Schreibkommune

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Monat: April 2018

Winfred Kurbelzisch und der dreimal verwunschene Portalrekombulator

Wenn verrückte Professoren über die Stränge schlagen…

Winfred Kurbelzisch, der renommierteste aller Absolventen des Studiums für Hexaphysik der Akademie von Gnomenstaed, wuselte durch den mit unidentifizierbarem Krimskrams zugestellten Raum. Wo war die verflixte Schraube? Sein Hextechmonokel summte leise, als sich die Vergrößerungslinse automatisch auf die Suche nach diesem scheinbar unauffindbaren Objekt begab. Winfred kratzte sich nachdenklich an seinem Bart, der aufgrund eines missglückten Experiments zu 99,99 Prozent aus Brokkoli bestand und seufzte. Wenn er darauf angesprochen wurde, antwortete er immer mit der Erklärung, dass nachhaltig jetzt „in“ sei, um anschließend schleunigst das Weite zu suchen. Die Leute konnten wirklich zu penetranten Nervensägen mutieren, vor allem, wenn sie ihn auf seine bisher berüchtigste Schöpfung ansprachen.

Sein sagenhafter Ruhm basierte darauf, dass er einst eine Frau in ein Pferd verwandelt hatte. Angeblich. Dass die Frau schon vorher so ausgesehen hatte und die Geschichte dahinter die eigentliche Erfindung war, schien niemanden wirklich zu kümmern. Aber zweifelsfrei hatte Winfred sich damit einen Namen gemacht, sogar unter den berühmteren Gnomenprofessoren.

Bekannt genug, um sich bei Dingo, dem warzenübersähten Halbriesen, dessen Doppelkinn einem Stierhoden bedenkliche Ähnlichkeit entgegenbrachte, hochgradig zu verschulden. Irgendwoher mussten ja die finanziellen Mittel für seine unglaublichen Entdeckungen kommen und ein renommierter Hexaphysiker und Wissenschaftler vergeudete seine Zeit nicht mit ehrlicher Arbeit. Also wirklich…

Und viel dieser Zeit blieb ihm nicht mehr. Der in die Tage gekommene Gnom musste sein Zuhause, den Gnomenbau „Wir-lassen-das-jetzt-so“, schleunigst hinter sich lassen, wenn er einem unverhofften Zusammentreffen mit seinen Gläubigern entgehen und seinen restlichen Lebensabend genießen wollte. Also hatte er unaufhörlich an seiner bisher größten Schöpfung gefeilt: Dem Portalrekombulator. Eine Maschine, die es ihm ermöglichte, in andere Dimensionen einzutauchen. Sie hatte drei Aufladungen, die er verwenden würde, um die richtige Dimension zu erwischen. Sicher ist sicher. Während Winfred endlich nach der Schraube griff, die scheinbar stundenlang vor seiner Nase herumgelegen hatte, kratzte er sich erneut am Bart. Vielleicht sollte er das Experiment noch einmal überdenken? Wenn seine Haare sich der Konsistenz seiner Gesichtszierde anschließen würden, wäre es endgültig vorbei mit ihm. Nein, er hatte keine Zeit. Dingo konnte schon auf dem Weg sein. Schleunigst setzte er die Schraube ein und aktivierte die Maschine. Sie rumpelte und zischte, während sie die Materie verformte, um ein Portal zu schaffen.

Während sich das Portal langsam vor ihm öffnete, schwelgte Winfred für eine Sekunde in seinen Erwartungen darüber, was ihn hinter dem Portal erwarten würde: Ein geschmeidiges Himmelbett, eine wunderschöne Elfe, die ihm Trauben reichte, bis er platzte und natürlich Dingo, der ihm Wind mit einem Farn zufächerte. Das Ganze möglichst mit Meeresblick, denn das soll ganz schön sein, hatte er zumindest mal gehört. Endlich konnte er die Früchte seiner jahrelangen, mal mehr, mal weniger harten Arbeit genießen.

