Schreibkommune

Autorinnen und Autoren im Netz

Monat: März 2018

Saigels Irr(e)Lichter – Das Schreibexil

Ist es nicht so, dass jeder genau das am Schreiben mag? Die Abgeschiedenheit. Irgendwo in der Ferne zwitschern ein paar Vögel, leichter Regen klopft zaghaft an die Scheiben, völlige Stille, vollkommener Frieden. Der Tag, mit all seinen Turbulenzen, die mit Lichtgeschwindigkeit auf uns einprasseln, uns überfordern und uns keinen Moment zum Durchatmen lassen, ist leicht verjagt, wenn der Schreibtisch ruft.

Der Schreibtisch. Heimisches Terrain. Beinahe schon selige Entspannung. Ein leidenschaftlicher Schreiber sitzt oft dort, an diesem Ort, der sich gefühlsmäßig auf dem höchsten Punkt eines verlassenen Berges befindet. Das Schreiben ist eigentümlich, es kann an manchen Tagen so unendlich viel bedeuten, an anderen Tagen weniger bis nichts.

Wie lange habe ich mich schon damit auseinanderzusetzen versucht, was da vorgeht, was dieses Schreibgefühl für mich bedeutet und ob ich bereit bin, all das auch mit anderen zu teilen. Ist da nicht ein großer Unterschied, alleine auf dem Berg zu schreiben, oder dann das Geschriebene auch ins Tal hinabzurufen?

Für mich ist es heute beides. Ich teile gerne das, was ich schreibe, natürlich nur einen Bruchteil von dem, was an beschriebenen Blättern oder Dateien wirklich in meinen Regalen steht. Aber es gab eine lange Zeit, in der ich das Tal nicht brauchte. Es war mir egal, niemand wusste von meinem Hobby, ich war die einzige, die etwas von mir zu lesen bekam. Ich war im Schreibexil. Fühlte mich wohl, suchte es dann auf, wenn ich es brauchte und verließ es, wenn es mir nichts mehr gab.

Für mich ist das Schreibexil genau das: ein Ort, der mir offen steht, nur ich besitze den Schlüssel, jedoch ist er auch zufrieden ohne mich.

Es ist ein zweischneidiges Schwert, das Tal mit einzubeziehen. Ich habe mich erst vor einem Jahr getraut, einen leisen, verschüchterten Ruf hinunter zu wagen. Das Echo, das ich bekam, war schwer verdaulich. Denn darüber wurde ich mir plötzlich bewusst: einmal ins Tal hinab gerufen, und man kann es nicht mehr lassen. Das Schreibexil ist nun nicht mehr das, was es war. Es ist jetzt bevölkert von Stimmen, Meinungen, Kritikern.

Öffnet man die Tür, schlägt einem nicht mehr schöne Stille entgegen, sondern ein unbekömmlicher Tumult. Schnell kristallisiert sich aber heraus, dass es Kollegen gibt, deren Schreibexil in etwa so aussieht wie das eigene, und die sich gerne der hiesigen Hausordnung anpassen.

Ich glaube, dass mein Schreibexil die Veränderung gut verkraftet hat. Ich habe nun ein ganzes Team an meiner Seite, eine Gemeinschaft, die sich mit meinen Texten auseinandersetzt, mich aber auch nicht sucht, sollte ich einmal die Türen meines Exils hinter mir geschlossen haben.

Denn es ist nicht das Exil, das wir als Autoren so dringend brauchen, es ist das richtige Tal, das eine, das zu uns passt. Das uns dann fördert, wenn wir stagnieren, das uns dann tröstet, wenn wir zweifeln, und das uns dann mit einem kräftigen Ruck herauszieht, wenn wir ganz und gar versumpft sind. Feedback ist wichtig, um zu wachsen. Das Schreibexil ist wichtig, um Wurzeln zu schlagen. Ich bin dazu übergegangen, weder in dem einen, noch in dem anderen Gegenteiliges zu suchen. Der selbstbestimmte Autor nimmt sich das, was er braucht und entscheidet selbst wohin er wann mit welchem Text geht: auf den Berg, oder in das Tal?

Eure Saigel

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Rezension zu “Totenfang” von Simon Beckett

Allgemeine Informationen zum Buch


Totenfang von Simon Beckett
Taschenbuch
ISBN 10: 3499255057
ISBN 13: 978-3499255057
Preis: 10,99 €
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Das Buch ist auch als Hardcover und als Hörbuch erschienen.
Informationen zu dem Autor Simon Beckett findet man auch unter folgenden Links
inkl. einer Bibliografie (inkl. der Hörbücher):
https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Beckett (von Wikipedia.de)
https://www.rowohlt.de/autor/simon-beckett.html (über den Rohwolt-Verlag)

Zur Handlung:


David Hunters Arbeit an der Universität hängt am seidenen Faden, ein Gespräch mit
mit dem Leiter seines Arbeitgebers steht bevor sowie ein Wochenende mit Freunden,
als ihn ein Anruf erreicht. Es wird sein Wissen als forensischer Anthropologe benötigt.
Eine entstellte Leiche wurde in den Backwaters, einer unwirtlichen Gegend Großbritanniens, aufgefunden. Mit diesem Auffinden erwarten ihn und die Ermittler Vorort.
Während der Forensiker sich in den Backwaters aufhält, findet er in einem Ferienhaus einer ansässigen Familie Unterkunft, die ihm nicht gerade freundlich gesinnt ist.

