!«


Corvin wurde jäh aus dem Schlaf gerissen, um ihn versammelt stand ein Dutzend Leute, die ihm bekannt vorkamen. Ein grauer Nebel erfüllte seinen Kopf, schien sein Sichtfeld undurchsichtig zu machen. Er blickte in das besorgte Gesicht von Bruder Efaso und in die nichts verratende Maske des Hohepriesters. 
»Du hast geschrien im Schlaf«, stellte dieser mit ernstem Ton fest und musterte den Jungen. Corvin erkannte ihn nur verschwommen, denn er war noch benommen von seinem Albtraum. Seine Schulter brannte höllisch, wie jedes Mal, wenn er dem dunklen Reiter begegnete. Der junge Priester versuchte sich zu orientieren, was ihm im ersten Moment leider absolut nicht gelang. Schwindel kam in ihm auf und er verspürte Brechreiz. Er versuchte vergeblich, sich nichts anmerken zu lassen, der Schmerz übermannte ihn und er wurde bewusstlos. 
Corvin erwachte in einem weichen Bett und grub seinen Kopf tief in ein Kissen. Ein leichtes Pochen, eine Art Vibrieren, das von seiner Schulter ausging, ließ ihn spüren, dass die Wirkung des Traums noch nicht ganz nachgelassen hatte. Er krempelte seine Kutte hoch und musterte seine Schulter. Die drei ineinander verschlungenen Krähen schienen ihn zu verspotten. Er trug dieses Siegel seitdem er an einem stürmischen Herbsttag vor der Klosterpforte gefunden wurde. So zumindest hatte es ihm Amnaeon erzählt. Die Krähen spreizten ihre Flügel und waren in einem Kreis angeordnet. Es sah so aus, als würden sie der jeweils nächsten Krähe in die Schwanzfedern beißen und in der Mitte befand sich eine Rune die nicht einmal Meister Amnaeon kannte. Jedes Mal, wenn er träumte, brannte sie wie das Fegefeuer. Corvin blickte durch den Raum. Es war einer der Krankensäle, mit vier Betten, die parallel zueinander angeordnet wurden. Ein robuster Nachttisch, auf dem eine rote Kerze brannte, und ein Hocker standen neben seinem Bett. Scheinbar musste jemand hier gewesen sein. Corvin blickte aus dem großen Fenster am Ende des Raumes. Es war schon wieder Abend, er musste also lange bewusstlos gewesen sein. Das Fenster stand offen und ein kühler Luftzug wehte durch den Raum. Der Sommer würde bald vorbei sein.
Es klopfte und ohne auf eine Antwort zu warten, trat der Hohepriester ein. »Du kannst von Glück reden, solche Freunde wie Jaina zu haben«, sagte er bestimmt. »Sie ist nicht einen Moment von deiner Seite gewichen und es brauchte zwei Mann, um sie hier herauszutragen.«
Corvin schmunzelte. »Ja, die gute Jaina. Eigenwillig und stur bis zuletzt.«
»War es wieder der Traum?« wollte Amnaeon wissen.
»Ja, und er wird immer intensiver«, antwortete Corvin mit trockenem Mund. Der Gedanke an seinen Albtraum schnürte ihm die Kehle zu.
»Zeig mir deine Schulter«, verlangte der Hohepriester und begann damit, die Kutte hochzustreifen. Die bernsteinfarbenen Augen unter der Maske schienen das Mal förmlich zu verschlingen.
»Mysteriös«, hauchte er. »Das ist eine elfische Rune, aber aus einer Zeit, weit vor der unseren. Außerdem hat sie einen seltsame Schreibweise, ich habe sie in keinem unserer Bücher wiedererkannt. Ich kenne da jemanden, der die alte Sprache der altvorderen Elfenkönige weitaus besser beherrscht als meine Wenigkeit. Er ist der Anführer der hier stationierten Hand von Alzykrazh und sein Name ist Elendrahyl. Ein Sohn der Blutelfen, aus dem fernen Reich der Hochwohlgeborenen. Doch die Hand ist eine Organisation von Verstoßenen und sie verstecken sich an unauffindbaren Orten.«
»Die Elfen verlassen für gewöhnlich ihren Wald nicht. Was ist mit ihm geschehen?«, wollte Corvin wissen.
»Er wurde verbannt«, murmelte Amnaeon finster. »Er hat einen Menschen geliebt, was nach Elfengesetz strikt verboten ist. Lass dich nicht von ihnen täuschen, Corvin, sie sind Wesen ohne Güte und sie kennen kein Mitleid mit einem der Unseren. Doch ich glaube er ist anders.«
Plötzlich wurde die Tür abermals aufgerissen und Bruder Efaso schritt, sichtlich außer Atem und mit rot angelaufenem Gesicht, herein.
»Hohepriester«, japste er und schnappte nach Luft. »Ein Fremder ist aufgetaucht und verlangt dich zu sprechen. Er sagt, er bringt schlechte Nachrichten.«
Amnaeon erhob sich. Bevor er das Zimmer verließ, drehte er sich noch einmal um. »Du wirst noch früh genug eine Antwort finden, aber jetzt schlafe erst noch ein wenig, mein Junge.« Mit diesen Worten brachte er die Kerze mit einem Fingerschnippen zum Erlöschen und verließ, dicht gefolgt von Bruder Efaso, das Zimmer.
Unruhig wälzte sich der junge Priester hin und her. Nachrichten, die Amnaeon nicht gefallen werden? Ein Fremder mit schlechter Kunde? Das klang beunruhigend. Er murmelte Nachtgebet um Nachtgebet, bis er endlich in einen unruhigen Schlaf fiel.

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