Für einen Moment machte sein Magen einen Salto Mortale, dann befand er sich urplötzlich in einer völlig anderen Dimension. Vor ihm erstreckten sich Bäume aus pinken Zuckerguss, die mit Glitzerstaub bedeckt waren. Teddybären räkelten sich verkuschelt darunter und bunte Einhörner in hellem Blau und Rosa trabten durch die Wälder. Als die Teddys ihn erspähten, winkten sie ihm zu und deuteten an, dass er sich ihrer endlosen Kuschelorgie ruhig anschließen dürfte. Winfred Kurbelzisch blickte sich kritisch um. So war das nicht geplant gewesen. Er, der renommierte Hexaphysiker Winfred Kurbelzisch, war wohl im Traum eines jungen Mädchens gelandet. Dingo würde vor Lachen keinen Schlaf mehr finden, würde er hiervon erfahren. Das konnte Winfred nicht auf sich sitzen lassen! Er aktivierte den Portalrekombulator, um es erneut zu versuchen. Doch irgendetwas schien den Mechanismus zu blockieren.    Panisch bemerkte der Gnomentüftler, dass die Teddybären bereits auf dem Weg zu ihm waren.  Mit ausgestreckten Armen torkelten sie auf ihn zu und stöhnten: “Liebe, Liebe, LIEBE!” Verdammt, die wollen mir an die Wäsche! Wie ein Wahnsinniger hämmerte Winfred auf die Tasten des Rekombulators ein. Die Maschine dröhnte, als die zweite Aufladung verbraucht wurde. Himmelbett, Elfe, Meer, Entspannung überlegte der Gnom, vielleicht half das ja. Es ist an der Zeit, dieser schnöden Welt zu entfliehen, er atmete tief durch und stieg in das Portal.

Winfred erkannte sofort, wo er gelandet war und sein Magen wollte sich instinktiv ein zweites Mal umdrehen. Er lag in seinem alten Kinderbett, welches dem G-N-O-M 5000 TX Zerstörerpanzers nachempfunden war und über seinem Kopf baumelte das alte Mobile aus Schraubenschlüsseln, welches ihm sein Vater Herman zur Geburt vermacht hatte. Jedoch wurde dieser von seiner geisteskranken Frau, Wilfreds Mutter, bei einem Experiment per Rakete in den Himmel geschossen und ward nie wieder gesehen. Und das, obwohl die einzige Angst eines Gnomes dem Verlust des Erdbodens unter den Füßen galt: deswegen vernachlässigten sie schließlich auch den Sportunterricht und tanzten nicht mit Wesen, die größer waren als sie. Angeblich hatte Herman einmal zu oft vergessen das Klo zu spülen oder das dreckige Geschirr wegzuräumen und Winfred war sich sicher, das Experiment konnte nur ein Attentat gewesen sein. An dem Tag war er geflohen und nichts fürchtete er mehr, als die Rache seiner Mutter, die zweifellos schlimmeres mit ihm anstellen würde, als ihn in die Luft zu jagen. Polternde Schritte vor seiner Tür, als näherte sich der Teufel persönlich, ließen ihn hellhörig werden.  Mutter kommt, dachte er in Todesangst. Ich muss verschwinden. Er, der renommierte, geniale, unnachahmliche Hexaphysiker Winfred Kurbelzisch, wollte heute noch nicht sterben. Eilig griff er nach dem Portalrekombulator, um die letzte Ladung zu verbrauchen.  Jetzt muss es doch funktionieren!

