Schreibkommune

Autorinnen und Autoren im Netz

Monat: Juli 2018

Oben ist unten – von Saigel

Der Himmel schimmerte golden im warmen Sonnenlicht, verteilte sich ausladend um mich herum, ließ mich verschwinden, schwang sich um meine Finger, um meine Hand und meinen Körper, der bis zur Hälfte ganz und gar darin eingetaucht, verschwunden war und unter dicken vergoldeten Wolken versteckt für das Auge unsichtbar blieb.

Berührte ich ihn, den Himmel, die allumfassende Unendlichkeit, so verschwamm er wie ein nasses Gemälde, das sich noch nicht gänzlich als Meisterwerk präsentierte, da die Farbe auf der Leinwand erst trocknen musste. Wartend auf das wertvolle Siegel, das einzig durch das Licht und die Wärme verliehen werden konnte, die sich in tausend Strahlen brachen um wieder neu zu entstehen, sich über seine bunten Bahnen zu rollen, so schnell, so eilig, als könnten sie lediglich einen winzig kleinen Augenblick mit uns teilen, bevor sie sich nach getaner Arbeit wieder in andere, ungekannte Sphären verabschieden mochten.

Lachend legte ich meinen Kopf in den Himmel, ließ die Arme und Hände darin verschwinden, flog davon, flog weit weg, so schnell wie das Licht um mich herum. Für einen Moment umfing mich das kühle Nass, schloss mich ein, trug mich fort in andere Realitäten, die nur mir gehörten und mich mitnehmen, auf dem Rücken der goldenen Sonnenstrahlen dahinreiten, mich Welten und Gedanken auf eigene Weise erkunden lassen. Neben mir flatterte ein Vogel, zog an mir vorüber, verschwand irgendwo am anderen Ufer, vergönnte mir meine Einsamkeit, meine Ruhe, meine Zufriedenheit in dem weiten Gemälde des Himmels, das dort unten so vergänglich, so wandelbar weder jemals trocknet noch den Blick auf einen kurzen Moment bis in alle Ewigkeit ermöglicht, sondern stets ein anderes Bild und den nächsten Augenblick widerspiegelt, der dann alsbald in der Gegenwart verschwimmt.

So fühlt sich das wohl an, denn ist der Unterschied nicht verschwindend gering, ist es nicht gar schiere menschliche Anmaßung und Weltenbildmalerei, das Fliegen so stark von dem Restlichen abzutrennen, das Fliegen zu einer Fantasie zu machen, die es nicht gibt, die nicht erfahren, nicht begangen werden kann?

Die Brise peitschte mir um die Nase, ließ sie kalt werden. Ich fühlte mich leicht, beinahe schwerelos, zog dahin wie ein Blatt im Wind, das fliegt oder schwebt oder fällt; eisige Gischt trieb Tropfen auf meine Haut, ließ sie erschauern, lebendig werden, die Elemente um mich herum spüren. Das Licht von oben trocknete mich, verschaffte mir im Gegenzug wohlige Wärme, bevor es wieder von dannen zog, während ich weiter dahinglitt, mich treiben ließ, vom Wasser, vom Wind, von den Wolken um mich herum.

Hier an diesem Punkt spürte ich weder oben noch unten, weder Leichtigkeit noch Schwere; ich sah weder Wasser noch Himmel; der Fisch an meinen Füßen konnte eben so gut ein Vogel,
die Wellen Lichtstrahlen,
die Gischt Regentropfen sein …
und die Brise, ja, die Brise, die ist dieselbe, ob hier oder dort.

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Rezension zu Rodinia – Die Rückkehr des Zauberers von Laurence Horn

Allgemeine Informationen zum Buch

Rodinia – Die Rückkehr des Zauberers

Band 1 von einer Triologie

Genre: High-Fantasy

Autor: Laurence Horn

Verlag: Die Papierverzierer

ISBN: 978-3-95962-292-9

Preis: 14,95 €

Taschenbuch, 415 Seiten

Informationen zum Autoren:

https://papierverzierer.de/epages/abffb914-e790-4ae7-82d0-b0809aec4766.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/abffb914-e790-4ae7-82d0-b0809aec4766/Categories/Autoren/%22Laurence%20Horn%22

Informationen zum Verlag Papierverzierer:

https://papierverzierer.de/epages/abffb914-e790-4ae7-82d0-b0809aec4766.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/abffb914-e790-4ae7-82d0-b0809aec4766/Categories/AboutUs

Zur Handlung:

Seit 1000 Jahren wird Rodinia von den Magiern beherrscht, nachdem Sie die Zauberer besiegt und vertrieben haben.

