Schreibkommune

Autorinnen und Autoren im Netz

Monat: Mai 2019

Wie bereite ich mich auf Blogbeiträge vor?

Aalso zu Beginn meiner Blogger-Aktivitäten schrieb ich einfach drauflos. Einfach nur so, ohne wirklich darüber nachzudenken, worüber ich da eigentlich philosophiere.

Sicherlich achtete ich auf Formulierungen und Co., aber es war einfach unbeschwerter. Ja, fast schon blauäugig, weil ich mir nicht die Gedanken machte über das “Wie?” und “Warum?” …

Und doch war es auch die Form des Schreibens, die für mich eine Herausforderung war, denn ich musste aus meiner höchstpersönlichen Komfortzone heraustreten. Mich an etwas Neues wagen, was ziemlich schwer für jemanden ist, der sich im Mittelpunkt einer Runde nicht sonderlich wohl fühlt.

Auch bei den jetzigen Texten muss ich meinen inneren Schweinehund bekämpfen und ihm irgendwas zum Fressen geben, damit ich in Ruhe meine Texte schreiben kann.

Und sobald ich es geschafft habe, aus meinem eigenen Schatten herauszutreten, merke ich, wie es sich mit jedem Beitrag lohnt, aus dieser “Dunkelheit” rauszuschnuppern.

Dies soll kein Text werden, in dem ich mich darüber beschwere, wie ich mit mir hadere, sondern eher darüber, wie ich in den letzten 2 Jahren für mich eine kleine aber feine Strategie gefunden habe, um Beiträge zu verfassen.

Mittlerweile fordere ich mich immer wieder heraus, um mich mit den unterschiedlichsten Themen zu befassen. Dabei geht es darum, was mir gerade durch den Kopf spukt, oder um etwas, das ich ein wenig planen muss.

Mittlerweile ist es so, dass ich mir das eine oder andere Thema notiere, um dann bei Gelegenheit darüber zu schreiben, und hin und wieder muss ich auch dafür recherchieren. Für die Recherche nutze ich sowohl das Internet als auch Bücher oder Zeitschriften. Alles Medien, die mir mehr als nur helfen, meine Gedanken zu ordnen. Das klappt zwar nicht immer, aber ich werde besser …

Die ersten Notizen mache ich zumeist handschriftlich, um dann diesen Text beim Abtippen auf Fehler zu überarbeiten. Zu meinen Mankos gehören z. B. Wortdopplungen, fehlende Wörter oder Satzteile oder Satzzeichen.

Diesen Text lasse ich dann meist einige Tage liegen, um mir ihn dann erneut mit ein wenig Distanz durchzulesen. Hierbei kann es jedoch vorkommen, dass ich mit dem, was ich erschaffen habe, nicht zufrieden bin. Ist das der Fall, wende ich mich an Personen, die nochmal drüber lesen sollen.

Das mache ich, um der eigenen “Betriebsblindheit” vorzubeugen und um nicht nur Mist online zu stellen. So etwas hilft ungemein.

Nach dieser Resonanz erfolgt die letzte Überarbeitung und dann das veröffentlichen des Beitrages.

Es hört sich zwar viel an und vielleicht auch ein wenig verstörend, aber das ist das, was ich mir in den letzten Monaten und Jahren erarbeitet habe und ich kann darüber doch ein wenig stolz sein.

Aufrufe: 22

Gottes Hammer XV

„Was zur Hölle ist mit dir geschehen?“

Iliana hielt den Atem an. Teshin und die Dämonin musterten sich gegenseitig, ohne auch nur einen Finger zu rühren. Stille kehrte ein. Allein das Zischen der giftigen Flüssigkeit in Sitraxas Narben erfüllte die Luft.

Im nächsten Moment erklang ein Klirren wie von einer zerbrechenden Vase. Ilianas Blick flog zum Eingangstor. Das blutrote Siegel verschwand langsam. Sitraxas Zauber verlor seine Wirkung.

Einen Augenblick später wurde die Tür aus den Angeln gehoben. Funken stoben, als Halgin und Esben in den Raum stürzten.

Sitraxas Züge verzerrten sich zu einer animalischen Maske aus Wut und sie deutete stumm auf den gefiederten König. Erneut schoss eine Feuersäule empor, der Halgin jedoch elegant auswich. Teshin hob Murakama und hüllte sich in rotes Licht, doch Sitraxa bedrängte ihn mit einer Druckwelle. Die Wucht des Angriffs schleuderte selbst Iliana schmerzvoll zu Boden, Teshin jedoch hielt diesmal stand.

Ehe er jedoch reagieren konnte, schlug Esben sein Buch auf und sprach ein Wort der Macht.

Es war ein gedehnter Laut, der wie ein Lockruf Ilianas Ohren umschmeichelte. Beinahe verspürte sie das Bedürfnis, sich dem großen Folianten zu nähern. Im nächsten Moment stand sie bereits auf beiden Beinen und trat auf Esben zu. Der Schmerz des Sturzes versank in einem warmen Sumpf.

Sitraxa traf der Zauber härter. Sie kroch mit wild rudernden Armen und einem wahnsinnigen Grinsen im Gesicht zu Esben. Kaum hatte sie ihn erreicht, erhob sich ein Sturm aus Magie, der die Dämonin regelrecht in die vergilbten Seiten saugte. Grelles rotes Licht erhellte den Raum. Iliana musste geblendet die Augen schließen. Im nächsten Moment war es vorbei. Auf den leeren Seiten befand sich nun eine realistische Illustration der Dämonin, sowie alte Schriftzeichen, die Iliana nicht lesen konnte.

Stille legte sich über sie wie ein dunkles Tuch. Kurz tauschten die vier Blicke miteinander aus, dann holte der Schock Iliana mit voller Wucht ein. Ihre Knie gaben nach und sie sank entkräftet zu Boden. Ein Tränenschleier legte sich über ihre Augen.

Teshins Stimme klang schwach, als er das Wort ergriff. „Tja“, stieß er heiser hervor. „Danke.“

Dann kollabierte er.

Halgin stieß ein überraschtes Krächzen aus und Esben ließ beinahe das schwere Buch fallen. Iliana musterte Teshin schockiert. Erst jetzt bemerkte sie seine Wunden.

Durch die rote Aura seiner verstärkten Magie hatte sie das viele Blut nicht gesehen. Aus seinen Armen, seinen Beinen und sogar aus der Platzwunde an seinem Kopf sickerte beständig das Leben.

Halgin eilte sofort an seine Seite. Grünes Licht erfüllte das dunkle Verlies, als der König einen Heilzauber wirkte.

„Heilen könnt Ihr auch noch?“, fragte Teshin leise. Der Ton seiner Stimme erschreckte Iliana mehr als seine ermatteten Gesichtszüge.

Halgin nickte langsam. „Du hast viel Blut verloren“, krächzte er schließlich. „Hat diese Dämonin dir so sehr zugesetzt?“

„Nicht nur.“ Ein Hustenanfall schüttelte Teshin. „Aber das habt Ihr mit Sicherheit schon bemerkt. Das rote Licht schlägt nicht nur dem Feind Wunden.“

Iliana sah die beiden überrascht an. Wovon sprachen sie?

Halgin blieb ihre Verwirrung nicht verborgen. „Während wir das Siegel zu brechen versuchten, nahmen wir den Kampf wahr. Eine kleine blaue Flamme gegen eine gewaltige rote. Als die blaue Flamme beinahe erloschen war, verwandelte sie sich in einen ebenfalls roten Feuersturm.“ Halgin legte eine Pause ein. „Ich habe dich stets unter Vorbehalt Angnaur genannt, doch nun bin ich mir sicher. Du bist ein Dämon, richtig?“

Iliana erstarrte. Sie wollte daran nicht glauben, obwohl sich die Vermutung nahezu aufdrängte. Auch wenn sie Teshin für den Wahnsinn hasste, den er in ihr Bewusstsein pflanzte, sah sie ihn dennoch als Menschen. Obwohl – oder gerade weil – er ihren Wunsch nach Rache verkörperte.

Teshin seufzte geschlagen. „Die Hinweise waren zu zahlreich, nicht wahr?“

Halgin nickte. „Du entstammst einem adeligen Haus, dessen Familienoberhaupt sich mutig opferte, um den Kult des Irodeus zu zerschlagen. Du bist der Sohn von Arion Heilsbringer, nicht wahr? Der mächtige Ritter, der die Klinge Megingjormar besaß und hinterrücks ermordet wurde?“

Teshin nickte langsam.

Iliana ertrug es nicht länger. „Aber das muss doch nichts heißen!“, platzte sie heraus. „Spricht das nicht eher für als gegen ihn?“

Esben schüttelte den Kopf. Halgin seufzte traurig. „Iliana, Kind, wie alt ist Teshin deiner Schätzung nach?“

Iliana betrachtete den Söldner kurz. „Zwanzig Jahre? Dreißig Jahre?“, riet sie.

Ein amüsierter Laut entfuhr Teshin.

Halgins Augen leuchteten im grünen Licht seiner Heilmagie. „Arion Heilsbringer starb vor über fünfzig Jahren“, erklärte er. „Danach trat der Kult des Irodeus in die Öffentlichkeit und der lange und verheerende Bürgerkrieg nahm seinen Lauf.“

Iliana starrte Teshin fassungslos an. Dieser junge Mann sollte über fünfzig sein? Teshins schmales Lächeln schien sie alle zu verspotten.

„Glückwunsch“, sagte er heiser. „Was sonst?“

„Du kanntest die Dämonin, richtig?“, fragte Halgin. „Ich habe gehört, was du kurz vor Esbens Angriff gesagt hast.“

Teshin nickte langsam. „Ich kenne sie“, erwiderte er schließlich. „Aber nicht als Dämonin. Ich bin ihr vor langer Zeit begegnet.“

Iliana kam ein Gedanke. „War das etwa … Saskia?“

Teshin schüttelte den Kopf. „Nein“, flüsterte er.

Halgin holte tief Luft, als Teshin schwieg. „Angnaur, ich weiß nicht, wie viel Zeit dir noch bleibt. Ich denke, wir verdienen die Wahrheit. Wer … und was … bist du wirklich?“

Teshin lächelte. Dann begann er zu sprechen.

„Ihr habt gewonnen, Majestät. Wenn Ihr meine Vergangenheit kennt, könnt Ihr vielleicht eher herausfinden, was in den letzten Monaten tatsächlich geschehen ist. Selbst wenn ich nicht mehr erfahren werde, was mit Saskia geschehen ist…“ Er räusperte sich, was zu einem Hustenanfall führte. „Falls ich hier sterbe.“

Esben ließ sich neben ihm nieder und sprach ein eindringliches Gebet.

Teshin holte tief Luft, dann erzählte er seine Geschichte.

„Ich wurde vor vierundsechzig Jahren als drittältester Sohn von Arion dem Heilsbringer, dem Herzog von Astaval, geboren. Ich hatte zwei Brüder und zwei Schwestern. Eine dritte wurde kurz vor Beginn des großen Krieges geboren.“ Wieder hustete er. „Wir alle wuchsen in dem Wissen auf, die Kinder des stärksten Mannes im Reich zu sein. Mein Vater Arion führte die Klinge Megingjormar und man erzählte sich zahlreiche Geschichten über ihn. Im Kampf war er wohl wirklich nahezu unbesiegbar. Aber außerhalb des Schlachtfelds konnte er sich kaum behaupten.“ Teshins Blick schweifte in weite Ferne. „Er war ein guter Vater, aber immer etwas unbeholfen. Rückblickend betrachtet denke ich, dass es ihm stets schwerfiel, die Gefühle anderer einzuschätzen. Ebenso war er ein schlechter Politiker. Die staatlichen Geschäfte lagen beinahe vollständig in den Händen unserer Mutter. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb er immer viel von Ehre hielt und sich dem strengen Kodex der Ritterschaft stets verpflichtet fühlte. Er war für ihn eine Art Anleitung, wie man sich in der Gesellschaft richtig verhalten sollte.“ An dieser Stelle brach Teshin kurz ab. Als er weitersprach, klang seine Stimme dünn. „Die ersten zehn Jahre meines Lebens habe ich davon nicht viel bemerkt und verstanden. Ich war einfach stolz, so einen ehrenhaften und starken Vater zu haben. Aber nach meinem zehnten Geburtstag änderte sich alles.

Es begann mit dem Einsetzen der Hexenverfolgungen. Zu jener Zeit verwüsteten Hagelstürme das Reich, die Pest wütete unter der einfachen Bevölkerung und der Bürgerkrieg war bereits absehbar. Die Menschen waren verunsichert und ängstlich. Ein alter Mönch aus Aminas lieferte ihnen einen Sündenbock für ihre missliche Lage.“

Teshin hob eine zitternde Hand, um sich die Schläfen zu massieren. Iliana ahnte, was als nächstes kommen würde.

„Als die Hexenverfolgungen begannen, war mein Vater mit der Lage völlig überfordert. Er war ein Mann des Schwertes und der Ehre. Als Feinde konnte er sich nur gerüstete Männer oder Dämonen vorstellen, aber keine alten Frauen und jungen Mädchen. Er verlangte eine Erklärung von der Denomination und sie machte den Fehler, ihn aufzuklären.“

Teshin versuchte, sich aufzusetzen, aber er sank zurück in den Staub. Das grüne Licht schien heller zu glimmen.

„Es gab und gibt keine Hexen. Es handelt sich nur um Aberglauben. Die Gründung der Inquisition diente nur zur Beruhigung der Bevölkerung und dazu, die fanatischen Hexenjäger unter Kontrolle zu haben, die sonst ohne die leitende Hand der Geistlichkeit in den Provinzen ihr Unwesen getrieben hätten. Leute wie Medardus werden zwar von der Denomination mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, aber letztendlich ist all das nur Fassade. Die Bischöfe sehen die Inquisitoren als notwendiges Übel, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern.“ Teshin hustete erneut. Staub wirbelte um ihn herum. „An diesem falschen Spiel zerbrach mein Vater. Er konnte mit dieser Information einfach nicht umgehen. Uns Kindern fiel natürlich auch auf, dass unser sonst so netter Vater mit etwas haderte. Das war das erste Anzeichen, dass die glücklichen Tage zu Ende gingen.

Eines Tages kam dann ein Mann zu uns. Er war alt und blind und verlangte, unseren Vater zu sprechen. Heute weiß ich, dass er ein Bote des Dämons Irodeus war.“

Teshin hustete bei der Erinnerung. Ein Schauer ließ ihn erzittern. „Irodeus machte unserem Vater das Angebot, alle Menschen in seinem Herzogtum zu beschützen, Hexenverfolgungen zu verhindern und sogar die Seuchen und Stürme zu beenden. Als Gegenleistung musste er dem Dämon zwei seiner Kinder weihen. Eines, das bereits am Leben war, eines noch im Mutterleib.“

Iliana starrte den Söldner fassungslos an. Sie ahnte, in welche Richtung die Erzählung ging. „Ich weiß nicht, wie er meinen Vater überredete oder wieso seine Wahl auf mich fiel“, flüsterte Teshin. „Wie auch immer, ich wurde umgetauft und dem Dämon geweiht. Seither trage ich einen dunklen Namen. Deshalb wollte ich den Lehenseid nicht schwören.“ Halgin nickte mit betrübtem Blick. Teshin hustete. „Ich werde es auch jetzt nicht tun. An einem Ort wie Hornheim wirkt mein Name wie ein Wort der Macht. Wenn wir also nicht sämtliche Dämonen im Umkreis von hundert Meilen auf uns aufmerksam machen wollen, lassen wir es lieber.“ Er hustete. Blut spritzte aus seinem Mundwinkel. Halgin verkrampfte sich und das grüne Licht erstrahlte noch heller.

„Bis zu meinem vierzehnten Lebensjahr blieb unser Land tatsächlich größtenteils von den Katastrophen verschont. Die Pest ging zurück, Ernteausfälle wurden weniger und sogar die Hexenprozesse fanden kaum noch statt. Dennoch war der Preis furchtbar. Mein Vater musste eine eigene Kultstätte errichten, Gläubige einweisen und dem Dämonenkönig huldigen.“ Teshin wandte den Blick ab. „Als der Kult immer weiter wuchs und Irodeus ein Menschenopfer verlangte, ertrug er es nicht länger. Er leistete Abbitte bei der Denomination und brach den Vertrag.“ Kurz legte sich Schweigen über sie, bevor Teshin mit zitternder Stimme weitersprach. „Heute wird berichtet, dass die Kultisten meine Familie ermordet haben. Das ist falsch. Tempelsöhne haben unsere Burg gestürmt. Meine beiden älteren Brüder stellten sich ihnen allein entgegen, sodass ich mit meiner neugeborenen Schwester entkommen konnte. Sie war das zweite Kind, das Irodeus geweiht wurde.

Mein Vater hatte Vorkehrungen getroffen. Ich traf einen alten Fischer, der mich zu ihm und meine Schwester in Sicherheit bringen sollte. Der Fischer meinte nur, dass mein Vater mir alles erklären würde und ließ mich ahnungslos zurück, während er mit meiner Schwester ins Ungewisse fuhr . Mein Vater erklärte mir nichts mehr. Ein Meuchler der Denomination tötete ihn, bevor ich ihn erreichen konnte. Natürlich wurde die Tat den Kultisten in die Schuhe geschoben. Die Denomination erfand die Geschichte von ihm als Agenten und rettete damit seine Ehre. Seine Familie aber schlachtete sie ab.“

Wut schlich sich in Teshins Stimme.

„Nach Vaters Tod hörte ich, dass mein Bruder Seimos überlebt und Verbündete um sich geschart hatte. Er fiel drei Wochen später auf dem Schlachtfeld, aber diese kurze Zeit reichte ihm, um einen Bürgerkrieg auszulösen. Irodeus’ Segen war verschwunden und die gesamte Wut entlud sich. Und ich … ich war allein, meine Geschwister alle verschollen oder tot. Also verdingte ich mich als Söldner, gab Personenschutz oder half Menschen in Not. So kam ich auch zu … ihr.“

Teshin deutete auf die Überreste von Sitraxas entsetzlichem Spinnenleib.

„Sie war das schönste Mädchen im ganzen Dorf. Ihr Vater beauftragte mich für ein ganzes Jahr, den Frauen beim Wasserholen Begleitschutz zu geben. So lernten wir uns kennen.“ Ein Lächeln schlich sich auf Teshins Gesicht. Seine glasigen Augen blitzten hell. „Ihr Name war Silena. Ich verliebte mich Hals über Kopf in sie und alles wäre vielleicht gut gelaufen … aber eines Tages kam das Heer des Fürsten von Aminas und schlug in der Nähe das Lager auf. Die Soldaten verlangten die Herausgabe der gesamten Ernte von den Dorfbewohnern. Natürlich konnten sie nicht einwilligen. Wovon hätten sie sonst gelebt? Die Soldaten gaben den Dörflern einen Tag Zeit. Sollten sie sich danach immer noch weigern, würden sie sich einfach gewaltsam nehmen, was sie wollten.