Es zischte und knallte, als sich das Portal hinter ihm schloss. Er lag auf einem Himmelbett, irgendwo spielte eine Harfe. Ein Blick aus dem Fenster verriet Winfred, dass das Meer unter ihm lag, zumindest sah es ganz so aus wie die Beschreibungen seines alten Freundes Martin. Nass und Blau. Und der war schließlich ein Mann von Welt. Endlich, ich habe es geschafft! Plötzlich öffnete sich eine Tür zu seiner linken und Winfred fuhr erschrocken herum. Vor ihm stand Dingo, aber er sah seltsam aus und hatte keinen Fächer in der Hand. Der Halbriese trug knallrote Spitzenunterwäsche und hatte sich den Mund in gleicher Farbe bemalt. Seine Wimpern klimperten auf und ab, als er in Richtung des Bettes tänzelte. Das furchtbare Doppelkinn sank in anmutigen Wellenschlägen auf und ab, während er immer näher kam und die Lippen zu einem ekelhaften Kussmund verzog. Dingo krabbelte auf das Bett und streckte seine langen Finger nach Winfred aus, während er mit der anderen Hand die Brust unter der Unterwäsche freilegte. Panisch schrie der Gnom auf und griff nach dem Rekombulator.  Angstschweiß flutete aus seinen Poren und sein Herz pochte wie wild. Er, der renommierte, geniale, unnachahmliche, omnipotente, Hexaphysiker Winfred Kurbelzisch… und ein Halbriese? Wer war hier überhaupt gerade die Frau? Als er bemerkte, dass alle Aufladungen aufgebraucht waren, setzte sein Herzschlag für eine Sekunde aus. Alles drehte sich um ihn. Winfred rechnete fest damit, gleich Dingos furchtbar ekelhaftes Kinn liebkosen zu müssen. “Nein!”, schrie er aus vollem Halse. “NEIIIN!”

Dann wurde alles schwarz.

Schweißgebadet wachte er auf. Sein Bett war kein Panzer, die Bäume vor seinem Fenster waren grün und von Dingo war nichts zu sehen. Er, der renommierte, geniale, unnachahmliche, omnipotente, Hexaphysiker Winfred Kurbelzisch, hatte geträumt. Sein Blick ging zu der Werkbank, wo der dreimal verwunschene Portalrekombulator auf seine Fertigstellung wartete und ihn zu verspotten schien. Und eines stand für den Gnomenprofesssor unausweichlich fest:  Dieses Projekt wird sowas von verworfen!

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Kniffelig

»Sie sind dran«, fordert meine Ergotherapeutin mich auf. Achso, schon wieder vergessen. Diese verdammten Konzentrationsstörungen. Ich schüttele den Würfelbecher. Drei Fünfen. Das ist schonmal gut. Könnte ein Kniffel werden. Ich bekomme eine Drei und eine Vier dazu.
»Na, wird das eine Straße?«, fragt sie.

Jetzt muss ich wieder überlegen. Ewig lang überlegen. Gebe ich zwei der Fünfen auf, muss ich von meiner Strategie, immer auf Kniffel zu pokern, abweichen. Das jetzt könnte ich ja auch gut als Dreierpasch nehmen. Aber dann habe ich in dieser Runde keine Chance mehr auf den Kniffel und die Fünfer habe ich ja auch noch offen.

»Nein«, sage ich und würfle erneut. Eine Eins und eine Sechs. Ist das jetzt besser oder schlechter? Ist egal, denn damit muss ich jetzt leben. Andere Leute würden nachrechnen, ob das nun oben mehr Punkte bringt oder unten. Ich entscheide das nach Gefühl. Drei Fünfer sind fünfzehn, das weiß ich. Mein Einmaleins ist lückenhaft, aber hier bin ich noch im sicheren Bereich. Ich schreibe das Ergebnis auf die Fünfer, auch wenn ich drei davon wenig finde.

Sie würfelt. Meine Gedanken schweifen ab und ich hadere mal wieder mit mir, mit meinem so schlecht gewordenen Gedächtnis. Ich bin unzufrieden. Früher war mehr Lametta. Als ich mir Namen noch merken konnte, einfach weil der Mensch mich begeistert hat und ich nicht mühsam Memorierungstechniken anwenden musste.

