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Voidcall: Das Rufen der Tiefe – Kapitel 11 – Häppchenweise

Daisy Lee hatte ihn zuerst entdeckt.
»Verdammte Scheiße, was ist das?«, fragte sie argwöhnisch, als sie die vielen ballongleichen Pflanzen wahrnahm, mit denen Archweylls Scherenpanzer in die Höhe trieb.
»Das ist ein Aushängeschild. Ich wusste doch, dass er es schafft«, atmete Clynnt Volker aus und ballte triumphierend die Fäuste. Eine maßlose Erleichterung überkam ihn bei diesem Anblick.
Ich hoffe nur, er hat Tamara dabei.
Eine Hoffnung, die sich bestätigte, als die beiden geborgen wurden. 
»Ich brauche hier sofort einen Apothekaris!«, schrie Clynnt aus voller Kehle, als er ihren Gesundheitszustand erkannte. Tamaras Körper war von schwarzen Adern durchzogen und lag in einer verkrampften Haltung hinter dem Kommandanten. Blut floss aus ihrer Nase und ihren Ohren und sie war mit einer unbändigen Vielzahl verschiedenfarbiger Hämatome bedeckt, die ihr das Aussehen eines bewusstlosen Regenbogens verliehen. 
Um Archweyll stand es noch schlechter, doch Clynnt war sich bewusst, dass der Kommandant fast alles wegstecken konnte. Man musste ihm schon in den Kopf schießen, um ihn aufzuhalten. Hektische Schritte ließen den Boden erbeben, während Menschen hin- und her hetzten, um den Vermissten zu helfen. Archweyll und Tamara wurden schnellstmöglich im Krankenflügel des Zyklopen untergebracht. Dieser bestand aus einem kleinen, kreisrunden Saal mit zehn sterilen Betten und einer Arztstation, in der silberne Instrumente im trüben Neonlicht funkelten und ratternde Generatoren die Monitore und Gerätschaften mit Energie versorgten. Der Arzt begrüßte sie mit einem steifen Nicken und machte sich unverzüglich an die Arbeit. 
Clynnt merkte gar nicht, wie lange er da stand und ihm dabei zusah. Er wollte einfach nur sicherstellen, dass nicht schon wieder etwas schiefging. Doch irgendwann riss er sich zusammen und ließ den Mann seine Arbeit machen. 
»Wir machen uns auf den Weg zurück«, befahl der Chefnavigator, während er zurück auf die Kommandobrücke eilte.
»Verstehe, ihr habt noch ein Hühnchen zu rupfen«, erwiderte Daisy und machte sich auf den Weg zum Steuer. 
Clynnt klopfte ihr auf die Schulter. 
»WIR haben noch ein Hühnchen zu rupfen. Du bist jetzt Teil der Mannschaft und somit warst auch du hier unten in unnötiger Gefahr.« 
Auch wenn sie es zunächst verbergen wollte, konnte Daisy doch nicht umher, ein strahlendes Lächeln aufzusetzen. »Wir … Das ist ein Wort, an das ich mich gewöhnen könnte«, sagte sie lachend, während sie sich auf den Weg zur Forschungseinrichtung machten.



                                                                ***


Schwarze Schleier durchzogen sein Hirn und marterten es. Dinge passierten um ihn herum, am Rande seiner Wahrnehmung. Dem unaushaltbaren Druck der Schmerzen war eine bleierne Schwere gewichen, die alles belanglos erscheinen ließ. So lag er da und ruhte. 
Wenige Stunden fühlten sich wie Äonen an, während die Apothekaris seinen ruinierten Körper begutachteten, scannten und reaktivierten. Das Leben zog an ihm vorbei. Dann wurde wieder alles schwarz.