Doch schon bald soll sich das Leben aller drastisch ändern.

Kyrian, ein junger Zauberer, gelangt durch den nebelartigen Schutzwall nach Rodinia.

Er ist angetrieben von einer Vision, die ihn zu Mira, einer Bauerntochter, und Rahia, einer Gauklerin, führt.

Doch bevor die drei aufeinandertreffen haben sie die unterschiedlichsten Abenteuer zu bestehen. Hierbei treffen sie auf die unterschiedlichsten Kreaturen und müssen sich Gefühlen stellen, die es ihnen nicht gerade einfach machen.

Mein Eindruck:

Der Autor Laurence Horn, ich hab ihn auf der BuCon 2017 kennenlernen dürfen, hat die Geschichte Rodinias in ein eigenes stilsicheres Ambiente gefasst.

Der Einstieg in die Handlung erinnerte mich an ein Buch, dessen Titel mir nicht mehr einfallen möchte, hatte dann doch nichts damit zu tun.

Für die Handlung nutzte der Autor eine einfache, aber bilderreiche Sprache.

Die Geschichte des jungen Zauberers lässt sich so flüssig und leicht lesen, dass man gar nicht merkt wie schnell man damit fortschreitet.

Den Wortwitz den Laurence Horn für seinen Prota Kyrian nutzt, finde ich herrlich erfrischend.

Mein Fazit:

Bei der BuCon 2017 bin ich durch Zufall auf den Verlag Die Papierverzierer gestoßen, bei dem Laurence Horn sein erstes von 3 Büchern veröffentlicht hat. Nachdem ich dann in der Lesung von Laurence Horn war, diese war eher von spontaner Natur nachdem ein anderer Autor aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen war, konnte ich nich anders als das Buch zu kaufen.

Für ein Erstlingswerk der High-Fantasy super zu lesen und nur weiterzuempfehlen.

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“Es ist keine schöne Rose” – Gedicht

„Es ist keine schöne Rose.“ stellen die Leute fest.

Sie sei verformt, sagen sie.

„Natürlich ist das okay!

Aber nicht schön.“

 

Sie steht auf einer Wiese, mit unzähligen anderen,

fühlt sich trotzdem allein.

„Ich passe hier nicht rein.“ denkt sie und schämt sich zwar nicht.

Aber es fällt ihr schwer sich zu fühlen, wie die anderen:

Daheim.

 

Leute kommen, Leute gehen, manche bleiben vor ihr stehen.

Sie wird beachtet, weil sie anders ist.

Das macht sie stolz, an manchen Tagen.

Aber es wird ihr schnell zu viel, sie will sich tarnen,

will nicht mehr beäugt, begutachtet, begafft werden.

 

Ihr grüner Stil steht stolz im Gras, sie trägt große Dornen.

Manchmal lässt sie ihre Blütenblätter hängen.

Dann weiß man, es geht ihr nicht gut.

Nicht immer, nicht selten, nicht nur ein wenig.

  

Ihre Dornen geben ihr Sicherheit:

„Ich kann mich wehren.“

In einer Welt, die so viel größer ist als sie.

Dröhnend laut, erstickend leise, rasend schnell, qualvoll langsam.

Zu angepasst, zu anpassungsfordernd.

Niemand kann ihr nahekommen!

 

Sie will weg von dem ihr aufgezwungenen Platz auf der Wiese.

Dem von außen so schönen,

von innen her so überfordernden Platz.

 

Sie könnte Frieden haben.

Das weiß sie.

Und

sie würde ihre Wurzeln verlieren,

die sie starr hier gefangen halten.

Aber

sie würde ihre Wurzeln verlieren.

die sie kraftvoll festhalten.