»Sie sind dran, Herr Anders.«

Schon wieder? Das war aber eine kurze Pause. Ich greife nach dem Becher und nehme mir vor, nun besser aufzupassen.

Ich bekomme vier Dreien und eine Eins. Natürlich habe ich die Dreien schon voll. Zwei erfolglose Versuche später setze ich sechzehn auf den Viererpasch. Normalerweise mache ich das nicht mit Dreien, aber ich hatte keine andere Wahl.

Ich gebe den Becher und die Würfel ab und achte nun genau darauf, was sie würfelt, und vor allem, wann sie das dritte Mal gewürfelt hat.

»Große Straße!«, freut sie sich.

Na, so hätte ich es auch so mitgekriegt, denke ich frustriert.

Mittlerweile habe ich den oberen Bereich voll. Normalerweise würde ich einen Taschenrechner benutzen, aber es ist ja der Sinn der Übung, dass ich im Kopf rechne. Um ein Schmierblatt mit Nebenrechnungen zu bekritzeln, bin ich zu eitel. Nicht mit zweistelligen Zahlen. Das kriege ich schon hin. Und ich weiß auch gar nicht, ob es ihr recht wäre und ich traue mich nicht, sie zu fragen. Mit dem oberen Bereich habe ich nie Probleme. Unten wird es haarig, da sind die Zahlen dreistellig. Und da guckt sie mir beim Rechnen zu. Das ist echt übel. Sie hat nämlich nicht die Geduld, abzuwarten, bis ich endlich ein Ergebnis präsentieren kann. Ich vergesse nämlich immer das Zwischenergebnis. Das, was ich vielleicht auf einem extra Schmierzettel die Eins im Sinn und all die anderen notieren könnte. Wenn ich nicht zu stolz wäre, diese Schwäche offen einzugestehen, wegen der ich hier in Behandlung bin: Konzentrationsschwäche. Und mit dieser Ungeduld führt sie mir deutlich vor Augen, wie unsäglich schlecht mein Gedächtnis geworden ist. Scheißtabletten.

Inzwischen habe ich mich auch daran gewöhnt, dass beim Lesen von Büchern alle drei oder vier Seiten meine Augen am Ende eines Abschnitts ankommen und ich überhaupt nichts davon weiß, was da geschrieben steht. Ich springe dann einfach nochmal an den Beginn des Absatzes, manchmal auch zwei oder drei Absätze weiter, nur zur Sicherheit. Papier ist ja geduldig. Ich mittlerweile auch.

 

Dieser Text ist entstanden im Rahmen unserer Schreibübung “Schreiben gegen die Zeit”, die wir sonntags veranstalten.

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Wie wichtig sind Austausch und Feedback?

Jeder Schreibende stellt sich irgendwann die Frage, wie wichtig Austausch und Feedback sind. Viele, nicht alle, grübeln darüber, ob sie sich in einem Forum anmelden oder einer Gruppe beitreten sollen, die es im Internet zuhauf gibt.

Genauso hat es bei mir angefangen. Ich suchte und kam in Foren an, in deren Gemeinschaft ich meinen Platz finden musste und auch fand.

Es folgten Jahre, in denen ich dann mit vielen Mitgliedern im Forum Kontakt hielt. Ebenso fand ich auf Messen oder bei Lesungen Menschen mit den gleichen Interessen, mit denen ich mich austauschte. Einigen gab ich dann auch mal den einen oder anderen Text zum Lesen. Daraufhin habe ich auch Resonanzen bekommen. Durch beides bin ich in den letzten Jahren gewachsen.

So geht es jedem, der sich dem Austausch und dem Feedback öffnet.

Als ich mich für diesen Beitrag entschied, habe ich mir überlegt, was die beiden Begriffe verbindet, was sie ausmacht oder wie sie aufgenommen werden. Folgend habe ich verschiedene Punkte zusammengetragen, die für mich zu Austausch und Feedback gehören.

