Zur Werkzeugleiste springen

Autorinnen und Autoren im Netz

Kategorie: Gedichte

Wollte nur sitzen

Saß auf der Couch. Tag für Tag.
Auf einmal – autsch- am Boden lag.

Ich dachte: Mist? Wo ist sie hin?
Couch vermisst!!! Anzeige drin.

Doch keiner kam. Die Couch war weg.
Ich setzte mich auf nassen Dreck.

Dann auf den Stein. Stund um Stund.
Lahm wurd das Bein. Der Hintern wund.

Ich zog umher. Fand einen Stuhl.
Das war schon mehr. Das war ganz cool.

Doch ging der Stuhl mir schnell kaputt.
Zurück im Suhl. Der Stuhl zum Schutt.

Saß auf der Parkbank. Nacht für Nacht.
Die Lunge krank. Der Nacken, ach.

Da kam ein Sturm. Ich musste fort.
Verließ die Bank. Verließ den Ort.

Verließ das Land. Ging an den Strand.
Seit diesem Tag sitz’ ich im Sand

by Lina Dinc

Wildblumen

Gepflückt am Rand gepflegter Rasen.

Zurück bleibt nur der nackte Rumpf.

Köpfe kommen in die Vasen.

Trüber Tassen auserwählter Trumpf.

 

Langwierig durch kultivierte Schnitte

sind euren letzten Stunden auf dem Tisch.

Sterbende Ästheten in der Mitte.

Das Ende wilder Tage nähert sich.

by Lina Dinc

Hätte werden können

Es stand geschrieben am Firmament,

dass dein Gesicht das meine fänd‘

und unsere Lippen sich berühren würden

in einem zeitlosen Moment.

 

Drum schaute ich zum Himmel auf.

Las Wolken und die Sterne auch.

Doch sah ich nicht

auf meinen Weg auf Erden.

 

Der Weg auf dem das Hätte

zum Werden

hätte werden können.

 

by Lina Dinc

Nordliebe

Untergang kleidet den Horizont.
Quellwolken bluten wie Venen
auf Dünenwiesen in grün und blond.
Nordwind bewegt die Szenen.

Möwenlärm könnte nicht schöner sein.
Fischzähne schmücken die Brandung,
die Meer aus Wasser auf Meer aus Stein.
Körner reiben Verwandlung.

Farbschatten ziehen Laternen lang.
Sandfluten riechen nach Regen.
Die Leuchtturmbänke nach Algentang.
Wellen modern an Stegen.

Fahrräder knacksen den Muschelweg.
Flugdrachen fallen zu Boden.
Das Salz frisst genüsslich den Kuschelsteg.
Keiner hat sich belogen.

by Lina Dinc

Die Macht des Lesenden


Schicksalhaft gleitet der Blick
Suchend, Wägend, Findend
Und die Hand greift den einen Erwählten
Aus tausenden schlafender Träume


Allein die Kraft der Berührung
Dringt wie ein Impuls durch die Stille
Bringt schweigende Herzen zum Schlagen
Schafft einem Gott gleich Leben


Worte und Sätze schwellen an
Zum Zauber ungeahnter Macht
Der Helden, Wesen, Welten gebärt
Wo vorher nichts als Leere war


Ein stummer Schrei verendet
Zwischen leise raschelnden Seiten


Durch eine einzige plötzliche Laune
Jeder Lebenskraft beraubt
Zerfallen Helden, Wesen, Welten
Eben geboren zu Staub
Der sich unbemerkt verliert
Flackern einmal kurz noch auf
Und haben niemals existiert

by Rebekka Steltzer

Bruder

Zwei Welpen im Wolfsbau
Spuren unter der Haut
Einsam zu zweit
Die Welt hart und laut
Bruder

Geschrien und getreten
Erpresst und gepetzt
Um die Liebe gekämpft
Und die Regeln verletzt
Bruder

Gelaufen, geflüchtet
Es hat nichts genützt
Doch wenn es drauf ankam
Hast du mich beschützt
Bruder

Gemeinsam gefürchtet
Gemeinsam versteckt
Und wenn es drauf ankam
Hab ich dich gedeckt
Bruder

Manches wird vergessen
Wochen, Jahre vergehen
Erinnerung verblasst
Und Träume verwehen
Bruder

Mögen Meilen uns trennen
Worte und Mauern
Wird unser Band
Die Zeit überdauern
Bruder

by Rebekka Steltzer

7 mm

Sieben Millimeter
Nicht mal ein Fingernagel
Noch gar nicht richtig echt
Im Grunde fast nicht da

Sieben Millimeter
Bringen alles durcheinander
Sind Freude und Hoffnung
Und schlaflose Nächte