Die ihr Nahrung geben und Halt.

 

Es wäre ein kurzer Frieden…

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Ich schreibe mit Patchwork

Wer sich mit dem Schreiben von Geschichten beschäftigt, stolpert früher oder später über spezielle Schreibprogramme für Autoren. Dann fragt man sich natürlich, brauche ich so ein Programm?
Prinzipiell kann man sagen, natürlich wird kein spezielles Autorenprogramm gebraucht, um einen erfolgreichen Roman zu schreiben.
Warum ich mir trotzdem ein solches zugelegt habe und warum ich nur noch damit schreibe, darüber möchte ich berichten.

Als ich begonnen habe, an meinem aktuellen Projekt, einem historischen Liebesroman, zu arbeiten, ist mir sehr schnell klar geworden, das Entstehen eines Romanes besteht nur zum Teil aus dem Schreiben der Geschichte. Einen großen Teil der Zeit nimmt das Organisieren der Requisiten (Figuren, Schauplätze, wichtige Gegenstände) in Anspruch.
Immer mehr Figuren entschlüpften den Papier, wollten ihren Teil der Geschichte erzählen, Schauplätze entstanden vor meinem geistigen Auge und wollten ins rechte Licht gerückt werden.
Obwohl ich von mir behaupte, ein sehr gutes Gedächtnis zu haben, wurde mir schnell klar, das kann ich mir nicht alles merken. Irgendwie musste ich die Informationen so abspeichern, dass sie schnell und unkompliziert abrufbar sind. Denn nichts ist schlimmer, als wenn sich die Narbe in Paulines Gesicht mal über der rechten und dann wieder über der linken Augenbraue befindet. Oder wenn Lukas, um von A nach B zu kommen, einen Tag braucht und für den Rückweg plötzlich eine ganze Woche. So etwas darf nicht passieren. Lesern wie mir fällt so etwas auf. Für mich persönlich mindert das dann den Lesegenuss.
Also mussten Ordner her, in denen ich all die Informationen abspeichern konnte. Aber da ich ein »Genie« in solchen Sachen bin, hatte ich irgendwann so viele Ordner und Unterordner, dass ich gar nichts mehr gefunden habe.