Als erstes will ich aufzeigen, was die beiden Begriffe an sich ausmacht.

Der Austausch

Der Austausch ist gegenseitig und ergibt sich im Verlauf von Gesprächen. Auch gibt er dem Schreibenden die Möglichkeit, Schreibblockaden zu überwinden, indem er sich Rat bei Gleichgesinnten holt. Ebenso hilft der Austausch dabei, andere Stellen für Recherchearbeiten zu finden, die man selbst nicht in Betracht gezogen hat. Ebenso dient er dazu, den Kopf freizubekommen und regt meist nach Abschluss zum Nachdenken an.

Das Feedback

Das Feedback ist eine direkte  Rückmeldung auf einen Text, egal ob es sich um einen Ausschnitt oder um eine komplette Version handelt. Meist beruht diese Form der Textarbeit auf Gegenseitigkeit zweier oder mehrerer Parteien und wird direkt eingefordert.
Durch die Resonanz anderer Personen lernt der Schreibende deren Sichtweisen kennen und kann so die eigene Wahrnehmung des Geschriebenen ein wenig abändern.
Die aufgeführten Punkte zu dem Begriff des Feedbacks sind Resultate, die einen Autoren, egal ob er das Schreiben als Hobby oder beruflich betreibt, in seinem Schaffen weiterbringen.

Auch wenn es scheint, als ob die beiden Begriffe nichts miteinander zu tun haben, sind sie doch miteinander verbunden. Es ist vielleicht nur nicht ganz so offensichtlich.
In den letzten Jahren habe ich ebendiese Erfahrung machen können. So sehr ein Feedback auch am eigenen Ego kratzte, so heilsam waren die Momente des Austausches – die Wundsalbe, die ich gebraucht habe.
Manchmal meint man nach einem besnders niederschmetternden Feedback, dass man mit seinem Werk, das man niedergeschrieben hat, vollkommen daneben liegt, aber wenn man sich selbst ein wenig Zeit lässt und vor allem nicht aufgibt, ändert sich auch die eigene Sichtweise.

Mein Fazit

Nach meinem kurzen Ausflug, um diesen Beitrag einigermaßen mit Worten zu füllen, und auch meine eigenen Erfahrungen berücksichtigend, kann ich sagen, dass Austausch und Feedback näher beieinander liegen, als selbst ich angenommen hatte.
Man braucht beides, um sich selbst zu entwickeln und mit dem, was man schreibt, nicht einfach stehenzubleiben.

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“Das können Sie nicht!”

Vor vier Jahren habe ich eine sehr gute Ergotherapie beendet. Ich habe jede Woche eine Kurzgeschichte geschrieben und diese dann mit der Therapeutin besprochen. Das hat mir nicht nur gut getan, sondern richtig Spaß gemacht. Ich beendete die Therapie mit dem festen Vorsatz, jetzt einen Roman schreiben zu wollen, und dem Gefühl, das jetzt alleine zu können. Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, dass die Krankenkasse für meinen Schreibspaß zahlen sollte.

Ich erzählte freudestrahlend in der Psychoedukationsgruppe von meinem Vorhaben und bekam von der Bewegungstherapeutin ein “Das können Sie nicht” vor den Latz geknallt, gefolgt von “Wenn Sie ein Buch schreiben wollen, dann müssen Sie etwas erlebt haben. Und Sie müssen es verarbeitet haben.”

Das ist nicht nur demütigend, das ist auch völlig falsch und zeugt von mangelnder Sachkenntnis. Da mir damals aber nicht bewusst war, dass ich gerade durch das Schreiben verarbeite, ließ ich mich für vier Jahre ins Bockshorn jagen. Ich gab bei den geringsten Schwierigkeiten auf und glaubte, dass ich es nicht können konnte.