Sieben Millimeter
Das sind winzige Finger
Ein Kopf, viel zu groß
Und ein Herz, das schlägt

Und schlägt
Und schlägt

Ganz dicht unter meinem
Fleißig und tapfer
Muss wachsen und formen
Werden und sein

Sieben Millimeter
Sind auf einmal die Welt
Machen Herzen weicher
Bande stärker Glück greifbar

Sieben Millimeter
Im Grunde fast nicht da
Sind jetzt schon geliebt
Behütet und nah

by Rebekka Steltzer

Spaßgedicht

Manchmal, da setzt sich das Kind in mir durch und ich habe richtig viel  Lust mit Worten zu spielen. An so einem Tag entstand folgendes Gedicht, das mir beim Schreiben richtig viel Freude machte.

Da gibt es eine Frau, die lebt schon lang allein,
tagtäglich geht sie in den Wald,
dort ist es ihr gar nie zu kalt.
Am Wegesrand, ein wildes Schwein, das findt` sie fein.

„Nimm mich mit zu dir“, grunzt laut das Tier.
Da ruft die Frau: „schau mich doch an,
ich bin vegan
und du – bleibst schön brav hier!“

Gar wütend ist der Keiler und senkt den großen Kopf,
die Frau erkennt die Zeichen,
erklimmt eine der Eichen
wutschnaubend greift er an, der arme Tropf.

Der Förster auf der Pirsch,
will eigentlich den Hirsch,
doch so ein fettes Schwein,
das läuft ihm auch gut rein.

Da macht es Peng – tot ist das Schwein
Der Förster hilft der Frau galant
vom Baum mit seiner starken Hand.
Sie dankt ihm mit ‘nem Knicks gar fein
und lädt ihn in ihr Häusl ein.

Was dann passiert, das sag ich nicht.
Und die Moral von der Geschicht`
– die gibt es nicht.

Kurzfaust

Nachdem ich mich mit Goethes Faust befasst hatte, war ich so infiziert von dieser Sprache, dass ich versuchte, es dem großen Meister gleichzutun und obendrein das ganze mal kurz und knapp zusammenzufassen. Das war vor zwölf Jahren. Dabei musste ich an die Melodie des König von Thule denken.

Gesteh ichs unumwunden
Ich bin ganz bloß und nackt
Immer noch gebunden
An des Teufels Pakt.

Ach wenn ich doch nicht bliebe
Hier in dem dunklen Ort!
Denn als ich sprach von Liebe
So wars mein Herzenswort

Doch sah ich lang im Leben
Auf Erden keinen Sinn
Und hab es hingegeben
Um zu erfahren ihn.

Dies hier soll sein ein Zeichen
Für Menschen alle Zeit
Für Euch und Euresgleichen
Die ihr noch suchend seid

Tut nicht dem Teufel geben
Für Antwort einer Frag!
Der Sinn, der ist zu leben
Und lieben jeden Tag.

Wie miss ich meine Buhle
In alle Ewigkeit.
Einst war ich Fürst in Thule
Gestorben vor der Zeit

Und nur vor lauter Denken
An mich, den eitlen Narrn,
Kann ich die Lieb nicht schenken
Muss ihrer Liebe harrn.

Wie finde ich den perfekten Reim?

Zu einem guten Gedicht gehören definitiv gute Reime. Wenn da nur “Haus – Maus – Reime” zu finden sind, ist das Gedicht sofort langweilig. Die Reime sollten anspruchsvoll, interessant und kreativ sein. Doch wie finde ich so einen Reim?

Um das herauszufinden, schauen wir uns dazu mal die Definition, die Funktion und verschiedene Reimarten an.

Definition

  • Verbindung von Wörtern mit ähnlichem Klang
  • Gleichklang eines betonten Vokals und der ihm folgenden Laute

Funktion

  • Gedicht zusätzlich zu Metrum Struktur geben
  • Bildet due Ästhehtik der Lyrik
  • Vor allem dann überzeugend, wenn Reimwörter in ihrer Bedeutung und Konnotation weit auseinander liegen
  • Karl Kraus: Reim umso besser, je mehr „Widerstand“ er zu überwinden hat àB. einsilbiges Wort reimt sich auf mehrsilbiges/ beide Reimwörter aus unterschiedlichen sprachlichen Bereichen
  • Gereimtes bleibt besser im Gedächtnis –> im Mittelalter wurden Botschaften oft gereimt übermittelt

Reimformen (ausgewählte)