Archweyll öffnete die Augen. Er musste eingeschlafen sein. 
Die Tatsache, dass er in einem Bett lag und frischen Sauerstoff einatmete, erfüllte ihn zumindest mit etwas Genugtuung. Die trübe Beklommenheit des dunkeln Schlafes im Narkotikum wich Schritt für Schritt, auch wenn seine Glieder nach wie vor kaum zu einer Bewegung fähig waren. 
Immerhin muss ich nicht wieder Jaulen wie ein Seehund, dachte er verdrossen und dankte den Betäubungsmitteln in stiller Heimlichkeit. Sein Blick ging umher. Er befand sich eindeutig wieder in der Forschungsstation, sachter Regen prasselte gegen die große Glaskuppel, welche einen verschwommenen Ausblick auf den dahinterliegenden Ozean preisgab. Erst jetzt registrierte er das Team aus Ärzten, dass ein Bett am anderen Ende des Raumes belagerte. 
Clynnt Volker war unter ihnen und schien eine hitzige Diskussion zu führen. Als er Archweyll erspähte, verfinsterte sich seine Miene dramatisch und er eilte zum Kommandanten herüber.
»Schön, dich wach zu sehen«, sagte der Chefnavigator. Seinem Tonfall ließ sich direkt anmerken, dass ihn etwas zu bekümmern schien.
»Was ist los?«, keuchte Archweyll. Sprechen war noch keine der angenehmen Aufgaben. Aber er kannte seinen Körper, in weniger als ein paar Tagen würde er wieder auf den Beinen sein. 
»Du kannst mich hören? Das ist gut, denn es bedeutet, dass die Geräte funktionieren.« 
Archweyll schaute seinen Chefnavigator mit einer Mischung aus Angst und Belustigung an. »Bitte was?«, fragte er ungläubig. 
»Dein Gehör hat einen irreparablen Schaden erlitten. Wir haben einen Sensor eingebaut, der Schall empfängt und frequentiert. Dadurch bist du in der Lage mich zu verstehen. Außerdem solltest du dein Herz in nächster Zeit schonen. Es hat nach der Behandlung so unrhythmisch geschlagen, das wir es ersetzen mussten, andernfalls wärst du draufgegangen. Vor drei Tagen ist ein föderaler Medikus eingetroffen, er hat dich operiert.«
Erst jetzt fiel Archweyll auf, dass er ein steriles weißes Leinenhemd trug. Darunter befand sich ein Verband, der um die ganze Brust reichte.
»Gegen Infektionen, die Wunde hat sich durch Gerinnungshormone innerhalb von zwei Tagen versiegelt. Du dürftest nur noch wenig spüren«, merkte der Chefnavigator an.
»Wie lange liege ich schon hier?«, keuchte Archweyll unter zusammengepressten Zähnen. Sein Hals fühlte sich wie zugeschnürt an. 
»Fast zwei Wochen«, erwiderte Clynnt kopfschüttelnd.
»Tamara?« Archweyll saß bei dem Gedanken an seine Stoßtruppführerin plötzlich kerzengerade im Bett. 
Abermals schüttelte Clynnt den Kopf. 
»Sag mir was hier los ist!«, fluchte der Kommandant ungehalten. »Sie ist doch nicht etwa …?« Bei dem Gedanken daran, sie verloren zu haben, drehte sich alles um ihn. 
»Sie wird wieder aufwachen«, begann Clynnt.
Der Kommandant bemerkte, dass er bis gerade die Luft angehalten hatte. 
»Aber sie hat ebenfalls irreparable Schäden erlitten.« Man merkte dem Chefnavigator an, dass es ihm schwer fiel, darüber zu sprechen.
»Ihr Gehirn hat Schäden erlitten, ebenso wie ihr Herz, ihr Trommelfell und ihre Muskeln. Sie war einfach zu lange dem Druck ausgesetzt.« 
Archweyll griff mit der Hand nach Clynnts Kragen und schüttelte ihn. Doch nach einem Moment verließ ihn die Kraft dazu. »Was hat das zu bedeuten?!«, fuhr er den Navigator an. 
»Sie wird für immer blind sein, Arch. Außerdem ist ihre Bewegungsfreiheit eingeschränkt und sie braucht ebenfalls Hörgeräte. Die Hirnstruktur lässt sich leider nicht mehr medizinisch zusammenfügen. Es tut mir Leid.« Man merkte Clynnt an, dass er fest damit rechnete, gleich von Archweyll einen Schlag zu kassieren, denn er zuckte merklich zusammen. 
Doch Archweyll blieb ruhig. Er lehnte sich, ohne etwas zu sagen, in sein Kissen zurück und schloss die Augen. 
»Crowler?«, war das einzige Wort, was seinen Mund noch verlassen sollte.
»In Gewahrsam. Bewacht im Kommunikationsraum«, antwortete Clynnt und sein Gesicht nahm etwas Düsteres an. 