Ich wusste, dass wir keine Chance hatten. Ich überlegte gerade, zu fliehen, als mir der alte Mann erschien.“

Mit einem Mal schien es im Raum kälter zu werden. Teshin hustete erneut. Diesmal dauerte es länger, bis er wieder sprechen konnte.

„Er erzählte mir alles über meinen Vater und über meine Weihung. Durch Irodeus’ Segen würde ich nur langsam altern und viele Jahre leben. Er redete mir ein, dass der Dämon mir schon viele Gefallen getan hätte und bot mir daraufhin einen Vertrag an. Damals war ich verzweifelt genug, das Angebot anzunehmen. Der Kontrakt ist immer noch in Kraft. Ich erlangte dadurch nicht nur starke Magie, sondern bekam auch drei Wünsche freigestellt. Meinen ersten Wunsch verwendete ich, um das Dorf zu beschützen. In jener Nacht entstieg Irodeus höchstselbst der Finsternis und am nächsten Morgen waren sämtliche Soldaten verschwunden.“ Teshin atmete schwer. „Aber Irodeus erfüllt keine Wünsche ohne Gegenleistung. Für die Leben der Soldaten holte er sich Silena. Ich habe jahrelang nach ihr gesucht und schließlich aufgegeben, aber ich habe mich immer gefragt, was wohl aus ihr geworden ist.“ Eine Träne löste sich aus seinen Augenwinkeln. „Nun weiß ich es.“

„Meine Informationen unterstreichen das.“ Esben deutete auf Sitraxas Seite im Buch. „Sitraxa ist eine alte Dämonin, die schon in Texten vor Esbens Kirchbau erwähnt wird. Man erzählt sich, dass sie ihre Opfer langsam auffrisst und sich ihre Seelen einverleibt. Gefällt ihr ein Mensch besonders gut, verschmilzt sie mit seinem Körper. Das dürfte hier geschehen sein.“ Esbens Gesicht verzerrte sich zu einer Maske der Abscheu.

„Das hat sie nicht verdient“, murmelte Teshin schwach. „Sie war so nett zu mir und ich … ich habe sie einfach geopfert.“ Seine Stimme brach. „Nicht einmal Saskia habe ich so vieles von meinem Leben erzählt“, sagte er schließlich leise.

Iliana konnte Silenas Schicksal kaum erfassen. Sitraxa hatte sie wenige Sekunden lang mit einem Zauber gefoltert und sie auf diese Weise an den Rand des Wahnsinns gestoßen. Sie wagte nicht, sich eine solche Behandlung über Stunden hinweg auch nur ansatzweise vorzustellen.

Halgin wirkte nicht minder schockiert. Doch er errang seine Fassung bald wieder. „Du sprachst von drei Wünschen. Was ist mit den anderen zweien?“

Teshin schüttelte den Kopf. „Ich habe sie nicht eingesetzt. Ich wollte danach mit Irodeus nichts mehr zu tun haben.“

„Irrtum.“

Die Stimme klang sanft und jung. Sie umschmeichelte Ilianas Ohren und nahm ihr jegliches Gefühl von Furcht oder Beklemmung. Dennoch fuhr sie erschrocken herum. Hinter ihnen stand ein junges Mädchen, kaum älter als sie. Es trug ein schlichtes schwarzes Kleid und eine Art metallenes Halsband. Rote Augen stachen ins Halbdunkel des Raums und zwei gekrümmte Hörner durchstießen die glatten Haare. Ebenso hatte Teshin den Dämonen in der verfluchten Kirche beschrieben.

Iliana wollte zum Bogen greifen, aber etwas im Blick des Mädchens hielt sie davon ab. Darin lag ein schelmisches Funkeln von kindlichem Trotz, ungelenk verborgen hinter einer kalten Fassade von erwachsener Erhabenheit.

Das Mädchen deutete auf Teshin und sprach ein Wort der Macht. Rotes Licht erhellte den Raum und Teshin stand.

Er stand auf beiden Beinen, vollständig geheilt und wiederhergestellt.

„Wenn du Antworten willst, musst du in meine Halle kommen“, forderte das Mädchen leise. „Dort, und nur dort, werden deine Fragen beantwortet.“

Und während Teshin noch verdutzt seine unverletzten Gliedmaßen betrachtete, verschwand das Mädchen in einer Wolke schwarzen Nebels.

Aufrufe: 5

Die Wölfe von Asgard – Das Zeichen der Götter (1/2)

Wir nähern uns dem Ende der Reihe. Nach diesem Kapitel folgt nur noch ein weiteres. Ich hoffe euch hat das Lesen genauso viel Spaß bereitet wie mir das Schreiben 🙂

Snorri spitzte die Ohren. 
Ein Wolf? Hier auf einer winzigen Insel?
Das erschien ihm unwahrscheinlich. Im Wald hatten sie weder Wildwechsel, noch Kotspuren von großen Tieren vorgefunden. Also was ging hier vor sich?
Die Ustenströmer schienen dasselbe zu denken wie er. Nervöse Blicke wanderten durch das Dickicht, suchten es nach potentiellen Gefahren ab. 
Snorri erblickte Aegir, der vor den Männern aus Ustenström in die Knie gegangen war. Sie entledigten ihn seiner Waffe und rissen ihn auf die Beine, wobei sie es sich nicht nehmen ließen, ihm einen Schlag in die Magengrube zu verpassen.
»Schafft sie auf die Schiffe. Entkleidet sie und legt ihnen Ketten an. Nehmt euch von ihnen, was ihr kriegen könnt.« Magnar schritt mit einer feierlichen Geste durch die Reihen seiner Krieger. Von seinen Händen tropfte das Blut.
Als er an Snorri vorbeischritt, musste dieser kurz schlucken. Magnar löste in ihm eine innere Unruhe, eine kindische Angst aus, die ihn mit giftigen Fäden lähmte.
Vor Islav blieb der Jarl von Ustenström stehen. Sein Blick zeugte mehr von Belustigung, als von Abscheu. »Ich habe dich gewarnt. Das Schicksal deines Dorfes lag in deiner Hand. Und du hast sie verraten.«
Er legte Islav fast zärtlich eine Hand an die Wange, musterte ihn abschätzig. Dann schlug er mit der Faust mitten in sein Gesicht. 
Blut tropfte aus der Nase des Jarl. Sein Blick suchte den Boden.
»Ich reichte dir die Hand, unterbreitete dir einen Handel. Und du dachtest wirklich, es sei klug mich zu beleidigen, indem du meinem Hjalmaer -einem stolzen Sohn aus dem Geschlecht der Ustenströmer-, einen klapprigen Gaul vermachst, den er schwängern soll?«
Die Männer des Magnar lachten bitter. Dunkle Stimmen, voller Bosheit und Hohn.
Snorris Puls beschleunigte sich. Was immer gleich geschehen würde, niemand der Anwesenden war wirklich bereit dafür. 
»Doch vielmehr als das, ist sie die jüngere der beiden. Eine Tatsache, die du mir bisher verheimlichen wolltest, nicht wahr? Die Erbfolge ist dadurch ruiniert, unser Handel ungültig«, fuhr Magnar mit ausgebreiteten Armen fort. Er trat Islav mit einer ungeheuren Wucht in die Kniekehle, sodass der Jarl von Skiringssal ächzend zu Boden ging. 
»Ich würde es ja deinen eigenen Männern überlassen, dich zu zerfleischen«, verkündete Magnar und hob das Schwert, setzte es an Islavs Kehle an. »Wenn es mir nicht so einen ungeheuren Spaß machen würde, es selbst zu tun.«
Snorri riss vor Entsetzen die Augen weit auf. Ein Röcheln entfleuchte seiner trockenen Kehle. 
Dann schob sich plötzlich eine Wolke vor den Mond und für einen Augenblick tauchte sich die Welt in ein trostloses Schwarz. Ein schmatzendes Geräusch war zu vernehmen. Dann ein Schrei. Wüste Rufe. Hektische Schritte. 
Panisch versuchte Snorri etwas auszumachen, doch in der Dunkelheit wollte ihm dies nicht auf Anhieb gelingen.
Erst als das Licht des Mondes wieder auf die Lichtung fiel, erkannte Snorri, was passiert war.
Magnar von Ustenström kniete auf dem Boden, der Schaft eines Speeres ragte aus seiner Brust. Ein dünner Faden Blut rann seinen Mundwinkel hinab, dann brach er mit verwundertem Blick zusammen. 
»Nur mir ist es vergönnt, über diesen Mann zu richten«, keuchte eine kratzige Stimme aus einiger Entfernung. 
Hektische drehte sich alles in die Richtung um.
Deila stand auf einem großen Felsvorsprung, in den Händen hielt sie einen weiteren Speer, den sie auf Islav gerichtet hielt. 
Ihr Gewand war von Blut besudelt, ihre Haut hatte sich im Mondlicht schneeweiß gefärbt und dunkle Ränder zierten ihre weit aufgerissenen Augen, sodass es in der Dunkelheit mehr wie der blanke Schädel einer Toten aussah als wie das Gesicht einer Sterblichen. Sie zitterte leicht. Schwankte. Doch noch schien sie sich halten zu können.
»Valkyra«, flüsterte Snorri entsetzt und ballte die Hände zu Fäusten. 
»Wer versucht, sich in den Weg zwischen mich und das Leben dieses Mannes zu stellen, der wird sterben«, ächzte die Nordmaid gequält. »Das verspreche ich euch.« Eine silberne Träne rann ihre Wange hinab. Dann hob sie den Speer in den Himmel. »Für die Wölfe von Skiringssal!« Sie stieß ein markerschütterndes Heulen aus.
Snorris Nacken formte eine Gänsehaut, dann versteinerten sich seine Muskeln vor Anspannung. Für einen Augenblick fühlte er sich wie gelähmt. Dann brach die Welt über ihm zusammen.
Mit einem lauten Schrei warf Deila sich vom Felsen.
Im selben Moment stürmten unzählige Männer brüllend aus dem Dickicht hervor. Ihre Schwerte und Äxte trafen die völlig überraschten Ustenströmer, schon gingen die ersten kreischend unter dem Ansturm zu Fall. 
Snorri rannte wie er noch nie in seinem Leben gerannt war. Er entriss einem reglosen Leichnam zu seiner Rechten sein Schwert, gerade noch rechtzeitig, um den Angriff eines feindlichen Kriegers zu parieren. Die Wucht des Schlages wummerte durch seinen Arm, doch das kümmerte ihn nicht. Die Götter hatten ihnen eine zweite Gelegenheit sich zu beweisen eingeräumt und wenn sie diese nicht nutzten, waren ihre Leben verwirkt.
Snorri legte alle Kraft, die er aufbringen konnte, in seinen Schlag.
Die Parade seines Gegenüber erfolgte nicht schnell genug und das Schwert bohrte sich in seine Schulter. Brüllend ging der Mann zu Boden.
Snorri setzte nach, doch bevor die Klinge den Kopf des Mannes erreichte, schloss er die Augen. 
Ich kann es nicht mit ansehen.
Ein Ruck ging durch seinen Schwertarm und es knackte verheerend, als die Klinge ihr Ziel traf. Schnell wandte er sich ab und suchte sich einen neuen Feind. Sein Blick wanderte über das Schlachtfeld, das nur Verlierer kannte. Leichname und Blut bedeckten den Boden, Schreie und Verwünschungen hallten durch die Nacht, Leiber wuselten hin und wieder zurück und der Mond schaute verächtlich auf das Ganze herab, verhöhnte das Leben aufgrund seiner Kurzweiligkeit. 
Snorri entdeckte Aegir, der damit beschäftigt war, dem Speer eines Gegners auszuweichen, während er sich händeringend nach einer Waffe umsah. 
Wie magisch angezogen, steuerte Snorri auf die beiden zu. Rannte. Überschlug sich fast.
Ein blutbesudelter Ustenströmer kreuzte seinen Weg, hieb mit der Axt nach ihm, doch Snorri tauchte im letzten Moment darunter hinweg. Das Blut rauschte in seinen Ohren, brachte seinen jungen Körper in Wallung. Dann erblickte er einen weiteren Feind, der sich Aegirs Dänenaxt angeeignet hatte. 
Warte nur Bruder, ich komme nicht mit leeren Händen.
Der Ustenströmer hob schnaufend die mächtige Waffe und hielt sowohl Yorrik als auch Knutson damit in Schach, drängte sie sogar zurück. 
Er hat das Boot repariert und uns gefunden. Und das keinen Moment zu früh, schoss es durch Snorris Kopf. 
Der Ustenströmer drehte ihm den Rücken zu.
Jetzt oder nie!
Mit einem Aufschrei bohrte er das Schwert durch den Rücken des Feindes. Er legte so viel Kraft in den Angriff, dass sie vorne aus der Brust wieder austrat. Die Klinge färbte sich in ein dunkles Rot, dann ging der Mann zu Boden.
Seine beiden Kameraden nickten ihm anerkennend zu, dann stürzten sie sich auf den nächstbesten Feind. 
Snorri gönnte sich keine Atempause. Er griff nach dem Stiel der Waffe und schaute sich in Windeseile um. 
Aegir sah sich immer noch seinem Feind gegenüberstehen, doch eine üble Wunde zierte sein Brustbein, wo der Speer ihn getroffen hatte.
Halte durch, Bruderherz.
Mit der Waffe in der Hand stürmte er los, sprang über zwei Leichname hinweg, schlängelte sich zwischen den Reihen der Kämpfer hindurch.
»Fang!« Snorri schleuderte die Axt wie einen Speer, doch sie flog nicht wie geplant, ging drei Schritte neben Aegir zu Boden. 
Schon versuchte der Ustenströmer, ihn mit seiner Waffe zurückzudrängen.
Doch der Riese war schnell wie ein Blitz. Er stürzte sich kopfüber auf die Waffe, ergriff sie und vollführte dann eine Hechtrolle, um dem Speer seines Gegners auszuweichen. Abermals stieß der Mann mit seiner Waffe nach ihm, doch Aegir schlug den Speer mit der Kraft eines Gottes entzwei. Holz splitterte in alle Richtungen, dann ertönte ein erschrockener Aufschrei.
Aegir wirbelte herum und die Axt traf den Mann genau vor die Brust. Knochen knackten, dann brach der Mann, von der Wucht des Schlages getroffen, reglos in sich zusammen. 
Keuchend sahen sich die beiden Brüder für einen Augenblick an. 
»Das war verdammt knapp«, ächzte Snorri erleichtert. »Ich dachte schon, ich verliere dich.«
»Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen.« Aegir eilte mit dem Blick eines Raubtieres zu ihm herüber. »Auf, ihr Männer von Skiringssal!«, schrie er aus voller Kehle, während er die Axt in die Höhe hielt. »Auf und bis ans Ende der Welt!«
Brüllend stürzte er sich in die Schlacht, schlug mit der Axt nach links und rechts. Hackte auf Fleisch und Metall gleichermaßen ein. Feinde fielen vor seinem Angesicht wie die Fliegen. Knochen brachen. Blut sickerte in die feuchte Erde. Schreie ertönten. Der Riese war zurückgekehrt und er kannte keine Gnade.

Aufrufe: 2

Aus und vorbei

Ich stehe am Fenster und sehe ihr nach. Sie öffnet die Wagentüre, dreht sich noch einmal um und winkt. Mechanisch winke ich zurück. Ich fühle mich leer und spüre nichts dabei.
Als sie mir heute Morgen sagte, dass sie nicht mehr kommen werde, dachte ich zuerst, sie mache einen Scherz. Wir hatten einen vergnüglichen Abend verbracht und eine schöne Nacht. Fröhlich und offen hatte sie wie ein Wasserfall erzählt und ich hatte ihr fasziniert zugehört. Nichts hatte auf eine Veränderung hingedeutet.
Sie war, wie auch all die anderen zuvor, mein Fenster zum Leben. Durch ihre Augen sah ich das, was ich selbst schon lange nicht mehr erleben durfte. Und wenn sie von langen Nächten in den verschiedensten Kneipen erzählte, von Live-Musik und Bier vom Fass, weckte das verschüttete Erinnerungen in mir. Vage Bilder von mir selbst flackerten dann durch mein Bewusstsein. Ich sah mich, wie ich stundenlang über staubtrockenen Gesetzestexten brütete und verzweifelt zu verstehen versuchte, was ich da las. Zum Ausgleich dafür trieb ich mich damals fast jede Nacht in der Stadt herum. Schaute mir die Menschen an. Trank hier ein Bier und dort ein Glas Wein. Ich kam nicht zur Ruhe, es gab so viel zu sehen, so viel zu staunen. In dieser Zeit träumte ich davon, alles hinzuwerfen und stattdessen Psychologie zu studieren. Doch ich traute mich nicht. Es hätte Vater nicht gefallen. Mein Studium war eine einzige Qual gewesen. Kaum zu glauben, dass ich meinen Beruf trotzdem lieben gelernt hatte.
Lag es an mir? Warum wollte sie mich nicht mehr? Beim Einschlafen hatte sie sich noch genussvoll an mich gekuschelt, mich geküsst und mir eine gute Nacht gewünscht.
Ernst hatten ihre blauen Augen mich am Morgen angesehen. Ich spürte, dass ihr Entschluss unumstößlich war und ich dabei kein Mitspracherecht hatte. Sichtlich verwirrt wartete sie auf meine Reaktion, vielleicht auch auf Vorwürfe oder Anklagen. Doch ich blieb stumm. Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf, doch keine war es wert, ausgesprochen zu werden. Wozu auch? Sie wollte mich verlassen und die Gründe dafür lagen auf der Hand. Ich hatte sie nur verdrängt. Ihr Studium war beendet. Ein längerer Auslandsaufenthalt war bereits geplant. Danach würde sie irgendwann eine Familie gründen. In ihrem zukünftigen Leben war kein Platz mehr für den grauhaarigen Liebhaber.
Wir hatten noch miteinander gefrühstückt. Sie hatte ganz normal geplaudert, meine Wortlosigkeit kommentarlos akzeptiert. Ich beobachtete jede ihrer Bewegungen. Versuchte, mir ihr Bild einzuprägen, für immer.
Zum Abschied küsste sie mich sanft und lange. Es fühlte sich an wie ein Messer in meinem Herzen. Und doch, es war ein süßer Schmerz. Während sie im Bad ihre Kosmetiktasche packte, öffnete ich ihre Handtasche. Ich nahm ein Foto von ihr aus ihrem Geldbeutel und steckte es in meine Brieftasche. Eine einsame Träne lief über meine Wange. Ich wischte sie weg.
„Mach´s gut, Andreas. Und vielen Dank für alles. Ich habe dich sehr lieb.“ Ein letztes Mal nahm ich sie in den Arm. Hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Vergiss mich nicht“, wollte ich schreien. Ich schluckte die Worte hinunter und öffnete die Türe für sie. So viel Anstand wollte ich beweisen. Ihr mit dieser Geste zeigen, dass ich sie freigab. Sie wird keine Nachfolgerin bekommen, beschloss ich in diesem Moment.
Vom Fenster zurücktretend schaue ich auf das Bett. Ich lasse mich fallen und suche in ihrem Kopfkissen Trost. Es duftet leicht nach ihrem Shampoo. Aus und vorbei!
Eine Stunde später bin auch ich unterwegs. Die Tränen fließen und verschleiern meinen Blick. Ich fahre in eine Parkbucht, halte an und hole ihr Bild hervor. Lange sehe ich es an. Eine Ewigkeit, wie mir scheint. Dann zerreiße ich es in winzige Stücke und werfe es aus dem Fenster. Etwa zwanzig Meter vor mir, nahe der Auffahrt zur Schnellstraße, steht eine Trauerweide. Wie passend. Entschlossen gebe ich Gas.

