Saigels Irr(e)lichter – Das Schreibgefühl

Ein Gefühl, das abhängig macht. Eine Droge, wenn man so will. Schreiben kann einiges auslösen. Dabei ist es völlig egal, ob der Autor einen Bestseller geschrieben, oder lediglich sein tägliches Kreuzworträtsel ohne Hilfestellung vollendet hat. Es ist dasselbe Gefühl. Es fühlt sich an wie ein Urlaubsgefühl. Ein Gefühl von Leichtigkeit und Erfolg. Ein Höhenflug, der vielleicht nur kurz andauert, denn in jedem von uns steckt ein kleiner Nörgler, der selbst den schönsten Text kritisieren und das schwerste Kreuzworträtsel banalisieren kann.
Das ist wohl die Essenz des Schreibgefühls: es fühlt sich wahnsinnig gut an und dann plötzlich nicht mehr. Das Schreibgefühl ist ein endlos rollendes Rad auf einem Weg aus Höhen und Tiefen, unendlich weit und niemals gleich. Hier und da sind kleine und große Steine, dann kommt da Sand und Moos, bevor es wieder einen steilen, felsigen Abhang hinauf geht. Mal fährt es tonnenschwer auf dem unergründlichen Meeresgrund, mal dreht es sich wie ein Propeller in leichten, überschaubaren Lüften.

Das Schreibgefühl. Ein unberechenbarer Begleiter eines jeden Autors und Denkers. Ein freundlicher Gast und ein gemeiner Zeitdieb.
Ob nun das Gelesene genauso empfunden wird wie das Geschriebene? Diese Frage beschäftigt mich bereits eine Weile. Werden die Texte, die mir mühselig von der Hand gingen auch genauso gelesen? Werden die Geschichten, die ich innerhalb eines Tages auf Papier bringen konnte, auch genauso schnell verschlungen? Bis jetzt habe ich noch keine eindeutige Antwort darauf gefunden.
Ein individueller Text wird wohl stets irgendwo Anklang finden. Es gibt immer Texte, die zwar selbst verfasst, jedoch ohne Zugang einfach in den Weiten der Schreibtischschubladen verschwinden. Der Gedanke daran, dass jeder Text seinen Leser hat, auch wenn sich selbst der Autor nicht zu dieser Gruppe zählt, ist tröstlich. Das Rad dreht sich weiter auf seinem Weg und auch wenn dieser beschwerlich erscheint, kann er für jemand anderen ein Morgenspaziergang sein.
Verständnis ist demnach subjektiv. Daran glaube ich. Allerdings bedeutet das auch, dass jeder Leser das aus einem Text heraus liest, was er lesen will und wenn er nichts für sich findet, so lehnt er ihn wohl ab, oder öffnet sich für etwas Neues. Hieraus schließe ich für mich, dass es mein Schreibgefühl und nicht der Leser sein sollte, das mich zum Schreiben bewegt.

Eure Saigel

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