                                                                  ***


Schlechte Kunde ist schlechter Gast. Das war Clynnt so bewusst wie die Tatsache, dass Archweyll ihn vermutlich köpfen würde. 
Wie konnte er nur entkommen? Er war rund um die Uhr bewacht. 
Vor einer halben Stunde hatte die Wache ihn alarmiert, sie hatten den Kommunikationsraum abgesucht, aber keine Spur von Mantis J. Crowler entdecken können. Clynnt betrat den Krankenflügel, doch bis auf einen Arzt, der Tamaras Infusion wechselte, war niemand zu sehen. 
Wo ist Arch? 
Langsam wurde die Sache interessant. Er fand den Kommandanten draußen, es war ausnahmsweise nur bewölkt und regnete nicht in Strömen. Archweyll saß, immer noch nur in ein Nachthemd gekleidet, auf einem Anlegesteg. In einiger Ferne ruhte die Manticor, in deren Bauch der Zyklop einer strengen Reparatur unterzogen wurde. Daisy hatte das ganze veranlasst, nachdem mehrere Scherenpanzer und ihr Steuer arg in Mitleidenschaft gezogen worden waren. 
Neben Archweyll lag ein Eimer voller roter Pampe und deformierten Fleischbrocken. Eine einzelne Rippe ragte daraus hervor. Der Kommandant langte hinein und warf sie ins Wasser.
Direkt kam ein schillernder, türkiser Fisch daraus hervorgeschossen und schnappte sich die wertvolle Beute. 
»Was zur Hölle machst du hier? Solltest du nicht im Bett liegen?«, fragte Clynnt aufgebracht, während er sich neben den Kommandanten setzte.
Archweyll begrüßte ihn mit einem Grunzen.
Erst jetzt fiel dem Chefnavigator auf, dass Archweylls Hemd voller Blut war. »Was hast du angestellt?«, fragte er mit hochgezogener Augenbraue.
»Ich brauchte etwas, um die Fische zu füttern und Möhren kamen nicht infrage. Also habe ich mich etwas in der Speisekammer ausgetobt«, erwiderte der Kommandant gelassen. 
Dann warf er noch ein Häppchen ins Wasser.
Gierig verschlang der große Fisch den Fleischbrocken. 
Clynnt schluckte. Er hoffte nur, Archweyll würde ihn nicht direkt hinterherwerfen. Er räusperte sich verlegen. »Der Doktor ist entkommen. Spurlos verschwunden. Niemand hat ihn gesehen oder gehört.« Er atmete aus. Gleich würde es ein Donnerwetter geben.
Doch wieder einmal überraschte ihn der Kommandant. 
»Ist es nicht schön hier? All die bunten Fische«, antwortete Archweyll und warf abermals ein Häppchen Fleisch in die See. 
Sanft trugen es die Wellen gen Grund und hinterließen dabei rote Schlieren im Wasser. 
Verliert er jetzt völlig den Verstand?
Plötzlich eilte ein Soldat zu ihnen. Völlig außer Puste hielt er vor ihnen an. »Sir, wir haben Überreste einer Leiche gefunden und gehen stark davon aus, dass es Crowler ist. Er scheint sich suizidiert zu haben, indem er sich selbst in seinem eigenen Labor durch den Fleischwolf gejagt hat.«
Erst jetzt fiel Clynnt auf, wie weiß der Mann um die Nase war. 
»Der Anblick muss zum Fürchten gewesen sein«, erwiderte Archweyll mitleidig und erhob sich.
»Sir, es war furchtbar. Ich glaube so etwas habe ich noch nie gesehen.«
Der Kommandant klopfte dem Mann auf die Schulter. »Sorgen Sie dafür, dass die Sauerei beseitigt wird. Und dann ruhen Sie sich aus.«
Der Soldat salutierte und verschwand. 
Archweyll ließ seine Augen schelmisch in Richtung des Eimers wandern, dann trat er ihn um und versank den Inhalt achselzuckend im Meer. 
Clynnt schaute ihn entgeistert an. »Die Speisekammer hat wahrlich noch ergiebige Mengen erübrigt«, seufzte er und kopfschüttelnd folgte er dem Kommandanten hinein.

 

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Voidcall: Das Rufen der Tiefe – Kapitel 5 – Finsternis