Mein Psychotherapeut, der auch Psychiater ist, hat mir nun erklärt, dass man durch das Führen innerer Dialoge verarbeitet. Und die kann man natürlich auch aufschreiben und ein Buch draus machen, wenn man will – sagte er. Das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und begann mit meinem aktuellen Projekt.

Inzwischen bin ich seit einem halben Jahr dabei und es sind schon einige Kapitel entstanden. Ich kann das sehr wohl. Und im Übrigen könnte ich auch mit den Kurzgeschichten der letzten zwölf Jahre ein Buch füllen, wenn ich das wollte. Vielleicht mache ich das sogar.

Nehmt euch Kritik an euren Schreibprojekten nicht zu sehr zu Herzen. Prüft, von wem die Kritik stammt. Meinungen von Lesern sind anders zu behandeln als Rückmeldungen von Schriftstellern. Sie wissen, wie eine Geschichte auf sie gewirkt hat, ob sie gefallen hat oder nicht, können aber meist nicht sagen warum.

Ingo S. Anders

Wenn der Leser auch schreibt: Schreibt derjenige überhaupt selbst gut(e Geschichten)? Wenn nein, ist er nicht unbedingt der beste Ratgeber. Und niemand, dessen Wort wir so viel Gewicht beimessen sollten, dass es uns verletzt.

Also, lasst euch nicht ins Bockshorn jagen.

Euer Ingo

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Geschichten aus dem wahren Leben und ganz persönlicher Erfahrung



Das war filmreif!

Ich denke diese Momente kennt jede und jeder. In denen man am liebsten alles was passiert wie einen Film im Gehirn abspeichern möchte. Um kein Detail zu vergessen und sich das immer wieder ansehen zu können.

Bei mir war das zum Beispiel so, als ich mit zwei Freundinnen nachts vor langer Zeit eine super illegale (nicht!) Sprühkreide-Aktion vor dem Haus des „Dorf-Nazis“ gestartet habe. Wir waren noch nicht ganz fertig mit unserem Kunstwerk, als der Dorfsheriff um die Ecke fuhr. Also haben wir uns so schnell wie möglich aus dem Staub gemacht. Aber da er uns auf dem Weg nach Hause noch drei weitere Male begegnet ist, haben wir uns natürlich gleich Gedanken darüber gemacht, ob die Regierung wohl unsere Handys getrackt hat, als wir unseren Sprühkreide-Plan ausgeheckt haben. Arg dramatisch (und ernst gemeint) war das Ganze nicht, und wahrscheinlich war er auch nur zufällig dauernd in unserer Nähe. Wir haben uns damals aber dermaßen reingesteigert, dass es im Nachhinein einfach spannend und sehr lustig war.

Es gibt so viele solcher Situationen im Leben! Und die sind bereichernd. Natürlich, weil sie unser Leben ein Stück weit interessant und auf jeden Fall einmalig machen (und wir etwas zu erzählen haben). Aber auch weil das eine sehr einfache -weil wir nichts anderes tun müssen als Leben :D- und wichtige Inspirationsquelle ist.

Besondere, aber auch alltägliche Situationen als Inspiration

Ich habe etwas erlebt und davon inspiriert schreibe ich einen kreativen Text daraus. Zum Beispiel eine Szene, in der das von mir Erlebte die Handlung ist, oder ich spinne eine Kurzgeschichte daraus. Oder ich schreibe ein Gedicht, welches die Atmosphäre wiederspiegelt. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, im Grunde sind einem da keine Grenzen gesetzt. Manchmal wird das so etwas wie ein kreativer Tagebucheintrag, manchmal sind es allein kleine Details, die man für das Schreiben gebrauchen kann.

Da gibt es die ganz besonderen Momente, die meist mit vielen Emotionen verbunden sind. Die von Anfang bis Ende interessant, spannend, tragisch, dramatisch, lustig, fröhlich, komisch usw. sind. Oder ganz kurze Augenblicke, fast unscheinbar, die uns auffallen und faszinieren. Oder eher banale alltägliche Situationen, die trotzdem interessant sind – schließlich haben unsere Charaktere ja auch einen Alltag zu bewältigen, oder wir wollen uns im Bereich der Poesie kreativ am Thema Alltag austoben.

