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Saigels Irr(e)lichter – Der Höhenflug

 

Als Hobbyautor verschieben sich ständig die Prioritäten. Zeitweise wird viel geschrieben und alles andere steht hinten an. Ja, es gibt Phasen, da wird ständig über eine Idee nachgedacht, ein Plot hin und her gewälzt, bis er endlich passt oder es wird geschrieben, korrigiert und wieder geschrieben. Solche Schreibphasen sind schön. Allerdings können sie auch vieles verdrängen, das es auch wert ist, genauer betrachtet zu werden.
Befinde ich mich am Ende eines solch schreibwütigen Abschnitts, atme ich oftmals tief auf. Dann beginne ich damit, wieder Bücher zu lesen, ich widme mich meinem privaten Umfeld, meinem Beruf, ich habe Freude daran am Abend die Schreibtischlampe auszulassen und mich völlig auf die Musik zu konzentrieren, die sonst schändlich verkannt im Hintergrund abläuft. Es fühlt sich so an wie ein „aus-dem-Schneckenhaus-kriechen“. Um den schriftstellerischen Exzess verdauen zu können, bleibe ich erst mal abstinent und bemerke all das, was mir durch diesen unwiderstehlichen Sog des „schreiben-Wollens“ entgeht.
Leider gibt es zumeist keinen Mittelweg. Eine Geschichte zu schreiben kann schnell auch mal zur Sucht werden. Erst dann, wenn die Fliege im Netz es geschafft hat sich zu befreien begreift sie, dass sie von der Spinne hätte gefressen werden können. Abstand tut gut und der Blick relativiert sich. Denn ein Autor verfällt oft zu gerne dem Gefühl, dass das was er oder sie da gerade aufschreibt ungeheuer wichtig ist. So wichtig, dass es beinahe nichts Wichtigeres geben kann. Ich würde das als Höhenflug beschreiben, auch wenn das Wort im allgemeinen negativen Gebrauch findet. Es ist ein Höhenflug, aber es muss nicht negativ sein, solange der Absprung doch immer wieder geschafft wird. Ein Autor braucht Erdung bevor er schreiben kann. Die Worte heben ihn dann wieder in die Lüfte, lassen ihn schweben, ihn träumen, ihn alles vergessen, was dort unten zu ihm gehört. Ein schöner Höhenflug, der alsbald wieder auf dem Boden enden muss um mit einem tiefen Aufatmen verlauten zu lassen, dass die Worte nur eine Sphäre im Leben bilden, die es sich lohnt zu erleben.

Eure Saigel

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1 Kommentar

  1. Ein wirklich toller Text liebe Saigel, ich habe mich in so vielen Zeilen wiedergefunden und ich finde du machst Mut auf jeden Fall weiterzuschreiben.

    Ab sofort bist du eine “Mutmacherin” die es sich lohnt gelesen zu werden.

    Vielen Dank

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