Der Zyklop sank tiefer und tiefer. Auf seinem Weg passierte er abstrakte Felsformationen und bunte Schwärme von winzigen Fischen, mit bis zu 50.000 Exemplaren, die mit flinken Bewegungen durch die Gezeiten pflügten. Unter ihnen befand sich nur die unergründbare Schwärze des Abgrundes. Die Dünen, wie Crowler sie genannt hatte, vollzogen eine große natürliche Kurve, als wären sie der Rand eines riesigen, ehemaligen Kraters, in dem das Leben brodelte. Der abrupte Abfall des Terrains und die plötzliche Dunkelheit, die damit einherging, wirkten im Vergleich fast lebensfeindlich und karg. 
Daisy steuerte das Schiff sorgsam auf der Schwelle ins Nichts, bedacht darauf, den Kraterrand nie gänzlich zu überschreiten. 
Doch der Blick aus der großen Glaskuppel ließ dennoch einen beunruhigenden Blick in die Finsternis zu und Archweyll merkte, wie sein Gehirn damit begann, ihm Streiche zu spielen, indem es riesige Schatten in Bewegung setzte, die gar nicht da waren. Wie sehnlich wünschte er sich gerade an Bord des Patrouillenkreuzers zurück. 
»Noch drei Meilen bis zum Ziel«, riss ihn die Chefmechanikerin aus seinen Gedanken. »Der Scan ist jetzt in Reichweite. Ich starte mal eine Analyse.«
Archweyll grummelte eine Antwort. Wenn alles gut ging, würden sie in weniger als einer Stunde wieder zurück sein. »Maschinen stoppen!«, befahl er mit einer Handbewegung. »Wir wollen uns ja nicht in die Explosionsreichweite begeben.« Eingehend analysierte er die Monitore, die für den Scan zuständig waren. Langsam manifestierte sich ein Bild vor seinen Augen. »Sind das… Berge?«, frage er zögerlich.
Vor ihnen befand sich eine Formation riesiger Nadelspitzen, die unbeugsam in Richtung Oberfläche emporragten und dabei Gefahr liefen, in den Kraterrand zu stürzen. 
»Negativ«, quittierte ihn die Chefmechanikerin lachend. »Das sind seine Rippen.«
Archweyll merkte, wie ihm die Kinnlade herunterfiel. Mit einer fast übertrieben grazilen Handbewegung brachte er seinem Kiefer wieder Haltung bei. »Aber die sind bis zu fünfhundert Meter hoch. Und Mama hat mir schon immer gesagt, ich sein ein wahrer Prachtkerl«, grunze er und fuhr sich mit der Hand bedächtig durch den Schnauzer. »Länge?«, wollte er wissen.
»1.200 Meter. Ich glaube ein bis zwei Torpedos sollten reichen«, erwiderte Daisy gelassen. 
Es erstaunte den Kommandanten, dass sie so ruhig bleiben konnte, angesichts der Tatsache, dass es ihre erste Mission und Kontakt mit fremdem Leben war. Und dann gleich mit so einem ausgewachsenen Ungetüm. Oder verbirgt sie etwas?
Möglicherweise war sie voll fokussiert oder aber sie ließ sich nichts anmerken. 
»Dann wollen wir dieses Riesenbaby mal zerlegen«, sagte er und klopfte ihr auf die Schulter. »Feuer frei.«
»Automatische Zielfrequenz initiiert«, bestätigte die Spracherkennung des Zyklopen
Ein Surren ging durch das U-Boot, als die Torpedobatterie in Anschlag gebracht wurde.
»Können wir überprüfen, ob die Frequenz abbricht, sobald wir es zertrümmert haben?«, fragte der Kommandant. 
»Ich verbinde mich mit Crowler und befrage ihn«, antwortete Clynnt Volker vom Funkgerät aus, von welchem er bis gerade eifrig mit der föderalen Sicherheitsbehörde kommuniziert hatte.
Der Kommandant quittierte ihn mit einem Nicken. »Aber wir brauchen eine andere Möglichkeit, um es herauszufinden. Ich traue ihm mittlerweile durchaus zu, dass er uns zum Narren halten würde.«
»Die haben wir auch«, sagte plötzlich eine vertraute Stimme.
Archweyll drehte sich irritiert um. 
Seit wann war Tamara wieder auf der Brücke? 
»Schön, dass du es zu uns geschafft hast«, lud er sie ein. »Dann schieß mal los.«
»Die Scherenpanzer haben manuelle Messvorrichtungen, die der Zyklop nicht besitzt«, Tamara schritt auf der Brücke auf und ab. Was sie zu sagen hatte, schien sie zu beunruhigen.
»Sie sind eigentlich für den Kampf wie geschaffen, deswegen sind sie auch in der Lage, feindliche Kommunikation abzufangen und zu übersetzen. Zumindest, wenn sie nahe genug am Ursprung der Frequenzen sind, was unser Problem ist, denn da draußen erscheint es mir eher unschön. Ich frage mich allerdings, warum der Zyklop das nicht auch kann?«, ihr Blick wanderte zu Daisy. 
»Er ist zu groß. Jedes feindliche Radar ortet dieses U-Boot schon von weitem. Unser Vorteil in der Schlacht auf Orian II war die Tatsache, dass der Zyklop einfach alles in Schutt und Asche gelegt hat, was sich ihm in den Weg stellte. Es war schlichtweg egal, dass er vom Feind geortet wurde, weil er ihn in der nächsten Sekunde pulverisiert hat. Die Scherenpanzer sind eher dazu gedacht, sich hinter die feindlichen Linien zu schleichen und sind mit dementsprechenden Funktionen ausgestattet. Seit dem Informationskrieg mit den Separatisten auf Khn’el sind langstreckige Kommunikationsabfänger nicht mehr angesagt«, erklärte die Chefmechanikerin bedeutsam. 
»Ich habe Crowler an der Strippe«, schaltete sich Clynnt in das Gespräch ein. »Er flennt wie ein Mädchen, ist aber bereit uns zu helfen. Dennoch würde ich auf Nummer sicher gehen.« 
Archweyll nickte ihm zu. »Dann zeig mir mal, was der Zyklop so drauf hat«, rief er erwartungsvoll. 
»Zielerfassung«, befahl Daisy. Ihre Monitore leuchteten auf, während sie die Koordinaten für den großflächigen Angriff durchgab und zwei Detonationsziele festlegte. Ihr Blick traf auf den von Archweyll und für eine Sekunde konnte er darin ein Feuer brennen sehen, dass alles verschlang. »Vernichten.«
Ein Ruck ging durch das U-Boot, als die Torpedobatterien eine Salve abfeuerten. 
Daisy drehte in ihrem Stuhl eine Runde. »Und…« Dann noch eine. »Jetzt«, schmunzelte sie.
Bevor Archweyll begriff, was sie meinte, pfiff für den Bruchteil einer Sekunde ein Piepen durch sein Ohr. Dann ertönte ein Knall, so laut, dass er stocksteif zusammenfuhr. Ihm folgten zwei Detonationen noch nie dagewesenen Ausmaßes. Der Horizont explodierte, rote Lichter tauchten das Meer in ihren Schimmer und verliehen ihm die Farbe geronnenen Blutes. 
»Position optimieren, wir driften ab«, Daisy war schon wieder am Steuer und schien angesichts des schrecklichen Werkes der Untergangs-Torpedos kaum mit der Wimper zu zucken. 
Weitere Lichter brachen durch den Ozean und verwandelten ihn in ein Flammenmeer. 
Archweyll pfiff durch die Zähne. »Das ist ja fast schon gruselig, wie gelassen du dabei bleibst«, beurkundete er das zerstörerische Werk der Geschosse. 
»Ich habe sie mitentwickelt. Man sollte sich immer im Klaren darüber sein, was man tut«, erwiderte die Chefmechanikerin. 