Begegnungen mit Menschen als Inspiration

Wann immer ich auf Menschen treffe fasziniert mich, wie unterschiedlich sie sind. In ihrer Persönlichkeit, ihrem Denken, ihrer Art zu Leben.

Jeder Mensch hat seine eigene ganz individuelle Geschichte, die ihn zu dem Menschen macht, der er/sie ist.

Begegnungen mit Menschen können unglaublich inspirierend sein. Denn jeder Mensch hat ja seine eigenen Geschichten und Erfahrungen, sein eigenes Weltbild, seine eigene Meinung. Einfach seinen ganz einzigartigen Horizont. Wenn wir uns mit Menschen unterhalten, dann dringen wir ein Stück weit in den Horizont ein, lernen etwas dazu. Und geben natürlich auch ein wenig von unserem Horizont preis.

Wenn ich eine Kurzgeschichte oder einen Roman schreibe, dann kommen da (mehr oder weniger) viele verschiedene Charaktere vor. Auch sie haben alle ihren eigenen Horizont. Um die Charaktere möglichst differenziert gestalten zu können, brauche ich also viele verschiedene Ideen. Und zwar nicht nur dafür, wie die Person zum Zeitpunkt meiner Geschichte denkt und fühlt, sondern auch wie seine/ihre Kindheit und Jugend aussah, welche Folgen, Probleme, Stärken etc. das für die Gegenwart mit sich bringt. Also wie und warum er sich zu dem Menschen entwickelt hat, den ich in meinem Text darstelle. Und um zu verstehen warum Menschen wie ticken, müssen wir uns nicht unbedingt großartig mit Psychologie auskennen. Meistens reicht es, wenn wir lernen, Menschen denen wir begegnen zu verstehen, über sie zu lernen und das als Inspiration für uns zu nutzen.

Eigene Erfahrungen machen Texte authentisch

Ich kann nur glaubwürdig  darüber schreiben, wie mein Protagonist sich fühlt während er seine große Liebe trifft, wenn ich selbst einmal verliebt war. Zumindest kann ich nur dann wirklich ins Detail gehen und mehr schreiben als „Er hatte Schmetterlinge im Bauch und sie verdrehte ihm sofort den Kopf.“ . Und es sind eben gerade die Details, die einen Text gut und tiefsinnig machen.

Das machen persönliche Erfahrungen und Erlebnisse auch so wichtig, wenn es ums Schreiben geht. Ich habe mich lange gefragt, woher Autor*innen ihre Ideen nehmen und seit ich die Erfahrung gemacht habe, dass es viel im eigenen Leben gibt, was gut in eine Geschichte passen würde, gehe ich viel aufmerksamer durch die Welt und kann auch ein Stück weit dankbarer sein.
Wie oft habe ich mir gewünscht mit meinen Lieblingscharakteren den Platz tauschen zu können und ein Leben zu leben, wie es im Buche steht.  Aber mittlerweile ist es andersherum: Meine Charaktere erleben Dinge, die sich erlebt habe. Sie treffen Menschen, die mich persönlich faszinieren. Und meine Gedichte tragen Stimmungen, die ich gefühlt und kennen gelernt habe.

Klar, wenn ich eine Entführungsszene schreibe, dann kann ich nicht unbedingt meine Erfahrungen mit einfließen lassen, wenn ich noch nie entführt wurde, worüber ich sehr froh bin. Aber zum kleinen Teil eben doch: Ich hatte in meinem Leben mit Sicherheit schonmal Angst, kann also dieses Gefühl beschreiben, ich weiß, wie es in einem Auto riechen könnte etc.

Beim Schreiben kann man also nicht auf eigene Erfahrungen verzichten!

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