Mein Eindruck:


Ich habe bereits die Vorgänger der David Hunter Reihe gelesen und war immer
schnell in der Handlung gefangen sobald ich diese las. So war die Erwartung an die
Fortsetzung dieser Reihe als ich erfuhr, dass es auf dem deutschen Markt herauskam.
Genau wie in den anderen Bändern gab es eine Einführung zu dem Thema, welches
in diesem Buch und dessen Handlung ging.
Zu Beginn zog sich die Erzählung dieses Buches. So kam es, dass ich kurz davor war
meine Neuanschaffung zur Seite zu legen und mit einem anderen Buch fortzufahren.
Den Gedanken verwarf ich dann doch recht schnell wieder und las weiter.
Dann endlich kam der Wendepunkt und ich war wieder gefangen von dem Prota-
gonisten und dem was ihm passiert oder geschehen würde.

Mein Fazit:


Ein Buch, das sich wunderbar an die Vorgänger dieser Reihe einfügt. Ich empfehle
es jedem, der bereits mit der Reihe vertraut ist als auch all jenen, die mit Thrillern
gut zurecht kommen.

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einfach drauflos oder doch lieber plotten?

Für mich ganz klar: beides!

Ich bin weder discovery writer noch outliner, kein reiner Bauchschreiber und kein Planer, der alles von vorne nach hinten bis ins kleinste Detail durchplottet, und ebenso geordnet runterschreibt. Bei mir liegt eher ein Fall von Zoom-Plotting vor, wie Jacky sagt. Auch wenn ich mich bemühe, von vorne nach hinten zu schreiben, um später in den Schreibprojekten der Reihe nach kapitelweise einstellen zu können, so klappt das nicht immer.

  1. Ich schreibe einfach drauflos mit einzelnen Bildern  oder einem Wortwechsel vor Augen sowie einer Grundidee im Hinterkopf und lerne meine Figuren dadurch kennen, wie sie gerade so spontan miteinander interagieren.
  2. Aus dem Gefühl für die Figuren ergibt sich dann, wie sie handeln würden, wenn sie in bestimmte Situationen kämen. Ich überlege mir mithilfe der 15-Punkte-Struktur eine grobe Rahmenhandlung, die ich aus der Grundidee entwickle, mit der ich das Vorhaben für diese Geschichte überhaupt gefasst habe.
  3. Zweiseitige Zusammenfassungen der Geschichte aus Sicht der wichtigsten Figuren bringen mir Figuren und Handlung näher. Erste Eckdaten zu den einzelnen Figuren halte ich schonmal fest, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Später, wenn ich meine Pappenheimer kenne, brauche ich vielleicht nicht mehr nachzusehen. Aber gerade am Anfang war es hilfreich, nochmal zu Details nachlesen zu können.
  4. Ich beginne mit der ersten Etappe (das Set-Up) und überlege mir, welche Szenen die gewohnte Welt gut zeigen können. Wenn ich die erste Etappe runtergetippt und die Szenen skizziert habe, denke ich über die Szenen für die nächste Etappe nach.
  5. Ich schreibe meinen ersten Entwurf so gut es geht von vorne nach hinten und führe nebenher eine Kapitelliste mit den wichtigsten Eckdaten zu jeder Szene, um nicht den Überblick zu verlieren. Ich habe das Ende klar vor Augen, aber die meisten Szenen liegen im Nebel und je weiter ich von Kapitel zu Kapitel vordringe, desto klarer wird die Sicht auf sie. Dabei entdecke ich jede Szene für mich neu, weil ich vorher nur eine grobe Vorstellung hatte über den Ort, die handelnden Figuren und den zentralen Konflikt. Kurz gesagt, ich arbeite mich vom Groben zum Feinen durch und bastel an das erste bissl Text nach und nach in mehreren Schüben immer was dazu.
  6. Sobald ich irgendwo alleine nicht mehr weiterkomme, hole ich mir Feedback von meinen Kollegen aus dem Forum, die auch in den Schreibprojekten an ihren Romanen arbeiten. Dort poste ich kapitelweise meinen Roman. Den Chat nutze ich auch gerne, um über die Planung der nächsten Szenen zu fachsimpeln oder wenn ich mir unschlüssig bin, ob ich ein Kapitel auch wirklich brauche, dann hole ich mir diesbezüglich Rat.
  7. Da nur ausgewählte User des Forums auch bei den Schreibprojekten Zugriff haben, sind genügend Interessierte übrig, die ich später als Probeleser gewinnen kann. Aber davon bin ich im Augenblick noch weit entfernt, ich habe ja gerade erst richtig angefangen. Es gibt erst sechs Kapitel, die über den allerersten Entwurf hinausgekommen sind und die muss ich erst noch (mehrmals) überarbeiten. Viele weitere noch ganz neu entwerfen bzw vorher oder mittendrin planen.

Ich habe bei mir verschiedene Arbeitsmodi festgestellt, die ich nach Möglichkeit alle voll ausschöpfen will:

  • Wenn es ums Planen geht, dann plotte ich im Chat, ich stelle also Fragen zu Konflikten, die ich habe oder ich lasse mir Löcher in den Bauch fragen über meine Figuren und die Handlung. Das regt meine Phantasie an und ich komme in Schreibstimmung. Dazu muss ich aber auch aufnahmefähig sein, sonst raubt es mir den Schlaf.
  • Wenn ich – gerade bei fehlendem Schlaf – schreibwütig bin, dann lasse ich das möglichst gleich raus. Ich fange, falls mich mehrere anlachen, mit der frühestmöglichen Szene an und arbeite mich dann weiter nach hinten. Irgendwann ist alle und ich brauche dann auch bald Erholung.
  • In der dann folgenden Bastelstimmung fange ich an, die ersten Entwürfe nach und nach auszubauen. Hier sind Schreibdruck und Tempo nicht mehr so hoch, denn für das Basteln brauche ich keine zusätzliche Inspiration, da habe ich ja den bereits vorhandenen Text, an den ich anknüpfen kann.
  • Wenn ich Überarbeiten will, lasse ich den inneren Kritiker raus. Dazu ist es hilfreich, den Textabschnitt eine Weile nicht gelesen zu haben, damit er “fremd” wird. Sobald mein innerer Kritiker restlos zufrieden ist, hole ich ihm Verstärkung: In den Schreibprojekten kritisieren wir gegenseitig unsere werdenden Romane.
  • Da ich häufig Selbst- und Textzweifel bekomme, hat es sich bewährt, die Ergebnisse meiner einzelnen Arbeitsschritte getrennt zu sichern. So fällt nichts der Löscheritis zum Opfer und ich kann jederzeit zurückrudern und doch nochmal etwas aus einer früheren Version retten.