Aufrufe: 26

Gottes Hammer XIV

Ilianas Herz gefror.

Seit dem Tod ihrer Ziehmutter hatte sie gedacht, wahre Furcht zu kennen. Nun erst demonstrierte ihr Hornheim, wie falsch sie mit dieser naiven Annahme lag. Der Anblick bannte ihre Gedanken und verwandelte sie in eine hilflose Statue, auf ewig dazu verdammt, die grausame Realität zu verneinen.

Vor ihnen schob sich das Grauen selbst in Murakamas kalt glimmenden Lichtkreis. Es handelte sich um eine gewaltige Spinne mit blutrot glühenden Augen und dichtem Pelz. Von ihrem bösartig verzerrtem Gesicht reckten sich ihnen zwei pechschwarze Scheren entgegen, von denen giftiger Eiter tropfte, sowie mehrere dünne Fühler, die ein gespenstisches Eigenleben zu führen schienen. An ihrer Spitze saßen weitere Augen, blutunterlaufen und voller Hohn. In unmöglichen Winkeln verkrümmte Stacheln ragten aus den acht dicken Beinen hervor, grinsende Mäuler bedeckten den Körper darüber. Rauch schwebte zwischen den spitzen Zähnen.

Über dem gierig blickenden Spinnenkopf erkannte Iliana die weiß gewandete Frau. Zunächst hielt sie sie für ein weiteres Opfer der dämonischen Stätte. Im nächsten Moment erkannte sie jedoch, dass die Frau an der Taille mit der Spinne zusammengewachsen war. Als hätte die Erkenntnis den Startschuss gegeben, regte sich die Gestalt über dem Pelz und grinste Iliana und Teshin breit an. Einst hatte sie wohl große Schönheit ihr Eigen genannt, nun aber zierten Narben die Hälfte ihres jungen Gesichts. Eiter tropfte aus den Wunden und giftige Dämpfe umnebelten den humanoiden Körper.

Iliana würgte. Ihr Magen rebellierte.

Endlich!“, rief das Ungetüm mit furchteinflößender Stimme. Zu Ilianas Überraschung sprach nicht die Frau, sondern der schreckliche Spinnenkopf. Bei den Worten benetzte Eiter die schwarzen Scheren. „Endlich schöne junge Beute! Wir werden viel Zeit miteinander verbringen. Schade, dass hier keiner eurer Artgenossen mehr am Leben ist!“ Bei den letzten Worten trat das Biest zur Seite und gab den Blick auf ein giftig glitzerndes Spinnennetz frei, in das mehrere Körper eingewoben waren.

Sie waren so herrlich!“, schwärmte es und streichelte mit einem behaarten Bein den kleinsten der Körper. „Kinder habe ich immer am liebsten. Ihre Schreie sind höher als die von anderen. Leider sterben sie viel schneller.“ Die roten Augen richteten sich auf Iliana. „Länger als einen Monat wirst du wohl auch nicht durchhalten, kleines Menschlein.“ Ein grässlicher Laut wie von aufeinanderschabenden Steinbrocken ertönte. Es war ein Lachen. Rauch stob aus den zahlreichen Mäulern auf dem Körper der Bestie.

Iliana konnte nicht mehr. Ihre Knie gaben nach und der Bogen entglitt ihren Händen. Es war zu viel. So etwas konnte es nicht geben!

Im selben Moment stellte sich Teshin schützend vor sie und hob Murakama.

Ein weiteres Lachen ließ Ilianas Körper erbeben.

Ihr wollt euch wehren? Nur zu, ihr könnt Sitraxa nicht besiegen!

Der Name fühlte sich wie ein Peitschenhieb an.

Im selben Moment setzte sich der gewaltige Körper in Bewegung. Sitraxa erhob sich auf ihre hinteren sechs Beine und fiel mit ihren Scheren und stachelbewehrten Vorderbeinen über Teshin her.

Ein blauer Feuerball flammte auf und Teshin wagte die Flucht nach vorn. Mit einem Kampfschrei prallte der Söldner gegen den gewaltigen Körper und brachte Sitraxa ins Wanken. Einen Augenblick später war er in der Luft und trieb die schimmernde Klinge der Bestie tief ins Auge.

Ein markerschütternder Schrei hallte durch die dunkle Kammer, als Siraxa auf ihre acht Beine fiel. Dampfendes schwarzes Blut tropfte Iliana vor die Füße. Zu ihrem Entsetzen saß sie nun Auge in Auge mit dem grässlichen Spinnenkopf.

Teshin zerrte wild an der Klinge, konnte sie jedoch nur ein Stück weit befreien. Der Frauenkörper deutete mit wutverzerrrten Zügen auf ihn. Iliana fühlte Hitze, als mit einem Mal eine Feuersäule aus dem Boden schoss. Teshins Körper glühte blau auf, als eine Art Schutzschild ihn vor den magischen Flammen bewahrte. Dennoch schleuderte ihn die Wucht des Angriffs gegen die Wand.

Ein Splitter drang in Ilianas Herz, als Sitraxa sich ihr zuwandte.

Kleines Menschlein“, zischte der Spinnenkopf. Einer der Fühler näherte sich langsam und betrachtete Iliana näher. Sie starrte in ein rotes Auge, dessen erblindete Pupille mit Blut gefüllt zu sein schien. „Ich freue mich. Ja, ich freue mich wirklich. Dein Gefährte hat mich verletzt. Du vertraust auf ihn, nicht wahr? Dass er dich mit seinem magischen Schwert beschützt?“ Sie erwartete keine Antwort, sondern lachte erneut. Dampf stob aus den Mäulern. Iliana konnte den Blick nicht von Murakama abwenden, das im Kopf des entsetzlichen Wesens steckte. Sein Gehirn müsste längst durchdrungen sein, dennoch schien ihm die Wunde kaum etwas auszumachen.

Iliana realisierte dies mit schwächelndem Bewusstsein, wie in einem letzten Aufbäumen des Verstandes, bevor sie ihn endgültig verlor.

Lass uns Spaß haben.“ Plötzlich kam Bewegung in sämtliche Körperteile der Bestie und sie sprang auf IIliana zu. Schon glaubte sie, von giftigen Scheren und eitrigen Fühlern umschlossen zu werden, als Murakama aufleuchtete und eine Druckwelle aussandte.

Sitraxa blieb davon unberührt, aber Iliana wurde von dem magischen Stoß quer durch den Raum geschleudert und landete vor dem Spinnenetz. Ihre Hose zerriss und sie schürfte sich ein Knie auf. Dennoch, sie war der Bestie entronnen. Als sie sich langsam in die Höhe stemmte, nickte Teshin ihr zu, seine ausgestreckte Hand schien eine Verbindung zu dem magischen Schwert zu formen. Iliana betrachtete sorgenvoll seine Stirn. Eine Platzwunde bezeugte die Macht der Dämonin.

Sitraxa landete mit einem amüsierten Laut. Der Pelz raschelte auf dem gemauerten Boden, als sie sich umwandte. „Schön, so zu spielen. Aber beschädigt euch nicht zu sehr! Ihr müsst noch lange Zeit halten!“ Die roten Augen blitzten. „Schreit für mich!“, brüllte der Spinnenkopf, als das Monster sich erneut auf sie zubewegte.

Iliana hob mit zitternden Händen den Bogen, doch ihr Schuss beinhaltete keine Kraft und prallte wirkungslos von dem dichten Pelz ab. Sitraxa heulte wollüstig. Ehe sie Iliana erreichen konnte, warf sich Teshin zwischen sie, sein Körper schimmerte eisig blau im roten Schein der Spinnenaugen. Er griff nach Murakama und Wellen hellen Lichtes umgaben ihn.

Gleichzeitig schloss Sitraxa ihn laut lachend in eine Umarmung. Ein Schrei entrang sich Ilianas Kehle, als Beine und Scheren Teshin umklammerten und Gift ihn einhüllte. Die grinsende Frau deutete erneut auf ihn. Diesmal legte sich eine schwarze Wolke auf ihn wie ein Schatten. Blut spritzte und Teshin schrie auf.

Schreit für mich!“, rief Sitraxa wie von Sinnen.

Ilianas zitternde Hand fand den Bogen. Wie in Trance legte sie erneut einen Pfeil ein, doch ihr Schuss blieb wirkungslos. Stattdessen lehnte sich die Frau zur Seite, so dass Iliana ihr vernarbtes Gesicht sehen konnte.

Sie muss wirklich schön gewesen sein, dachte Iliana ermattet, als die Frau auf sie deutete.

Eine dunkle Wolke legte sich über ihre Augen und umhüllte ihren Körper. Der Schmerz folgte einen Augenblick später. Tausend Nadeln schienen in Ilianas Haut einzudringen, pelzige Gliedmaßen betasteten sie und animalisches Gelächter erhob sich. Iliana wählte den einzigen Ausweg, der ihr blieb.

Sie schrie.

Nicht einmal die Verliese der Inquisition konnten derartig schrecklich sein. Sie lag erblindet in einer Sphäre aus Finsternis, allein mit einem unsichtbaren Ungeheuer und dem Schmerz. Ihr Bogen war verschwunden. Nun hatte das Leben sie wieder zu einem hilflosen Kind degradiert.

Iliana wand sich, kämpfte gegen nicht vorhandene Fesseln an. Aber es gab keine Fesseln, die ganze Welt war eine einzige Fessel, sie war nur noch dunkel und kalt, ohne Halt und Liebe. Überall drang der Schmerz auf sie ein, er verfolgte sie. Sie konnte ihm nicht entkommen, überall war Schmerz. Es gab nur Schmerz, er war allumfassend, allwissend, er war der große, wahre Gott …

Iliana schluchzte und rollte sich in der Dunkelheit zusammen, während heiße Hände ihre gepeinigte Haut versengten. Sie flehte um Gnade, sie bettelte, sie lief über die gestaltlose Oberfläche der finsteren Welt, sie schrie und bettelte erneut, doch es kam keine Mutter, kein Heiliger, kein Gott. Es gab nur den Schmerz.

Im nächsten Moment endete es.

Iliana lag wieder in Sitraxas Verlies. Noch immer hielt die Bestie Teshin umklammert. Doch er leuchtete nicht mehr blau. Nun umgab ihn rötlicher Schein.

Was ist das?“, rief Sitraxa überrascht. Eiter tropfte auf die schwarzen Zangen. „Du bist ja ein Dämon!

„Ich kenne dich“, flüsterte Teshin. Trotz der geringen Lautstärke schien seine Stimme alles und jeden zu durchdringen. „Ich kenne dich!“, schrie er im nächsten Moment und der rote Schein explodierte.

Sitraxa heulte auf, als er Murakama aus ihrem Körper zog. Auch die Farbe der Klinge hatte sich verändert. Sie wirkte nun wie ein blutiges Eisenstück. Mit einem Wutschrei ging Teshin auf die Dämonin los. Vor Ilianas Augen verschwammen seine Bewegungen zu einem rötlichen Schemen, als er schneller als ein Blitz durch die Luft flog. Ein Schnitt, zwei Schnitte, drei … Iliana konnte sie nicht mehr zählen. Sitraxas Wutgeheul wurde zu Schmerzensschreien, als Murakama Fleisch zerteilte und Knochen zertrümmerte. In Windeseile hatte Teshin alle Beine und Fühler abgetrennt und den Spinnenkopf buchstäblich aus dem Körper geschnitten. Eine Kaskade schwarzen Blutes ergoss sich auf den schmutzigen Boden. Iliana erbebte, als ein wild zuckender Fühler direkt neben ihr landete. Die Übelkeit brüllte in ihr. Iliana erzitterte, dann erbrach sie sich.

Als nur noch der Frauenkörper übrig war, hielt Teshin schwer atmend inne. Langsam richtete er Murakama auf die vernarbte Gestalt. Die Luft um ihn herum flimmerte rötlich, als die weiß gekleidete Dämonin langsam den Kopf hob.

Einen Augenblick lang verharrten die beiden still. Dann begann Teshin mit zitternder Stimme zu sprechen. „Was zur Hölle ist mit dir geschehen?“

Aufrufe: 6

Korrekturen 13

13.Teil – Überraschende Wendungen

Schon seit etlichen Tagen saßen Thomas und Khendrah in der Jahresstation des Jahres 3170 und forschten im Zeitstrom nach Machenschaften des Analysten Ralph Geek-Thoben. Anfangs hatten sie angenommen, sie hätten Fehler gemacht, denn, noch während sie dabei waren, ein exaktes Profil zu erstellen, änderten sich plötzlich die Vorgaben.
»Was ist denn hier passiert?«, fragte Khendrah, die ihren Augen nicht zu trauen glaubte, »Du wurdest nicht getötet, Thomas und alles schien wieder in bester Ordnung zu sein und plötzlich ist wieder alles in Unordnung. Bist du auch gerade an dieser Machtübernahme?«
»Ja«, sagte Thomas vom Nachbarterminal aus, »ich bin froh, dass ich vorhin noch den Status gespeichert hatte, sonst hätte ich jetzt keinen Beweis für die Veränderung. Wie kann das überhaupt sein? Wieso können wir diese Veränderungen überhaupt bewusst wahrnehmen? Ich dachte immer, dass eine Veränderung im Zeitstrom sich in die Zukunft hinein fortsetzt und von den zukünftigen Realitäten nicht wahrgenommen werden kann, da sie ja selbst der Veränderung unterworfen sind.«
Khendrah sah zu ihm hinüber. Thomas hatte sich in wenigen Tagen hervorragend eingearbeitet und bediente das Terminal inzwischen eben so gut, wie sie selbst. Sie musste zugeben, dass sie mit ihrer Recherche nicht so schnell vorangekommen wäre, wenn er ihr nicht so gut geholfen hätte. Sie lächelte. Sie waren sich innerhalb von wenigen Tagen so nahe gekommen, wie sie es nie für möglich gehalten hatte. Sie hatte Angst vor dem Tag, an dem das alles vorbei sein würde – wenn er wieder in seine Zeit zurückkehren musste und sie wieder eine Agentin der Behörde für Zeitkorrekturen sein würde. Sie schob diesen Gedanken weg. Sie wollte nicht daran denken.
»Wir sind innerhalb des Zeitvektors«, erklärte sie, »wir stehen quasi außerhalb des externen Zeitablaufs und unterliegen, solange wir uns hier aufhalten, einem eigenen Zeitablauf, der völlig vom äußeren Zeitablauf abgekoppelt ist. Frage mich bitte nicht, warum es so ist. Ich bin Agentin und keine Technikerin.«
»Weißt du, dass ich mir vorkomme, wie in einem schlechten Science-Fiction?«, fragte Thomas.
»Was ist ein Science-Fiction?«, wollte Khendrah wissen.
»Das sind Geschichten, die über Dinge berichten, die es noch nicht gibt, die aber vorstellbar sind, verstehst du?«
»Nein«, meinte Khendrah, »ich weiß nicht, was du meinst.«
Sie machte eine alles umfassende Geste mit der Hand.
»Das alles hier ist real, Thomas. Das ist keine Geschichte.«
»Genau das fällt mir schwer, zu glauben«, sagte Thomas und winkte ab, »erkläre mir aber bitte einmal, warum wir das Ganze hier überhaupt machen. Wenn wir außerhalb der externen Zeit stehen und uns hier nichts geschehen kann – was auch immer draußen geschieht – warum können wir uns dann nicht aus dem Staub machen und uns irgendwo verstecken?«
»Du stellst es dir zu einfach vor«, sagte Khendrah, »wir können nicht bis in alle Zeit hier in dieser Station bleiben. Irgendwann wird jemand dahinter kommen, dass diese Station nicht mehr unbewohnt ist und dann müssen wir fliehen. Sind wir aber draußen, dann unterliegen wir wieder den Maßnahmen der Obersten Behörde. Wir würden auch draußen irgendwann entdeckt werden, zumal du keine andere Wahl hast, als wieder in deine eigene Zeit zurückzukehren. Was mich betrifft … ich weiß nicht.«
Thomas nahm Khendrah in den Arm und hielt sie fest. Solche körperliche Nähe war ihr noch fremd, doch musste sie eingestehen, dass es ihr angenehm war und sie tröstete. Dieser Mann, den sie eigentlich töten sollte, hatte ihr ganzes Weltbild bereits zum Wanken gebracht. Nach einiger Zeit machte sie sich wieder von ihm los und meinte:
»Auf jeden Fall bin ich es mir und der Geschichte schuldig, dass ich es nicht zulasse, dass dieser Geek-Thoben seine eigennützigen Pläne durchsetzen kann. Wenn wir nur das schaffen, bin ich zufrieden – egal, was dann noch kommen wird.«
»Was können wir schon von hier aus tun?«, fragte Thomas, »Soweit ich das verstanden habe, haben wir zwar alle Möglichkeiten, die Wahrheit herauszufinden, doch das war es dann auch schon.«
»Ich einem gebe ich dir Recht, Thomas«, erwiderte Khendrah, »von hier aus werden wir das Problem nicht lösen, aber wir haben sehr wohl die Mittel, einzugreifen. Wir müssen notfalls ebenfalls in die Zeit reisen und Ralphs Korrektur wieder rückgängig machen.«
Thomas schluckte nervös.
»Ich kann doch nicht einfach irgendwo in der Zeit aussteigen und dort irgendwelchen Unfug machen.«
Khendrah lachte leise, während sie die aktuelle Geschichte des Jahres 2110 studierte.
»Wir werden dort auch keinen Unfug machen, sondern eine Korrektur vornehmen«, sagte sie, »Ralph soll sich noch wundern. Ich bin eine Agentin – und ich bin keine Schlechte. Ralph ist Analyst, aber er ist Theoretiker. Wir Agenten müssen vor Ort improvisieren. Ich bin sicher, dass wir ihn schlagen werden.«
Plötzlich hellte sich ihre Miene auf.
»Hier ist es!«, rief sie aus, »Dieser Dreckskerl Herwarth Thoben hat ein Team von Killern auf Gunter Manning-Rhoda angesetzt und ihn regelrecht hinrichten lassen. Das kann nur bedeuten, dass ihm Ralph gesagt hat, dass er die Wahlen verlieren würde.«
Khendrah machte ein entschlossenes Gesicht.
»Diese Suppe werden wir ihnen versalzen!«
»Khendrah, werde wach«, mahnte Thomas, »wir sind nur zu zweit. Wie sollen wir gegen Killer aus dem Jahre 2110 ankommen können?«
Khendrah sah Thomas nachdenklich an.
»Wie steht es eigentlich mit deiner Ausbildung in Disziplinen wie Nahkampf oder Waffen?«
»Bist du verrückt, Khendrah?«, ereiferte sich Thomas, »Davon habe ich doch überhaupt keine Ahnung! Ich werde dir da keine Hilfe sein.«
Khendrah erhob sich ruckartig und griff nach Thomas’ Hand.
»Komm’, wir haben eine Menge zu tun«, sagte sie und zog ihn mit sich fort.
»Was hast du denn nun schon wieder?«, fragte Thomas, »Nun rede schon und lass’ mich nicht dumm sterben.«
Sie wandte sich abrupt um und blieb mit funkelnden Augen vor ihm stehen.
»Ich werde dich ‘überhaupt’ nicht sterben lassen, ist das klar?«
»Nun beruhige dich, Khendrah«, sagte Thomas, »das ist nur so eine Redensart in meiner Zeit, wenn einem die notwendigen Informationen fehlen. Aber du darfst mir gern verraten, was du vorhast – zumindest, wenn es mich betrifft.«
»Entschuldige«, sagte sie, »das war mein Fehler. Aber ich werde dich unbedingt brauchen, bei dem, was ich vorhabe und da musst du fit sein, um diese Killer mit mir zusammen aufzuhalten. Wir haben in jeder Station eine Hypnoseschulungsanlage. Ich will dir die notwendigen Kenntnisse im Schnellverfahren beibringen lassen.«
»Nahkampf in Hypnoseschulung?«, fragte Thomas spöttisch, »Du willst mir jetzt nicht weismachen wollen, dass ich danach ein Nahkampfspezialist bin, oder?«
»Quatsch!«, sagte Khendrah, »Es geht dabei nur um die theoretischen Grundlagen. Das Wissen hast du dann. Wir müssen dann nur noch an der Praxis arbeiten und deinen Körper in Form bringen.«
»Praxis?«, fragte Thomas, »Gegen wen soll ich denn hier kämpfen?«
Khendrah grinste ihn an.
»Ich werde gegen dich kämpfen, mein Lieber«, sagte sie, »wir haben doch alle Zeit der Welt, solange wir hier in der Station bleiben. Ich werde dich fit machen und dann gehen wir ins Jahr 2110 und schützen deinen Nachkommen.«
Thomas zuckte nur noch mit den Schultern, als Khendrah ihn in den Hypnoseraum führte und ihn bat, auf einer der dort bereitstehenden Liegen Platz zu nehmen. Er fühlte sich irgendwie überrumpelt. Er war nie ein Kämpfer gewesen und nun wollte Khendrah ihn in kurzer Zeit dazu machen. Erst wollte er protestieren, doch als er in die erwartungsvollen Augen Khendrahs blickte, gab er seinen Widerstand auf und legte sich flach auf die Liege. Khendrah schob ihm die schwere Hypnosehaube über den Kopf und startete das Programm.
»Du wirst jetzt ein paar Stunden schlafen«, erklärte sie ihm, »ich werde da sein, wenn du wieder wach wirst. Ich wünsche dir schöne Träume.«