Eine große Entscheidungshilfe für das Programm Patchwork war, dass es dafür sehr viele kostenlose Videos gibt. Wer noch nie mit einem solchen Programm gearbeitet hat und vielleicht auch noch ein »Schreibanfänger« ist, wird buchstäblich erschlagen von den vielen Funktionen, die dieses Programm bietet. Doch mit den Videos kann sich jeder langsam in die Materie vorarbeiten und sich so Schritt für Schritt mit dem Programm vertraut machen.
Zum Ausprobieren gibt es eine 30-tägige Demoversion, mit der man alles in Ruhe prüfen kann. Erst nachdem das Programm gründlich geprüft wurde, kann man sich entscheiden. Es besteht die Möglichkeit, sich ein »Arbeitszimmer« einzurichten. Bedeutet: das Programm wird zum Beispiel auf einem Stick gespeichert und kann an verschiedenen Rechnern genutzt werden. Es sollte aber daran gedacht werden, immer die aktuellste Version auf dem Stick zu speichern.
Wird mit Patchwork ein neues Projekt gestartet, kann man als erstes seine eigene Timeline festlegen. Wichtig für alle, die Geschichten schreiben, die einem anderen als dem bei uns gebräuchlichen Kalender folgen. Für den herkömmlichen Kalender muss man nichts weiter machen, als den Start- und den Endzeitpunkt der Geschichte festzulegen.
Es gibt ein Plot-Bereich, in dem jeder seine Geschichte nach verschiedenen Plot-Ansätzen entwickeln kann. Man kann seine Geschichte aber auch über ein Kreativboard veranschaulichen oder einfach losschreiben.
Beim Schreiben kann man jedes Kapitel mit verschiedenen Zusätzen versehen, wie Haupt- oder Nebenstrang, Perspektive, Status (Erstschrift, X. Überarbeitung …). Außerdem kann jedes Kapitel einem Datum oder/und Uhrzeit zugeordnet werden. Diese Zeitangaben werden automatisch in die Timeline übertragen, sodass man einen Überblick über die zeitlichen Abläufe in der Geschichte bekommt. Was wichtig ist, wenn zum Beispiel ein Ereignis gleichzeitig im Haupt- und Nebenstrang stattfinden soll, dann müssen die Stränge die richtige zeitliche Entwicklung haben. Es kann nicht sein, dass dann im Hauptstrang schon Herbst ist und im Nebenstrang erst Frühling.
Die Kapitelüberschriften werden automatisch auf der linken Seite angezeigt, dort wächst mit der Geschichte das Inhaltsverzeichnis des Romanes. In dieser Kapitelübersicht werden auch die Wort-, Zeichen- und Seitenanzahl des jeweiligen Kapitels angezeigt. Außerdem auch, wenn man zum Beispiel einen virtuellen To-Do-Zettel in den Text abgelegt hat.
Auf der linken Seite befinden sich auch die Registerkarten für alle Figuren, Schauplätze und Gegenstände. Gibt man dort Zeitangaben ein, werden diese automatisch in die Requisiten-Timeline übertragen. So sollte es auffallen, wenn ein Ehepaar unterschiedliche Angaben zum Hochzeitstag macht. Außerdem bekommt man angezeigt, wie alt eine Figur in dem jeweiligen Kapitel ist, wenn man zuvor das Geburtsdatum festgelegt hat.
Auf der rechten Seite kann zu jedem Kapitel ein Pitch eingegeben werden. Wird das konsequent gemacht, ergibt sich in der Outline eine Zusammenfassung des Romanes. Was hilfreich ist, wenn ein Exposé benötigt wird.
Es gibt noch unzählige andere Features, wie das Erledigungstool, Szenencheck, die Auflistung der am häufigsten verwendeten Wörter, man kann seine persönlichen Unwörter festlegen und sich anzeigen lassen, Bilder für Figuren oder andere Requisiten abspeichern, usw.
Und dann kann man natürlich, wenn man es irgendwann geschafft hat, seinen Roman zu Ende zu schreiben, mit dem Programm ein E-book erstellen oder den Text für den Druck des Buches aufbereiten.
Mein Lieblingstool ist das Vorlesen. Wenn ich mir die Geschichte vorlesen lasse, finde ich immer wieder Fehler, die ich zuvor überlesen habe. Oder ich finde Sätze, die mir so nicht gefallen und umgestellt werden müssen.
Außerdem gibt es noch eine sehr nützliche Einstellung, man kann sich in Klausur begeben. Das bedeutet, das Programm unterbindet für eine vorher eingestellte Zeit, den Zugang zum Internet. Wenn mal ein Abgabetermin drückt, ist das sehr hilfreich.
Es gibt ein Forum und eine Facebook-Gruppe, in denen man seine Fragen oder Probleme, die man mit Patchwork hat, darlegen kann. Dort bekommt man in der Regel sehr schnell Hilfe und natürlich hat Martin Danesch (der Entwickler von Patchwork) immer ein offenes Ohr, wenn irgendetwas nicht so funktioniert, wie es soll. Auch Vorschläge, was im Programm verändert, verbessert oder hinzugefügt werden kann, werden dort gern gehört. Und ich weiß, dass M. Danesch schon viele Vorschläge von uns Schreiberlingen umgesetzt hat.
Natürlich hat so ein Programm auch seine Nachteile, es kostet Geld, für die Updates muss auch bezahlt werden. Obwohl sich M. Danesch für die Updates ein moderates System hat einfallen lassen. Es gibt keine Festpreise, sondern man kann je nach Geldbeutel seinen Beitrag selbst bestimmen.
Und natürlich ist so ein Programm auch ein tolles Spielzeug. Man kann stundenlang in den einzelnen Tools herumexperimentieren und ist so über einen langen Zeitraum beschäftigt, ohne ein Wort geschrieben zu haben.

Ich hoffe, ich konnte euch das Programm ein wenig näherbringen. Wer Fragen dazu hat, Ergänzungen oder Beschwerden, kann sich gern hier melden. Wenn gewünscht, kann ich auch auf bestimmte Tools in einen anderen Beitrag näher eingehen.