Meiner Erfahrung nach muss jeder seinen eigenen Arbeitsstil finden, der zu ihm passt. Ich habe bei verschiedenen erfolgreichen Autoren hier und da etwas abgeschaut, was für mich passend war.

Ich hadere nicht mit mir, weil ich jetzt gerade nicht meine neuen Szene anfangen kann, sondern tue das, was ich in meiner gegenwärtigen Stimmung gerade am besten tun kann – und wenn das Recherche ist.

Und ich rufe mir immer wieder ins Gedächtnis, dass die Zeit, in der ich mit etwas anderem beschäftigt bin (zB Bloggen, Essen, Einkaufen), von meinem Unterbewusstsein genutzt wird, um den Text weiter reifen zu lassen.

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

Ob das alles zum Erfolg führen wird, kann ich euch leider noch nicht sagen.

Aber es macht auf jeden Fall einen Riesenspaß!

Euer Ingo

PS: Streng genommen ist es bereits ein Erfolg, dass ich immer noch am Ball bin und noch nicht aufgegeben habe. Über die ersten dreißig Seiten war ich bei früheren Versuchen nicht hinausgekommen. So viel geplottet habe ich aber auch noch nie.

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Ein kleiner Leitfaden für eine gute Kurzgeschichte



Als ich meine ersten Kurzgeschichten schreiben wollte, habe ich einfach drauflos geschrieben. Aber am Ende waren sie dann fast alle zu langweilig, oder zu vollgestopft, oder die Handlung war nicht ganz logisch, die Charaktere zu oberflächlich.

Also musste ich mir zu aller erst die Frage stellen:

Worum geht es beim Schreiben einer Kurzgeschichte?

Kurzgeschichten gehören zur literarischen Form der Prosa. Die Sprache ist also nicht gereimt, besonders rhythmisch oder ähnliches. Und wie der Name schon sagt handelt es sich ganz schlicht um eine kurze Geschichte.

Wichtig dabei ist, dass der Fokus dieser Geschichte nicht etwa wie bei einem Roman auf einer ganzen Heldenreise, einer Entwicklung, einer Vielzahl von Ereignissen etc. liegt. Die Handlung einer Kurzgeschichte konzentriert sich auf eine bestimmte Situation, auf ein bestimmtes Ereignis, das möglichst spannend, dramatisch, emotional, lustig, romantisch etc. ist.

Also in einer Kurzgeschichte wird nicht beschrieben, wie Finn sich beim Abschlussball plötzlich in Lisa verliebt, die beiden nach diesem Abend aber getrennte Wege gehen, Finn dann monatelang nach ihr sucht, er während seinem Roadtrip in einen Raubüberfall verwickelt wird, sich mit seinem ehemaligen Erzfeind versöhnt, er einen streunenden Hund aufnimmt etc. und Lisa schließlich doch lesbisch war, woraufhin Finn in eine Sinnkrise verfällt, Depressionen bekommt und nach Amerika auswandert..

Das könnte man nur dann in eine Kurzgeschichte packen, wenn man jedes Ereignis nur ganz knapp und ohne viel Details und andere Charaktere beschriebe. Allerdings wäre das dann, wenn überhaupt, nur halb so gut, wie wenn man das ganze in einen Roman gepackt hätte.

Stattdessen könnte es in einer Kurzgeschichte nur um den Moment gehen, in dem Finn herausfindet, dass das Mädchen, in das er verliebt ist, nicht auf Männer steht und was das mit seiner Gefühlswelt anstellt. Oder man konzentriert sich darauf, wie Finn merkt, dass er viel mehr für Lisa empfindet als bisher gedacht.

Wie gehe ich vor beim Schreiben einer Kurzgeschichte?

Bei mir beginnt meistens alles mit einer Idee, die ich habe. Meistens ist es eine Szene, die sich in meinem Kopf abspielt, oder ich lasse mich vom Leben selbst inspirieren.

Die schreibe ich mir dann zuerst auf. Egal ob es ein Thema, ein Charakter usw. ist, was mir einfällt, ich schreibe es so genau wie möglich auf. Dann sammle ich weitere Ideen. Hier mache ich mir oft Mind-Maps.

Wenn ich hier schon merke, dass es zu viele Ideen, Charaktere, Ereignisse für eine Kurzgeschichte sind, dann überlege ich mir, worauf ich den Fokus setzen will und kürze alles andere raus.

Dann schreibe ich zu jedem Charakter einen Steckbrief mit allen Informationen, die für die Kurzgeschichte wichtig sind. Dabei sind unter Umständen auch Dinge aus der Vergangenheit wichtig, die in der Kurzgeschichte gar nicht erwähnt werden. Die den Charakter aber zu dem Menschen machen, die er zum Zeitpunkt der Handlung sein soll.

Und schließlich schreibe ich mir auf, was genau und wann passieren soll. Dabei überlege ich mir auch, aus welcher Perspektive die Kurgeschichte geschrieben wird.
Und dann formuliere ich das ganze aus.

So habe ich das zumindest eine Zeit lang gemacht. Mittlerweile reichen mir manchmal (nicht immer) auch grobe Stichpunkte zu meinen Ideen, um eine gute Kurzgeschichte zu schreiben. Aber das hängt oft vom Tag, meiner Stimmung und der Idee selbst ab :D.