»Und niemals den Respekt davor verlieren«, grummelte Tamara finster und deutete Archweyll an, ihr zu den Scherenpanzern zu folgen.
»Laut Crowler ist die Frequenz abgebrochen«, rief ihnen der Chefnavigator hinterher.
»Das glaube ich erst, wenn ich es sehe«, murmelte der Kommandant, während er sich auf den Weg zu den Docks machte. 
N’kahlu und seine Mannschaft salutierten ehrfürchtig, als sie eintraten. 
»Anzüge bereit machen, wir gehen runter!«, befahl Archweyll lautstark.
»Ihr habt ihn gehört, Beeilung, Beeilung!«, heizte der Sergeant weiter ein.  Binnen fünf Minuten waren sie startklar. Die Schotts schlossen sich und das Wasser nahm sie ganz für sich ein. Mittlerweile war das scheußliche Licht der Explosion vergangen und es war wieder einheitlich dunkel, wofür der Kommandant irgendwie dankbar war. Minuten vergingen, während sie zu ihrem Ziel navigierten. Archweyll konnte im Licht der Scheinwerfer gerade noch erkennen, dass der Sand der Dünen nun kohlrabenschwarz gefärbt und das Klippenrelief gute zwanzig Meter in die Tiefe gesunken war. Fast lautlos steuerte er auf das Gerippe zu. Sein Scan zeigte ihm, dass es sowohl den Schädel, als auch das Körperskelett größtenteils zerlegt hatte. Die Frage, warum ein Skelett überhaupt dazu in der Lage war, Frequenzen auszustoßen, blendete er völlig aus. »Sind wir in Reichweite?«, fragte er durch das Funkgerät. 
»Noch eine halbe Meile«, erwiderte Tamara. Angespannt setzten sie ihren Weg fort. 
Beständig analysierte Archweyll seine Umgebung, aus den Augenwinkeln nahm er Bewegungen wahr, die nicht existierten. Überall schien die tödliche Bedrohung auf sie zu lauern. 
Und dann ragte eine einzelne Rippe vor ihnen auf, die vom Grund auf sogar die Wasseroberfläche erreichte, und es verschlug Archweyll die Sprache. Was auch immer dieses Etwas einst gewesen war, es musste gigantisch gewesen sein. Vor seinem inneren Auge malte er sich aus, wie das Lebewesen durch den Warp jagte und er musste schlucken. Es gab also vermutlich tatsächlich Monster da draußen, welche die Atharymn an Größe übertrafen. Bei dem Gedanken daran überkam ihn eine Gänsehaut.
Die Ebene um das Skelett war restlos verwüstet, im Lichtstrahl der Scheinwerfer erkannte Archweyll zudem, dass das Relief langsam in sich zusammenbrach. Sie mussten sich beeilen, denn möglicherweise könnten die Überreste des Riesen mit absinken. 
»Dein Gefühl, was Crowler angeht, scheint sich zu bestätigen!«, fluchte Tamara plötzlich durch den Funk. 
Instinktiv steuerte er zu seiner Stoßtruppführerin. »Wir empfangen weiterhin Frequenz?«, erwiderte der Kommandant entgeistert. Das waren schlechte Neuigkeiten. 
»Sogar verstärkt!«, bestätigte sie wütend. »Daisys Torpedos haben uns nicht geholfen.«
»Das ist nicht ihre Schuld. Es war meine Idee«, antwortete Archweyll streng. 
»Ich weiß. Ich suche nur gerade fieberhaft nach einer Lösung. Verzeihe mir, wenn ich eventuell schroff klinge.« 
Der Kommandant musste kichern. »Das tust du eigentlich immer. Dann scheint ja alles beim Alten zu sein«, lachte er. 
Bevor sie etwas erwidern konnte, ging ein spürbares Beben durch den Ozean. Ein Grollen furchtbaren Ausmaßes schüttelte Archweylls Kampfanzug durch, sämtliche seiner Systeme spuckten Warnmeldungen aus. Dann brach die riesige Rippe knirschend in sich zusammen und versank wie ein einstürzendes Hochhaus im Abgrund, gefolgt von etlichen Tonnen Gestein, Trümmern und aufgewirbeltem Sand.
»Das Relief bricht weg!«, schrie N‘Kahlu durch den Funk. »Wir müssen hier weg, bevor der Sog der Wasserverdrängung uns möglicherweise mit in die Tiefe zieht.« 
Ein grauenvolles Knacken, das dem Kommandanten durch Mark und Bein ging, unterbrach den Sergeant für einen Moment. Dann brach der Funkkontakt vollständig ab und die Anzeigen auf Archweylls Glasscheibe versagten flimmernd ihren Dienst. Das Summen des Motors verstummte. 
»Was zur Hölle?!«, fluchte der Kommandant und versuchte erfolglos die Energieversorgung wiederherzustellen. Ein Blick aus der Scheibe zeigte ihm, dass alle anderen Scherenpanzer das gleiche Problem aufwiesen. Ihre Schemen schwebten sinkend im Wasser und begannen im Sog der aufkommenden Strömung zu tanzen. Panisch bemerkte Archweyll, wie sein Anzug langsam aber sicher auf den Abgrund zusteuerte, als würde ihn die Tiefe zu sich rufen. Fieberhaft suchte er nach einem Ausweg. Die Scheibe manuell zu öffnen kam nicht infrage, sie befanden sich fast einen halben Kilometer unter Wasser und der Zyklop war in unerreichbarer Entfernung. Instinktiv hoffte der Kommandant, dass bald jemand bemerken würde, was geschehen war. Sein Kopf ratterte wie ein Getriebe, als er zu rekonstruieren versuchte, welchem Umstand er seine Situation zu verdanken hatte. 
Das Ergebnis war erschütternd.
»Crowler du Bastard!«, fluchte Archweyll und schlug mit der Faust nach der Scheibe. Ein flüchtiger Schmerz in der Hand war das einzige Resultat seines Wutausbruches. 
Der Doktor war nicht auf den Zyklopen gekommen, um sie zur Umkehr zu überzeugen. Er war sich von Anfang an im Klaren darüber gewesen, dass Archweyll sich nicht überzeugen lassen würde. Er hatte an den Scherenpanzern herumgepfuscht und diese manipuliert. 
»Wenn ich dich in die Finger kriege, reiße ich dir Arme und Beine einzeln heraus und füttere damit die Fische«, knurrte der Kommandant, wohl wissend, dass es ihm in seiner derzeitigen Situation kaum helfen würde. Als er feststellte, dass er den Abgrund nun vollständig überquert hatte, zog sich Archweylls Magen krampfhaft zusammen, denn ihm war bewusst, dass die Schwerkraft ihn nicht hergeben würde, selbst wenn der Sog nun verebbte. 
Eine Schrecksekunde später wurde ihm klar, dass die Sauerstoffversorgung des Anzuges ohne Energie ebenfalls stillstand. Wenn Crowler das geplant hatte, war es ein geradezu teuflisches Werk. Fluchend suchte der Kommandant das Innere des Anzuges nach etwas ab, dass ihm helfen könnte. Möglicherweise etwas mit genug Auftrieb, um es bis zur Oberfläche zu schaffen. 
Auch wenn es seinen modifizierten Körper auf eine ernsthafte Zerreißprobe stellen würde, wäre es doch besser, als der sichere Tod im Vergessen. Die Schatten um ihn herum gerieten abermals in Bewegung und Archweyll unterdrückte einen panischen Aufschrei. Hier war er Mächten ausgesetzt, gegen die er nicht kämpfen konnte und das versetzte ihn in zunehmende Angst. Plötzlich stieß er auf einen handgeschriebenen Zettel. Fluchend zerknüllte er ihn in der Faust, als sein erster Verdacht sich bestätigte:

Lieber Kommandant,


es tut mir Leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich Ihr Verhalten weder tolerieren, noch dulden kann. Diese einzigartige Schöpfung des Lebens darf nicht einfach vernichtet werden. 
Da Sie mir nicht zuhören wollten, sah ich mich leider dazu gezwungen, zu anderen Maßnahmen zu greifen. Es tut mir Leid, dass es so kommen musste. Da ich davon ausgehe, dass Ihre Crew sie suchen wird, werde ich sie in die Tiefe locken müssen, wo Lebewesen lauern, denen sie nichts entgegenzusetzen haben. In meinem Gespräch mit ihrer Chefmechanikerin habe ich einige wertvolle Informationen über ihre Ausstattung gewonnen und dadurch einen Energieblocker in ihrer Hauptversorgung installieren können. 
Sie werden ungefähr eine halbe Stunde haben, bis er die gesamte Energiezufuhr blockiert. Das arme Mädchen, Daisy, sie war so voller Hingabe, so wie ich es bin. Es bekümmert mich zutiefst, dass auch Sie ihr Ende finden wird…
Sie haben ungefähr 24 Stunden, bis der Sauerstoff restlos verbraucht ist. 
Ich hoffe, Sie können in dieser Zeit ihren Frieden finden und verstehen, warum ich das tun musste. Es tut mir Leid.

 Doktor Mantis J. Crowler 

Tosend zerfetzte Archweyll das Papier in tausend Stücke. Das konnte nur ein schlechter Traum sein. Aber er war zu pragmatisch, um es als einen solchen abzutun. »Wir sind am Arsch!«, fluchte er lautstark. Dann gewann wieder die Panik. Erneut bewegten sich die Schatten um ihn herum, formten sich zu gigantischen, boshaften Kreaturen, und er trieb unaufhaltsam in ihr gähnendes Maul.

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Voidcall – Das Rufen der Tiefe – Kapitel 1: Willkommen an Bord der Atharymn