Aufrufe: 2

Die Wölfe von Asgard – In die Enge getrieben (2/2)

»Vorwärts!«, der Mann stieß Deila mit dem Schaft seines Speeres unsanft in den Rücken. »Der Jarl wird sich schon ergeben, wenn er erst einmal seine in Tränen aufgelöste Tochter vorgeführt bekommt. Welcher Vater würde das nicht tun?« Er stieß ein bellendes Lachen aus. 
Nur einer, dachte Deila grimmig, hütete jedoch ihre Zunge. Sollte der Mann erfahren, dass Islav vermutlich äußerst wenig an ihrem Fortbestehen lag, war ihr Leben ohnehin verwirkt. 
Er führte sie über das Deck und stieß sie dann grob über die Reling.
Ihre Hände hatte er schmerzhaft eng mit einem Seil zusammengebunden, außerdem griff er mit seinen Pranken in ihre Haare, damit sie nicht fortrennen konnte.
Nicht, dass Deila vorgehabt hätte zu fliehen. Wenn sie schon sterben musste, so wollte sie doch zuerst sehen, wie ihr Vater ins Verderben stürzte. Sein Tod sollte das köstlichste werden, dass sie in ihrer kurzen Lebensspanne je erblicken durfte.
Je tiefer sie in den Wald schritten, desto eindringlicher vernahm sie den Schlachtenlärm. 
Sie haben also schon damit begonnen, sich gegenseitig umzubringen.
»Hoffen wir, dass von deinem Vater noch etwas übrig ist«, gluckste der Ustenströmer verzückt. »Ansonsten werde ich mich bei dir dafür bedanken, dass ich den ganzen Spaß verpasst habe.« Er lachte laut.
Deila hörte ihm nicht wirklich zu. Vielmehr versuchte sie fieberhaft, die verschiedenen Eindrücke aus der Schlacht in sich aufzunehmen.
Der Geruch von Feuer biss sich durch ihre Nasenflügel und flackernde Schatten tanzten zwischen den Bäumen hervor. Eindringliche Rufe, Schreie und Verwünschungen hallten durch die Nacht, nur das schrille Aufeinandertreffen der Waffen schaffte es, das Stimmengewirr gelegentlich zu durchdringen.
Das Zeltlager brennt, womöglich dichter Rauch. Außerdem ist die Schlacht noch nicht entschieden. Dafür kämpfen noch zu viele Männer gegeneinander. Wenn ich es schaffe, diesen Hornochsen loszuwerden, finde ich vielleicht eine Möglichkeit, mich in die Schlacht zu stürzen, um wenigstens ein ruhmreiches Ende erwarten zu dürfen.
Doch der Griff des Mannes blieb bis sie die Lichtung erreichten gnadenlos. Er zerrte sie mit sich wie einen räudigen Köter und als sie im Zeltlager ankamen, stieß er ihr abermals den Schaft des Speeres in den Rücken.
Deila taumelte, stürzte jedoch nicht. Ihr Blick wanderte durch das Lager und unwillkürlich formte sich eine Gänsehaut auf ihrem Körper.
Niedergebrannte Zelte und reglose Leichen bedeckten die Lichtung. Beißender Rauch drang in ihre Nase und ließ sie würgen. 
Der Mann überging sie einfach. »Haltet ein, Jarl Islav! Ich bringe Euch Eure Tochter. Legt die Waffen nieder oder sieht mit an, wie ich sie von oben bis unten aufschlitze!«, er brüllte so laut, dass Deila vor Schreck zusammenfuhr.
Auf der gesamten Lichtung erstarrten die Kämpfer als wären sie plötzlich von Frost durchzogen. Lauernde Blicke richteten sich auf den Neuankömmling. Niemand senkte die Waffen.
»Das ist eine Lüge! Sie wollen uns täuschen!« 
Islavs Stimme drang durch den wabernden Rauch, doch Deila vermochte es nicht, ihn irgendwo dort drin auszumachen.
Eine letzte Demütigung. Deila die Wertlose. Deila das Pferd.
Ungewollt überkam sie bei diesen Gedanken ein Schluchzen. 
»Nun sag schon was«, knurrte der Ustenströmer sie an. »Sag ihm, wie gern du ihn hast.«
»Lügen sind etwas für Feiglinge«, zischte Deila zurück. 
Er griff in ihre Haare und zerrte sie schmerzhaft zurück. 
Die Nordmaid spürte kalten Stahl an ihrer Kehle aufsetzen. 
»Sprich. Oder du wirst es nie wieder können, das versichere ich dir«, raunte er in ihr Ohr. 
Deilas Herz pochte wie wild. Kaum fähig einen klaren Gedanken zu formen, rief sie: »Vater? Ich bin es. Deila. Deine Zweitgeborene.«
Schritte näherten sich. 
Durch den dichten Rauch konnte sie kaum etwas erkennen. Dann jedoch manifestierte sich eine Gestalt vor ihnen. 
Islav war kaum noch mehr als ein Schatten seiner Selbst. Blut sickerte aus einer Wunde an der Schulter und seine Haut hatte einen ungesunden Grauton angenommen. Seine traurigen Augen waren von schwarzen Ringen umrahmt und sein Blick schien leer und trüb. 
»Vater«, wisperte Deila entsetzt. 
Islav sah aus wie ein wandelnder Toter. Sein kranker Blick ruhte für einen Moment abschätzend auf ihr, dann verformte sich sein Gesicht zu einer wahnhaften Grimasse. »Ich habe nur eine Tochter, du Lügnerin«, krähte er mühselig hervor. Mit diesen Worten stieß er sein Schwert in Deilas Unterleib. 
Sie schrie auf vor Schmerz. Es war als würde sie innerlich gezweiteilt. Warmes Blut floss aus der Wunde und besudelte ihre Kleidung. Deila stürzte keuchend zu Boden, die Welt schlug über ihr zusammen. Aus dem Augenwinkel registrierte sie, wie ihr Vater den fassungslosen Ustenströmer mit einem Seitwärtshieb enthauptete.
»Eine List! Tötet sie alle!«, schrie er aus voller Kehle. 
Brüllend stürzten sich die Skiringssaler auf die verdutzten Ustenströmer und es gelang ihnen, einige von ihnen niederzustrecken, bevor der Gegner sich gefangen hatte.
Er hat mich geopfert, nur für einen kleinen Vorteil.
Wogen der Pein brachen über sie hinein. Die Wunde pochte wie Hammerschläge in ihre Seite. Als sie die Hand darauf legte, stellte sie fest, dass sie viel zu viel Blut verlor. 
Ich verfluche dich, Vater. Mögest du den grausamsten aller Tode sterben.
Keuchend rollte sie sich auf den Rücken, jede Bewegung ließ sie schwerfällig ächzen. Dann schloss sie die Augen. Eine bleierne Schwere hüllte sie ein, machte sie taub und entzog ihr sämtliches Empfinden. 
Stimmen geisterten durch ihren Kopf, raunten und flüsterten.
Sterbe ich?
Deila schluckte. Die Angst schmiegte sich an ihre Brust wie ein Kätzchen. Die Stimmen veränderten sich, nun schienen sie zu summen. Selbst der Schlachtenlärm wich ihrem dröhnenden Gesang.
Und er formte Worte. Worte, die Deila zu verstehen glaubte:

Grauer Schorf,
tristes Kleid.
Ich bin fort,
wurd’ entzweit. 

Stummes Wort,
Hela weint.
Dieser Ort
kennt mein Leid.

Ihre Brust fühlte sich eiskalt an. Als sie die Hände darauf legte, stellte sie fest, dass sie zitterte. Deila schaffte es nicht, einen klaren Gedanken zu fassen. Die Stimmen überwältigten sie:

Nicht vermisst,
nicht beklagt.
Nimm mich mit,
neuer Tag.

Messers Stich.
Zorneswahn.
Erheb dich,
Valkyra.

Deila atmete ruhig. Sämtlicher Schmerz, der in Wogen durch ihren geschändeten Körper pulsierte, manifestierte sich zu einem Gefühl, das sie mit einer ungeahnten Stärke überkam: Wut. Unsagbare Wut. Eine Wut, groß genug, um diese Welt zu vertilgen. Und nun würde sie diese Wut entfesseln. Sie atmete ein letztes Mal tief ein und aus, völlig gefangen in diesem bittersüßen Rausch. Dann öffnete sie langsam die Augen und lächelte.

***

Aegir warf sich mit einem animalischen Aufschrei gegen die Holztür.
Er konnte nicht genau sagen, ob sie unter seinen kärglichen Versuchen auch nur einen Deut nachgegeben hatte. Ebenso wenig, wie er sich darüber im Klaren war, wie lange die Kämpfe bereits andauerten. Gefühlt musste es eine halbe Ewigkeit her sein. Wieder versuchte er, seine Schulter gegen das Holz zu stemmen, doch er besaß so wenig Spielraum, dass es aussichtslos erschien. 
Aber er konnte nicht aufgeben. Nicht jetzt, wo so viel auf dem Spiel stand. Nach einem weiteren erfolglosen Versuch überkam ihn das Gefühl, die Tür lache ihn aus. 
»Halt die Klappe!«, knurrte er sie an. Doch sofort kam er sich komisch dabei vor, mit einem Stück Holz zu sprechen.
Zersetzt sich langsam dein Verstand, altes Haus? Denk lieber nach, wie du hier lebendig raus kommst.
Doch je fieberhafter er nach einem Ausweg suchte, desto trüber wurden seine Gedanken. Irgendwann ließ er seufzend den Kopf gegen die Tür sinken.
Wenn ich doch nur die Fessel lösen könnte.
Genau in diesem Moment vernahm er Schritte. Wie ein abgeschossener Pfeil schnellte er in die Höhe. Dann knarzte auch schon das Schlüsselloch und die Tür wurde aufgerissen. 
»Aegir, zum Donner, du hattest Recht! Du hattest mit allem Recht!« Ein Mann schnellte in die Zelle und zerrte ihn hinaus. Sein Gesicht war blutverschmiert, in der linken Hand hielt er eine Klinge. Der Helm auf seinem Kopf saß schief und er zitterte vor Aufregung.
Der Riese erkannte seinen Waffenbruder aus längst vergangenen Tagen und konnte nicht umhin, ein spöttisches Grinsen aufzulegen.
»Ralof? Welch angenehme Wendung. Darüber unterhalten wir uns später. Jetzt gib mir meine Axt, na wird’s bald?«
Binnen eines Moment wechselte das mächtige dänische Mordinstrument seinen Besitzer.
»Wie du an sie gelangt bist, darfst du mir später erklären. Nun sparen wir uns das auf für den Kampf.«
Der Mann schluckte, dann nickte er. »Wir sollten Walhall nicht warten lassen«, sagte er dann zögerlich.
»Ich pfeife auf Walhall. Heute werden wir Blut vergießen, ein letztes Mal. Und danach stellen wir uns der Gnade unserer Herren.« 
Gemeinsam eilten sie an Deck des Schiffes und mit einem großes Satz ließ Aegir sich in den Sand fallen.
Sein Waffenbruder folgte ihm dichtauf. 
Der Riese rannte wie noch nie zuvor in seinem Leben. Das Schicksal hatte die Bestie in ihm erweckt und er war bereit sie zu entfesseln.
Er fegte Zweige und Gestrüpp aus seinem Weg, fast schien es so als fege er eine Schneise durch den Wald.
Ralof hatte Mühe mit ihm mitzuhalten. Als Aegir sich an eine große Fichte presste, um aus der Deckung das Schlachtfeld zu überblicken, holte er ihn mit einem Hecheln ein. 
»Du hast wahrlich nicht an Kraft eingebüßt. Man könnte meinen, selbst ein fränkisches Ross sei kein würdiger Kontrahent für dich.«
»Klappe«, knurrte Aegir, während er seine Augen wachsam auf das richtete, was vor ihnen lag. 
Das Zeltlager schien komplett heruntergebrannt, Asche wirbelte wie Schneeflocken durch die Luft, bedeckte den Wald mit einem Leichentuch. Innige Rufe halten durch die Luft, Flüche und Schreie derer, die bis jetzt überlebt hatten. 
Sein Blick fing ein paar Kämpfer ein, die gerade einen Leichnam plünderten. 
Ustenströmer und gleich drei auf einen Schlag.
Er mahnte sich zur Vorsicht, unterdrückte die aufkommende Vorfreude. Dann lauschte er.
»Ein paar scheinen sich in den Wäldern zu verstecken, Feiglinge, allesamt!« Der groß gewachsene Mann stützte sich auf seine Axt, während seine Kameraden die Taschen ihres Opfers leerten. »Doch der Jarl wird Magnar nichts vormachen können. Diese Jagd ist bald vorbei.« Er spuckte abfällig aus. Dann setzte er den Stiefel an das Gesicht des Toten und drehte es dadurch leicht nach rechts. 
»Arme Sau. Kaum mehr als ein Junge. Nur die Stärksten schaffen es, zu Kriegern heranzuwachsen. 
Die Stärksten und jene, die wissen sich bedeckt zu halten.
Aegir wollte sich gerade daran machen, sich näher an die Gruppe heranzuschleichen, als es ihn wie der Blitz durchfuhr.
Snorri!
Sein Gesicht verfinsterte sich mit einem Schlag.
»Was hast du vor?«, wisperte Ralof mit gerunzelter Stirn.
»Etwas Übles. Folge mir und kämpfe oder lauf und kreuze nicht meinen Weg, verstanden?«, grollte der Riese. Dann warf er sich mit einem Schrei auf die drei Männer.
Die Überraschung schien auf seiner Seite. Verdutzt wandten die Männer sich zu ihm um, doch viel zu spät, um seinem Zorn zu entgehen. 
Dem ersten trieb er die Axt ins Hirn, bevor er überhaupt aufschreien konnte. Den zweiten erwischte er mit einem gekonnten Aufwärtshieb, der seinen Gegenüber zu Boden beförderte. 
Der Dritte wich seinem Schlag aus und bugsierte sich mit einem Ausfallschritt in Sicherheit. »Dafür wirst du büßen, Skiringssaller Köter!«, presste er hinter gefletschten Zähnen hervor. 
Unbeeindruckt ging Aegir auf ihn los. 
Dem ersten Hieb entging der Mann, indem er unter der Schneise der Dänenaxt hinwegtauchte. Er versuchte es mit einem ruckartigen Konter, doch Aegir rammte ihm den Stiefel in die Magengrube, wirbelte einmal um die eigene Achse und enthauptete ihn, als bestünde sein Hals aus feinster Butter.
Keuchend wandte er sich dem Leichnam des Jungen zu. Erleichtert stellte er fest, dass es sich dabei um einen Ustenströmer handeln musste, denn das Gesicht wirkte wenig vertraut auf ihn.
»Das ging schnell«, stellte Ralof fest, als er aus dem Schatten der Bäume trat. »Der Skiringssaler Riese weiß immer noch zu töten.«
»Und man tut gut daran, ihm nicht dabei im Wege zu stehen«, beendete Aegir den Satz für ihn. Dann sah er sich um.
Die Wälder des kleinen Eilandes, auf dem sie ankerten, waren plötzlich von einer unheilverkündenden Stille umgeben. Kein Ruf, kein Stöhnen, nicht mal ein Winseln.
Der Boden war von derartig vielen Fußspuren durchzogen, die in alle Richtungen verliefen, sodass es ihm unmöglich schien, etwas zu deuten.
Leichen pflasterten die kleine Lichtung und das Mondlicht spiegelte sich glitzernd in den Helmen und Klingen der Gefallenen. Nur wo waren die Lebenden?
Plötzlich vernahm er Stimmen. Dann Schritte. Eine große Gruppe von Menschen näherte sich seiner Position. Noch bevor er reagieren konnte, eilten eine Handvoll Männer aus dem Dickicht hervor. 
Als Aegir erkannte, was geschehen sein musste, setzte sich ein kreischender Schwindel zwischen seinen Schläfen ab. Die wenigen verbliebenen Skiringssaler, hatten sich der Gnade des Magnar übergeben oder waren überrumpelt und gefangen genommen worden. Er erkannte Islav, Knutson und ein paar andere Männer. Als er Snorri erblickte, der ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrte, überkam ihn trotz ihrer ausweglosen Lage ein Gefühl der Erleichterung.
Er lebt! Ich habe als Bruder noch nicht versagt.
Die Männer des Magnar bauten sich mit schadenfrohen Gesichtern vor ihm auf. »Der ist ja ein richtiges Prachtexemplar«, feixte einer von ihnen grinsend. »Der wird uns in Konstantinopel eine Menge Geld einbringen.« 
Die Anderen fielen in sein Lachen mit ein.
Sklaven. Das soll unser Schicksal sein?
Die Erkenntnis, dass ihre Höllenfahrt womöglich gerade erst begann, erschütterte Aegir in seinen Grundfesten. Sein Griff um die Waffe versteinerte sich. 
Dann schob sich der Mond für einen kurzen Augenblick hinter den Wolken hervor und ließ die Lichtung in seinem silbernen Glanz erstrahlen. 
Ihr Götter, schickt mir ein Zeichen. Er war bereit, seinen letzten Dienst zu leisten.
Dann horchte er plötzlich auf. Ein schauderhafter Ruf wanderte durch den Wald. 
In der Ferne heulte einsam ein Wolf.