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Arbeitspausen beim Schreiben

Auch wenn es neulich beim Thema Durchhalten etwas scharf geklungen hat hinsichtlich der Zeit, die man sich fürs Schreiben nehmen können sollte: Pausen sind wichtig. Feierabend ist wichtig. Viele von uns müssen abends runterfahren, um schlafen zu können. Ich sage viele, denn ich weiß auch von Leuten, die sich hinlegen und ne halbe Stunde später fröhlich poofen, egal, was sie zuvor gemacht haben.

Auch wenn es manchmal tönt, man habe soundsoviele Stunden am Stück durchgeschrieben – das ist oft eine Frage der Wahrnehmung. Ich glaube nicht, dass jemand tatsächlich sechs Stunden ununterbrochen schreibt, ohne zwischendurch aufs Klo zu gehen oder dass die ganze Zeit getippt wird, ohne mal nachzudenken, wie der Satz nun am besten weitergehen soll.

Sicherlich sind die Bedarfe an Pausen unterschiedlich. Ich fahre gut damit, nur etwa eine Stunde am Text zu arbeiten und dann eine Stunde Pause zu machen. So komme ich an guten Tagen auf dreimal eine Stunde am Tag. Wenn ich dagegen zwei Stunden durchmache, bin ich danach so verbraucht, dass ich gar nicht wieder reinkomme. Da bin ich sicherlich ein Extremfall, andere werden  vier Stunden durchhalten ohne nennenswerte alternative Beschäftigung oder vielleicht sogar mehr.

Auch inhaltlich unterscheiden sich Pausen. Manche gehen vielleicht eine rauchen, während andere sich die Beine vertreten müssen. Ich persönlich bin ein großer Fan davon, in Pausen einfach andere Arbeit zu erledigen, zB die Spülmaschine auszuräumen oder an einem Blogartikel zu schreiben. Meist erwische ich mich jedoch dabei, im Chat herumzuhängen. Was sich allerdings auch zur Textarbeit entwickeln kann, da ich mit anderen Schriftstellern chatte.

Wenn ihr das Gefühl habt, zu viel Zeit zu vertrödeln, kann es helfen, eine Zeit lang aufzuschreiben, was ihr arbeitet und was ihr in den Pausen macht und dabei jeweils den zeitlichen Umfang festzuhalten. Dabei kann herauskommen, dass ihr euch in den vermeintlichen Pausen mit Ideenfindung oder Figurenentwicklung beschäftigt habt, was auch zum Schreiben gehört.

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

Auch wenn ihr “nur” die Küche aufgeräumt habt, solltet ihr euch auf die Schulter klopfen: Irgendwann hätte das ohnehin erledigt werden müssen. Und vielleicht hat sich eure Geschichte währenddessen unterbewusst weiterentwickelt.

Euer Ingo

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Was ist ein Gedicht?


Ich bin mir sicher, dass jede/r irgendwie schon irgedwas mit Gedichten zu tun hatte. Allein in der Schule zieht sich dieses Thema ja ab der Grundschule bis zur perfekten Gedichtsinterpretation. Trotzdem möchte ich hier kurz vorstellen, worum es sich bei einem Gedicht handelt.

Laut Duden ist ein Gedicht eine „[lyrische] Dichtung in einer bestimmten [metrischen] Form mit besonderem Rhythmus [und Reim]“ (vgl. https://www.duden.de/rechtschreibung/Gedicht, entnommen 14:45 am 07.07.18)

Mittlerweile ist es aber für einen Text nicht unbedingt notwendig, einer bestimmten Form oder einem Reimschema anzugehören, um als Gedicht bezeichnet werden zu können.

Es gibt unendlich viele verschiedene Gedichte. Das liegt nicht nur daran, dass es so viele Themen gibt, über die man schreiben kann. Sondern auch an den vielen verschiedenen Möglichkeiten, ein Gedicht aufzuziehen.

Auf ein paar Dinge möchte ich im Folgenden eingehen.

