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Schlagwort: Buch

Geschichten aus dem wahren Leben und ganz persönlicher Erfahrung



Das war filmreif!

Ich denke diese Momente kennt jede und jeder. In denen man am liebsten alles was passiert wie einen Film im Gehirn abspeichern möchte. Um kein Detail zu vergessen und sich das immer wieder ansehen zu können.

Bei mir war das zum Beispiel so, als ich mit zwei Freundinnen nachts vor langer Zeit eine super illegale (nicht!) Sprühkreide-Aktion vor dem Haus des „Dorf-Nazis“ gestartet habe. Wir waren noch nicht ganz fertig mit unserem Kunstwerk, als der Dorfsheriff um die Ecke fuhr. Also haben wir uns so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht. Aber da er uns auf dem Weg nach Hause noch drei weitere Male begegnet ist, haben wir uns natürlich gleich Gedanken darüber gemacht, ob die Regierung wohl unsere Handys getrackt hat, als wir unseren Sprühkreide-Plan ausgeheckt haben. Arg dramatisch (und ernst gemeint) war das Ganze nicht, und wahrscheinlich war er auch nur zufällig dauernd in unserer Nähe. Wir haben uns damals aber dermaßen reingesteigert, dass es im Nachhinein einfach spannend und sehr lustig war.

Es gibt so viele solcher Situationen im Leben! Und die sind bereichernd. Natürlich, weil sie unser Leben ein Stück weit interessant und auf jeden Fall einmalig machen (und wir etwas zu erzählen haben). Aber auch weil das eine sehr einfache -weil wir nichts anderes tun müssen als Leben :D- und wichtige Inspirationsquelle ist.

Besondere, aber auch alltägliche Situationen als Inspiration

Ich habe etwas erlebt und davon inspiriert schreibe ich einen kreativen Text daraus. Zum Beispiel eine Szene, in der das von mir Erlebte die Handlung ist, oder ich spinne eine Kurzgeschichte daraus. Oder ich schreibe ein Gedicht, welches die Atmosphäre wiederspiegelt. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, im Grunde sind einem da keine Grenzen gesetzt. Manchmal wird das so etwas wie ein kreativer Tagebucheintrag, manchmal sind es allein kleine Details, die man für das Schreiben gebrauchen kann.

Da gibt es die ganz besonderen Momente, die meist mit vielen Emotionen verbunden sind. Die von Anfang bis Ende interessant, spannend, tragisch, dramatisch, lustig, fröhlich, komisch usw. sind. Oder ganz kurze Augenblicke, fast unscheinbar, die uns auffallen und faszinieren. Oder eher banale alltägliche Situationen, die trotzdem interessant sind – schließlich haben unsere Charaktere ja auch einen Alltag zu bewältigen, oder wir wollen uns im Bereich der Poesie kreativ am Thema Alltag austoben.

Begegnungen mit Menschen als Inspiration

Wann immer ich auf Menschen treffe fasziniert mich, wie unterschiedlich sie sind. In ihrer Persönlichkeit, ihrem Denken, ihrer Art zu Leben.

Jeder Mensch hat seine eigene ganz individuelle Geschichte, die ihn zu dem Menschen macht, der er/sie ist.

Begegnungen mit Menschen können unglaublich inspirierend sein. Denn jeder Mensch hat ja seine eigenen Geschichten und Erfahrungen, sein eigenes Weltbild, seine eigene Meinung. Einfach seinen ganz einzigartigen Horizont. Wenn wir uns mit Menschen unterhalten, dann dringen wir ein Stück weit in den Horizont ein, lernen etwas dazu. Und geben natürlich auch ein wenig von unserem Horizont preis.

Wenn ich eine Kurzgeschichte oder einen Roman schreibe, dann kommen da (mehr oder weniger) viele verschiedene Charaktere vor. Auch sie haben alle ihren eigenen Horizont. Um die Charaktere möglichst differenziert gestalten zu können, brauche ich also viele verschiedene Ideen. Und zwar nicht nur dafür, wie die Person zum Zeitpunkt meiner Geschichte denkt und fühlt, sondern auch wie seine/ihre Kindheit und Jugend aussah, welche Folgen, Probleme, Stärken etc. das für die Gegenwart mit sich bringt. Also wie und warum er sich zu dem Menschen entwickelt hat, den ich in meinem Text darstelle. Und um zu verstehen warum Menschen wie ticken, müssen wir uns nicht unbedingt großartig mit Psychologie auskennen. Meistens reicht es, wenn wir lernen, Menschen denen wir begegnen zu verstehen, über sie zu lernen und das als Inspiration für uns zu nutzen.

Eigene Erfahrungen machen Texte authentisch

Ich kann nur glaubwürdig  darüber schreiben, wie mein Protagonist sich fühlt während er seine große Liebe trifft, wenn ich selbst einmal verliebt war. Zumindest kann ich nur dann wirklich ins Detail gehen und mehr schreiben als „Er hatte Schmetterlinge im Bauch und sie verdrehte ihm sofort den Kopf.“ . Und es sind eben gerade die Details, die einen Text gut und tiefsinnig machen.