Aufrufe: 1

Gottes Hammer XIII

Die Fratze auf Esbens Buch erglühte rot und hüllte den engen Gang in bedrohliches Licht. Iliana folgte Teshin, während ihre Schatten in abstrusen Verrenkungen an den Wänden tanzten. Ein Geräusch vom Schaben von Stein auf Stein ertönte, dann erschien Halgin über ihnen, energisch mit den Flügeln schlagend.

Im nächsten Moment erreichten sie eine kleine Halle.

Kunstvoll gearbeitete Kronleuchter schmückten die Decke. Zu Ilianas Erstaunen verströmten sie helles Licht, das dem Raum eine nahezu einladende Atmosphäre verlieh. Grobe Steinmauern schützten sie vor dem Erdreich. Ansonsten war die Halle vollkommen leer. Ihnen gegenüber sah Iliana zwei weitere Portale, diesmal ohne steinerne Gesichter über den Torbögen.

Teshin hob warnend einen Arm und hielt an. Eine Hand auf Murakama, durchmaß er langsam den Raum. Iliana zog einen Pfeil aus dem Köcher. Sie verfluchte ihre zitternde Hand.

Einen Moment lang herrschte Stille, dann meldete sich Halgin zu Wort. „Ich spüre nichts. Hier sind keine Dämonen.“

„Dafür aber Kerzen“, merkte Teshin misstrauisch an und deutete auf die Kronleuchter. „Irgendjemand muss sie erst vor kurzem entzündet haben. Ich spüre nichts Magisches an ihnen.“

Halgin flatterte mit den Flügeln. „Sollte sich ein Unhold nähern, werden wir ihn wahrnehmen.“

Teshin nickte langsam. Er ließ seinen Blick mit zusammengekniffenen Augen über die Wände schweifen, bevor er erneut das Wort ergriff. „Habt Ihr die Barriere geschlossen?“

Halgin nickte. „Sie ist bei weitem nicht so stark wie zuvor, aber sie muss auch nur den Schein wahren. Dennoch wird sie Medardus kaum aufhalten können. Wenn er die richtigen Schlüsse zieht, wird er uns hierher folgen.“

„Das heißt, wir können hier nicht bleiben“, sagte Iliana. Ihre Kehle war staubtrocken und jedes Wort peinigte ihre schmerzende Lunge. Dieser Ort hüllte sich in eine seltsame Aura, die Iliana kaum beschreiben konnte. Sie jagte ihr eisige Schauer über den Rücken. Kurz glaubte sie, aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrzunehmen. Doch als sie sich umwandte, sah sie nur die nackte Wand.

Iliana umklammerte ihren Bogen fester. Sie durfte keine Angst zeigen, die Welt nahm keine Rücksicht auf weinende Kinder. Dennoch ertappte sie sich dabei, wie sie näher an Halgin rückte. Bei ihrem König fühlte sie sich sicherer.

Teshin nickte zustimmend. „Iliana hat recht. Wir müssen weiter.“ Er strich gedankenverloren über sein Kinn, während er die beiden Portale musterte. „Welchen Gang sollen wir nehmen? Hat irgendjemand eine Idee?“

Kurz herrschte Schweigen, als plötzlich Esben sie näherwinkte. Er deutete auf eine kleine Zeichnung, die jemand in die Wand geritzt hatte.

„Ich denke, das hilft uns bei der Entscheidung“, sagte der Priester leise.

Der Künstler hatte zwei Linien verewigt, die wohl die beiden Gänge darstellen sollten. Am Ende der linken Linie wartete eine halb geöffnete Tür, am Ende der anderen ein grinsendes Teufelsgesicht. Obwohl es sich nur um eine Felsmalerei handelte, erbebte Iliana. Die Miene des Dämons schien direkt auf den Grund ihrer Seele zu starren.

„Irgendjemand Einwände, wenn wir den linken Gang nehmen?“, fragte Teshin. Halgin und Esben schüttelten den Kopf.

Teshin ging auf das Portal zu und wandte sich um. „Folgende Reihung: Ich gehe vor, ich bin hier der beste Nahkämpfer. Esben bildet das Schlusslicht, falls uns ein Dämon von hinten angreifen sollte. Wir nehmen Iliana in die Mitte. Majestät, würdet Ihr Euch auf Ihre Schulter setzen? So könntet Ihr sowohl Esben als auch mich mit Eurer Magie beschützen.“

Halgin neigte den Kopf. „Ich bin einverstanden.“ Esben gab schweigend seine Zustimmung. Iliana nickte langsam. Ihr war unangenehm, als offensichtliche Schwachstelle der Gruppe gesehen zu werden. Andererseits erfüllte sie große Erleichterung. Wer wusste schon, was sie dort in der Finsternis überraschen würde? Halgin hatte immer von den Schrecken Hornheims gesprochen. Iliana wollte ihnen nicht als erste in die Augen blicken.

„Dann los.“ Teshin betrat den Gang. Halgin landete geschmeidig auf Ilianas Schulter, als sie die schiefen Stufen erklomm. Sie waren nass und rutschig und führten stetig aufwärts. Ein Hoffnungsschimmer glomm in Ilianas Herz. Vielleicht gelangten sie so wirklich zu einem Ausgang?

Der fromme Gedanke verendete im nächsten Moment, als Teshin anhielt und Murakama zog. Die Klinge erglühte blau und enthüllte das Ende der Stufen. Jemand hatte die Treppe buchstäblich in Stücke gesprengt. Vor ihnen erstreckte sich eine gewaltige Kammer, vom weiteren Verlauf der Stufen fehlte jede Spur.

„Die Treppe führte hier durch“, murmelte Teshin und deutete auf den dunklen Raum. Iliana entdeckte feuchte Wände und vergitterte Öffnungen, aus denen trübes Wasser in Richtung des weit unter ihnen gelegenen Erdbodens floss. Die Kammer wirkte wie ein Kanal.

„Können wir zu einer dieser Öffnungen gelangen?“, fragte Esben von hinten. „Wenn wir das Gitter abnehmen …“

Teshin schnaubte. „Das mach mir bitte vor! Die Treppe endet hier, mitten im Raum! Hier ist kein Boden, keine Brücke, nichts! Wie sollen wir bitte zu den Öffnungen kommen?“ Wie zum Beweis vollführte er einen Schwenk mit Murakama.

Ilianas Herz sank. Teshin behielt recht. Vor ihnen erstreckte sich nur Luft. Der Boden musste viele Meter weiter unten sein. Sie hatten keine Chance.

„Lassen wir davon ab“, entschied Halgin schließlich. „Ich kann vielleicht auf diesem Wege entkommen, aber selbst das ist nicht sicher. Ich fühle etwas Böses hinter diesen Gittern. Wenn hier dereinst ein Ausgang zu finden war, ist er seit langer Zeit versiegelt und versteckt.“

„Jemand wollte sicherstellen, dass niemand hier rauskommt“, knurrte Teshin und deutete auf die Treppe. Iliana spähte ein weiteres Mal übder den Rand der Stufen. Schwindel ergriff sie, als sie hinab ins trübe Wasser spähte. Täuschte sie sich oder kräuselte ein dunkler Schatten die ruhige Oberfläche?

„Gehen wir zurück“, sagte Halgin. „Und machen wir uns zum Kampfe bereit. Der andere Gang führt zweifelsohne an einen bösen Ort.“

Kaum zurück in der Halle, führte Teshin sie durch das zweite Portal. Ilianas Herz klopfte heftig, als ihr die Wandzeichnung in den Sinn kam. Selbst Halgin wirkte beunruhigt. Er flatterte nervös mit den Flügeln und beugte sich auf ihrer Schulter weit vor, bis sein Schnabel beinahe Teshins Nacken berührte. Der Söldner hielt Murakama vor sich, dessen blauer Schein Stück für Stück die Finsternis zurückdrängte. Kurz dachte Iliana, erneut eine Bewegung wahrzunehmen. Doch als sie sich umwandte, sah sie nur Esben, der schützend den aufgeschlagenen Folianten vor sich hielt. Er würde die Gefahr doch spüren, oder nicht?

Im nächsten Moment offenbarte sich vor ihnen die Hölle.

Sie betraten eine Halle, ähnlich der ersten, von deren Decke edle Kronleuchter hingen. Sie schienen die restliche Einrichtung mit ihrem einladenden Licht zu verspotten.

An den Wänden reihten sich niedrige Gefängniszellen, kaum höher als Iliana. Seltsame Gerätschaften aus schwarzem Metall und mit Stacheln bewährte Fesseln umschlossen verblichene Knochen und verkrümmtes Fleisch. Iliana trat entsetzt näher. Zweifelsohne handelte es sich um die sterblichen Überreste von Menschen. Der Verwesungsgeruch ließ darauf schließen, dass manche von ihnen erst vor kurzer Zeit den Tod gefunden hatten.

Bevor sie es verhindern konnte, verschleierten Tränen ihren Blick. Sie biss die Zähne zusammen und kämpfte den Drang nieder, sich in eine Stille Ecke zu begeben und allem Schmerz freien Lauf zu lassen.

„Was ist das hier?“, fragte sie leise.

Kurz breitete sich Schweigen aus. Teshin umklammerte Murakama fester. Ungläubiger Zorn erfüllte seine Augen. „Das kann nicht sein“, flüsterte er nur.

Halgin stieß sich von ihrer Schulter ab und betrachtete betrübt die Leichen. „Was wir hier sehen, ist die wahre Dunkelheit Hornheims. Solchen Taten wohnt nichts Menschliches mehr inne. Das hier ist das Werk eines Dämons.“

„Aber warum?“ Iliana konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme sich überschlug. Ihr Blick fiel auf die verwesenden Überreste einer Frau. Sie stellte sich vor, wochenlang in dieser engen Zelle gefangen zu sein, gefesselt und auf diese grässlichen Geräte gespannt, von Schmerz betäubt und immer wieder gezwungen, das Gelächter eines Dämons zu vernehmen, der sich an ihren Schreien ergötzte … allein der Gedanke raubte ihr alle Kraft. Iliana sank auf die Knie.

„Dämonen sind keine Menschen.“ Teshins Stimme wirkte dunkel und seine zu Schlitzen verengten Augen glitzerten abgrundtief. Blaues Feuer schien sich wie ein Mantel um ihn zu legen. „Ihr einziger Daseinszweck ist es, Leid zu verbreiten. Sie kennen keine Gnade, keine Liebe. Inquisitoren kämpfen wenigstens noch für eine Sache. Dämonen sind lediglich Peiniger.“ Er spuckte aus. „Gehen wir weiter.“

Iliana musterte ihn entsetzt. Sein jetziger Blick ähnelte weit eher dem Schwertdämon, der das Dorf angegriffen hatte. Doch konnte sie es ihm verübeln? Auch in ihr erwuchs Zorn. Welche Art von Mensch würde ein solcher Anblick auch ungerührt lassen? Welche Art von Mensch würde nicht den Wunsch nach Gerechtigkeit verspüren? Auch wenn der Hass sie lichterloh verzehrte, er verlieh ihr Stärke. Lieber übte sie wutentbrannt Rache, als sich betrübt zurückzuziehen und solches Leid schlichtweg zu akzeptieren.

Iliana erhob sich entschlossen. Ihr Herz verkrampfte sich beim Anblick der Frau. Wie lange sie wohl tot war? Welche Träume und Hoffnungen sie wohl vor ihrem Dasein in den Verliesen Hornheims gehegt hatte? Sie würde es nie erfahren. Iliana wandte sich ab.

Esben murmelte ein Gebet. Trauer furchte seine Miene. Iliana hob den Bogen. Er war der einzige Gott, auf den sie nun vertraute.

Teshin entdeckte einen weiteren Gang, der tiefer ins wahre Hornheim führte. Bevor sie über die Schwelle gingen, sah er sie der Reihe nach an, ein kaltes Feuer loderte in seinen Augen. Dann brachen sie auf. Der Korridor war eng und die Stufen führten abwärts. Gestank verpestete die ungewöhnlich warme Luft. Ein einzelner Schweißtropfen löste sich aus Ilianas Haaren und fand den Weg zwischen ihre Schulterblätter.

Teshin trat vorsichtig auf, offenbar rechnete er mit Fallen. Plötzlich hielt er an und hob einen Finger. Ein gedämpfter Hilfeschrei gellte durch den Gang. Iliana erstarrte. Das Bild der toten Frau erschien vor ihrem inneren Auge.

„Ich fühle eine Präsenz“, verkündete Halgin angespannt. „Ein Dämon. Um die nächste Biegung.“

Ilianas Herz vollführte einen Satz, als der Gang einen Knick vollführte und sie vor einer schweren Eisentür standen. Fünf Schlösser in der Form eines Sterns waren darauf angebracht. Ein weiterer Schrei gellte. Iliana umklammerte ihren Bogen fester und spannte die Sehne. Kein Zweifel, die Person befand sich hinter der Tür.

„Ich kann sie öffnen, glaube ich“, sagte Halgin und flatterte näher. „Vielleicht …“

Bevor der König weitersprechen konnte, hob Teshin Murakama. Ein blauer Blitz blendete Iliana. Im nächsten Moment ertönte ein Knacken und Rauch stob aus den gewaltsam geöffneten Schlössern. Die Schreie verstummten.

Halgin sah Teshin vorwurfsvoll an, doch der Söldner machte sich bereits am Tor zu schaffen. Iliana stellte sich neben ihm und gemeinsam stemmten sie sich mit den Schultern gegen das rostige Eisen. Ein langgezogenes, protestierendes Quietschen marterte ihre Ohren, als die Tür aufschwang. Teshin hob Murakama und begab sich in die Kammer dahinter. Iliana folgte ihm mit erhobenem Bogen. Eine Mischung aus Zorn, Grauen und Angst setzte ihr Innerstes in Brand.

Die hintere Hälfte des Raumes lag in vollkommener Dunkelheit. Iliana erspähte nur eine Frau in weißen Gewändern, hinter der mehrere rötliche Augen durch die Finsternis stachen wie blutige Dolche. Im nächsten Moment ertönte ein weiterer Schrei, diesmal voller Triumph. Die Eisentür fiel mit einem Knall zu und ein flammendes Siegel bildete sich auf der rostigen Oberfläche. Iliana fuhr zusammen. Sie waren getrennt!

„Eine Falle“, flüsterte Teshin. Im nächsten Moment schob sich ein wahrhaft grauenvoller Körper aus der Finsternis.

Aufrufe: 4

Rezension “Obsidian – Schattendunkel” v. Jennifer L. Armentrout

Das Buch:      Obsidian – Schattendunkel

Die Autorin:     Jennifer L. Armentrout

Genre:    Urban Fantasy / Jugendbuch

ISBN 978-3-552-31519-9

Seiten: 423 Seiten inkl. Danksagung und Bonusmaterial

Preis:     12,99 €

Verlag:       Carlsen

Informationen zur Autorin und deren Büchern (Bibliografie)

(Quellen: wikipedia.org)

https://de.wikipedia.org/wiki/Jennifer_Armentrout

Die Handlung:

Katy ist mit ihrer Mutter gerade von Florida nach West Virginia gezogen. Sie ist nicht sonderlich begeistert davon, was sich auch nicht bessert, als sie auf den gleichaltrigen Nachbarsjungen Daemon Black trifft. Dieser tritt ihr gegenüber sehr unfreundlich, fast schon abweisend, auf.

Dieses Verhalten lastet auch auf der Freundschaft, die sich zwischen Katy und Dee, der Schwester von Daemon, entwickelt.

Sie freundet sich zwar auch mit anderen Mädchen ihrer Jahrgangsstufe an, aber Dee ist diejenige, mit der Katy am meisten unternimmt.

Katy fällt mit der Zeit ein Verhalten bei den Geschwistern auf, das sie sich einfach nicht erklären kann. Doch was sie nicht ahnt, ist ein Geheimnis, das ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Hierzu gehört u. a. auch die Konfrontation mit einer dunklen Macht, von der sie noch nicht einmal zu träumen wagt.

Es kommt zum finalen Showdown kurz nach dem Ball der High-School, die Katy, Daemon und Dee besuchen.

Mein Eindruck:

Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine Leseprobe, die ich mir über google-books runtergeladen hatte. Diese Seiten interessierten mich, also wünschte ich mir das Buch und bekam es zu meinem Geburtstag.

Die Handlung lässt sich, so mein Empfinden, flüssig lesen. An der ein oder anderen Stelle des kompletten Textes musste ich dann doch schmunzeln. In meinen Augen an diesen Punkten für mich schon ein wenig humoristisch.

Trotz des positiven Eindruckes habe ich das schleichende Gefühl einer ähnlichen Reihe zu folgen. Bei dieser erwähnten Erzählung denke ich an die Twighlight-Saga. Zwar unterschiedlicher wie sie nicht sein können, aber der Beschützerinstinkt des Protagonisten ist dem von Edward fast schon gleich zu setzen.

Mein Fazit:

Ich muss gestehen, dass mich die bereits erwähnte Leseprobe zwar gereizt hatte, aber ein innerer Widerstand mich davon abhielt, mich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen.