Mermale eines Gedichtes:

  • Aufbau: Der Text ist kein Fließtext wie etwa eine Kurzgeschichte zum Beispiel. Stattdessen besteht ein Gedicht aus einzelnen Versen, die manchmal auch in Strophen durch Absätze unterteilt sind. (So sagt man zum Beispiel nicht: „In Zeile x steht y“, sondern „In Vers x steht y“.)
  • Metrum/Rhythmus: Es gibt eine Unterscheidung zwischen Metrum und Rhythmus. Oft liest sich ein Gedicht rhythmisch. Das heißt es ist eher schnell, langsam, beschwingt, schleppend etc. Der Rhythmus wird durch das Metrum bestimmt. Das bedeutet, dass sich betonte und unbetonte Silben in einer bestimmten Reihenfolge abwechseln.
    Beispiele für Metren: Jambus (erste Silbe betont, zweite Silbe unbetont), Trochäus (erste Silbe unbetont, zweite Silbe betont), Daktylus (erste Silbe betont, zweite Silbe unbetont, dritte Silbe unbetont) etc.
  • Stilmittel: Es gibt sehr viele Stilmittel, ein paar möchte ich hier erwähnen. Sie tragen dazu bei, Stimmungen oder eine Atmosphäre zu bestärken, Aufmerksamkeit auf einen Teil des Gedichts zu werfen oder Sonstiges zu verdeutlichen.
    Assonanz: Häufige Nutzung eines Vokals –> Gleichklang
    Klimax: Reihung von Wörtern, die sich steigern; Beispiel: sagte, schrie, brüllte.
    Onomatopoesie: Lautmalerei mit Worten –> Worte klingen wie Bedeutung; Beispiel: zischen, Kuckuck, rascheln, etc.
    Metapher: bildliche Umschreibung
  • Das Lyrische Ich: In einigen Gedichten schreibt der Autor in der Ich-Perspektive. Wichtig ist hierbei, dass das Lyrische Ich nicht mit dem Autor gleichzusetzen ist, der Autor meint mit dem Lyrischen Ich nicht zwingend seine eigene Person. Das Lyrische Ich führt den Leser durch das Gedicht und in „seine“ Perspektive darauf, worum es in dem Gedicht geht. Dadurch bekommt es einen sehr persönlichen Charakter, der/die LeserIn kann gut mitfühlen. Das Lyrische Ich kann aber auch stellvertretend für die LeserInnen, eine Gesellschaftsgruppe o.ä. stehen.

Wenn ich ein Gedicht schreibe, dann mache ich mir über solche Dinge bewusst gar keine Gedanken. Trotzdem finde ich es sehr wichtig und hilfreich, von Silmitteln, dem lyrischen Ich, dem Aufbau, Metrum, Rhythmus etc. gehört zu haben. Unbewusst fließt dann doch auch mal das eine oder andere Stilmittel in das Geschriebene mit ein. Ich beginne mir über den Rhythmus Gedanken zu machen, oder experementiere sonst irgendwie – auf der Basis von eben diesem Theoriewissen.

Falls Ihr gerne Gedichte schreibt oder es mal ausprobieren wollt, wünsche ich Euch ganz viel Spaß dabe!

Liebe Grüße,
Wolverine

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Seifenblasen – ein Sommermärchen

Wie so oft in letzter Zeit erwache ich viel zu früh. Ich mache Licht und sehe auf die Uhr. Es ist halb fünf und ich feiere heute meinen 80. Geburtstag. Mein Blick fällt auf die blaue Glaskugel, die ich gestern Abend auf meinen Nachttisch gelegt habe. Sie hat mich nun genau 60 Jahre meines Lebens begleitet.
Ich lege sie auf meinen rechten Handteller und drehe sie langsam. Erst scheint sie an meiner Haut festzukleben, doch dann dreht sie sich von selbst und beginnt zu leuchten. Ihr Licht wird immer heller, bis es so grell ist, dass sich meine Lider von selbst schließen. Als ich sie vorsichtig wieder öffne, schaue ich in tiefblaue Augen. Eine barsche Stimme ertönt in meinem Kopf: „Du hast mich geweckt.“
„Deine Umgangsformen haben sich über die Jahre auch nicht verbessert“, antworte ich amüsiert.
„Wo brennt`s?“, knurrt er.
„Nirgendwo. Ich wollte dir nur danken“, antworte ich.
„Danken wofür? Du hast mich nie gerufen.“
„Das ist richtig, doch alleine die Möglichkeit hat mir in schwierigen Zeiten so viel Sicherheit gegeben, dass ich sie alleine meistern konnte.“
Sein Blick wird sanft. „Wie war dein Leben?“
„Erfüllt!“, antworte ich lächelnd.
„Dann lass uns Abschied nehmen. Möchtest du unsere Begegnung noch einmal erleben?“
Ich nicke und spüre, wie mir die Tränen in die Augen steigen. Sein Bild verblasst und mit einem leisen „Plopp“ löst sich die Kugel in Luft auf. Meine Hand fühlt sich kalt und leer an.