  • Männliche Reimform
    • Stumpf, einsilbig
    • Zeile endet auf einer betonten Silbe
    • Auch Maskulinus genannt
  • Weibliche Reimform
    • Klingend, zweisilbig
    • Beide Zeile enden auf reimende Silben, erste betont, zweite unbetont
    • Auch Femininus genannt
  •  Gleitend/reich
    • Dreisilbig
    • Beide Zeilen reimen auf drei Silben, jeweils erste betont

Stellung im Vers

  • Endreim/Ausgangsreim
    • Reimwort steht am Ende des Verses
    • Häufigste Reimform
  • Binnenreim
    • Reimworte stehen ganz/teilweise im Innern des Verses
    • Innenreim/Inreim: Reimweorte am Versende oder im Versinnern desselben Verses
    • Mittelreim: Reimworte stehen im Innern von Versen, die aufeinander folgen
    • Mittenreim: ein Wort, das am Versende steht, reimt sich mit einem Wort, das im Innern des folgenden oder voranstehenden Verses liegt
    • Schlagreim: Es folgen Worte die sich reimen sofort aufeinander (z.B: Echoreim, Übergehender Reim)
  • Anfangsreim:
    • Die ersten Worte des zweiten Verses reimen sich

Reiner / Unreiner Reim

  • Reiner Reim: sich reimende Teile der Worte sind genau gleich (Beispiel: Hose – Rose, stehen – gehen)
  • Unreiner Reim: sich reimende Teile stimmen nur annähernd überein (Beispiel: Gewalt – Gestalt, kühn – hin)

Zusammenfassung

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, in einem Gedicht zu reimen.
Dabei spielt eine Rolle, wo die sich reimenden Wort befinden. Außerdem gibt es eine Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Reimen, die zum Beispiel Auswirkung auf die Stimmung des Gedichts haben kann.
Den Klang verändert, ob ein Reim männlich” oder “weiblich ist, je nachdem, welche Silben betont sind. Einen guten Reim macht aus, dass er anspruchsvoll ist, nicht nur die “0815-Reime” wie Haus – Maus, Hut – Gut. Das kann auch mal passen, aber interessante Reime bekommt man, wenn die sich reimenden Worte eine unterschiedliche Anzahl an Silben haben, oder sie aus unterschiedlichen Bereichen der Sprache sind.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte euch den Reim etwas näher bringen. Probiert doch einfach mal verschiedene Reimarten aus, manche sind vielleicht schwieriger, andere leichter.

Viel Spaß dabei,
Wolverine ^-^

P.S.: Hier ein Link zum Gedicht “Der Reim” von Karl Kraus (lohnt sich :D)
https://de.wikisource.org/wiki/Der_Reim_(Kraus)


							
	

“Es ist keine schöne Rose” – Gedicht

„Es ist keine schöne Rose.“ stellen die Leute fest.

Sie sei verformt, sagen sie.

„Natürlich ist das okay!

Aber nicht schön.“

 

Sie steht auf einer Wiese, mit unzähligen anderen,

fühlt sich trotzdem allein.

„Ich passe hier nicht rein.“ denkt sie und schämt sich zwar nicht.

Aber es fällt ihr schwer sich zu fühlen, wie die anderen:

Daheim.

 

Leute kommen, Leute gehen, manche bleiben vor ihr stehen.

Sie wird beachtet, weil sie anders ist.

Das macht sie stolz, an manchen Tagen.

Aber es wird ihr schnell zu viel, sie will sich tarnen,

will nicht mehr beäugt, begutachtet, begafft werden.

 

Ihr grüner Stil steht stolz im Gras, sie trägt große Dornen.

Manchmal lässt sie ihre Blütenblätter hängen.

Dann weiß man, es geht ihr nicht gut.

Nicht immer, nicht selten, nicht nur ein wenig.

  

Ihre Dornen geben ihr Sicherheit:

„Ich kann mich wehren.“

In einer Welt, die so viel größer ist als sie.

Dröhnend laut, erstickend leise, rasend schnell, qualvoll langsam.

Zu angepasst, zu anpassungsfordernd.

Niemand kann ihr nahekommen!

 

Sie will weg von dem ihr aufgezwungenen Platz auf der Wiese.

Dem von außen so schönen,

von innen her so überfordernden Platz.

 

Sie könnte Frieden haben.

Das weiß sie.

Und

sie würde ihre Wurzeln verlieren,

die sie starr hier gefangen halten.

Aber

sie würde ihre Wurzeln verlieren.

die sie kraftvoll festhalten.

Die ihr Nahrung geben und Halt.

 

Es wäre ein kurzer Frieden…

© 2020 Schreibkommune

Theme von Anders NorénHoch ↑

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.  Mehr erfahren