Doktor Mantis J. Crowler beugte sich über seine Messungen. Wenn er Recht behalten sollte, war das eine Sensation, die ihn noch in den entlegensten Winkeln der galaktischen Föderation berühmt machen könnte. Der grauhaarige Mann in den besten Fünfzigern betrachtete seine Monitore durch eine Nickelbrille, in deren Glas sich der Schein der Bildschirme spiegelte und kratzte sich nachdenklich durch den samtigen Vollbart. Dann griff er in seinen weißen Kittel und fingerte eine Festplatte hervor, um sie mit seinen Datenquellen zu vernetzen. Wenn es darum ging, Informationen sicherzustellen, kannte Crowler kein Pardon.
Das Prasseln des Regens klopfte beständig an die verstärkten Fensterscheiben seiner Forschungseinrichtung, denn die zwei Sonnen Hercules und Ameus sorgten für ein hitziges und somit feuchtes Klima auf dem Planeten Nautilon, dessen Oberfläche gänzlich aus Wasser bestand und somit durch Verdunstung für permanente Regenströme sorgte. Eigentlich war Crowlers Abteilung dafür zuständig, medizinische Stoffe aus den Biotopen, die sich unter dem Wasser befanden, zu extrahieren und an die Fakultät auf Prospecteus zu liefern.
Eine mühselige und zweifelsohne gefährliche Aufgabe, wenn man bedachte, das die Gigantyras in den abgrundtiefen Schatten der Gewässer lauerten. Raubfische, groß wie ein halbes Hochhaus und mit der tollwütigen Aggression eines geifernden Hundes ausgestattet, der eher sterben würde, als seinen Biss zu lockern. Außerdem drangen gelegentlich hochexplosive Gase ohne Vorwarnung aus ihren Schlothöhlen, was ein wahnwitziges Problem darstellte, wenn man mit bemannten Bohrköpfen durch die Erde dringen wollte. 
Doch wenn man davon absah, war Nautilon eine Perle der Natur. Korallenriffe erstreckten sich kilometerweit durch den Ozean, ihre Farbenpracht und Artenvielfalt war nahezu grenzenlos. Riesige Kelpwälder tanzten im stillen Gleichklang durch die Gezeiten und Fischschwärme unterschiedlichster Größe schossen, auf der Suche nach Nahrung, in bunten Verbänden darum herum. Quallen, groß wie ein Lastwagen, trieben im Spiel des Wassers umher, ihre Fangarme schillerten silbern wie das Mondlicht und ihr Hut war mit ineinander vernetzten, türkisen Mustern ausgestattet, die in der Dunkelheit der Nacht so grell leuchteten wie eine Neonreklame auf Prospecteus. Und wenn seine Berechnungen stimmen sollten, hatten sie gerade einmal 2 Prozent der hiesigen Biotope erkundet und kartographiert. 
Doch das, was Crowlers Faszination erregt hatte, war etwas anderes. Am Rande der großen Sanddünen, die irgendwann einen senkrechten Abstieg in die abyssischen Tiefen des Planeten vollführten, hatten seine Scans eine ungewöhnliche Struktur signalisiert. Wenn diese Entdeckung an die Öffentlichkeit gelangen würde, könnte sich ihr ganzes Verständnis über den Warp verändern.
»Funk die Zentrale an!«, rief er laut durch das großräumige Labor, in der Hoffnung, dass sein Gehilfe Ronald ihn hören würde. »Und mach dich darauf gefasst, dass sich unser Leben bald maßgeblich verändern könnte.« 

                                                                ***

Daisy Lee stampfte kaugummikauend durch den Hangar. Ein neuer Job war ihr durchaus willkommen, nachdem sie ihre Anstellung bei Centaur Industries durch eine klitzekleine Meinungsverschiedenheit mit ihrem Vorgesetzten verloren hatte. Aber dass sie ab heute an Bord eines Patrouillenkreuzers dienen sollte, hatte ihr den nötigen Nervenkitzel verliehen, der ihren Job als Chefmechanikerin so interessant machte.
Und der Kommandant des Kreuzers. Archweyll Dorne. So wie der Relictor es gesagt hat. Ein weiterer Aspekt ist gefunden.
Dass sie vorher noch nie auf einem so großen Schiff gedient hatte, beeindruckte Daisy nicht im geringsten. Um bei Centaur Industries, dem renommiertestem Waffenhersteller der galaktischen Föderation, eine Anstellung als Putzfrau zu finden, musste man schon eine hohe Qualifikation an den Tag legen. Da blieb die Frage, was es bedeutete, einer der wichtigsten Ingenieure der gesamten Anlage zu sein, einfach ohne einer Antwort zu bedürfen im Raum stehen. 
Laute Rufe und elektronische Sirenen begleiteten ihren Weg, die Luft roch nach Dieselmotoren und Maschinenöl. 
Herrlich. 
Sie rückte ihre dreckige Wollmütze zurecht und atmete einmal tief durch. Hier roch es nach einer Menge Arbeit. Instinktiv hoffte sie, dass ihr neuer Vorgesetzter ein tiefgründigeres Gespür für ihre wertvolles Können an den Tag legen mochte, doch bei der Aussicht einem Befehlshaber des Militärs unterstellt zu sein, lief es ihr kalt den Nacken runter. Es gab kaum langweiligere Bürokraten, die sesselfurzend auf ihre Vorschriften pochten, aber insgeheim hofften, jeder würde in ihnen den harten Kerl erkennen. Solange er seinen Zweck erfüllt. Und wenn er mir Schwierigkeiten macht, lege ich ihn einfach um.
Plötzlich bäumte sich vor ihr ein riesiges Raumschiff auf. Auf der Außenbordwand ließ sich der rötliche Schriftzug, welcher den Namen des Schiffes veranschaulichen sollte, gerade noch erahnen. Atharymn. Ein Licht sprang auf grün, als sie sich näherte, und zischend öffnete sich eine Pforte, hinter der sich ein Aufzug befand. Daisy grub tief in den bodenlosen Taschen ihrer ölbefleckten Sicherheitshose herum, kramte Schraubenschlüssel, Zigaretten und einen Kugelschreiber hervor, bevor sie endlich fand, was sie gesucht hatte. Sie hielt die Karte, die ihr der Beamte ausgeteilt hatte, vor den Scanner und der Aufzug öffnete sich ratternd, beförderte sie in schwindelerregende Höhe. Wenn sie den jemals so etwas wie Schwindel empfinden konnte.
»Du wirst Technikstation B14 bemannen, es könnte sein, dass dein Vorgänger etwas … sagen wir: heikle Umstände herbeigeführt hat. Rechne also nicht unbedingt damit, mit offenen Armen empfangen zu werden«, hatte ihr der Beamte mit auf den Weg gegeben.
Ein Stirnrunzeln war ihre einzige Reaktion gewesen. Wenn der Kommandant sie fertig machen wollte, konnte er sich auf etwas gefasst machen. Ein Grinsen entwich ihren Lippen, bei dem Gedanken daran. 
Wir werden ja noch sehen, wer wen fertig macht.
»Abteilung 1 – Kommandobrücke«, krähte eine mechanische Stimme und die Türen öffneten sich quietschend. Nun sollte sich zeigen, wie sich Daisys mittelfristige Zukunft gestalten würde. 