Der Hype, der sich um diese Reihe gelegt hat, war mir einfach zu viel.

Durch die Handlung kam ich gut und schnell durch, selbst wenn ich einige Tage habe nicht lesen können, so war es doch möglich, wieder reinzukommen.

Bei Obsidian handelt es sich für mich zwar um ein Jugendbuch, aber es ist lesenswert. Vor allem für all jene, die noch immer jung geblieben sind.

Aufrufe: 2

Korrekturen 12

12.Teil – Der Neffe des Analysten (2/2)

»Verdammt, vielleicht habe ich mich mit dem Identitätsnachweis geirrt«, schimpfte Ralph unbeeindruckt, »aber es geht mir sicher nicht darum, meinem Neffen zu schaden – ganz im Gegenteil. Ich habe wichtige Informationen für ihn. Ich kann Ihnen versichern, dass es Ihrer Karriere nutzen wird, wenn Sie jetzt vernünftig handeln.«
Der Anführer der Wachen überlegte einen Moment, dann gab er seinen Leuten ein Zeichen, worauf sie ihre Waffen hoben und Ralph in Schach hielten. Er zog sich ein Stück zurück und holte einen kleinen Kommunikator hervor. Ralph konnte nicht hören, was gesprochen wurde, doch als das Gespräch beendet wurde, wirkte der Mann etwas freundlicher.
»Sie werden mich jetzt begleiten«, sagte er, »der Leiter hat einen sehr eng gefassten Terminplan. Er wird sie in seinem Sicherheitsbüro empfangen und ihnen einige Minuten seiner kostbaren Zeit opfern. Kommen Sie aber nicht auf falsche Gedanken. Auch, wenn Sie mit dem Leiter allein sind, würde es Ihnen niemals gelingen, ihm zu schaden.«
Ralph wurde von der gesamten Truppe durch endlose Gänge geleitet. Ständig hatte er das Gefühl, als wenn sämtliche Waffen auf ihn gerichtet wären. Immer wieder begegneten ihnen Mitarbeiter der Partei in ihren Uniformen, manche bewaffnet, manche nicht. Kurz vor Erreichen des Ziels musste er noch in einen Untersuchungsraum, wo er komplett durchleuchtet wurde.
»Sie scheinen tatsächlich weder über Waffen, noch über nichtmetallische Gerätschaften zu verfügen, die als Waffe dienen könnten«, sagte der Anführer der ihn begleitenden Gruppe, »Sie können jetzt mit dem Leiter zusammentreffen. Es ist die Tür dort.«
Er deutete auf eine gepanzerte Tür direkt vor ihnen.
Ralph drückte die Klinke hinunter und betrat das Büro. Er war überrascht, wie riesig der Raum war. Die Decke befand sich in bestimmt vier Meter Höhe über ihm. Die gesamte, gegenüberliegende Front war ein riesiges Fenster, das einen überwältigenden Blick auf die Stadt ermöglichte. Das Mobiliar war spärlich und äußerst modern wie schlicht. An einer Seite befand sich eine Bar mit Theke und mehreren Hockern davor. Ralph schritt langsam vorwärts in Richtung der Fensterwand und blickte sich immer wieder um. Er schien allein zu sein. Er fragte sich, ob man ihn getäuscht hatte und er in Wirklichkeit nicht mit seinem Neffen zusammentreffen würde. Er trat bis ans Fenster heran und blickte nach unten. Unwillkürlich trat er einen Schritt zurück, da die oben nach außen strebende Scheibe den Eindruck vermittelte, man würde völlig ungeschützt nach unten sehen.
»Der erste Eindruck ist immer der Gewaltigste, nicht wahr?«, sagte einen Stimme hinter ihm.
Ralph fuhr herum und glaubte in das Gesicht seines Bruders zu blicken. Er hatte keine Ahnung, wo der Mann so schnell hergekommen sein konnte. Er hatte ein verbindliches Lächeln aufgesetzt und reichte ihm seine Hand.
»Ich bin Herwarth Thoben«, sagte er, »meine Leute nennen mich einfach nur den Leiter. Doch Sie hatten meinem Wachdienst gegenüber angedeutet, dass wir uns näher stehen sollen?«
»Ja, das ist korrekt«, antwortete Ralph, »ich bin dein Onkel. Dein Vater war mein Bruder.«
Herwarth deutete auf eine Sitzgruppe.
»Nehmen wir doch Platz. Im Sitzen redet es sich entschieden leichter. Sie behaupten also, mein Onkel zu sein? Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber ich kann Ihnen gleich sagen, dass ich Ihnen das nicht abnehme. Der Bruder meines Vaters ist vor vielen Jahren verschwunden und niemals wieder aufgetaucht. Also, wer sind Sie wirklich?«
»Mein Name ist Ralph Geek-Thoben«, sagte Ralph, »und ich war in der Tat der Bruder deines Vaters. Am Tag meines Verschwindens habe ich allerdings diese Welt hier auf eine Art verlassen, wie du es dir niemals vorstellen kannst. Eine Organisation, die sich Oberste Korrekturbehörde nennt, hat mich angeworben, in dem sie mich einfach von hier entführt hat.«
»Und jetzt sind Sie einfach wieder da?«, fragte Herwarth spöttisch, »Ein Mann, der eigentlich bereits vor Altersschwäche gestorben sein sollte? Was wollen Sie? Wollen Sie Geld? Dann kann ich Ihnen versichern, dass Sie von mir nicht einen einzigen Credit erhalten werden.«
»Deshalb bin ich nicht hier«, sagte Ralph, »ich habe schon vor vielen Jahren erkannt, dass du ein sehr ehrgeiziger Mensch bist, der das Potenzial zum Herrschen hat. Kannst du dich an einen Brief erinnern, der dir vor vielen Jahren zugegangen ist. Darin empfahl ich dir, in die Politik zu gehen, da dort eine große Zukunft auf dich wartet. Wie ich sehe, bist du auf einen guten Weg. Ich hatte damals angedeutet, dass ich dich eines Tages persönlich aufsuchen würde.«
Herwarth sah ihn mit aufgerissenen Augen an.
»Woher wissen Sie von diesem Brief?«, fragte er heiser, »Er hat mich damals tatsächlich dazu gebracht, Mitglied der Volkspartei zu werden. Ich habe niemals jemandem von diesem rätselhaften Brief erzählt.«
»Ich habe ihn geschrieben«, sagte Ralph, »ich haben ihn geschrieben, um dich an die Macht zu bringen – weil du das Zeug dazu hast.«
»Dann bist du tatsächlich mein Onkel?«, wunderte sich Herwarth, »Das würde aber auch bedeuten, dass du mich die ganze Zeit über beobachtet haben musst.«
»Das habe ich auch immer ‘mal wieder getan«, gab Ralph zu, »ich musste ja sehen, ob du meine Hinweise angenommen hast, oder ob ich intervenieren musste.«
»Intervenieren? Welche Art der Intervention meinst du?«
»Die Oberste Behörde, für die ich nun arbeiten muss, ist eine Behörde, die sich mit der Korrektur von Zeitanomalien beschäftigt. Eigentlich dürfte ich es dir überhaupt nicht erzählen, aber nun macht es keinen Unterschied mehr, weil ich nicht mehr zurückkehren werde.«
Herwarth schüttelte den Kopf.
»Ich glaube, ich verstehe das Ganze noch nicht wirklich«, sagte er, »ich soll wirklich glauben, dass du mit der Zeit herumspielst? So etwas, wie Zeitreisen, sind doch Hirngespinnste.«
»Heute, ja«, sagte Ralph, »aber in ein paar Tausend Jahren sind sie möglich. Man hat dort eine Behörde eingerichtet, die in einer Vielzahl von Zeitaltern prüft, ob Korrekturen notwendig sind. Man hat überall geeignete Menschen rekrutiert, die diese Arbeit leisten. Es gibt Analysten, wie mich, die eine Situation bewerten und das Maß und die Vorgehensweise der Änderung berechnen und es gibt auch die Agenten, die diese Veränderungen initiieren und durchführen – manchmal keine angenehme Aufgabe.«
Herwarth sah ihn noch immer skeptisch an und meinte:
»Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich dir das alles abnehme.«
Er griff zur Seite und holte einen kleinen Metallkoffer hervor. Während er ihn aufklappte, sagte er:
»Wir werden nun einen kleinen Test machen. Ich werde dir eine kleine Probe deines Blutes entnehmen und dann werden wir sehen, ob der genetische Fingerabdruck zu deinen Aussagen passt. Reiche mir bitte einmal deine Hand.«
Ralph hielt ihm zögernd seine Hand hin und sah zu, wie Herwarth einen kleinen, Bleistift großen Gegenstand gegen einen seiner Finger presste. Er fühlte einen kleinen stechenden Schmerz.
»Das war es auch schon«, sagte Herwarth und schüttelte den kleinen Stift, »gleich wird mir dieses Testgerät hier zeigen, ob es eine gewisse Kongruenz unserer Gencodes gibt.«
Wenige Augenblicke später piepste das Testgerät und Herwarth blickte konzentriert auf einen kleinen Monitor auf der Innenseite seines Koffers.
»Dein Gencode stimmt fast mit dem meines Vaters überein«, stellte er fest, »es muss also stimmen – du bist mein Onkel. Deine Geschichte ist zwar in höchstem Maße phantastisch, aber ich gehe einfach einmal davon aus, dass sie stimmt. Was genau bietest du mir eigentlich an?«
»Herwarth, ich bin genau darüber informiert, dass du sehr ambitioniert bist und dein Ziel die Herrschaft über den europäischen Kontinent ist. Deine Partei ist gut aufgestellt, aber deine Gegner sind stark. In zwei Jahren finden die nächsten Wahlen statt, die über das weitere Schicksal Europas entscheiden werden. Die PEV wird diese Wahlen haushoch verlieren.«
»Unmöglich!«, brauste Herwarth auf, »Es wurden bereits so viele Organisationen unterwandert. Wir werden die Regierung stürzen. Da bin ich sicher.«
»Träum’ weiter Herwarth. Ich kenne die Zukunft«, sagte Ralph eindringlich, »du musst in naher Zukunft aktiv werden und Gunter Manning-Rhoda töten.«
»Wen?«, fragte Herwarth entgeistert, »Diesen Niemand? Gunter Manning-Rhoda ist ein Witz. Wir werden ihn und seine linken Aktivisten zermalmen. Dieser Möchtegern-Politiker glaubt, mir ernsthaft entgegen zu treten, indem er aus seinen Aktivisten eine offizielle Partei formt.«
»Dann hat er also bereits die Partei gegründet, mit der er gegen dich bei den Wahlen antreten will?«, fragte Ralph nachdenklich, »Ich hatte geglaubt, wir hätten noch etwas mehr Zeit.«
»Wir brauchen uns um diesen Kerl keine Sorgen machen«, sagte Herwarth selbstgefällig, »er hat nicht den Hauch einer Chance.«
Ralph hob warnend den Zeigefinger und schüttelte den Kopf.
»Ich habe es immer wieder in meinen Datenbanken geprüft. Manning-Rhoda wird aus diesen Aktivisten, wie du sie nennst, eine ernst zu nehmenden Partei formen. Er wird gegen dich antreten – und gewinnen. Deshalb muss er sterben und zwar bald, nämlich noch, bevor er beginnt, in den Wahlkampf einzugreifen.«
Herwarth sah seinen Onkel an.
»Warum erzählst du mir das alles? Was hast du davon, wenn ich das tue?«
Ralph lehnte sich genüsslich zurück und sagte:
»Wenn du an der Macht bist, wirst du einen fähigen Mann an deiner Seite brauchen. Dieser Mann will ich sein. Ich kann dir auch in Zukunft noch mit vielen weiteren Tipps nützlich sein. Überlege es dir.«
»Ich frage mich immer noch, warum du das tust«, sagte Herwarth, »du warst in einer Behörde, die dir ungeheure Macht gab. Warum gibst du das alles einfach auf? Und – wird es nicht Andere geben, die das einfach wieder korrigieren werden?«
»Ich tue es, weil man mich als Jugendlichen einfach rekrutiert hat, ohne mich zu fragen, was ich eigentlich will. Man hat mir damals meinen Lebenstraum einfach zerstört. Jetzt bin ich am Drücker. Ich will wenigstens die Zinsen kassieren, verstehst du? Ich habe die wichtigsten Daten in der Datenbank gelöscht oder zumindest verschlüsselt. Die Zeit ist eine sehr komplexe Sache. Viele Dinge werden nur durch Zufall entdeckt. Wenn nicht einer dieser Zufälle eintritt, wird man meine Manipulation nicht einmal entdecken. Bring’ du diesen Manning-Rhoda um und wir werden herrschen, Herwarth.«
Herwarth spielte die ihm angezeigte Zukunft in Gedanken durch und seine Augen begannen zu glänzen. Dieser Mann war der Schlüssel zur Macht. Herwarth Thoben würde über einen ganzen Kontinent herrschen.
»Das sollten wir mit einem guten Tropfen begießen«, sagte er, »ich denke, wir werden eine lange, produktive Verwandtschaftsbeziehung haben.«
Er griff zu einem Kommunikator und drückte ein paar Tasten.
»Einen Moment noch«, sagte er entschuldigend zu Ralph.
Dann sprach er in das Gerät:
»Ich brauche sofort ein Team. Spezialisten. Sie dürfen noch nicht negativ aufgefallen sein. Es geht um eine Versetzung in den Ruhestand. Machen Sie Gunter Manning-Rhoda ein entsprechendes Angebot. Sie wissen, was ich meine, und verschonen Sie mich mit Einzelheiten. Ich will sie überhaupt nicht wissen.«
Er legte auf und sah Ralph lächelnd an.
»Wo waren wir stehen geblieben?«

Aufrufe: 7

Die Wölfe von Asgard – In die Enge getrieben (1/2)

Aegir tastete sich vorsichtig durch den engen dunklen Raum, in den man ihn eingesperrt hatte. Er bot kaum Platz, um sich zu bewegen, und kaltes Holz umschloss seine breiten Schultern, wenn er versuchte, sich irgendwie zu rühren. Hätte man ihm die Hände nicht auf den Rücken gefesselt, hätte er vermutlich bessere Aussichten gehabt. Nun jedoch, schien er sich in einer ausweglosen Lage zu befinden. Aegir stieß einen gedämpften Fluch aus. Er hätte nicht so naiv sein dürfen, anzunehmen, dass Islav nichts von dem ganzen Spiel um ihn herum mitbekam.
Nun oblag es seinem Bruder Snorri, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Du wolltest ein Mann werden, Bruderherz. Nun hast du die Gelegenheit dazu. Und sie kommt schneller als du es für möglich gehalten hättest. Jetzt musst du Stärke zeigen oder wir werden heute Nacht zu unseren Vorfahren stoßen.
Langsam aber sicher versteiften sich seine Glieder. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, ihm sein Kettenhemd abzunehmen und langsam zerrte das Gewicht und seine geduckte Haltung an seinen Kräften.
Wartet nur, bis ich hier raus bin, grollte er innerlich. Seine aufgestaute Wut verdrängte jeden Gedanken an die Nächstenliebe, die ihn der Fremde gelehrt hatte. 
Vergib mir, Vater, denn ich werde eine Sünde begehen.
Plötzlich ertönte ein greller Schrei, so laut, dass Aegir stocksteif zusammenfuhr. Es klang so, als müsse jemand wieder und wieder durch das Feuer der Hölle selbst wandern. Dann war es für einen Augenblick totenstill. 
Jeder Muskel in seinem Körper zuckte vor Erregung. 
Es hat begonnen, wurde ihm klar. 
Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. 
Dann ertönten wütende Rufe. Schreie. Kampflärm. Die schrille Melodie von Stahl, der auf Stahl traf, wanderte durch Aegirs Ohren. 
Der Riese schloss die Augen und versuchte sich auf Einzelheiten zu konzentrieren, was ihn bei den Schreien der Männer einfach nicht gelingen wollte.
Ich muss hier raus. Nur wie?
Fieberhaft suchte er nach einem Ausweg. Doch selbst wenn es einen gab, so offenbarte er sich nicht. Er war gefangen. Und somit verdammt, das Schicksal seiner Kameraden zu teilen. 
Selbst, wenn es den Untergang bedeutete.