(Eine Kurzgeschichte hat bestimmte Merkmale, worauf man beim Schreiben achten sollte. Darauf gehe ich bei diesem Artikel allerdings nicht ein, da zu diesem Thema noch ein anderer Beitrag kommt.)

Ich hoffe, ihr könnt aus meinem Beitrag etwas für das Schreiben einer Kurzgeschichte mitnehmen!

Viele Grüße und vor allem viel Spaß beim Kurzgeschichten schreiben,

Wolverine ^_^

Bild lizenzfrei von: canstockphoto.ch

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Das an und für sich – Nalex stellt sich vor

Ein Chaot auf voller Linie. Alles geplante verläuft dann in den Bahnen, die ich mir so gar nicht vorgezeichnet habe….

Na ja…. Zumindest in meinem Kopf… 😀

 

Wie lange bist du schon im Schreib-Forum dabei?

Ich bin seit dem November 2013 Mitglied des Forums. Damals nannte es sich noch Schreibfreunde-Forum.

 

Was war der Beweggrund, dich hier anzumelden?

Damals war ein großer Umbruch in meinem Leben vonstatten gegangen und ich begann das Schreiben mehr in den Mittelpunkt meines Lebens zu integrieren. Allerdings traute ich niemandem in meinem näheren Umkreis was meine “Kunstwerke” anging. So machte ich mich auf die Suche und fand das Forum.

 

Warum bist du nicht mehr im Schreib-Forum aktiv (falls das zutrifft)?

Dies trifft nicht zu.

 

Was findest du gut im Forum?

Vor allem liegen mir die Gespräche im Chat wichtig. Das kommentieren ist auch ein Punkt, den ich gut finde. Leider leidet das bei mir derzeit. 🙁

 

Was brauchst du nicht wirklich?

Oh, dass kann ich jetzt so spontan nicht sagen

 

Was sollten wir dir unbedingt noch bieten?

Im Moment bin ich wunschlos glücklich.

 

Wie lange beschäftigst du dich schon mit dem kreativen Schreiben?

Ich habe bereits mit 12 oder 13 Jahren mit dem Schreiben angefangen. Allerdings habe ich mich damals nicht getraut mich mit anderen zusammenzuschließen.

Also insgesamt seit über 20 Jahren mit Pausen.

 

Was war der Auslöser dafür?

Der Auslöser war der Kauf meiner Mutter von einem Hund. Damals hat sie viele Seminare besucht, wobei ich sie begleitete und dann mir mit dem Schreiben die Zeit vertrieb.

 

Was bringt oder hat dir das Schreib-Forum in Sachen Schreiben und die Entwicklung dorthin gebracht?

In den letzten Jahren habe ich gelernt mit meinen Texten kritischer umzugehen und auch die Feedbacks von anderen Autoren nicht all zu sehr an mich heran zu lassen. Natürlich tut es immer ein wenig am Ego kratzen, aber damit kann ich mittlerweile umgehen.

Auch der Austausch mit den anderen Autoren ist für mich wichtig, denn so komme ich auf andere Ideen oder überwinde eine Blockade um dann weiter zu schreiben.

 

Was ist dein großes Ziel in Bezug auf kreatives Schreiben (wo soll deine Reise hingehen)?

Irgendwann möchte ich mal etwas Veröffentlichen. Egal, ob in einer Anthologie oder als eigenes Buch.

 

Nenne hier vier Dinge, über die es sich lohnt zu schreiben.

Vor allem für mich selbst.

 

Vervollständige bitte folgende Satzanfänge!

*Schreiben ist für mich …. Entspannung, Stressabbau

*Am Schreiben hindert mich … mein eigener Kritiker, der in regelmäßigen Abständen zu laut ist.

*Von Schreibratgebern halte ich … nicht viel. Ich habe mehr davon mich mit anderen zu unterhalten und mir von deren Schreiberfahrungen zu erfahren.

*Ich kenne folgende Schreibratgeber …keinen

*Plotten ist für mich … eine Herausforderung, vor allem, wenn ich es vom Anfang bis zum Ende durchziehen muss.

*Stil ist für mich …so unterschiedlich wie die einzelnen Menschen.

*Der innere Kritiker ….ist echt nervtötend, wenn er nicht mit etwas anderem beschäftigt ist.

Das war ein kurzer Überblick von mir oder ein kurzer Einblick zu dem was sich in den letzten 4 Jahren ereignet hat.

 

Eure

Nalex

 

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Autor werden – am Ball bleiben und wenn es noch so aussichtslos erscheint!

Eine meiner größten Motivationsquellen beim Schreiben ist die These von James N.Frey einem Schreibcoach und Autor aus den Vereinigten Staaten, dass man einen Roman in 42 Wochen schreiben kann. Mit seiner Theorie davon, wie einfach es ist einen kompletten Roman mit allen Schaffensphasen in einem Jahr zu schreiben, hat er mich vor vielen Jahren selbst gefangen.

Wie einfach es ist einen Roman zu schreiben und diesen zu veröffentlichen erkennt man an dieser einfachen und einleuchtenden Aufzählung.

Natürlich werden Profis die Nase rümpfen und sagen, nur aufgrund der Zahlen schreibt sich kein einziger Roman. Ja, das will ich nicht bestreiten, jedoch ist gerade Zeit ein wichtiger Faktor um überhaupt ein mal anzufangen.

Worauf wartest du? Vielleicht helfen dir diese Zahlen von James N.Frey zu verstehen, dass alles möglich ist:

Arithmetik des Romanschreibens oder: Bleiben Sie unbedingt am Ball und halten Sie durch, selbst wenn Sie einen Kater haben

Weiterlesen

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Nur eine Minute

»Nur noch eine Minute, Schatz.«

»Eine Minute?« Sie schwieg. Ich wandte mich wieder dem Bildschirm zu und tippte weiter. Nur diese Szene noch, ein letzter Absatz.