Das machen persönliche Erfahrungen und Erlebnisse auch so wichtig, wenn es ums Schreiben geht. Ich habe mich lange gefragt, woher Autor*innen ihre Ideen nehmen und seit ich die Erfahrung gemacht habe, dass es viel im eigenen Leben gibt, was gut in eine Geschichte passen würde, gehe ich viel aufmerksamer durch die Welt und kann auch ein Stück weit dankbarer sein.
Wie oft habe ich mir gewünscht mit meinen Lieblingscharakteren den Platz tauschen zu können und ein Leben zu leben, wie es im Buche steht.  Aber mittlerweile ist es andersherum: Meine Charaktere erleben Dinge, die sich erlebt habe. Sie treffen Menschen, die mich persönlich faszinieren. Und meine Gedichte tragen Stimmungen, die ich gefühlt und kennen gelernt habe.

Klar, wenn ich eine Entführungsszene schreibe, dann kann ich nicht unbedingt meine Erfahrungen mit einfließen lassen, wenn ich noch nie entführt wurde, worüber ich sehr froh bin. Aber zum kleinen Teil eben doch: Ich hatte in meinem Leben mit Sicherheit schonmal Angst, kann also dieses Gefühl beschreiben, ich weiß, wie es in einem Auto riechen könnte etc.

Beim Schreiben kann man also nicht auf eigene Erfahrungen verzichten!

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Literaturempfehlung – Das zweite Leben des Cassiel Roadnight

Titel: Das zweite Leben des Cassiel Roadight

Autorin: Jenny Valentine

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2011

Handlung: Der Roman beginnt damit, dass der obdachlose Jugendliche Chap herausfindet, dass ein Junge vermisst wird, der ihm sehr ähnlich sieht. Dieser Junge heißt Cassiel Roadnight. Um dem Straßenleben zu entkommen und weil er sich sehnlichst eine Familie wünscht, stiehlt er die Identität dieses Jungen. Niemand darf herausfinden, dass er nicht wirklich Cassiel ist und alles was er tut, was er sagt, ja sogar seine Essgewohnheiten könnten ihn verraten. Aber nicht nur das strapaziert seine Psyche. Quälende Fragen machen Chap zu schaffen: Warum ist der eigentliche Cassiel verschwunden? Wird er eines Tages vor der Tür stehen? Wo ist er? Die Familie, vor allem Cassiels großer Bruder Frank, hat einige Geheimnisse. Und die stellen sich als potentiell lebensgefährlich für ihn heraus.

Das Buch ist in der 1. Perspektive aus Sicht von Chap geschrieben. Zwischen den Kapiteln über die oben beschriebene Handlung schreibt Valentine über Chaps bewegende Kindheit mit seinem Großvater.

Meine Meinung dazu: Ich habe das Buch erst auf Deutsch, dann auch in der Originalsprache Englisch gelesen. Die Übersetzung finde ich sehr gut gelungen, da die Atmosphäre erhalten bleibt.

Ich konnte mich sehr gut in die Wünsche, Ängste, Sehnsüchte und sonstigen Gefühle von Chap hineinversetzen, Jenny Valentine hat das sehr eindrücklich und mitreißend beschrieben. Chaps Gefühle und Beziehungen zu den im Roman vorkommenden Charaktere werden deutlich und klar dargestellt. Das Buch lebt von wenigen Charakteren, die unglaublich interessant und differenziert gestaltet sind. Jeder Charakter hat seine eigene Geschichte, wurde detailliert durchdacht und man kann sie sich als Leser sofort gut vorstellen.

Sehr gut gefallen mir zudem die vielen überraschenden Wendungen und Plot Twists. Sie machen das Buch unvorhersehbar und sind der Grund dafür, warum ich keine komplette Zusammenfassung der Handlung schreiben wollte – da wäre einfach zu viel weggenommen worden. Trotzdem habe ich das Buch jetzt schon einige Male gelesen. Auch wenn die „Schock-Momente“ schon bekannt sind, ist es sehr interessant, welche Andeutungen und Hinweise Valentine schon am Anfang der Geschichte versteckt.

In dem Buch vom Jenny Valentine passiert unglaublich viel. Es ist nie langweilig und bleibt von Anfang bis Ende spannend, trotzdem ist es nicht überladen. Der Roman hat mich mit seiner Dramatik, Tragik und seiner Handlung sehr bewegt und regt zum Nachdenken über Identität, Familie und Heimat an. (Ich habe es mir 16 gelesen, meine Mutter hat es auch gelesen und ist sehr begeistert – das Buch ist also sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet!)

Das zweite Leben des Cassiel Roadnight ist mein abolutes Lieblingsbuch und ich würde mich über eure Meinungen dazu freuen, wenn ihr es schon kennt, oder nachdem ihr es gelesen habt. 😀

 

Die Autorin Jenny Valentine wurde 1970 in Cambridge geboren und studierte Englische Sprache und Literatur in London. Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Kinder in Hay-on-Wye. Dort spielt auch dieser Roman. Sie bekam einige Auszeichnungen für ihre Bücher, zum Beispiel für “Kaputte Suppe” und “Das zweite Leben des Cassiel Roadnight”. In einem Interview mit dtv erzählte sie, dass sie am Schreiben gut fände, dass man es überall machen könne. So schreibe sie zum Beispiel daheim auf ihrem Bett oder in ihrem Arbeitszimmer mit Holzofen, im Sommer in einem umfunktionierten Pferdeanhänger etc. Sie könne fast überall schreiben, erzählt sie, außer sie sei nicht in Stimmung dafür. Beim Schreiben versuche sie in ihrer Geschichte zu verschwinden und denkt nicht an den Leser oder daran, dass sie Schriftstellerin ist.

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