***

Snorri rannte, wie er noch nie in seinem Leben gerannt war. Äste peitschten ihm entgegen, verkratzten sein Gesicht, doch es kümmerte ihn nicht. Seine Lungen brannten, verlangten nach Luft. Doch er durfte sie nicht gewähren lassen. 
Hinter ihm befand sich eine tosende Meute, bestehend aus über einem Dutzend Ustenströmern, die ihm hinterherjagten.
Blind vor Aufregung hatte er gehandelt, die Fackeln von sich geschleudert, Männer und Zelte in Flammen gehüllt. Dann hatte er die Beine in die Hand genommen und sich davongemacht, wie sie es geplant hatten. 
Bäume zogen an ihm vorbei, während er die Anhöhe emporhechtete. 
Ein kurzer Blick nach hinten verriet ihm, dass die Männer des Magnar allmählich aufholten. Snorri biss die Zähne zusammen. Er musste durchhalten, fast hatte er die Felsen erreicht. 
Ein Pfeil bohrte sich unweit von ihm in einen Baumstamm. 
»Verdammter Mist!« Die Anspannung ließ ihn Flüche zischen. 
»Komm endlich her, du elender Bastard! Stell dich wie ein Mann!«
Die Stimme kam ihm bekannt vor und dennoch gelang es Snorri gerade nicht, sie einzuordnen. 
Er stolperte über eine Wurzel und geriet ins Straucheln. Fast wäre er gestürzt. Im letzten Moment rappelte der junge Nordmann sich auf und rannte weiter. 
Endlich waren die großen Findlinge in Sicht. Hechelnd steuerte er darauf zu und wie eine Schlange wandte er sich zwischen ihnen hindurch. Dann erreichte er die Barrikade, wo genau ein Pfahl fehlte, damit er die Möglichkeit besaß, hindurchzuschlüpfen. 
Hastig eilte Snorri an den angespitzten Ästen vorbei, griff sich den letzten verbliebenen Pfahl und rammte ihn mit voller Wucht in die Erde. Dann zog er sein Schwert. 
Ihm blieb keine Zeit für eine Atempause.
Der erste Ustenströmer kam zwischen den Felsen hervorgeschnellt. Als er die angespitzten Pfähle bemerkte, blieb er mit weit aufgerissenen Augen ruckartig stehen.
Sein Nachfolger stolperte irritiert in ihn hinein und stieß seinen Vordermann dadurch in die schreckliche Todesfalle. 
Der Speer bohrte sich durch den Leib des Kriegers und brüllend vor Schmerz sackte er darauf zusammen. Ein kleiner Faden aus Blut rann an seinem Mundwinkeln hinab, während das Licht in seinen Augen erlosch.
»Es ist eine Falle!«, schrie einer der Männer des Magnar. 
Dann ertönte Kampflärm. 
Sie haben den anderen Zugang verriegelt. Jetzt oder nie!
»Steine!«, brüllte Snorri nach Leibeskräften. 
Auf seinen Ruf hin, tauchten die Männer auf den Findlingen auf und schleuderten die Felsen in die schäumende Menge. 
Es knackte entsetzlich, als das Genick eines Ustenströmers unter dem Gewicht zerbrach und er leblos zusammensackte. 
»Ihr Scheißkerle!«, zischte plötzlich die Stimme, die Snorri gerade schon erkannt zu haben glaubte. 
Der fettleibige Ustenströmer, der damals schon versucht hatte, ihn umzubringen, erschien hinter einem der Felsen. Sein wutverzerrter Blick traf Snorri mit der Kraft einer alles versengenden Flamme.
»Ich lass dich deine eigenen Gedärme fressen und daran ersticken, du Wurm!«, schrie er voller Hass und rannte auf den jungen Nord zu. 
Snorri machte sich bereit, dem Ansturm seines Gegners standzuhalten. 
Mit einer, für seinen wanstigen Leib ungeahnten Geschicklichkeit, steuerte der Mann an den Pfählen vorbei. Schon hatte er Snorri erreicht und deckte ihn mit einer Welle von Hieben ein, die ihn allmählich zurückdrängten. 
Ein stöhnender Schrei hallte durch die Klamm. Dann ein Aufschrei.
»Da kommen noch mehr! Formiert euch! Formiert euch!« Die Stimme gehörte Knutson. Er schien außer Atem. 
Snorri biss die Zähne zusammen. Er durfte seine Kameraden nicht im Stich lassen. Er duckte sich unter einem Schwerthieb hindurch und versuchte es mit einem Konter.
Sein Gegner parierte den Schlag mühelos. Sein nächster Hieb galt Snorris Kopf und er hätte ihn mit Leichtigkeit gespalten, wäre der junge Nord nicht im letzten Moment nach hinten ausgewichen. 
»Das nächste Mal kriege ich dich«, zischte sein Gegenüber und holte zum nächsten Schlag aus. Wieder und wieder drängte er Snorri zurück, fort von den anderen, hinein in den Wald. 
Der junge Nord suchte fieberhaft nach einer Gelegenheit für einen Gegenangriff, doch seine Schläge verpufften scheinbar wirkungslos.
»Ohne faule Tricks bist du ein Niemand«, höhnte der Dicke, während er Snorri mit einem scharfen Seitenhieb attackierte.
Die Wucht des Aufpralls ließ ihn straucheln. Schmerz pochte durch seinen Schwertarm, bis zur Schulter empor. 
Er hat Recht. Im direkten Kampf bin ich ihm deutlich unterlegen. Ich muss mir etwas einfallen lassen.
Wieder schlug sein Gegner zu und dieses Mal gelang es Snorri nicht, dem Hieb zu entkommen. Die Klinge rutschte an seiner eigenen ab und glitt über seinen linken Arm, wo sie die Haut aufschlitzte und eine blutige Schramme hinterließ. Vor Schmerz stöhnte der junge Nordmann laut auf. Das Blut rauschte in seinen Ohren und übertönte selbst den weit entfernten Schlachtenlärm.
Dann rammte der Ustenströmer ihm den Knauf seiner Waffe ins Gesicht und schickte ihn zu Boden. 
Schwarze Punkte spielten vor seinen Augen Fangen, während der Dicke sich grinsend vor ihm aufbaute. »Ich reiße dir jede Gliedmaße einzeln heraus«, quiekte er vergnügt, während er sein Schwert erhob. 
Snorris Schädel dröhnte von dem Schlag und er kämpfte mit der Ohnmacht. Warmes Blut sickerte aus seiner Nase, die sich schmerzhaft verbogen anfühlte. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. 
Dann erblickte Snorri einen Schemen, der ihn durch ein Gebüsch durchdringend anzuschauen schien. Es war ein Blick voller Wärme und Hoffnung, voller Träume und Sehnsüchte und dennoch ein Blick des qualvollen Todes.
Dyggur!
Als Snorri genauer hinsehen wollte, war der Schemen verschwunden. 
An seiner statt, traf ein Stiefel seine Rippen. 
Qualvoll ächzte der junge Nord auf. Sämtliche Luft wurde aus seinen Lungen gepresst.
»Und wieder kriechst du vor mir im Staub«, höhnte der Große. Er setzte zu noch einem Tritt an.
Staub! Das ist es!
Seine Reaktion folgte so instinktiv, dass es seinem Gegner nicht möglich war zu reagieren. Snorris Hand griff nach der trockenen Erde zu seinen Füßen und er schleuderte sie dem Ustenströmer ins Gesicht. 
Brüllend ließ der Mann sein Schwert auf ihn niedersausen, doch der Schlag blieb unpräzise und verfehlte ihn knapp. »Meine Augen! Du Hundesohn!« Der Mann schien den gesamten Wald niederschreien zu wollen, so laut brüllte er.
Snorri rollte zur Seite und griff seine Waffe. »Du bist auch wirklich zu blöde, zweimal auf denselben Trick reinzufallen«, keuchte er. Dann rammte er seinem orientierungslosen Gegenüber das Schwert in die Brust. Blut tropfte seine Klinge hinab, während der Körper seines Feindes erschlaffte und zu Boden sackte. Er drehte das Heft einmal herum, dann riss er die Waffe aus der Brust heraus. Schwer atmend hielt er inne. 
Ich habe es getan. Ich habe getötet. 
Nichts daran fühlte sich so an, wie er es sich vorgestellt hatte. Kein Glanz, kein Ruhm, nur eine endlose Leere. Er blickte zu dem Gebüsch, wo sich ihm gerade noch sein Bruder offenbart hatte.
Das war ein Zeichen der Götter. Wir können diese Schlacht gewinnen.
Er schüttelte sich einmal, als wolle er alles Schlechte von sich werfen, dann eilte er zurück zu den Findlingen. 
Leichen begrüßten ihn stumm, während die lauten Schreie von den Lebenden zeugten. 
Mittlerweile waren die anderen Krieger ein gutes Stück zurückgedrängt worden. 
Als Knutson ihn sah, eilte er auf ihn zu. Sein Kettenhemd war über und über mit Blut bespritzt und seine Gesichtszüge ähnelten mehr denen eines Raubtieres, als denen eines Menschen. 
»Bei Tyr, wo hast du gesteckt? Sie haben die Barrikade überwunden und uns mit Pfeilbeschuss von den Felsen gedrängt. Nun heißt es Mann gegen Mann, aber unsere Zahl schwindet, während die ihre zunimmt. Wir müssen uns zurückziehen!«
Snorri schluckte. Es war seine Aufgabe gewesen, die Bresche zu halten, doch sein Feind hatte ihn einfach in den Wald gedrängt. Dafür hatten Kameraden mit dem Leben bezahlt. 
»Keine Zeit zum Nachdenken. Wir ziehen uns zurück zur zweiten Barriere!«, schrie Knutson aus vollem Halse. 
Die Männer versuchten, so gut es ging Folge zu leisten.
So wenige nur noch? Es bestürzte Snorri, dass sie es nicht geschafft hatten. Der Feind war zu zahlreich und drohte sie zu überwältigen. 
Die wenigen Verbliebenen scharten sich zusammen und eilten tiefer in den Wald hinein, wo Knutson ein weiteres Hindernis errichtet hatte. 
Sie gelangten zu einer steilen Felswand, die mehrere Manneshöhen vor ihnen emporragte. Davor befanden sich weitere Speere, die der Nordmann zu ihrer Verteidigung in den Boden gerammt hatte. 
Die Aussicht auf etwas Schutz verlieh Snorri ein wenig Zuversicht, die jedoch binnen eines Augenblicks zwischen seinen Fingern zerrann. 
Denn nun befanden sie sich in einer Sackgasse und es gab keinen Ausweg mehr. Wenn sie hier scheiterten, würde das für sie das Ende bedeuten. 
Snorri schluckte einen Kloß, groß wie eine Faust herunter. Er bezog Stellung, hielt seine Waffe in festen Händen. Ein dumpfer Schmerz pochte durch seinen linken Arm, dort, wo die Wunde in seinem Fleisch klaffte. 
Dann stürmten ihnen die Ustenströmer brüllend entgegen und die Welt tauchte ein in Blut und Stahl. 

Aufrufe: 6

Die Feder – von Saigel

Eine Feder. Sie lässt sich vom Wind treiben, erscheint beinahe strahlend weiß und glücklich, dort im Strudel der Lüfte zu schweben, sich nicht daran zu stören, dass sie getrennt von dem Körper, der sie nährte, alsbald zwar in schwindelerregende Höhen hinaufschrauben und den Ausblick genießen, aber auch zu Boden fallen wird. Ob sie mit im Alleingang dort oben schwebt, das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich hier unten sitze und sie dabei beobachte, wie sie ihren ersten und letzten Flug vollzieht, im puren Genuss dahinschwelgt, sich alles genau ansieht und dennoch keine Kontrolle darüber hat, was sie zu sehen bekommt.
Es könnte sein, dass sie schlicht zufrieden ist. Dass sie auch vor ihrer Trennung zufrieden war. Dass selbst dieser letzte Augenblick bittersüß an ihr vorübergeht und sie des Genusses fähig ist.
„Warum kann ich das nicht?”, frage ich mich selbst. Laut und verständlich für jedermann, der um mich herum steht und mich fragend, neugierig beäugt. Kopfschüttelnd stehe ich da, blicke in den Himmel auf diese Feder und beginne damit, sie zu beneiden, nicht um ihren Flug, denn ich habe Höhenangst, aber um ihre Gleichgültigkeit, die sich so leicht und locker auf ihren feinen Fasern abzeichnet, dass mir um meine Anspannung angst und bange wird. Eine zufriedene Gleichgültigkeit. Eine frohe, bejahende, verräterisch stille Gleichgültigkeit. Die Frage, die mich erfasst, ist beinahe schmerzhaft. Immer wieder frisst sie mich auf, diese Frage, warum ich das nicht auch kann.
Warum brauche ich das neue Auto, wenn ich doch eines habe, das noch fährt. Warum brauche ich das neueste Handy, den besten Computer, das schnellste Internet?
Warum verzichte ich stattdessen auf ausgedehnte Spaziergänge? Frische Luft? Ruhiges abendliches Lesen, Zeit? Zeit, die ich einfach so damit verbringe, ich selbst zu sein. Wie diese Feder. Die Welt kann sie nicht schrecken, sie ist ihr nicht gewachsen. Die Feder weiß, dass sie keinen Einfluss nehmen kann auf das, was um sie herum geschieht. Sie kann nicht darüber entscheiden, ob sie auf ein Inferno blickt oder auf eine verträumte Landschaft mit Bäumen und Flüssen und frei laufenden Hasen. Sie kann nur das beobachten, was sie zu sehen bekommt, von hoch dort oben, aus den unantastbaren Lüften. Bis sie wieder heruntersteigt und die Winde keine Lust mehr haben, sie zu tragen. Bis sie sich zufrieden auf die Erde legen kann, die entweder weich oder hart, feucht oder trocken ist und dankbar in dem Zufriedenheit finden kann, was sie erleben durfte. Und um mich herum steht die unzufriedene Menschentraube, die nach oben schaut, anstatt nach unten auf sich selbst und seine Zeit damit verbringt, sich zu fragen, was ich dort wohl sehe.

Aufrufe: 12

Gottes Hammer XII

„Medardus?“, wiederholte Halgin überrascht. Iliana umklammerte ihren Bogen so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Wie konnte das sein? Hilfesuchend sah sie vom einen zum anderen. Esben wirkte hilflos, Halgin erstarrt wie eine Statue und aus Teshins Augen starrte ihr Zorn entgegen.

Ebenso hatte Ilianas Gesicht ausgesehen, als sie sich nach der Verbrennung ihrer Mutter in einer Pfütze betrachtete.

Einen Moment lang regierte Stille die Kammer, bis Halgin entschlossen das Wort ergriff. „Es ist mir zutiefst rätselhaft, wie dieser Inquisitor in solch kurzer Zeit von Aminas hierhergelangen konnte. Dennoch, wir dürfen keine Zeit mit Erklärungsversuchen verschwenden. Es steht wohl außer Frage, dass er von uns weiß, sonst wäre er nicht mit einem solchen Aufgebot auf dem Weg hierher. Wir müssen eine Strategie erarbeiten.“ Kurz atmete er durch. „Aus welchen Einheiten besteht das Heer?“

Esben strich sich mit seiner zitternden Hand Schweiß von der Stirn. „Ausnahmslos berittene Männer in schweren Rüstungen, etwa fünfhundert Mann, denke ich. Sie alle tragen die Abzeichen der Tempelsöhne.“

Es war, als hätte er ein Wort der Macht gesprochen. „Ein Heer aus Rittern?“, fragte Teshin fassungslos.

Iliana sah ihn überrascht an. „Ist das nicht normal?“

Teshin schüttelte angespannt den Kopf. „Nein. Die Denomination verfügt nur über wenige geistliche Ritter. Sie alle durchlaufen eine harte Ausbildung, wodurch sie zu ausgezeichneten Magiern werden. Die Tempelsöhne sind die absolute Elite unter ihnen. Als im großen Krieg vor ein paar Jahren der Herzog von Aminas eine große Kirche plündern wollte, hielten zehn Tempelsöhne seine ganze Armee auf. Die bestand aus fünftausend Mann.“

Iliana fasste sich benommen an den Kopf. Sie konnte solche Stärke kaum erfassen. „Aber … ich wurde doch auch von Tempelsöhnen gefangen genommen! Du hast sie besiegt!“

Teshin lachte freudlos. Der Laut ließ Iliana erschaudern.

„Ich hatte das Überraschungsmoment auf meiner Seite“, erwiderte er. „Außerdem waren die vier in der Kutsche nur Anwärter. Und selbst die hätten mich wahrscheinlich überwältigt, wenn sie vorbereitet gewesen wären.“ Er sah Iliana direkt in die Augen. „Fünfhundert Mann auf einem Feldzug können wir nicht überraschen. Wir sind nur zu viert, außerdem sind das keine Narren. Sie wissen, dass sie nach Hornheim reiten. Sie werden wachsam bleiben.“

Halgin nickte zustimmend. „Wann werden sie hier sein, Esben?“

Der gefallene Priester riskierte einen weiteren Blick. „Sie kommen in unsere Richtung, aber noch sind sie im Wald. Wenn wir jetzt fliehen, könnten wir vielleicht entkommen!“

„Fliehen?“, fragte Teshin und lachte. „Das wird nicht funktionieren!“

Esbens Augen glommen hoffnungsvoll im roten Licht. „Warum nicht? Mithilfe der Navali …“

Teshin schüttelte den Kopf. „Denk bitte nach, Esben. Ein Heer aus Tempelsöhnen steht nicht zufällig vor unserer Haustür. Ich bin mir fast völlig sicher, dass Medardus unseretwegen gekommen ist. Ich bin mir ebenfalls sicher, dass er Androgs Halle kennt. Sonst würde er nicht so schnell in diese Richtung ziehen.“

Ilianas Herz sank gen Boden, als Halgin entmutigt nickte.

„Ich fürchte, er behält recht. Noch weiß ich nicht, wer sie ersonnen hat, aber dies war eine Falle und wir sind hineingetappt. Im Wald würden wir ihm in die Arme laufen und in Hornheims Ödnis kann man sich nicht verstecken. Unsere einzige Hoffnung ruht auf dem Gang vor dem Haupttor.“

Der Hoffnungsschimmer in Esbens Blick erstarb. „Ihr meint, wir sollen den Gang verbarrikadieren? Womit?“

„Mit uns selbst.“ Halgin flatterte energisch mit den Flügeln. „In ihren schweren Rüstungen können die Ritter höchstens jeweils zu zweit nebeneinander durch den Gang marschieren. Wenn wir alle vier gemeinsam kämpfen, könnten wir einige von ihnen aufhalten.“

Teshin lachte erneut. „Diese Strategie haben die zehn Tempelsöhne beim Heer des Herzogs angewandt und sie hatten Erfolg. Aber wisst Ihr was, Majestät? Das funktioniert nur bei Armeen, die durch schiere Masse siegen. In einem engen Gang können sie diesen Vorteil nicht ausspielen und werden der Reihe nach niedergemacht. Aber wir haben es hier nicht mit einfachen Soldaten zu tun, wie die im Heer des Herzogs. Das hier sind Tempelsöhne. Jeder von ihnen beherrscht heilige Magie und wäre uns wahrscheinlich ebenbürtig. Wir können vielleicht ein paar von ihnen mit in den Tod nehmen, aber wie viele sollen das sein? Vier? Zehn? Sechzehn? Am Ende wird uns die Erschöpfung überwältigen, während der Feind immer wieder zwei neue, ausgeruhte Gegner gegen uns ins Feld schickt. Und eine Sache habt Ihr noch übersehen.“ Teshin winkte sie zurück in die Halle. Kaum standen sie auf der Galerie an der linken Wand, deutete er auf den Eingang. „Der Gang vom Haupttor zu Androgs Halle ist abfallend. Die Ritter werden folglich über uns stehen und daher im Vorteil sein. So haben wir keine Chance.“

„Dennoch wäre es ein ehrenhaftes Ende“, erwiderte Halgin. Iliana schluckte angsterfüllt. Täuschte sie sich oder schwang tatsächlich Furcht in der Stimme des Königs mit?

Teshin schnaubte. „Majestät, vergebt mir, aber wollt Ihr unsinnig morden? Euer Heldentod würde nichts Gutes bewirken, im Gegenteil. Wenn wir uns wehren, erregen wir nur den Zorn des Gegners. Wir würden sinnlos Blut vergießen, sinnlos gute und schlechte Männer gleichermaßen in einer verlorenen Schlacht töten. Wenn wir uns ergeben, erregen wir vielleicht eher ihre Gnade.“

„Dir geht es also nur um dein Leben, Angnaur!“, fauchte Halgin ungehalten. „Hast du nicht selbst gesagt, der Inquisitor habe Grund genug, jeden von uns zu verbrennen? Was nützt dir diese Torheit?“

Teshin blieb ruhig. Ein Hauch von Melancholie schlich sich in seine Stimme. „Mir geht es um Iliana.“

Stille breitete sich aus. Iliana sah Teshin überrascht an. Gleichzeitig regte sich Trotz in ihrem Innersten. „Ich will mich nicht ergeben!“, brauste sie auf. Zu lebendig waren die Erinnerungen an Arinhilds Tod. Lieber wollte sie durch ein Schwert sterben als auf dem Scheiterhaufen.