»Von wegen eine Minute!« Sie stampfte mit dem Fuß auf. In mir verschmolz ihr Tritt mit dem Trampeln der Pferde, deren Reiter aufeinanderzuhielten und ging dann im Tosen der Menge unter, als einer der Männer den anderen mit der Lanze nur knapp verfehlte.

Ein flüchtiger Blick auf mein Mädchen zeigte mir ihren Schmollmund und die verschränkten Arme. Die erdachte holde Jungfer, um die beide Ritter kämpften, schrie entsetzt auf, da sie um ihren Favoriten bangte.

»Du hast mich gar nicht lieb!« Der Film auf meiner inneren Leinwand erlosch augenblicklich, ich wirbelte herum und sah sie ernst an.

»Andrea, natürlich hab ich Dich lieb.« Ich breitete die Arme aus. Sie sah mich mit einem Stirnrunzeln an. Enttäuscht ließ ich die Arme sinken. »Warum glaubst Du, ich hätte Dich nicht lieb?«

Sie funkelte mich an für ein »Mama hat immer Zeit für mich« und blickte dann zu Boden.

Ich schloss meine Kleine in den Arm.

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

Euer Ingo

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Ida und ihre Bücher

Seit ich mich erinnern kann, bin ich vom Lesevirus befallen. Alle Bücher, derer ich als Kind oder Jugendliche habhaft werden konnte, habe ich verschlungen. Aus der Bibliothek, von Bekannten und Verwandten wurde ich mit Büchern versorgt, die ich dann bis tief in die Nacht gelesen habe, um dann mit müden Augen, aber einer neuen Geschichte im Kopf zur Schule zu fahren.
Meine Eltern haben so einiges unternommen, um meiner Lesewut beizukommen. Doch nichts konnte mich bremsen.
Mein Vater sagt immer, wenn ich lese, könnte der Stuhl auf dem ich sitze, abbrennen, ich würde es nicht merken. (Recht hat er.)
Die Tür zu meinem Kinderzimmer war die einzige Glastür in meinem Elternhaus, wenn ich ins Bett musste, wurden die Birnen aus meinen Lampen gedreht und wenn andere Kinder Hausarrest bekamen, musste ich vor die Haustür.
Doch was auch immer sich meine Eltern haben einfallen lassen, ich habe immer eine Möglichkeit zum Lesen gefunden. Mit der Taschenlampe unter der Bettdecke, oder indem ich Bücher an sicheren Orten außerhalb des Hauses deponierte, um sie dann versteckt irgendwo zu lesen. Was nicht selten eine Suchaktion nach mir auslöste, weil ich beim Lesen Raum und Zeit vergaß.
Wie das Lesen gehört das Erfinden von Geschichten zu meinem Leben, es war schon immer da und passiert unvermittelt und ganz spontan. Geschichten, die mir nicht gefallen, schreibe ich im Kopf einfach um oder ich spinne sie weiter. Aus winzigen Situationen, nebenher gesagten Sätzen entwickeln sich Geschichten, die meinen Kopf bevölkern.
Sie aufzuschreiben, dazu fehlte mir lange der Mut. Wie könnte ich mich erdreisten und für eine Schriftstellerin halten. Schriftsteller sind Genies, sie werden so geboren. Ein so unbedeutendes Wesen wie ich könnte niemals in solche Sphären aufsteigen. Davon auch nur zu träumen, wäre schon vermessen.
Natürlich ist das großer Quatsch, aber sich von Vorurteilen und alten Rollenbildern zu befreien, ist nicht immer einfach.
Vor etwa drei Jahren wurde mir auf eindringliche Weise vermittelt, dass mein Leben endlich ist. Und dass meine Kopfgeschichten mit mir die Welt verlassen werden, wenn ich sie nicht hinauslasse.
Das war ein guter Zeitpunkt, mein Leben zu verändern und auf das zu pfeifen, was andere sagen.
Seither versuche ich, Platz in meinem Kopf zu schaffen und meine Geschichten auf das Papier zu bannen. Glaubte ich zu Beginn noch, das Aufschreiben sei einfach und würde meinen Kopf befreien, wurde ich sehr bald eines Besseren belehrt.
Schreiben ist … schwer ist das falsche Wort dafür, aber einfach ist es auch nicht. Schreiben erfordert Ausdauer, Konzentration und Selbstdisziplin. Es ist eine Arbeit, manchmal eine, die ich vor mir herschiebe, manchmal eine, die ich kaum erwarten kann. Sie zwingt mich, mich mit Problemen auseinanderzusetzen, über die ich seit der Schulzeit meiner Kinder nicht mehr nachgedacht habe. Ich sag nur Kommasetzung und neue deutsche Rechtschreibung. Und wer denkt, so schwer kann das doch nun wirklich nicht sein, der erinnere sich bitte an seine Schulzeit und wie wir uns da abgemüht haben, einen anständigen Aufsatz abzuliefern. Und meinen Kopf bekomme ich auch nicht frei. Für jede aufgeschriebene Geschichte wachsen zwei neue nach. Geradeso, als hätte ich eine Kammer in mir geöffnet, die vor lauter Geschichten und Figuren überquillt.
Aber mein Anspruch an mich ist nicht nur, dass ich schreibe. Nein, die verwöhnte Vielleserin in mir möchte gut erzählte Geschichten lesen und dazu gehören auch meine eigenen Geschichten. Meine Meinung ist, dass man als Autor eine Verpflichtung seinen Figuren und seiner Geschichte gegenüber hat: sie in der bestmöglichen Form zu erzählen.
Deshalb habe ich mich, schon sehr bald nach meinem Entschluss zu schreiben, mit Schreibratgebern und Schreibkursen beschäftigt.
Schreiben ist ein Handwerk. Und wie ein Tischler oder ein Musiker Grundlagen seines Berufes lernen muss und bestimmte Handgriffe immer wieder wiederholt, bis er sie ohne nachzudenken ausführen kann, muss ich das Schreiben neu erlernen. Lernen, wie ich mit Worten spielen kann, wie sich mit Worten ein Bild malen lässt. Muss lernen, welche Macht die Worte über die Leser haben, wenn ich sie in der richtigen Reihenfolge aneinanderreihe.
Natürlich gibt es Virtuosen, die, ohne je eine Musikschule besucht zu haben, uns mit ihrer Musik verzaubern. Doch auch sie schaffen das nicht ohne tägliche Übungen, Experimente und den inneren Zwang, immer besser werden zu wollen, die Grenzen des Erreichbaren immer wieder auszuloten.
Und nun dieser Blog zusammen mit anderen „Schreibverrückten“- eine Möglichkeit, unsere zarten Pflänzchen in die graue Wirklichkeit zu entlassen, in der Hoffnung, dass sie hier überleben, wachsen und gedeihen.
Ich bin sehr gespannt, wohin uns dieses „Experiment“ führen und wer uns auf diesem Weg begleiten wird.
Hier werde ich nun die Gelegenheit nutzen, meine Geschichten außerhalb des schützenden Raumes eines Forums mit Euch zu teilen. Und hoffe sehr, sie werden Euch gefallen und Ihr lasst gelegentlich ein kleines Feedback zurück.