Ich finde mich wieder an einem dieser heißen Augusttage, an denen die Welt stillzustehen scheint. Froh, der brennenden Sonne entronnen zu sein, wandere ich durch den Wald. Auf einer kleinen Lichtung, unweit von hier, möchte ich Himbeeren pflücken. Breite Lichtbahnen dringen durch die Baumkronen und erhellen den schmalen Pfad. Abseits des Weges ist alles in ein geheimnisvolles Halbdunkel gehüllt. Obwohl ich den Wald gut kenne, erscheint er mir heute neu, fast märchenhaft. Das mag aber auch daran liegen, dass ich Geburtstag habe. Leise plätschernd kreuzt ein Bach den Weg. Ich setze mich auf die kleine Holzbrücke und lasse meine Füße im kühlen Wasser baumeln. Ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem wütenden Aufschrei lässt mich aufhorchen. Neugierig stehe ich auf und gehe einige Schritte ins Halbdunkel hinein, bis ich an einem steil abfallenden Hang stehe. In der Senke liegen mehrere Baumstämme übereinander gestapelt zum Abholen bereit. Obenauf sitzt ein alter Mann mit hellem Haar und hochrotem Gesicht. Als er mich erblickt, wirft er einen dicken Ast in meine Richtung. Achselzuckend drehe ich mich um und bin schon fast wieder an der Brücke, als er mir im Befehlston hinterher schreit: „Bring mir Wasser. Und dann laufe ins Dorf und hole Hilfe, ich stecke fest!“ Eigentlich habe ich große Lust, den unverschämten Alten sitzen zu lassen, aber dann siegt mein gutes Herz. Ich kehre um. Es dauert ein bisschen, bis ich es den steilen Abhang hinunter geschafft habe. Als ich bei ihm ankomme, brummt er mürrisch: „Mein Fuß ist eingeklemmt.“ Ich krame meine Saftflasche aus dem Rucksack und während er gierig trinkt, greife ich nach seinem Bein. Nach einigem Drehen und Ziehen, untermalt von den lauten Flüchen des Alten, ist der Fuß frei. „Du bist ein Engel“, stottert er verdutzt und humpelt mit erstaunlicher Geschwindigkeit davon.
Ich mache mich wieder auf den Weg und bin schon ein gutes Stück auf dem Hang, als ich ihn erneut schreien höre: “So warte doch, Kind! Ich will dir etwas schenken.“ Unmut macht sich in mir breit. Ich bin schon lange kein Kind mehr, schließlich ist heute mein 20. Geburtstag. Und was wird der alte Zausel mir schon schenken wollen? Doch dann siegt meine Neugier. Als ich ihn einhole, steht er am Bach, etwa zehn Meter von der Brücke entfernt. Wie ist er so schnell dort hingekommen? Er deutet auf einen großen Stein. Ich setze mich bereitwillig. Während er umständlich in seinem Rucksack kramt, betrachte ich ihn genauer. Er ist sehr klein und dünn und wenn die tiefen Falten in seinem Gesicht nicht wären, könnte man ihn fast für ein Kind halten. Über seiner speckigen Lederhose trägt er ein viel zu großes Hemd. Seine Haare, die auf den ersten Blick weiß aussehen, sind hellblond und extrem dünn. Nach einer Weile hat er eine alte Tasse, einen Strohhalm und ein kleines grünes Glasfläschchen hervorgeholt. Mittlerweile sehr interessiert, beobachte ich ihn genau. Er füllt die Tasse mit Wasser, gibt einige Tropfen aus dem Fläschchen hinzu und rührt dann bedächtig mit dem Strohhalm um. Schon beim ersten Versuch gelingt ihm eine wunderschöne Seifenblase. Schillernd steigt sie nach oben, um dann, knapp über unseren Köpfen, in der Luft