                                                                    ***

»Bist du dir sicher, dass wir einen neuen Chefmechaniker brauchen? Der letzte hat sich als überaus widerspenstig erwiesen«, fragte Clynnt Volker bedächtig. Die Sorgenfalten auf seiner Stirn hatten ihn seit den damaligen Ereignissen fast gänzlich für sich eingenommen.
Archweyll quittierte ihn mit einem bellenden Lachen. »Bei all der Liebe, die ich für Bebsy hege, pflegen kann ich die alte Dame nicht. Da braucht es einen Profi und ich vertraue nur den besten.«
»Wie Howard Bering?«, erwiderte der Chefnavigator spitz. 
»Mein Gott, Clynnt, du bist ja heute in Topform«, lobte ihn der Kommandant mit einem Klopfer auf die Schulter, welcher den Navigatoren in seinen Grundfesten erschütterte. Doch als er sah, wer da aus dem Aufzug kam, wurde ihm dennoch mulmig zumute. 
»Das ist ja fast noch ein Kind«, flüsterte Clynnt und knirschte mit den Zähnen.
Die junge Frau, das auf sie zukam, kaute gelassen auf einem Kaugummi herum und schien den riesigen Rucksack auf ihrem Rücken kaum zu bemerken. Sie trug eine schwarze Lederjacke und eine farblose Mütze, ihre schweren Lederstiefel glitten fast geräuschlos über das Deck. Das krause blonde Haar hatte sie zu zwei Zöpfen zusammengebunden und auf ihren kecken Lippen lag ein breites, aber ehrliches Lächeln, das die Sommersprossen auf ihren zarten Wangen förmlich zum Glühen brachte.
Archweyll studierte sie eingehend und stellte fest, dass er noch nie so lebensfrohe blaue Augen gesehen hatte. Und Leben war etwas, das sie an Bord wahrlich gebrauchen konnten. Seit den Reparaturarbeiten lag der Kreuzer still und eine bedächtige Ruhe hatte seine Korridore erfüllt. Nun wurde es Zeit, wieder in den Warp aufzubrechen. 
»Ganz nett habt ihr es hier«, lachte ihnen die Frau entgegen. »Ich bin Daisy Lee und soll hier als Chefmechaniker antreten. Mache Meldung.« Sie salutierte gespielt ehrfürchtig. 
Clynnt rümpfte die Nase. »Wir werden schneller tot sein, als wir Babypuder rufen können«, flüsterte er forsch in Archweylls Ohr. Der Kommandant grunzte ihm etwas unverständiges entgegen.
»Oh nein«, der Chefnavigator trat einen Schritt zurück. »Diesen Gesichtsausdruck hast du erst einmal an den Tag gelegt, damals, als Tamara hier angeheuert hat. Bitte, nicht schon wieder, Arch.«
»Klappe«, knurrte der Kommandant. »Begrüßt man so einen Frischling?« er breitete feierlich die Arme aus. »Willkommen an Bord der Atharymn!«, rief er Daisy entgegen. »Ich bin Kommandant Archweyll und dieser gutaussehende, überaus sportliche Jungspund zu meiner Rechten, ist Cylnnt Volker, mein Chefnavigator.« 
Der Mann nickte knapp zur Begrüßung. 
»Er mag mich nicht. Das ist in Ordnung, solange er nicht in meiner Arbeit herumpfuscht«, antwortete Daisy gelassen.
Archweyll hörte, wie Clynnt scharf die Luft einsog, sich aber dann doch gegen einen Kommentar entschied. 
»Wie ich sehe, scheust du dich nicht davor, deine Meinung kundzutun«, begann er seine Ansprache, doch er wurde jäh unterbrochen. 
»Ihr werdet mit meiner Meinung leben müssen oder ich bin weg. Denn sonst kann ich meine Arbeit nicht so ausführen, wie es für alle das Beste wäre. Ich brauche niemanden, der mir sagt, woran ich bin. Das sehe ich von alleine.« Sie zwinkerte dem Kommandanten zu. »Und manchmal gefällt mir sogar, was ich sehe.« 
»Ich werde ja ganz verlegen«, räusperte sich Archweyll »Ich zeige dir alles, was du für deine Arbeit wissen musst«, erklärte er dann. Clynnts Kopfschütteln bekam er nur am Rande mit. 
»Wenn Tamara das rausfindet, bist du tot«, kicherte der Chefnavigator nur, bevor er sich wieder seiner Arbeit zuwandte.

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