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Literaturempfehlung – Das zweite Leben des Cassiel Roadnight

Titel: Das zweite Leben des Cassiel Roadight

Autorin: Jenny Valentine

Genre: Thriller

Erscheinungsjahr: 2011

Handlung: Der Roman beginnt damit, dass der obdachlose Jugendliche Chap herausfindet, dass ein Junge vermisst wird, der ihm sehr ähnlich sieht. Dieser Junge heißt Cassiel Roadnight. Um dem Straßenleben zu entkommen und weil er sich sehnlichst eine Familie wünscht, stiehlt er die Identität dieses Jungen. Niemand darf herausfinden, dass er nicht wirklich Cassiel ist und alles was er tut, was er sagt, ja sogar seine Essgewohnheiten könnten ihn verraten. Aber nicht nur das strapaziert seine Psyche. Quälende Fragen machen Chap zu schaffen: Warum ist der eigentliche Cassiel verschwunden? Wird er eines Tages vor der Tür stehen? Wo ist er? Die Familie, vor allem Cassiels großer Bruder Frank, hat einige Geheimnisse. Und die stellen sich als potentiell lebensgefährlich für ihn heraus.

Das Buch ist in der 1. Perspektive aus Sicht von Chap geschrieben. Zwischen den Kapiteln über die oben beschriebene Handlung schreibt Valentine über Chaps bewegende Kindheit mit seinem Großvater.

Meine Meinung dazu: Ich habe das Buch erst auf Deutsch, dann auch in der Originalsprache Englisch gelesen. Die Übersetzung finde ich sehr gut gelungen, da die Atmosphäre erhalten bleibt.

Ich konnte mich sehr gut in die Wünsche, Ängste, Sehnsüchte und sonstigen Gefühle von Chap hineinversetzen, Jenny Valentine hat das sehr eindrücklich und mitreißend beschrieben. Chaps Gefühle und Beziehungen zu den im Roman vorkommenden Charaktere werden deutlich und klar dargestellt. Das Buch lebt von wenigen Charakteren, die unglaublich interessant und differenziert gestaltet sind. Jeder Charakter hat seine eigene Geschichte, wurde detailliert durchdacht und man kann sie sich als Leser sofort gut vorstellen.

Sehr gut gefallen mir zudem die vielen überraschenden Wendungen und Plot Twists. Sie machen das Buch unvorhersehbar und sind der Grund dafür, warum ich keine komplette Zusammenfassung der Handlung schreiben wollte – da wäre einfach zu viel weggenommen worden. Trotzdem habe ich das Buch jetzt schon einige Male gelesen. Auch wenn die „Schock-Momente“ schon bekannt sind, ist es sehr interessant, welche Andeutungen und Hinweise Valentine schon am Anfang der Geschichte versteckt.

In dem Buch vom Jenny Valentine passiert unglaublich viel. Es ist nie langweilig und bleibt von Anfang bis Ende spannend, trotzdem ist es nicht überladen. Der Roman hat mich mit seiner Dramatik, Tragik und seiner Handlung sehr bewegt und regt zum Nachdenken über Identität, Familie und Heimat an. (Ich habe es mir 16 gelesen, meine Mutter hat es auch gelesen und ist sehr begeistert – das Buch ist also sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet!)

Das zweite Leben des Cassiel Roadnight ist mein abolutes Lieblingsbuch und ich würde mich über eure Meinungen dazu freuen, wenn ihr es schon kennt, oder nachdem ihr es gelesen habt. 😀

 

Die Autorin Jenny Valentine wurde 1970 in Cambridge geboren und studierte Englische Sprache und Literatur in London. Sie lebt mit ihrem Mann und den beiden Kinder in Hay-on-Wye. Dort spielt auch dieser Roman. Sie bekam einige Auszeichnungen für ihre Bücher, zum Beispiel für “Kaputte Suppe” und “Das zweite Leben des Cassiel Roadnight”. In einem Interview mit dtv erzählte sie, dass sie am Schreiben gut fände, dass man es überall machen könne. So schreibe sie zum Beispiel daheim auf ihrem Bett oder in ihrem Arbeitszimmer mit Holzofen, im Sommer in einem umfunktionierten Pferdeanhänger etc. Sie könne fast überall schreiben, erzählt sie, außer sie sei nicht in Stimmung dafür. Beim Schreiben versuche sie in ihrer Geschichte zu verschwinden und denkt nicht an den Leser oder daran, dass sie Schriftstellerin ist.