stehenzubleiben. Der Alte beugt sich zu mir hinüber und tippt mir mit seinem Zeigefinger auf die Stirn. Ich fühle ein leichtes Brennen über meiner Nasenwurzel. Er berührt auch seine Stirn und verblüfft sehe ich ein silbernes Band, das uns nun verbindet. Mit seiner rechten Hand wedelt er einige Male hin und her, dazu murmelt er unverständliche Worte, die Schnur löst sich und schwebt langsam auf die Seifenblase zu. Ich kratze mich an meiner Nase, die heftig zu jucken beginnt. Das Band windet sich um die Seifenblase, etwa so wie eine Schlange um einen Ast, taucht gemächlich in sie ein und verblasst. Der Alte nickt zufrieden. Er hält eine Hand unter die Seifenblase, die immer noch wie angeklebt in der Luft hängt, schnippt mit den Fingern der anderen Hand, die Kugel fällt. Er verbeugt sich galant, so, als wolle er mich zu einem Tanz auffordern und hält mir die Seifenblase direkt unter die Nase. Es kostet mich einige Überwindung, bis ich sie berühren kann. Sie ist kühl und fest. Sie hat sich in eine blaue Glaskugel verwandelt. Die Stimme des Alten klingt nun sanft, fast liebevoll.
„Wir sind jetzt verbunden. Wenn du in Not bist, nimm die Kugel und drehe sie auf deinem Handteller. Dann werde ich Kontakt mit dir aufnehmen und dir helfen, genauso, wie du mir vorhin geholfen hast. Doch wähle den Zeitpunkt weise. Denn danach wird sie wieder zur Seifenblase und du wirst unsere Begegnung vergessen.“ Sanft streicht er mir mit seiner knochigen Hand über die Wange.
„Und nun geh nach Hause, Kind, und feiere deinen Geburtstag.“ Ich bin so sprachlos über das, was ich eben erlebt habe, dass ich lediglich nicke, sein Geschenk sorgfältig in meinem Rucksack verstaue und mich brav auf den Weg mache. Tausend Fragen schwirren mir durch den Kopf. Woher weiß er, dass ich Geburtstag habe? Wie hat er das mit der Seifenblase gemacht? Stimmt es, dass er mir zur Hilfe kommen wird, wenn ich ihn rufe? Als ich bei meinem Eimer ankomme, den ich auf der Brücke abgestellt hatte, erwartet mich die nächste Überraschung. Er ist bis zum Rand gefüllt mit großen, reifen Himbeeren. Nachdenklich nehme ich eine davon und stecke sie in meinen Mund. Ich will zurück zum Alten und ihn fragen, wie er das gemacht hat. Doch er ist spurlos verschwunden.

Ich erwache vom Klingeln des Telefons. Irritiert schaue ich auf meine Nachttischlampe. Wieso brennt sie? Ich fühle mich seltsam. Glücklich und traurig zugleich. Was habe ich geträumt? Ich kann mich leider nicht erinnern.

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Die noch übrig blieben – ein Gedicht

Wir waren manche von vielen,

die das Leben liebten,

wir waren einer von manchen,

die noch übrig blieben,

wir haben oft schon getrauert,

und immer wieder wird uns klar,

wir ham die Zeit überdauert,

so schön wie sie war.

Wir werden immer bleiben,

so haben wir gehofft,

haben dafür gekämpft,

verloren haben wir oft.

Aber was sind schon Kriege,

wenn ich doch weiß,

es gibt Menschen die da sind,

immer und um jeden Preis.

Es gab Zeiten, in denen wir glaubten,

wir könnten fliegen und uns alles erlaubten,

Es gab manche, die haben erkannt,

und andere sind in Fehlern verbrannt

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