Teshin beachtete sie nicht, sondern fixierte Halgin. „Denkt nach, Was, wenn wir Iliana fesseln und so tun, als wäre sie unsere Gefangene? Wir lassen die Ritter hereinkommen und erwarten sie in Androgs Halle. Wir werden so tun, als hätten sie uns überrascht. Uns drei werden sie wahrscheinlich töten, aber Iliana könnte überleben, indem sie ihr Mitleid erregt. Ein solches Heer wird nicht wegen einer entflohenen Hexe ausgeschickt. Sie hätte gute Chancen, nicht erkannt zu werden und vielleicht sogar Hilfe zu erhalten. So könntet Ihr Euren Eid erfüllen und auch im Kampf sterben, wenn Ihr das unbedingt wollt. Wäre das nicht ehrenhafter?“

Iliana musste an Medardus denken. Würde er sie erkennen? Sie starrte Halgin hilfesuchend an, doch die Miene des Königs war nicht zu deuten. Schweigend betrachtete er Teshins Gesicht.

Iliana biss die Zähne zusammen. Ihr ganzer Körper bebte und erst im nächsten Moment wurde ihr bewusst, dass sie in Tränen auszubrechen drohte. Medardus hatte ihr einst alles geraubt, nun würde er es wieder tun. Halgin, ihr König, ihr heimlicher Verbündeter und Beschützer … sie wollte, sie konnte ihn nicht auch noch verlieren.

Teshin bemerkte ihre Trauer. „Du wirst leben“, sprach er überraschend sanft. „Du musst, hörst du? Ich werde Medardus herausfordern und vielleicht kann ich ihn in meinen letzten Momenten dazubringen, Saskias Aufenthaltsort zu nennen. Vorausgesetzt, er kann seine Stimme wirklich außerhalb eines Heiligtums einsetzen.“ Seine blauen Augen glitzerten. „Falls er es tut – bitte such nach ihr. Bitte sag ihr, was geschehen ist.“

Iliana konnte nur nicken. Eisige Klauen gruben sich in ihr gepeinigtes Herz. Teshin wandte sich ab und lockerte Murakama in der Scheide. Seine Hände zitterten leicht, als sich seine Finger um den verzierten Griff der Waffe schlossen.

„Es gibt noch eine andere Möglichkeit“, sagte Esben unvermittelt und deutete auf die drei versiegelten Portale in der gegenüberliegenden Wand. „Können wir das Siegel brechen, Majestät?“

Ilianas Blick flog zu den drei gewaltigen Toren. Ein Hoffnungsschimmer regte sich in ihrer Brust. Kurz breitete sich überraschtes Schweigen aus, dann schüttelte Halgin fassungslos den Kopf. „Wenn wir unsere Kräfte vereinen, dann hege ich daran keinen Zweifel. Doch weißt du, wohin dieser Weg führt? In tiefste Finsternis, ins wahre Hornheim!“

„Dort hausen Dämonen, ich weiß.“ Esben hielt sein Buch hoch. Die Augen der Fratze glitzerten hell. „Aber hier drin steht eine Anleitung, wie ich Dämonen an mich binden kann. Es ist ein schreckliches Ritual … aber es verschafft uns einen Vorteil, den wir gegen die Tempelsöhne nicht haben.“ Er sah in die Runde. „Wir müssten dort nur solange ausharren, bis das Heer wieder abgezogen ist.“

Halgin wirkte entsetzt, doch Teshin nickte. Seine ernste Mine konnte die Erleichterung in seiner Stimme nicht verbergen. Offenbar war er für den Tod doch noch nicht bereit. „Auch wenn ich so die Wahrheit nicht erfahre, ich bin dabei. Los, brechen wir das Siegel!“

Esben wandte sich ab. „Ich habe nicht weit von hier eine Vorratskammer angelegt. Brecht ihr beide bitte das Siegel, Iliana und ich holen einige Nahrungsmittel. Wer weiß, wie lange Medardus Androgs Halle besetzt halten wird.“

Noch ehe Iliana eine eigene Entscheidung treffen konnte, hastete sie bereits Esben nach. Der gefallene Priester führte sie eine steinerne Treppe hinab, an einer bärtigen Statue vorbei, die sich schwach regte. In der Kammer fanden sie zwei Taschen und füllten sie mit verschiedensten Früchten und mit Gemüse. Esben hatte gut vorausgeplant.

Kaum kehrten sie in Androgs Halle zurück, empfing sie ein heller Lichtblitz. Iliana bedeckte geblendet die Augen. Halgins Magie glich einem Mantel aus reinem Licht, der ihn bedeckte. Schon zeigten sich Risse im Stein. Iliana betrachtete die Fratze über dem zugemauerten Tor. Es war die mit den kalten Zügen.

Einen Moment später brach die Barriere zusammen. Sofort entströmte ungewöhnlich warme Luft dem Gang dahinter. Verwesungsgeruch stieg Iliana in die Nase und ließ ihren Körper erbeben. Das Gefühl, eine von göttlicher Kraft gezogene Schwelle zu übertreten, machte sich in ihr breit.

„Geht voran“, orderte Halgin. „Ich baue die Barriere hinter uns wieder auf.“

Teshin winkte ihnen energisch und durchschritt als erster das Portal. Iliana atmete tief durch und stürzte sich nach ihm in die Finsternis.

Aufrufe: 13

Korrekturen 11

11.Teil – Der Neffe des Analysten (1/2)

Ralph Geek-Thoben war schlecht gelaunt. Er hatte alles so gut geplant. Viele Jahre lang hatte er nur auf den Zeitpunkt hingearbeitet, an dem er den Zeitvektor verlassen würde, um seinen Platz in der Herrschaftsfamilie seines Zeitalters anzutreten. Jahr für Jahr hatte er sich bemüht, endlich die Position einzunehmen, die es ihm ermöglichen würde, seine Pläne zu verwirklichen. Er hatte sogar schon einen Plan, wie er es anfangen sollte, seine komplette Identität aus der Datenbank zu entfernen, sobald er in der Zeit verschwunden wäre. Sollten sie doch dann nach ihm suchen. Es würde ihnen nicht gelingen.
Leider hatte sein Plan einen Fehler. Niemals hätte er damit gerechnet, dass ausgerechnet die zuverlässigste Agentin seiner Basis aus der Reihe tanzen würde. Auch hatte er nicht damit gerechnet, dass es ihr gelingen würde, seine Sperren zu umgehen und ihn de facto zu entlarven. Diese verdammte Khendrah! Da fährt sie zurück und macht ihre Manipulation wieder ungeschehen. Wenn es ihm nicht gelang, dies wieder zu kitten, war alles vergebens gewesen. Er hatte Fancan, die zweite Agentin, auf Khendrah angesetzt, doch bisher hatte sie sich noch nicht wieder bei ihm gemeldet.
Immer wieder prüfte er die Datenbanken und achtete insbesondere auf Änderungen im Jahre 2008, doch Fancan schien ihren Auftrag noch nicht erledigt zu haben.
Ralph stützte seinen Kopf auf seine Hände und grübelte. Was sollte er tun, wenn Fancan versagen sollte? Er konnte nicht beliebig viele Agenten auf Khendrahs Fährte setzen. Irgendwann würde jemand unbequeme Fragen stellen. Die Mitglieder der obersten Behörde waren zwar Schlappschwänze, doch dumm waren sie nicht.
»Vielleicht bleibt mir doch nichts anderes übrig, als selbst mit Herwarth Kontakt aufzunehmen«, dachte er, »er führt eine der mächtigsten politischen Parteien seiner Zeit. Es sollte ihm doch auch möglich sein, die Macht ganz einfach mit Waffengewalt an sich zu reißen. Zwar ist in den Archiven nichts über einen Putsch gespeichert, aber bisher habe ich ihm auch noch nicht dazu geraten.«
Ralph lächelte böse. Die Chancen standen vielleicht doch nicht so schlecht, wie er zunächst befürchtet hatte. Er beschloss, selbst einen Exkurs in die Zeit zu unternehmen. Offiziell konnte er seine Reise mit dem Zeitaufzug als Fahrt zu einer Besprechung mit anderen Analysten in der Datenbank eintragen. Tatsächlich jedoch würde er seinem Neffen einen Besuch abstatten und ihn in Dinge einweihen, die im Grunde kein Mensch außerhalb der Behörde wissen durfte.
Er erhob sich und verließ sein Büro, um sich in seiner Wohnung mit allem auszustatten, was er im Jahre 2110 benötigen würde. Der Zeitpunkt lag genau ein Jahr vor dem Termin, der für die Machtübernahmen bereits einmal in der Datenbank gestanden hatte und die möglicherweise auch wieder aktuell sein würde, nachdem Fancan ihren Auftrag erfüllt haben würde. Ein Jahr war willkürlich gewählt. Ralph hatte nur überlegt, dass Herwarth auch einige Zeit benötigen würde, sich auf eine Machtübernahme vorzubereiten. Ein Jahr erschienen ihm da vollkommen ausreichend. Außerdem war 2110 das entscheidende Wahljahr. Er verstaute seine Ausrüstung in den Taschen seines Mantels und betrachtete sich im Spiegel. Der Mantel war nicht eben üblich im Jahre 2110, aber er konnte schlecht Kleidung offiziell aus dem Lager der Agenten anfordern. Es musste das reichen, was er hatte.
Als er seine Wohnung verschloss, blickte er verstohlen den Gang entlang. Er liebte diese Basis und ihre wenigen Mitarbeiter. Man konnte kommen und gehen, ohne, dass es jemandem auffiel. So begegnete ihm auch niemand auf seinem Weg zum Aufzug und er betrat die leere Kabine. Er stellte das Jahr 2110 ein und startete den Zeittransfer. Nach kurzer Zeit war er am Ziel und verließ zügig die Kabine. Nun hatte er sich endgültig strafbar gemacht, denn es stand nur Agenten zu, den Zeitvektor zu verlassen, nicht aber Analysten.
Ralph stand in einer pulsierenden Großstadt direkt im Zentrum des Geschehens. Menschen hasteten vorbei und stießen ihn an. Niemand entschuldigte sich oder machte den Versuch, ihm auszuweichen, sodass er sich dem Strom der Passanten anpassen mussten, um nicht umgerannt zu werden. Es war ein lauer Frühlingstag und er begann in seinem Mantel schnell zu schwitzen.
Ralph war die hier vorherrschende Hektik nicht mehr gewohnt, seit er meist allein in seinem Büro saß und Zeitereignisse analysierte. Aus seiner Jugend kannte er noch Autos, die die Basis des Individualverkehrs darstellten, doch hier im Jahre 2110 hatte der Verkehr auch noch die Luft erobert. Ständig flogen kleine und große Fahrzeuge vorbei, die futuristischen Hubschraubern ähnelten. Er fragte sich, wie man sich in einem solchen, dreidimensionalen Verkehr überhaupt zurechtfinden konnte. Er legte den Kopf in den Nacken und blickte nach oben. Soweit das Auge reichte, flogen in verschiedenen Ebenen diese Flieger zwischen den Hochhausschluchten kreuz und quer herum. Der Lärm war ohrenbetäubend. Erst jetzt fiel ihm auf, dass die meisten der Passanten Ohrenschützer trugen. Er nahm sich vor, sich auch so etwas zu besorgen, wenn er länger hier leben musste. Am schlimmsten jedoch waren die Werbetafeln. Jede Wand eines der Hochhäuser war gleichzeitig eine animierte Werbefläche, die alle möglichen Waren marktschreierisch anpries. Überall war Bewegung und überall blitzte es bunt und hektisch. Ralph spürte, dass er aus dieser Reizüberflutung schnellstens heraus musste.
Am Straßenrand erblickte er kleine Hubschrauber mit gelber Lackierung. An der Steuerung dösten die Piloten vor sich hin. Ralph vermutete, dass es in dieser Zeitebene das Gegenstück zu den Taxis war, die er noch aus seiner eigenen Zeit kannte.
»Entschuldigen Sie«, sprach er einen der Piloten an, »sind Sie frei und können mich zu meinem Ziel bringen?«
Der Mann schien aus seiner Lethargie zu erwachen und sah ihn von der Seite an.
»Wenn Sie mir verraten, welches Ihr Ziel ist, kann ich es Ihnen sagen.«
»Ich muss so schnell wie möglich zur Zentrale der pro-europäischen Volkspartei«, sagte Ralph.
Seine Miene verfinsterte sich ein wenig.
»Sind Sie auch einer von denen?«, fragte er unfreundlich.
»Wieso?«, fragte Ralph unbefangen, »Erklären Sie es mir. Ich war lange Zeit nicht im Lande und muss jemanden treffen, der dort arbeiten soll. Was ist mit der pro-europäischen Volkspartei?«
Der Mann wurde etwas zugänglicher.
»Sie müssen aber weit weg gewesen sein, wenn sie noch nichts von der PEV mitbekommen haben. Diese Leute vermehren sich wie die Kakerlaken. Überall tauchen sie auf und verbreiten ihre Propaganda. Ich sag’s Ihnen: Wenn die jemals an die Macht kommen, können wir uns warm anziehen.«
»Würden Sie mich trotzdem dort hinbringen?«, fragte Ralph und winkte mit einem Bündel Geldscheine, »Ich muss unbedingt dort hin und es ist ein gutes Trinkgeld für Sie drin.«
»Na, dann springen Sie ‘mal ‘rein und schnallen Sie sich gut an«, sagte der Pilot und ließ den großen Propeller anlaufen.
Ralph stieg ein und schloss die Tür hinter sich. Er war überrascht, wie leise es innerhalb der Kabine war. Der Verkehrslärm von draußen und das Motorengeräusch des Taxis waren zwar noch zu hören, störten aber nicht mehr.
»Sind Sie angeschnallt?«, fragte der Pilot, »Die Zentrale der PEV ist auf der entgegengesetzten Seite der Stadt. Wir müssen zahllose Richtungs- und Ebenenwechsel durchführen. Es kann etwas holprig werden. Ich hoffe, Sie sind nicht empfindlich. Die Tüten befinden sich in der Tasche vor Ihnen.«
Dann hob das Hubtaxi ab und fädelte sich in den fließenden Verkehr ein. Ralph hatte seine liebe Mühe, den Magen unter Kontrolle zu halten. Für einen Menschen, der noch im einundzwanzigsten Jahrhundert aufgewachsen war, bedeutete der Verkehr des zweiundzwanzigsten Jahrhunderts ein absolutes Abenteuer. Der Pilot flog in haarsträubenden Manövern bis in eine Höhe von etwa fünfhundert Metern, wo die Verkehrsdichte etwas nachließ. Erstmals erhielt Ralph etwas Gelegenheit, sich etwas umzusehen.
»Ist der Verkehr hier immer so haarsträubend?«, fragte er den Piloten.
Dieser drehte sich ein wenig zur Seite und meinte:
»Um diese Zeit ist es noch angenehm, aber wenn die großen Bürokomplexe Feierabend machen – dann wird es wirklich unmöglich. Seien Sie froh, dass Sie davon jetzt nichts mitbekommen.«
Ralph blickte auf den Höhenmesser: Sechshundert Meter. Trotzdem wurden sie noch immer von hohen Wolkenkratzern umgeben. Sie flogen noch fast eine halbe Stunde und noch immer befanden sie sich über der dicht besiedelten Stadt. Endlich lichteten sich die Reihen der Hochhäuser etwas und man konnte etwas weiter blicken.
»Sehen Sie dort hinten das Gebäude, das aussieht, als wenn jemand eine umgedrehte Pyramide auf einen Turm gestellt hätte?«, fragte der Pilot und deutete nach vorn, »Das ist das Gebäude der PEV. Ich werde Sie dort absetzen, aber erwarten Sie nicht, dass ich warte. Ich bin immer froh, wenn ich etwas Raum zwischen mir und diesen Leuten habe.«
Ralph antwortete nicht darauf.
»Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn wir das Finanzielle jetzt schon erledigen könnten«, fuhr der Pilot fort, »ich berechne Ihnen für diesen Flug dreiundsiebzig Credite.«
Ralph zog vier Zwanzig-Credit-Chips hervor und überreichte sie ihm.
»Stimmt so«, meinte er, worauf der Pilot wieder etwas zugänglicher wurde.
»Sie nähern sich dem Luftraum der PEV!«, tönte es aus dem Lautsprecher der Funkanlage, »Bitte identifizieren Sie sich, sonst müssen wir Sie abschießen.«
»Hören Sie, was das für Leute sind?«, fragte der Pilot Ralph, »Sie haben es sogar erreicht, dass sie ungestraft Selbstjustiz ausüben können.«
Er drückte ein Taste.
»Hier spricht Lufttaxi 173-42«, sprach er ins Mikrofon, »ich habe einen Fluggast mit Ziel PEV-Zentrale. Erbitte Einfluggenehmigung.«
»Erteilt für Ebene drei«, kam es aus dem Lautsprecher, »laden Sie ihren Fluggast ab und verlassen Sie unseren Luftraum.«
Sie näherten sich dem Tower der PEV und Ralph erkannte erst jetzt, welche gigantischen Ausmaße dieses Gebäude hatte. Der Bau allein musste ein Vermögen gekostet haben. Erst aus der Nähe konnte man erkennen, dass es regelrechte waagerechte Einschnitte in dem pyramidenartigen Teil des Turms gab. An einem dieser Einschnitte prangte eine leuchtende 3 – hier lag ihr Ziel. Das Lufttaxi flog zügig in die zugewiesene Ebene ein. Sie passierten fest montierte Stände mit Luftabwehrwaffen, die von mehreren Männern besetzt waren, die jede ihrer Bewegungen verfolgten. Der Pilot setzte auf dem Boden der Ebene auf, Ralph sprang heraus und das Taxi hob sofort wieder ab und flog hinaus.
Ralph stand einen kurzen Moment allein auf dem Landefeld, dann erschienen einige bewaffnete Männer und nahmen ihn ihn ihre Mitte.
»Wer sind Sie und was wollen Sie?«, wollte der Anführer wissen, »Ihre Ankunft wurde nicht erwartet.«
»Mein Name ist Ralph Geek-Thoben und ich bin ein naher Verwandter Ihres Leiters Herwarth Thoben«, sagte er, »Ich muss ihn unbedingt sofort sprechen.«
Der Anführer wurde etwas vorsichtiger.
»Dann dürfte ich Sie bitten, sich auszuweisen«, sagte er, »wir haben Anweisung, niemanden vorzulassen, dessen Identität nicht zweifelsfrei ermittelt werden kann.«
Ralph zog eine Marke hervor und reichte sie ihm.
»Ich denke, das sollte reichen.«
Der Mann blickte auf die ihm überreichte Marke.
»Was soll das sein?«, wollte er dann wissen, »Sie glauben, dass Sie sich mit diesem lächerlichen Ding ausweisen können? Was wollen Sie wirklich? Sie werden doch nicht angenommen haben, dass wir Ihnen eine Gelegenheit bieten würden, unseren Leiter anzugreifen.«

Aufrufe: 2

© 2019 Schreibkommune

Theme von Anders NorénHoch ↑

error

Gefällt Dir unser Blog? Bitte sage es weiter ;)

Zur Werkzeugleiste springen