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Die letzte Reise

Ich schlug die Augen auf. Wo war ich? Ein Blick an mir herab ließ mich stutzen. Wo waren die lahmen Beine, die Schmerzen, die mein schwacher Körper mir stets bereitet hatte? Ich bemerkte nichts dergleichen. Endlich, ich war frei. Unter meinen nackten Zehen spürte ich den Boden aus Stein, er war angenehm warm. Ich war schon einmal hier, fast zumindest, glaube ich. Doch hatte ich mich nie getraut zu sehen. Zu fühlen. Zu erkennen.

Ich drehte mich einmal um mich selbst und sah mich um.

Ich befand mich auf einem Balkon aus sandfarbenen Gestein.

Die Balustrade erschien mir aufwendig bearbeitet, mit kleinen Mustern aus ineinander verschlungenen Linien, die sich wie Flammen an den kleinen Säulen entlangzüngelten. Der Himmel hatte ein strahlendes dunkelblau angenommen und hohe Wolken türmten sich, bestrahlt vom letzten Licht einer untergehenden Sonne, zu wunderschönen roten Riesen bis in die Unendlichkeit des Horizonts empor. Das Flüstern einer leisen Briese drang in mein Ohr, erzählte mir vom Klang der Blätter, welche im Spiel des Windes wehten.

Ich bemerkte, dass der Balkon, auf welchem ich mich befand, zu einem riesigen, in den Stein geschlagenen Gebäude gehörte. Unter mir erstreckten sich ineinander verschlungene Säulengänge und Treppen, kleine Eingänge und Kavernen. Es musste Ewigkeiten gedauert haben das alles zu errichten.

Dazwischen ragten riesige Bäume mit schneeweißer Rinde und blutrotem Blätterdach in die Höhe. Ihre alten Wurzeln durchzogen den gesamten Stein und hauchten ihm Leben ein. Soweit mein Auge reichte, war der riesige Fels, der ein einziges unendlich großes Gebäude darstellte, umringt von einem endlosen Ozean. Die Farbe des Wassers hatte das dunkle Blau des Himmels angenommen, das Abendrot spiegelte sich darin und hinterließ diesem Ort ein Farbenspektakel. Sanft schlugen die Wellen der Brandung gegen den Fels. Wenn ich genau hinhörte, verband sich ihr Rauschen mit dem der Blätter und eine endlose Ruhe überkam mich. Ich schloss für einen Moment die Augen, um zu genießen. So fühlte sich Freiheit an.

Plötzlich hielt ich inne. Da war eine Stimme. War ich nicht alleine, an diesem wundersamen Ort? Sie schien nach mir zu rufen, mit einer spielerischen Melodie. Ich kannte diese Stimme. Doch woher? Ich beschloss, ihr zu folgen und stieg eine Treppe hinab, die vom Balkon ausging. Je weiter ich kam, desto genauer konnte ich die Stimme hören. Ihr Lied war wunderschön und doch gleichzeitig so tieftraurig. Ich wollte lachen und weinen, zur selben Zeit, ich war so unendlich glücklich und doch zerriss es mir das Herz. Ich passierte die knorrigen Bäume und bestaunte ihre Blätterkronen, spazierte durch einen Säulengang, der zur linken Seite steil abfiel. Darunter spielten nur noch die Gezeiten mit dem nackten Fels. Gischt stieg zu mir empor, das Wasser prickelte angenehm warm auf der Haut. Je weiter ich voranschritt, desto stärker drang diese verlockende Melodie zu mir. Sie durchfuhr meinen Körper und ich spürte ein Kribbeln, an dem Platz wo mein Herz saß. Am Ende des Ganges führte mich eine Wendeltreppe hinab, ich stützte mich auf dem goldenen Geländer ab und nahm dabei gleich zwei Stufen auf einmal.

Ich fand mich auf einem lichtdurchfluteten Platz wieder. Er war kreisrund und aus demselben hellen Gestein gefertigt wie der Balkon. Darum herum befand sich nur noch die unendliche See. In einem kleineren Kreis darin befanden sich sieben Säulen, die alle in einem goldenen, spitz zulaufendem Dach mündeten.

Darin war eine Konstruktion, die ich nicht sofort erkannte.

Als ich näher darauf zu lief, wurde mir bewusst was es war. In dem Gebäude stand eine riesige Sanduhr. Sie war fest im Boden verankert, mit einem massiven Bronzering, von dem Krallen ausgingen, die das Glas in der Luft hielten. Als ich es erreicht hatte, stellte ich fest, dass der Sand darin schon durchgelaufen war und sich nur noch im unteren Teil des Stundenglases befand. Die Melodie war jetzt ganz nah, ich spürte es.

„Wer ist da?“, rief ich. Ich musste es einfach wissen.
Die Melodie verstummte.
„Du kennst das Lied“, raunte eine Stimme, die von überall hätte kommen können. Sie strahlte die herzlichste Wärme und die eisigste Kälte zugleich aus. „Es ist das Lied des Lebens, mit seinen Höhen und Tiefen. Das Leben kennt nicht nur eine Seite, es bringt dir immer die beiden.“
Plötzlich trat eine Gestalt hinter dem Stundenglas hervor. Es war eine wundersame Frau. Die eine Hälfte ihres Gesichts war wunderschön, mit einem strahlenden blauen Auge, das die Farbe des Meeres besaß und geschwungenen vollen Lippen, die ein Lächeln formten. Ihr langes braunes Haar schien wie ein Wasserfall über ihre Schultern zu fließen. Die andere Hälfte des Gesichts war von Warzen entstellt, ihr Auge war wässerig und leer. Ein dunkler Ring zeichnete sich darum ab. Die Lippen waren verschrumpelt und das Haar zerzaust und spröde. „Ich bin das Leben“, sagte die Frau. „Ich trage die schönste Blüte mit mir und die welksten Dornen.“
Ich war überrascht von dieser Gestalt, doch ich verstand, was sie mir sagen wollte.
Die Frau zeigte auf ein kleines Boot, das direkt vor dem Platz ankerte. „So wie ich einst zu dir kam, so werde ich dich nun verlassen“, erklärte sie. „Du bist am Ende deiner beschwerlichen Reise angekommen und darfst nun in diesen Gefilden den Rest der Zeit überdauern. Es ist das letzte Geschenk, das ich dir machen kann.“ Mit diesen Worten stieg sie in das Boot und löste das Tau. Ganz von selbst steuerte es auf den weiten Ozean hinaus und war bald nur noch ein winziger Fleck, der im Abendrot verschwand.
Ich wusste, was es bedeutete, doch ich trug keine Angst in mir. Meine Zeit war abgelaufen und ich durfte nun, an diesem wunderschönen Ort, meine letzte Ruhe genießen. Das Licht war angenehm warm, so wie der Wind, der durch mein Haar ging. Und ich war glücklich. Wunschlos glücklich.

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Rezension zu “Celeste bedeutet Himmelblau” von Brigitte Pons

Eine neue Rezension zu einem regionalen Krimi.

 

Allgemeine Informationen:

“Celeste bedeutet Himmelblau” von Brigitte Pons

Taschenbuch

349 Seiten inkl. Danksagung der Autorin und einem Hinweis zu Recherchen/Links

ISBN: 978-3-8025-9388-8

Preis: 9,99 €

LYX Verlag

 

Mehr zu der in Groß Gerau geborenen Autorin und ihren Büchern findet man unter:

brigittepons-autorin.chapso.de

 

Zur Handlung:

 

Der Polizist Frank Liebknecht hat vor kurzem seine Stelle als Dorfpolizist in Vielbrunn angetreten. Die Umstellung vom Stadtleben an das Leben in der ländlichen Gegend im Odenwald fällt ihm nicht leicht.

Als Frank mit seiner Kollegin zu einem Leichenfund gerufen werden, steht schnell fest, dass die Kollegen aus Erbach ran müssen. Damit kann sich aber der frischgebackene Dorfpolizist nicht zufrieden geben.

Er macht sich daran selbst zu recherchieren und stößt auf Ungereimtheiten, die ihn tiefer in die Vergangenheit des Ermordeten bringen und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

 

Mein Eindruck:

 

Zu Beginn der Handlung hatte ich einige Schwierigkeiten in diese hineinzudenken und zu fühlen. Doch der Schreibstil der Autorin Brigitte Pons und jede gelesene Seite mehr, brachten mich immer näher in die Umgebung des Odenwaldes.

Die Erzählung ist trotz ihrer Schnelllebigkeit etwas Erfrischendes, das einen in seinen Bann zieht.

Auch wenn es zu Anfang nicht mein Fall war, so muss ich doch sagen, dass ich sagen kann, dass es sich gelohnt hat das Buch gelesen zu haben.

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Maurerblockade

Ich bin liiert mit einem Konzeptautor. Dieser hat mir, als ich mitten in der schönsten Schreibblockade steckte, ordentlich den Kopf gewaschen. “Stell dir mal vor, ein Maurer sagt zu seinem Chef ‘Tja, Chef, heute ist ganz schlecht … Ich kann die Kelle kaum heben. Maurerblockade’, und der Chef sagt dann ‘Ja, Jung, kann ich verstehen. Sag Bescheid, wenn Du wieder kannst’, und tätschelt ihm sanft die Schulter. Wie wahrscheinlich ist das denn?”

Schreiben ist ein Beruf wie jeder andere auch und niemand anders hat großartige Blockaden, wenn es darum geht, seinen Beruf auszuüben. Ein Koch mit Schneideblockade, ein Briefträger mit Einwurfblockade, wo kämen wir denn dahin?

Es gibt eine Möglichkeit, was man tun kann, um wieder in Schreibfluss zu kommen. Man fängt erstmal mit irgendeinem Wort an, zum Beispiel Maurerblockade. Das muss nicht toll sein, das muss nicht schön sein, das muss keinen Sinn ergeben. Einfach nur ein Wort.

Maurerblockade.

Dann schreibt man fünf weitere Wörter, irgendwelche.

Maurerblockade.

Abfluss.

Gardine.

Reinigen.

Kohldampf.

Hut.

Dann fängt man an, aus irgendeinem der Wörter einen Satz zu bilden.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist.

Jetzt haben wir schon einen ganzen Satz. Weitere fünf Sätze.

Abfluss reinigen ist wichtig, wenn das Klo verstopft ist. Gardinen reinigen ist nicht so häufig notwendig, das reicht einmal im Jahr. Ich trage keinen Hut, wenn ich die Gardinen abhänge. Es ist mir egal, wenn diese Sätze lächerlich sein sollten, sie dienen lediglich der Demonstration. Es ist besser, ich schreibe blödsinnige Sätze als gar keine. Und jetzt habe ich schon einen ganzen Absatz geschrieben.

Ihr merkt, jetzt bin ich schon von einem einzelnen Wort zu mehreren Sätzen gekommen. Aus diesem Absatz kann eine Seite werden oder mehr. Viele Autoren brauchen ein paar Sätze oder eine halbe Seite, um sich erstmal warmzuschreiben und streichen diese später ersatzlos.

Ich wünsche euch viel Erfolg dabei, euch aus eurer nächsten Schreibblockade herauszuschreiben.

Euer Ingo

Ingo S. Anders

Ingo S. Anders

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